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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Schleimstoffe


Bei den Schleimstoffen handelt es sich, wie es der Name schon sagt, um Stoffe, die zusammen mit Wasser einen Schleim bilden können. Dabei fühlen sie sich beim Kauen nicht nur schleimig an, sondern sind auch wohltuend bei gereizten Schleimhäuten.

 

Blühende WIlde Malve. Lebendige Farben, sommerliche Stimmung im Freien.
Wilde Malve


Chemisch bestehen die Schleimstoffe aus langen und stark verzweigten Ketten aus verschiedenen Zuckerarten (z.B. Arabinose, Galactose, Rhamnose, Xylosen, usw.).



Sie haben die Fähigkeit Wasser aufzunehmen und so, abhängig vom konkreten Stoff, einen viskosen Schleimfilm bis ein stabiles Gel zu bilden und durch diese Wassereinlagerung auch zu quellen. Man findet Schleimstoffe v.a. bei Malvengewächsen (Malven, Linden) oder auch im Spitzwegerich oder Huflattich, Lungenkraut, Beinwell, Isländisch Moos, usw. Die biologische Funktion reicht von Schutz vor Wasserverlust (durch die Bindung des Wassers), Schutz von verletztem Gewebe (Schleim bildet eine Barriere gegen Wasserverlust oder Keime) bis zu „Klebstoff“ zur Anhaftung (und somit Verbreitungshilfe) von Samen / Früchten. Letzteres ist insbesondere gut bei den «Samen» von Malven zu beobachten, deren Oberfläche bei Regen pappig und klebrig wird.


Ein Salat aus jungen Blätter der Linde in einer Schüssel, mit ein paar lila Blüten dekoriert. Natürlicher Hintergrund vermittelt Frische.
Salat aus frisch ausgetrieben Lindenblätter

Schleimstoffe fühlen sich im Mund schleimig an (beisse mal in ein Lindenblatt rein :-)). Sie sind für uns nicht direkt verdaulich, da die dafür benötigten Enzyme fehlen. Aus diesem Grund werden Schleimstoffe auch zu den Ballaststoffen gezählt. Abhängig vom konkreten Stoff werden sie jedoch in geringem bis hohem Masse im Darm von unserem Mikrobiom abgebaut. In Linde, Malve oder Isländisch Moos sind die Schleimstoffe gut vom Mikrobiom abbaubar, bei Wegerichsamen / Flohsamenschalen ist diese Abbaubarkeit jedoch sehr begrenzt. Die durch den Abbau des Mikrobioms entstehenden Abbauprodukte (Fettsäuren) können von uns dann auch direkt verdaut werden, wobei ein Lindenblatt oder eine Malvenblüte hierdurch nur sehr wenig Kalorien liefert (also kein Kalorien-Survialfood).


Schleimstoffreiche Pflanzen werden häufig in der Phytotherapie (als „Schleimstoffdrogen“) eingesetzt, indem sie als Tee eingenommen werden. Schleimstoffe, die einen viskosen Schleimfilm bilden (wie Lindenblüten, Wilde Malve, Eibisch, Spitzwegerich-Blätter, Isländisch Moos, usw.), können auf gereizten Schleimhäuten im Mund-/Rachenraum eine schützende Schicht bilden und so diese Reizung etwas beruhigen. Dabei wird auch Reiz von trockenem Husten im Rahmen banaler Erkältungen reduziert. Denn dieser hat oft mit gereizten Schleimhäuten im Rachen und im Kehlkopf zu tun, was wiederum die dortigen Nervenrezeptoren aktiviert und so den Hustenreflex auslöst. Werden diese durch das Trinken von entsprechendem Tee beruhigt, dann schwächst sich in der Folge auch der Hustenreiz ab.


Zweig mit gelben Lindenblüten und grünen Blättern, dicht aneinandergereiht, vor dunklem, verschwommenem Hintergrund. Natürliche Sommerstimmung.
Tee aus Lindenblüten ist insbesondere beim trockenen Reizhusten angesagt

Ebenso schützend und damit beruhigend wirken Schleimstoffe auf gereizten Schleimhäuten an der Magenwand. Auch am kühlenden Effekt des Spitzwegerich-Saftes im Rahmen von Sonnenbrand oder Insektenstichen sind vermutlich die dort enthaltenen Schleimstoffe beteiligt (durch ihre beruhigende Wirkung). Die stark quellenden und Gel-bildenden Schleimstoffe, die man in Flohsamenschalen vorfindet, kann man sich wiederum bei chronischer Verstopfung zu Nutze machen, indem diese nach der Einnahme im Darm quellen und dann auf die Darmwand drücken, was wiederum die Darmpassage beschleunigt.


Wasser wird aus einem Topf in eine weiße Tasse mit Isländisch Moos  auf einem Holzbrett gegossen. Dampf steigt auf. Beruhigendes Ambiente.
Tee aus Isländisch Moos

Man hört oder liest oft, dass im Tee durch das heisse Wasser die Schleimstoffe zerstört werden würden. Tatsächlich kann Hitzewirkung die Molekülketten etwas kürzer machen und so die Struktur vom Schleim etwas ändern, bzw. die Viskosität dadurch etwas verringern. Allerdings ist dieser Effekt bei einem Teeaufguss gering. Wo für den gewünschten Heileffekt nur die Schleimstoffe relevant sind, da sind für eine optimale Schleimwirkung auch mehrstündige Kaltauszüge möglich. Wie erwähnt sind durch den eher geringen Hitzeeffekt aber auch Heisswasseraufgüsse fast so gut. Wo (mutmasslich) noch weitere Inhaltstoffe an der gewünschten Heilwirkung beteiligt sind (bei Lindenblüten sind das z.B. auch die enthaltenen Flavonoide und Ätherischen Öle) sind Tee-Aufgüsse mit Heisswasser auf aber jeden Fall zielführender.

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