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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Heilpflanzen-Anwendungen für die Atemwege


Erkältung allgemein

Entzündungen im Mund-Rachenraum

Husten

Nasennebenhöhlenentzündung


>>> zum Disclaimer bzgl. Heilpflanzen-Angaben <<<


Echter Thymian als Sinnbild für Heilpflanzenanwendungen für die Atemwege
Echter Thymian (©Wakhron - stock.adobe.com)

Zu den Atemwegen gehört der ganze Transportweg, der dem Gasaustausch zwischen der Aussenwelt und der Lunge dient. Sie beginnen mit den Oberen Atemwegen, bestehend aus den Nasenhöhlen und Nasennebenhöhlen, Mundhöhle und Rachen. Von dort gelangt die eingeatmete Luft weiter in die Unteren Atemwege, vom Kehlkopf, über die Luftröhre in die Lunge, wo der Gasaustausch mit dem Blut stattfindet. Die Atemwege sind vielen schädlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt und so sind Atemwegsinfekte häufige Erkrankungen. Gewisse Heilpflanzen können dabei unterstützend wirken.


©bilderzwerg – stock.adobe.com


Bei der Nasenatmung wird die in der Nase eingeatmete kalte Luft sowohl erwärmt, als auch angefeuchtet, resp. durch die Nasenhaare auch grob gefiltert. Der Schleim weiter innen fängt durch seine bindenden Eigenschaften feinen Staubpartikel und Krankheitserreger auf. Durch die Bewegung der feinen Flimmerhärchen am Rand der Nasenhöhle, wird dieser Schleim konstant zum Rachen hin bewegt, wo er (zusammen mit den enthaltenen Krankheitserregern und dem Staub) durch Abhusten oder Verschlucken abtransportiert wird. Bei der Mundatmung finden Reinigung und Befeuchtung, im Gegensatz zur Nasenatmung, nur in sehr geringem Umfang statt, wodurch damit die Atemwege schneller austrocknen.


Im Rachen befinden sich die Mandeln, welche das Eindringen von Krankheitserregern in die Unteren Atemwege weiter verringern, indem sie diese abfangen können. Sie bestehen aus der Gaumen- und Zungenmandel, sowie den zwei Rachenmandeln. Zusammen umschliessen sie ringförmig den Rachen.


Während sowohl der Transport der Atemluft, als auch die Aufnahme der Nahrung über den Rachen erfolgt, trennen sich dann am Kehlkopf die Wege. Beim Schlucken von Nahrung bleibt der Eingang zur Luftröhre jeweils durch den Kehldeckel verschlossen, so dass die Nahrung ausschliesslich in die Speiseröhre und nicht in die Luftröhre gelangt. Zum Kehlkopf gehören auch die Stimmbänder und Stimmlippen. In der anschliessenden Luftröhre finden eine weitere Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft statt. Ebenso sorgt auch hier Schleim für eine weitere Reinigung. Auch dieser wird zur Selbstreinigung mit Hilfe Flimmerhärchen zum Rachen transportiert.


©VectorMine – stock.adobe.com
©VectorMine – stock.adobe.com

Die Atemluft gelangt schliesslich in die Bronchien der zwei Lungenflügel. Die Bronchien verzweigen sich dann zu einem feinen Netzwerk von Röhrchen, an dessen Ende die 300 Mio. Lungenbläschen («Alveolen») sind, wo dann auch der Gasaustausch ins Blut stattfindet. Während Sauerstoff über die eingeatmete Luft ins Blut gelangt, wird CO2 als Abfallprodukt der Energiegewinnung (und weiteren Vorgängen) vom Blut raus in die Atemluft transportiert. Dieses CO2 und auch die nicht von den Lungenbläschen aufgenommene Luft, wird dann beim Ausatmen über die Atemwege wieder aus dem Körper befördert.



Erkältung allgemein


Eine Erkältung (auch «grippaler Infekt» genannt) wird durch verschiedene Viren ausgelöst, die zu Atemwegsinfekten führen. Symptome sind Schnupfen, Halsschmerzen, Müdigkeit und teilweise auch Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber, etc. Eine Erkältung heilt in aller Regel von alleine aus und dauert meist ca. 3 bis 8 Tage. An einer Erkältung erkranken Erwachsene im Durchschnitt 2 bis 4 mal pro Jahr. Dies meist in den kalten Monaten, wenn die Schleimhäute schneller austrocknen und die Zeit eher in Innenräumen verbracht wird (was die Virusübertragung zwischen Personen begünstigt).


