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Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Kamille (Matricaria)
"Die Echte Kamille ist es typisches Ackerunkraut. Sie hat nicht nur ein intensiver und angenehmen Duft, sondern ist auch heiltechnisch vielfältig einsetzbar."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; sitzend; 3 bis 5 cm lang; 2-3-fach fiederlinealisch (drahtige, verzweigte Zipfel); Zipfel ca. 1mm breit und am Ende stachelspitzig (Lupe!); kahl
Stängel: 15 bis 40 cm hoch; verzweigt; kahl
Blüten: Einzelblüten in endständigen Blütenkörben (Durchmesser ca. 2 cm) angeordnet; in der Mitte gelbe Röhrenblüten, aussen weisse Zungenblüten (zeigen zur Blütezeit nach unten); Körbchenboden wölbt sich während der Blütezeit zunehmend domförmig auf (und wird dabei Innen hohl); keine Spreublätter; blüht Mai bis September
Früchte: 1 bis 1.5mm lange Achäne; mit weissen Längsrippen; meist ohne Pappus, bzw. selten mit kurzem Pappus (eher «Schüppchen»); Längsrippen mit weissen Schleimdrüsen
Zeigerwerte: hell, mässig feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffreich, neutral bis basisch
typische Standorte: Rudelflächen, Äcker, Wegränder
Fotos



© pisotckii – stock.adobe.com



Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. Bisabololoxide, a-Bisabolol,…), Sesquiterpenlactone (Matricin, Matricarin,…), Flavonoide (Apigenin, Luteolon, Quercetin, Rutin,...), Schleimstoffe
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter / Blüten (würzig, intensiv aromatisch duftend > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz, Kräuterbutter Kräuterquark, Tee, Sirup, Likör, Kräuteressig, Kräuteröl, "Honig", Gelée
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Die Echte Kamille ist der arzneilichen Verwendung ist wahrer Tausendsassa mit einem breiten Anwendungsgebiet. Der Stoffkomplex aus Ätherischen Ölen, Flavonoiden und Sesquiterpenlactonen hat dabei antimikrobielle, entzündungshemmende und krampflösende Wirkungen. Ausserdem wirken die Schleimstoffe auf der Haut und den Schleimhäuten, bzw. auf der Magenschleimhaut beruhigend. Für einen Tee werden 1.5 bis 4g (1.5 bis 4 TL) der getrockneten und zerkleinerten Blüten in 150ml kochend-heissem Wasser ausgezogen (Hinweis: bei Kindern unter 6 Jahren ist die Dosis geringer > siehe HMPC-Monographie). In der HMPC-Monographie werden auch diverse Flüssig- und Trockenextrakte genannt. Für äussere Anwendungen können auch Salben und Cremes verwendet werden (nicht in der HMPC-Monographie erwähnt). Für selbst hergestellte Salben werden pro 100ml Basisöl ca. 16 g frische (oder 8g getrocknete) Kamillenblüten verwendet. Ein Kaltauszug ist hier schonender. Mittels einer Creme aus dem Pflegeöl und Kamille-Teeauszug, bedarfsweise mit eingerührter Kamille-Tinktur (mit niedrigem Alkoholgehalt) können sowohl die fettlöslichen-, als auch die wasserlöslichen Komponenten genutzt werden.
Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen: Die Anwendung zur symptomatischen Behandlung von kleinen Verdauungsbeschwerden, wie z.B. Völlegefühl oder Krämpfe wird von HMPC als «traditional use» anerkannt. Die Anwendung erfolgt in Form von Tee 3 bis 4x am Tag.
Erkältung allgemein: Auch diese Anwendung (Linderung von Symptomen einer Erkältung) wird von HMPC als “traditional use” anerkannt. Die Anwendung erfolgt in Form einer Dampfinhalation (Dosis: 3 bis 10g, bzw. 3 bis 6 TL in 100 ml heissem Wasser) 1 bis 2x täglich.
