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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Sommer- & Winter-Linde (Tilia platyphyllos & cordata)
Illustration der Winter-Linde (Tilia cordata) und der Sommer-Linde (Tilia platyphyllos). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Malvengewächse (Malvaceae), Gattung: Linden (Tilia)

"nicht nur die Blüten, sondern auch die Blätter können kulinarisch verwendet werden"

 

Bestimmung

Blätter: wechselständig; herzförmig, am Ende bespitzt und asymmetrisch; gesägt bis gekerbt; US an den Nerven-Verzweigungen mit Haarbüschel

  • Sommer-Linde: Länge 10 bis 15cm; weich; meist auch auf der Oberseite an den Nerven und auf der Unterseite zwischen den Nerven behaart; Haare weiss

  • Winter-Linde: Länge 3 bis 8cm; steif; Unterseite blaugrün; Haare braun (teils auch kahl)


Äste / Stamm: braungrau; längsrissig

  • junge Äste: in der Sonne gelbraunrot, im Schatten gelbraun bis grünlich; mit kleinen hellen Lentizellen; Sommerlinde deutlich behaart und Winterlinde kahl


Winterknospen: eiförmig; mit 2 bis 3 Knospenschuppen; in der Sonne rötlichbraun, im Schatten gelbgrünlich; Blattnarbe rund-dreieckig und 3 bis 5-spurig

  • Sommer-Linde: 6 bis 8 mm lang; unterste Knospenschuppe reicht meist maximal bis Mitte

  • Winter-Linde: 4 bis 6 mm lang; unterste Knospenschuppe recht meist über die Mitte


Blüten: 5 gelblich-weisse bis hellgrünlich-gelbe Kron- und Kelchblätter; ca. 30 Staubblätter; langer heller Griffel; Honigduft; Einzelblüten in hängenden Trugdolden angeordnet, an dessen Basis sich ein gelbgrünes, lanzettliche-stumpfes Tragblatt befindet

  • Sommer-Linde: Kelch und Krone eher gelbgrün; ca. 2-5 Blüten pro Blütenstand; blüht Mai/Juni

  • Winter-Linde: Kelch und Krone eher weiss; ca. 4-12 Blüten pro Blütenstand; blüht Juni/Juli


Früchte: braune, kugelige, kantige Nussfrucht; meist einem (teils auch zwei) Samen; ab ca. Ende Sommer reif

  • Sommer-Linde: Durchmesser ca. 1cm; 4 bis 5 Längskanten

  • Winter-Linde: Durchmesser ca. 0.5cm; 2 bis 3 Längskanten


Zeigerwerte:  schattig

  • Sommer-Linde: mässig feucht, mässig nährstoffarm bis nährstoffreich, neutral bis basisch

  • Winter-Linde: frisch, nährstoffarm, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: natürlicherweise auf blockreichen Berghängen und Schluchten in der Südschweiz, resp. den Föhntälern; mittlerweile auch in den übrigen Regionen Mitteleuropas  in Laubmischwäldern forstwirtschaftlich angepflanzt

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten




  • Samen (nussig > mehr dazu): roher Snack, Beigabe im Salat, Müesli, Joghurt, usw, - das Schälen der Nüsse ist sehr zeitintensiv !


  • Winterknospen (schleimig, nussig > mehr dazu): ab ca. Spätwinter als leckerer Snack vor Ort, Beigabe im Salat oder Gemüse – Die Knospen können auch vorgängig im Öl angebraten werden


diverse kulinarische Verwendungen der Linde: Lindenblütentee und Samen als Müesli-Beigabe

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • Entzündungen im Mund-/Rachenraum: Tee aus Lindenblüten kann durch die enthaltenen Schleimstoffe zur Linderung der Symptome eingesetzt werden. Dies, indem die Schleimstoffe auf den Schleimhäuten einen feucht-viskosen und schützenden Film bilden, was zu deren Beruhigung führt. Möglicherweise wirken zusätzlich die enthaltenen Flavonoide (Quercetin, Kaempferol, Tilirosid) entzündungshemmend


  • trockener Husten: Die beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute im Rachen, sorgt auch für eine geringere Stimulation der sich dort befindlichen gereizten Nervenzellen, die für den Hustenreiz verantwortlich sind. Damit kann die Hustenintensität bei trockenem Husten etwas gelindert werden und dies ohne die Nebenwirkungen von Codein.