Da Erkältungen durch Viren ausgelöst werden, bringt auch die Gabe von Antibiotika nichts. Durch das geschwächte Immunsystem im Rahmen einer Erkältung, können teils aber auch zusätzlich Bakterien die Atemwege befallen. Diese befallen dann z.B. die Mandeln, Nasennebenhöhlen oder Bronchien. Eine solche «Superinfektion» kann sich teilweise in gelbgrün-zähem Schleim, grünem Auswurf oder generell einer Verstärkung der Symptome äussern. Nur in einem solchen Fall kann teilweise (im Rahmen einer ärztlichen Behandlung) ein Antibiotika Sinn machen.


Die Grippe (Influenza), d.h. eine Infektion mit Grippenviren, wird in der Regel von der klassischen «Erkältung» unterschieden. Die Grippe setzt rasch ein und die typischen Erkältungssymptome sind dann meist stark ausgeprägt. Eine Grippe kann aber auch mit nur leichten Symptomen verlaufen oder gar nicht bemerkt werden. Risikopersonen (ältere Menschen, resp. Menschen mit chronischen Erkrankungen) sollte sich bei Verdacht auf Grippe ärztlich untersuchen lassen.


Bei einer Erkältung / Grippe ist es wichtig körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Allenfalls sind bei einer leichten Erkältung leichte körperliche Betätigungen (z.B. Spaziergang) durchaus möglich. Hier lohnt es sich auf den Körper zu hören. Bei Fieber ist aber auch jeden Fall auf jegliche körperliche Anstrengung zu verzichten. Damit die Schleimhäute nicht austrocknen, ist es ausserdem wichtig, genug zu trinken. Es gibt zahlreiche Heilpflanzen, die zur symptomatischen Behandlung bei Erkältungen eingesetzt werden können.


Pflanzen, die bei Erkältungen eingesetzt werden, sind u.a.:


Diese Arten tragen in unterschiedlicher Art und Weise ihren Beitrag dazu bei: Bei Arten wie dem Purpur-Sonnenhut kann sich tatsächlich die Genesungszeit leicht verkürzen, während andere Arten, wie z.B. Lindenblüten vermutlich eher die Symptome etwas verträglicher machen. Generell sorgt die Einnahme von Kräutertees auch für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, bzw. die Wärme daraus kann zu einem besseren Wohlbefinden führen.


Nebst der Erkältung allgemein, können auch einzelne Symptome davon behandelt werden, wie z.B. der Husten oder das unangenehme Kratzen im Hals. Diese Behandlungen werden auf dieser Seite in Abschnitten weiter unten behandelt.


Fieber: Bei Fieber im Rahmen von banalen Erkältungen können theoretisch fiebersenkende Heilpflanzen eingesetzt werden. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass Fieber eine wichtige Immunreaktion des Körpers ist, um die Erreger zu bekämpfen. Fiebersenkende Medikamente sind deshalb bei Erkältungen nicht zielführend, es sei denn, es handelt sich wirklich um hohes Fieber (über 40 Grad), welches aber sowieso unbedingt einer ärztlichen Abklärung bedarf.

  • Weidenrinde (Salix) < Warhinweise beachten !!!

  • Mädesüss (Filipendula ulmaria)


Vitamin-C-reiche Wildpflanzen?: Vitamin-C-reiche Wildpflanzen haben gewiss ihren Platz in einer ausgewogenen Ernährung verdient. Auch schadet der Konsum von Hagebutten, Sanddorn oder Brennnesseln während einer Erkältung sicher nicht. Doch kann eine hohe Vitamin-C-Zufuhr tatsächlich die Erkältung bekämpfen? Das Cochrane review aus dem Jahr 2013 hat die zahlreichen vorhandenen qualitativ ausreichenden Studien dazu ausgewertet und kam zum Schluss, dass eine Vitamin-C-Supplementierung, ab dem Auftreten der ersten Erkältungssymptome, keinen Effekt auf die Intensität der Symptome und die Erkältungsdauer hat (resp. die Studien zeigen kein einheitliches Bild). Spannend ist hingegen, dass die Studien zeigen, dass bei den Personen mit einer regelmässigen Vitamin-C Supplementierung die Erkältungsdauer gegenüber der Placebogruppe leicht reduziert ist. Auf die Häufigkeit einer Erkältung hat die Vitamin-C-Supplementierung gemäss dem review aber keinen Einfluss. Anders sieht eine Supplementierung von Vitamin-C bei kurzfristiger starker körperlicher Belastung aus, wo sich das Erkältungsrisiko deutlich verringert. Das dürfte damit Zusammenhängen, dass bei körperlichem Stress der Vitamin-C-verbrauch und damit auch der Bedarf höher ist.