Entzündungen im Mund- / Rachenraum: Die Anwendung zur Behandlung von leichten Geschwüren und Entzündungen im Mund oder Hals wird von HMPC als “traditional use” anerkannt. Die Anwendung erfolgt durch das Gurgeln des Teeauszuges (Dosis: 1 bis 5 g, dh.1 bis 5 TL in 100ml Wasser) mehrmals am Tag
Insektenstich, Brennnesselstich, Sonnenbrand, Verbrennung (Erstversorgung / Kühlung und Unterstützung der Regeneration / Wunddesinfektion / Unterstützung der Wundheilung / Hautentzündungen): Die Anwendung von kleinen Hautentzündungen, Sonnenbrand, oberflächlichen Wunden und kleinen Furunkeln wird von HMPC als “traditional use” anerkannt. Dazu verwendet werden Umschläge aus wässrigen Auszügen (3 bis 10g bzw. 3 bis 10 TL in 100ml Wasser), mit Anwendung mehrmals pro Tag.
Schleimhautentzündungen im Anal- und Genitalbereich: Die Anwendung zur unterstützenden Behandlung von Hautirritationen und Schutz der Schleimhäute in der anal- und Genitalregion, wenn ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen wurden, wird von HMPC als “traditional use” anerkannt. Hierzu wird der wässrige Auszug (Dosis: 4.5 bis 5g, bzw. 4.5 bis 5 TL der getrockneten und zerkleinerten Blüten auf 100 ml Wasser) mehrmals pro Tag auf die betreffende Stelle aufgetragen.
Augenentzündungen: Von der weit verbreiteten hausapotheklichen Anwendung bei Entzündungen im Augenbereich (Auswaschung mittels Teeaufguss) wird mittlerweile abgeraten, zumindest wenn man auf Teemischungen aus dem Handel zurückgreift. Es treten dabei nämlich selten Kontaktallergien auf. Vermutet wird, dass diese nicht durch die Kamille selbst, sondern durch Verunreinigungen der Teemischungen, bzw. der Präparate ausgelöst werden. Importierter Tee oder auch Präparate enthalten teilweise Pflanzenteile der Stinkenden Hundskamille (Anthemis cotula), in denen das Allergen «Anthecotulid» vorkommt. Im Falle einer Verunreinigung können dabei starke Schwellungen auftreten und so das Leiden verschlimmern. Nebst allergischen Reaktionen sind bei selbst hergestellten Zubereitungen auch feine Schwebpartikel, zu einer Reizung der Augen führen, eine Thema.
Beschreibung
Die Echte Kamille ist eine Vertreterin unter den heimischen Wildkräutern, die auch in der breiten Bevölkerung bekannt ist. Sie ist in Form von Teebeuteln in vielen Haushalten zu finden. Sie kommt bei uns in der Natur aber auch wild vor. Dort wo sie auftritt, verströmt sie einen intensiven, aromatischen Duft, der oft schon aus mehreren Metern Distanz wahrgenommen werden kann.
Ursprünglich stammt die Pflanze aus Südosteuropa, ist mittlerweile aber auch in Mitteleuropa heimisch und etabliert. Es handelt sich um eine einjährige Pionierpflanze, die sich vor allem auf Ruderalflächen und auf Äckern breit macht und dabei Wärme- und Sonnen-bedürftig ist. Die Keimung erfolgt früh im Jahr und dabei wird keine Rosette, sondern es werden direkt die Stängel gebildet, die verhältnismässig rasch in die Höhe wachsen. Ab ca. Mai beginnt dann die Blütezeit, die bis weit in den Herbst hinein andauert (indem immer wieder neue Blüten gebildet werden). Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Wildbienen, Fliegen und Käfer, aber auch Selbstbestäubung ist teilweise möglich. Die Früchte fallen bei Reife mit der Schwerkraft zu Boden und werden von dort aus oft durch Anhaftung an Reifen der oder Schuhen sekundär weiterverbreitet, bzw. sind nicht selten bis über 10 Jahre keimfähig. Als einjährige Art, sterben die Individuuen der Echten Kamille nach der Blüte-/Fruchtzeit ab.