  • Erkältungen allgemein: Lindenblüten gelten volksheilkundlich als schweisstreibend und damit als Mittel gegen Erkältung. Man geht jedoch davon aus, dass die erhöhte Schweissproduktion lediglich auf die Einnahme von heisser Flüssigkeit zurückzuführen ist und zu beachten ist, dass eine Erkältung nicht herausgeschwitzt werden kann. Enthaltene antientzündliche Flavonoide (Quercetin, Kaempferol, Tilirosid) können möglicherweise die Symptome lindern und wirken antioxidativ. In in-vitro-Untersuchen wurden bei den genannten Flavonoiden zwar antivirale Wirkungen nachgewiesen, doch mit dem Konsum des Tees ist es unwahrscheinlich, dass dafür ausreichende Mengen im Körper aufgenommen werden. In einer Tierstudie an Mäusen (Nosal’ova et. Al 2013) mit einem hochdosierten wässerigen Extrakt aus Blüten der Winterlinde durch die enthaltenen Schleimstoffe eine leichte Aktivierung des Immunsystems festgestellt werden. In Fachkreisen wird die Übertragbarkeit auf Menschen als gering einggeschätzt, nur schon wegen den benötigten Mengen. Klinische Studien an Menschen fehlen bisher.

Beschreibung

Wenn im Volksmund von der «Linde» gesprochen wird, dann sind die beiden heimischen Art Sommer-Linde und Winter-Linde gemeint. Sie sind beide beliebte Zierbäume in Parks, resp. sind auch in Alleen sehr beliebt und auch in Laubmischwäldern findet man sie oft. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet wäre dabei jedoch sehr begrenzt und zwar auf blockreiche Hänge und Schluchten, bzw. dies in der Schweiz nur in den tiefen Lagen der Alpensüdseite, den Föhntälern und im Jura. Auch in weiteren Mittel- bis Hochgebirgen von Mitteleuropa, Nordspanien und auch dem Balkan findet man natürliche Vorkommen.


Die Linde hat tiefe und kräftige Wurzeln, die es ihr erlaubt sich auf den instabilen Schutt- und Blockhalden tief in den Boden zu verankern. Nach Beschädigungen durch Rutschungen oder Steinschlag kann sich die Linde rasch wieder regenerieren und dabei auch aus den Wurzeln wieder neu austreiben. Jungbäume können im Schatten über Jahrzehnte ausharren, indem auch bei geringem diffusen Licht Photosynthese betrieben werden kann und dabei nur langsam wachsen. Sie können ein Alter von über 500 Jahren, teils bis 1000 Jahren erreichen. An besonders trockenen Blockstandorten kommt die Sommerlinde aufgrund der geringen Trockenresistenz jedoch nicht klar. So ist der Wasserverlust bei den grossen und weichen Blättern sehr hoch. Man findet die Sommerlinde eher an Nord- oder Osthängen und eben in Schluchten, wo das Mikroklima optimal ist. Auch vom Untergrund her, findet man die Sommerlinde hauptsächlich über Kalk- oder Dolomitgestein. Die Winterlinde ist gegenüber Trockenheit etwas toleranter und gedeiht auch auf Kristallingestein.


Das Holz der Linde ist weich und gut bearbeitbar. Es eignet sich deshalb gut für Schnitzereien (z.B. von Löffel, Teller, etc.). Zusätzlich ist es biegsam, jedoch nur gering witterungsbeständig. Beim Trocknen schwindet es stark, ohne grosse Risse zu bilden. Der Brennwert ist eher gering. Die Fasern im Bast wurde früher zur Schnur- und Seilherstellung genutzt (lat. tilos = Faser!). Die Äste eignen sich auch gut zur Herstellung von Pfeilbögen. In der Survivalszene wird das Lindenholz zum Feuerbohren für Spindel und Brett sehr geschätzt. Denn durch das weiche Holz bildet sich bei Reibung mehr Holzmehl, welches die Reibungshitze aufnehmen und sich dort einschliessen kann (statt dass die Hitze wie beim harten Holz auf den Holzflächen verteilt wird, welche dabei einfach nur poliert werden).