Volksheilkundlich werden bei Erkältungen oft Schwitzkuren (u.a. durch die Einnahme von angeblich schweisstreibenden Holunder- oder Lindenblüten) empfohlen, mit dem Ziel «die Krankheit herauszuschwitzen». Das Problem dabei: Aus medizinischer Sicht kann eine Erkältung nicht «herausgeschwitzt» werden, d.h. krankmachende Viren oder Bakterien können nicht über den Schweiss ausgeschieden werden. Während eine «Schwitzkur» in der ein Sauna zwar das vorbeugend das Immunsystem stärkt (nicht durch das Schwitzen an sich, sondern durch die Hitze), sieht das während einer Erkältung nämlich anders aus. Der Mythos des «Krankheit Herausschwitzens» dürften nebst den früheren Vorstellungen in der Humoralpathologie mit «Ausleiten» auch Fehlinterpretationen am Ende fiebriger Erkältungen zu Grunde liegen. Bei Fieber wird die Körpertemperatur nämlich aufgrund einer Immunreaktion erhöht (u.a. durch Zittern). Sobald die Abwehr erfolgreich abgeschlossen ist, wird die Körpertemperatur wieder auf ein normales Niveau heruntergefahren, was durch intensives Schwitzen bewerkstelligt wird (Schwitzen dient dem Kühlen der Körpertemperatur!). Danach fühlt man sich zwar besser, dies aber nicht (wie man es intuitiv interpretiert) wegen dem Schwitzen an sich, sondern der erfolgreichen Immunreaktion zuvor während dem Fieber.


Behandlung mit "Natürlichen Antibiotika": Häufig wird in der Szene die im Labor nachgewiesene antibakterielle Wirkung von Sekundären Pflanzenstoffen als Argument angeführt, warum z.B. Bärlauch oder andere Pflanzen eine Erkältung zum Verschwinden bringen könnten, bzw. helfen würden die Krankheitserreger zu bekämpfen. Die vermeintliche Logik dabei ist: "was im Labor in-vitro klappt funktioniert automatisch auch im komplexen lebenden menschlichen Organismus in-vivo". Leider ist das in der Realität eben deutlich komplexer und das ganze Thema zu den pflanzlichen Antibiotika erläutere ich im Abschnitt "Natürliche Antibiotika".


und Honig?: Ein weiteres bekanntes Hausmittel bei Erkältungen ist Honig. Vom Honig weiss man, dass dieser antimikrobiell wirkende Inhaltsstoffe enthält. Das bedeutet aber nicht, dass damit automatisch eine relevanter Effekt bei der Behandlung für eine Erkältung daraus abgeleitet werden kann. Eine Meta-Studie der Oxford Universität aus dem Jahr 2020 hat dazu 14 Studien auswertet. Sie kamen dabei zum Schluss, dass Honig bei der Häufigkeit und Schwere einer Erkältung wirksam sein soll (sogar «deutlich wirksamer als Antibiotika» > Anmerkung: Antibiotika wirken bei den meisten Erkältungen sowieso nichts, da durch Viren ausgelöst). Die Studie ist in Fachkreisen jedoch sehr umstritten, da dort zahlreiche qualitativ mangelhafte Studien eingeflossen sein sollen. Wird nur das Symptom des Hustens betrachtet, dann gibt es schwache Hinweise, dass der Honig dabei die Dauer des Hustens möglicherweise leicht verkürzt.