Als beliebte Tee- und Heilpflanze wird die Echte Kamille auch landwirtschaftlich in grossem Stil angebaut. Zuchtsorten weisen erhöhte Gehalte an Ätherischen Ölen auf. Die Echten Kamille hat auch nur eine leicht bittere Note und das macht sie zur idealen Würz- und Teepflanze. Die breite arzneiliche Verwendung ist bereits seit der Antike dokumentiert und zieht sich auch über das gesamte Mittelalter. In Mitteleuropa treten zahlreiche weitere Pflanzen auf, die zwar wie die Echte Kamille aussehen, jedoch zu anderen Gattungen gehören. Erwähnenswert sind dabei die Gattung der Hundskamillen (Anthemis) und der Strandkamillen (Tripleurospermum). Die Echte Kamille kann von diesen Arten nicht nur durch den starken Kamillen-Duft, sondern auch daran unterschieden werden, dass ihr aufgewölbter Körbchen-Boden hohl ist (bei all ihren Doppelgängern ist dieser mit Mark gefüllt), bzw. die Blütenkörbe meist grösser sind.
mögliche Verwechslungen
Strahlenlose Kamille (Marticaria discoidea) - ungiftig/essbar, ähnliche kulinarische (nicht jedoch medizinische) Verwendung
Die Strahlenlose Kamille ist ein Neophyt, der ursprünglich aus dem östlichen Sibirien und dem westlichen Nordamerika stammt. Sie ist ebenfalls eine Pionierpflanze auf Ruderalflächen und auf Äckern, ist dabei aber zusätzlich auch ausgesprochen trittfest und salztolerant, so dass man sie häufig an Trittstellen und auch auf Kiessträsschen, bzw. zwischen Pflastersteinen vorfindet. Sie hat ebenso den typischen Kamillenduft, doch ihre Ätherischen Öle sind etwas anderes zusammengesetzt. Aus diesem Grund hat sie nicht die gleichen Heilwirkungen wie die Echten Kamille, bzw. diese dürften deutlich schwächer ausgeprägt sein. Achtung: unreife Blütenstände der Echten Kamille (die dann gelbgrün sind) sehen ähnlich aus wie die reifen Blütenstände der Strahlenlosen Kamille!
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter wechselständig, sitzend und fiederlinealisch
ebenfalls Kamille-Geruch, wenn auch etwas schwächer
Unterschiede (u.a.)
Fieder-Abschnitte etwas breiter (ca. 1.5mm); Zipfel spitz, aber nicht stachelspitzig
Blütenkörbe kleiner (Durchmesser ca. 0.5 bis 1cm); Röhrenblüten gelbgrün und mit nur 4 Zipfel; keine Zungenblüten

Geruchslose Strandkamille (Tripleurospermum inodorum) - über Giftigkeit/Verwendung keine Angaben
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter sitzend und 2-3-fach fiederlinealisch; Zipfel stachelig; ganze Pflanze kahl
ähnliche Standorte
Unterschiede (u.a.)
Blätter unten gefurcht; Zipfel sehr lang
Blütenkorb-Durchmesser bis 5 cm gross (wie Margeriten); aufgewölbter Körbchenboden mit Mark gefüllt
geruchslos bis leicht duftend; gehört zur Gattung der Standkamillen (Tripleurospermum)

Stinkende Hundskamille (Anthemis cotula) - Achtung Allergie!, in der Schweiz sehr selten
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter sitzend und 2-3-fach fiederlinealisch; Zipfel stachelig
domförmiger Blütenboden
auf Äcker/Rudelflächen auftretend (jedoch eher auf trockenen Standorten)
Unterschiede (u.a.)
Blütenkorb mit Spreublättern zwischen den innersten Röhrenblüten, aufgewölbter Körbchenboden mit Mark gefüllt
Geruch unangenehm
gehört zur Gattung der Hundskamillen (Anthemis)
Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) - über Giftigkeit/Verwendung keine Angaben, in der Schweiz selten
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter sitzend und 2-3-fach fiederlinealisch; Zipfel stachelig
domförmiger Blütenboden
auf Äcker/Rudelflächen auftretend (jedoch auf eher nährstoffarmen Standorten)
Unterschiede (u.a.)
Stängel wollig behaart (kann aber auch kahl sein)
Blütenkorb mit Spreublättern zwischen allen Röhrenblüten, aufgewölbter Körbchenboden mit Mark gefüllt
nur schwacher aromatischer Geruch
gehört zur Gattung der Hundskamillen (Anthemis)
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