In der Forstwirtschaft ist die Linde nur ein Nebenbaum und macht dabei in der Schweiz weniger als 1% des Laubbaumbestandes aus. Sie wird vor allem in ihrem natürlichen Habitat oder auch in naturnahen Mischwäldern zur Förderung der Biodiversität gepflanzt. Denn die Nektarreichen Blüten, die von Insekten bestäubt werden, bieten Wildbienen, Hummeln, aber auch Schwebfliegen und Nachtfalter wertvolle Nahrung und dies in einer Zeit im Frühsommer, wo die meisten anderen Baum- und Straucharten bereits verblüht sind. Auch die Blätter werden von über 200 Insektenarten verzehrt, was die Linde zu einer wichtigen Raupenfutterpflanze macht. Weiter sind die Stämme alter Linden auch Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Käfer. Das Tragblatt an der Basis der Blüten- und Fruchtstände dient der Windverbreitung der Nüsschen, welche meist mehrere Dutzend Meter und bei starkem Wind auch bis über Hundert Meter betragen kann. Die Nüsschen sind auch schwimmfähig. Die Keimung erfolgt typischerweise erst im Frühling nach 1 bis 2 Wintern mit ausreichend Frost.


Die Linde gilt als Symbol von Gemeinschaft und Es ist deshalb kein Wunder, dass die Linde früher gerne dort angepflanzt wurde, wo Menschen sich versammelten und Feste feierten, wie z.B. Dorfplätze. Weiter ist die Linde auch ein Symbol der Liebe (vermutlich wegen den herzförmigen Blättern) und so wurden unter Linden auch Ehen geschlossen. Sie hat aber auch die Bedeutung als Baum der Gerechtigkeit und der Wahrheit, weshalb früher Gerichtsverhandlungen oft unter Linden abgehalten wurden. Sie war in der germanischen Mythologie der Göttin Freya gewidmet und war somit auch das Sinnbildung für das weibliche-mütterliche und damit auch für Frieden, Milde und Barmherzigkeit. Dabei war sie der Gegenpol zur Eiche, dem Baum des Thors, der das männliche-kriegerische verkörperte. Nicht zuletzt sollte so bei Gerichtsverhandlungen, um den sozialen Frieden in der Dorfgemeinschaft zu wahren, das Urteil nicht nach Macht und Stärke (was mythologisch das Männliche darstellt), sondern nach ehrlicher Gerechtigkeit und Mitgefühl (auch eher dem traditionell weiblich konnotierten) erfolgen, so dass am Ende Versöhnung, Wiedergutmachung und Frieden um Zentrum stehen. Strafen wurden dann meist an anderen Orten vollzogen, denn unter der Linde als heiliger Ort und vor allem Bäume der Milde, durfte kein Blut fliessen. Im Mittelalter wurden dann aber zunehmend trotzdem Todesurteile unter Linden vollstreckt.


Die Blätter verhärten und verfasern sich um Gegensatz zu anderen Laubbaumarten vergleichsweise langsam, so dass man nach dem Austrieb etwas mehr Zeit für die Nutzung als Salat zu Verfügung hat. Als kurz im Wasser weichgekochtes / blanchiertes Blattgemüse können sie sogar noch bis weit in den Sommer hinein genutzt werden. Oft ist ausserdem zu beobachten, dass sich später im Jahr in den unteren Bereichen direkt aus dem Stamm (aus ruhenden Knospen) kleine Triebe mit frischen Blättern bilden, die für den Salat geeignet sind. Ein kulinarischer Geheimtipp der Linden ab ca. Spätwinter sind die Knospen. Im Gegensatz zu anderen Baumknospen sind diese genug weich, um sie roh kauen zu können und haben dabei auch noch einen angenehmen, nussigen Geschmack. Wichtig ist dabei jedoch, diese nur sparsam zu sammeln, da man so dem Baum an den entsprechenden Stellen nicht seine Fortpflanzungsorgane entzieht.



 

mögliche Verwechslungen

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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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