Vorbeugung einer Erkältung: Wie man Erkältungen am besten gar nicht entstehen lässt, ist wohl die Frage aller Fragen. Gibt man die Frage bei Google ein, dann kommen alle möglichen Tipps und Tricks, die sowohl seriös und fundiert sein können, es sich aber auch um totaler Unsinn handeln kann. Sie alle zu überprüfen und einzuordnen, würde den Rahmen hier sprengen. Mal hin und wieder mal eine Erkältung ist ausserdem auch nichts Aussergewöhnliches und nicht wovon man sich Sorgen machen müsste. Da die Viren durch Tröpfcheninfektion übertragen werden ist zur Vorbeugung v.a. Hygiene (regelmässiges Händewaschen und die Vermeidung ins Gesicht zu fassen) und das Abstandhalten vor anderen Menschen sehr effektiv. Wie so oft ist auch ein gesunder Lebensstiel durch gesunde Ernährung, genügend Schlaf, sportliche Aktivität und Reduktion von Stress ein guter Ratschlag. Vitamin-C-Supplementierung (oder die Ernährung mit Vitamin-C-reichen Wildpflanzen) kann, wenn überhaupt, dann nur die Dauer einer Erkältung leicht reduzieren. Wie erwähnt, kann bei starker körperlicher Belastung eine Vitamin C Supplementation das Erkältungsrisiko jedoch deutlich reduzieren. Nebst der Tatsache, dass die Ernährung mit essbaren Wildpflanzen einen Beitrag zu einem generell gesunden Lebensstil beiträgt, gibt es auch Wirkstoffe, welche die Alarmbereitschaft des unspezifischen Immunsystems erhöhen könnten:


Und was ist mit den zahlreichen pflanzlichen "Immunboostern": Essbare Wildpflanzen sind auf jeden Fall wertvoll für die Gesundheit. Beim Sammeln bewegt man sich körperlich und dies draussen an der frischen Luft in der Natur, was auf jeden Fall gesund und wohltuend ist. Die Tätigkeit mit Sammeln und Zubereiten macht ausserdem Freude und ein positiver Geist ist für die körperliche Gesundheit sicher nicht abträglich. Die Arten haben auch Sekundäre Pflanzenstoffe, die mit positiven Effekten auf die Gesundheit in Verbindung gebracht werden. Oft wird aber mit dem hohen Vitamin-Gehalt in den Wildpflanzen (insbesondere dem Vitamin C) argumentiert. Tatsächlich werden Vitamine und Mineralstoffe für die optimale Funktionalität des Immunsystems benötigt und ein Mangel, bzw. eine Unterversorgung davon, kann mit einer erhöhten Infekt-Anfälligkeit einhergehen. Eine Vitamineinnahme über den körperlichen Bedarf hinaus «boostert» jedoch kein Immunsystem: Wenn die Speicher gesättigt sind, wird (zumindest bei den wasserlöslichen Vitaminen, wie dem Vitamin C), der Überschuss einfach mit dem Urin ausgeschieden. Vitamine sind keine magische Zaubertrank-Stoffe, sondern einfach nur lebensnotwendige Mikronährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und deshalb über die Nahrung zugeführt werden müssen. Sie stellen die normale Funktion sicher, «boostern» aber nicht über dieses Niveau hinaus. Wenn tatsächlich zu geringe Vitaminspiegel vorliegen, kann aber eine Supplementierung oder eine «Kur» tatsächlich Sinn machen, jedoch nicht als «Boost», sondern um die optimale Funktionalität wieder herzustellen. Man geht davon aus, dass die Menschen früher in vielen Regionen Europas gegen Ende Winter Symptome von Vitamin-Unterversorgung bis -Mangel zeigten, da kein frisches Gemüse verfügbar war und gerade deshalb im Frühling die Frühjahrskräuter eine wichtige Bedeutung hatten. Heutzutage findet man Vitamin-reiche Lebensmittel das ganze Jahr über und gesunde Menschen, die sich einigermassen abwechslungsreich ernähren, müssen sich in der Regel keine Sorgen machen (natürlich gibt es da auch Ausnahmen, wie z.B. Vitamin D im Winter, oder auch die speziellen Voraussetzungen bei Schwangeren, Veganern, usw.).



Entzündungen im Mund-Rachenraum


Infektionen im Mund-Rachenraum können Mundschleimhaut, Zahnfleisch, Rachen oder auch die Mandeln betreffen. Rachen- und Mandelentzündungen sind meist mit einer Erkältung verbunden. Eine Rachenentzündung wird meist durch Viren ausgelöst und äussert sich im Hals durch Kratzen, Brennen, dem Gefühl von Trockenheit und Räusperzwang. Bei einer Mandelentzündung, d.h. einer Infektion der Gaumenmandeln (die meist auch von einer Rachenentzündung begleitet wird) sind entweder Viren oder (im Rahmen einer Superinfektion) auch Bakterien beteiligt und ist mit einem Brennen und Schmerzen im Bereich der Mandeln, bzw mit Schluckbeschwerden verbunden.


Das Gurgeln eines Teeauszuges mit Pflanzenteilen, die antimikrobielle, resp. entzündungshemmende Eigenschaften aufweisen, kann dabei unterstützend wirken. Zu erwähnen ist, dass eine antimikrobielle Wirkung durch Gurgeln der entsprechenden Pflanzenart zwar plausibel erscheint, jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu vorliegen. Teils wird sogar in Frage gestellt, ob beim Gurgeln überhaupt die tiefer liegenden Schleimhautschichten erreicht werden.


  • Gerbstoffpflanzen: Dabei nutzt man die antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung der Gerbstoffe

  • Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

  • Echter Salbei (Salvia officinalis)

  • Echter Thymian (Thymus vulgaris)

  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata)

  • Vogelknöterich (Polygonum aviculare)

  • Fenchel (Foeniculum vulgare)


Daneben können auch die typischen Schleimstoffdrogen (siehe nächster Abschnitt «Husten») wie z.B. Linde, Wilde Malve, Eibisch, Königskerze, Isländisch Moos, usw. bei Mund- und Halsentzündungen zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Dies, indem die Schleimstoffe zu einer Beruhigung der Schleimhäute führen. Die entsprechenden Pflanzenarten werden im Abschnitt «Reizhusten» im nächsten Abschnitt genauer vorgestellt.


Husten


Bei Husten kann es sich sowohl um einen trockenen Husten ohne Auswurf (Reizhusten), als auch einen Husten mit schleimigem Auswurf (Bronchitis) handeln.


Reizhusten: Beim Reizhusten ist dieser trocken, d.h. ohne Auswurf und kann als sehr quälend empfunden werden. Reizhusten kann Vorbote einer Bronchitis (siehe weiter unten) sein, kann aber auch andere Ursachen haben. Um bei einem ärgerlichen Reizhusten Linderung zu schaffen, eignen sich schleimstoffhaltige Pflanzenzubereitungen. Die Schleimstoffe bilden auf den gereizten Schleimhäuten einen Schutzfilm und beruhigen so möglicherweise gereizte Nervenzellen, die für den Hustenreiz verantwortlich sind.


Typische Schleimstoffdrogen hierzu sind:


Akute Bronchitis: Hierzu handelt es sich um eine Infektion der Bronchien durch Viren (z.T. auch durch Bakterien mit entsprechend stärkerer Symptomatik). Typisch ist Husten mit einem schleimigen Auswurf. Damit die Schleimhäute im Körper nicht austrocknen, ist es wichtig, genug zu trinken. Bei einer akuten Bronchitis sind Anwendungen mit expektorierend wirkenden Heilpflanzen die erste Wahl. "Schleimlösend" bedeutet, dass bei produktivem Husten der Bronchialschleim wässeriger und damit flüssiger wird. Weiter wird so auch die Tätigkeit der Flimmerhärchen (welche dem Wegtransport des Schleims dienen) angeregt. Damit kann der Schleim einfacher abgehustet werden, was zumindest das subjektive Empfinden verbessert (das Gefühl von festsitzendem Schleim bei Husten ist sehr unangenehm), möglicherweise aber auch die Heilung unterstützen könnte.


Eine schleimlösende Wirkung haben einerseits die Heilpflanzen, die als Wirkstoffe bestimmte Saponine enthalten  (Achtung: nicht alle, sondern nur bestimmte Saponine haben eine schleimlösende Wirkung!), anderseits auch jene mit entsprechenden Ätherischen Ölen (z.B. 1.8-Cineol, Alpha-Pinen oder Limonen,...). Bei den Saponinen vermutet man als Wirkmechanismus, dass bei der Einnahme über einen Reiz auf der Magenschleimhaut, ein Nervenreflex die Bronchien («gastropulmonarer Reflex») anregt mehr Schleim zu produzieren. Die Wirkmechanismen wurden dabei v.a. in Labor- und Tierversuche untersucht und klinische Studien an Menschen, die eine entsprechende Wirkung mit rascherer Heilung belegen, sind nur für wenige Zubereitungen (z.B. Efeu-Extrakte oder Extrakte mit der Kombination Thymian+Schlüsselblume) vorhanden. Ob sich durch die Einnahme eines Tees aus den entsprechenden Pflanzen tatsächlich eine relevante Wirkung entfaltet, ist daher in den meisten Fällen unklar.


Schleimlösende Heilpflanzen mit Saponinen als Wirkstoffe sind u.a.:

  • Schlüsselblume (Primula)

  • Grossblütige Königskerze (Verbascum densiflorum)

  • Efeu (Hedera helix) < nur Präparate aus dem Handel verwenden!

  • Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis) <Warnungen beachten !!!


Schleimlösende Heilpflanzen, wo es sich bei den Wirkstoffen um Ätherische Öle handelt sind u.a.


Ätherische Öle gelangen über den Magen-/Darmtrakt in den Blutkreislauf. Da sie v.a. über die Lungen ausgeschieden werden gelangen sie auch in den Bronchien. Ob dabei allerdings genügend hohe Konzentrationen für eine relevante Wirkung erreicht werden, ist unklar. Ätherische Öle gelangen aber auch über die Haut in den Blutkreislauf, wodurch die in der Volksheilkunde praktizierten Einreibungen z.B. mit Pechsalbe auf der Brust, evtl. tatsächlich Sinn machen könnten. Verbreitet ist auch die äussere Anwendung mittels Dampfinhalation, was den Vorteil hat, dass die Ätherischen Öle direkt ins Zielgewebe gelangen und man auch von der beruhigenden Wirkung des Wasserdampfes profitieren kann. Bestimmte Ätherische Öle, wie sie z.B. im Thymian vorhanden sind, wirken auch krampflösend und können so durch die Entspannung der Bronchialmuskulatur zusätzlich unangenehme Symptome im Zusammenhang mit Husten lindern.


Weitere Pflanzenarten: Bei produktivem Husten mit schleimlösenden Wirkung verwendet werden können auch die Blätter vom Blauen Eukalyptus (Eucalyptus globulus) !! nicht bei Kleinkindern anwenden !! Die Einnahme erfolgt innerlich in Form von Tee, Kapseln oder in Form von Badezusätzen oder als Dampfinhalation. Beliebt sind auch die getrockneten Wurzeln der Kapland-Pelargonie / Umckaloabo (Pelargonium sidoides), die im südlichen Afrika beheimatet ist und seit Jahrhunderten von den dortigen Völkern genutzt wird. Bei uns werden Flüssigextrakte verwendet. Dessen Wirkung ist gut durch Studien abgesichert. Nicht zuletzt zu erwähnen, sind Arten der Gattung Sonnentau (Drosera). Diese sind fleischfressende Pflanzen, wovon einige auch in Mitteleuropa vorkommen (Achtung: Steht unter Naturschutz!). Verwendet werden Tee oder Flüssigextrakte aus dem Kraut, wobei neuere in-vivo-Untersuchungen fehlen.



Nasennebenhöhlenentzündung


Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Kammern, die sich sowohl seitlich der Nase, als auch in der Stirnregion (dort «Stirnhöhlen» genannt) befinden. Über ihre genaue Funktion wird immer noch diskutiert. Eine Nasennebenhöhlenentzündung entsteht, wenn sich eine Infektion mittels Schnupfens von der Nase über die Verbindungsgänge in die Nasennebenhöhlen ausbreitet. Dies ist oft die Folge eines vorangehenden, lang andauernden und intensiven Schnupfens. Nebst Viren, sind oft auch Bakterien daran beteiligt. Als Symptome treten neben dem Ausscheiden von dickflüssigem Sekret auch Kopfschmerzen teils auch Entzündungen in Zähnen und Kieferhöhle auf.


Ein bewährtes pflanzliches Arzneimittel ist Sinupret. Es besteht aus Dragées mit einer Mischung von getrocknetem Pulver aus Schlüsselblume-Blüten, Wurzeln des Gelben Enzians, Blüten des Schwarzer Holunders, Kraut aus dem Krausen-Ampfer und dem Echten Eisenkraut. Die doppelte Menge an dem Pulver findet man im «Sinupret forte». Mittlerweile ist auch «Sinupret extract» auf dem Markt, das auch Trockenextrakten der entsprechenden Pflanzenteile besteht und so die Wirkstoffe in 4-fach konzentrierter Form enthalten. Sinupret extract hat bei Nasennebenhöhlenentzündungen eine nachgewiesene schleimlösende Wirkung, resp. es reduziert die Schwellung der Nasenschleimhaut und reduziert den Gesichtsschmerz. Die schleimlösende Wirkung wird gemäss Hersteller auf bestimmte Flavonoide zurückgeführt.


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