das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Pflanzenstandorte - Grundlagen
Zu einem soliden Botanikwissen gehört nebst der sicheren Art-Bestimmung, Kenntnissen der entsprechenden Inhaltsstoffe bzw. Verwendung, auch Wissen, an welchen Standorten eine bestimmte Pflanze bevorzugt auftritt und wo nicht. Denn damit hat man auch eine Ahnung davon, wo man die Pflanze aufsuchen kann. So findet man den Spitzwegerich bevorzugt auf Wiesen, während der Wald-Sauerklee vorwiegend in schattigen Wäldern spriesst. Zahlreiche Pflanzen, wie z.B. die Grosse Brennnessel, benötigen einen nährstoffreichen («stickstoffreichen») Boden und treten dann oft sehr massenhaft und üppig auf.
Verschiedene Pflanzenarten benötigen also unterschiedliche Standortbedingungen um (unter Konkurrenz) optimal gedeihen zu können. Dabei spielen zahlreiche ökologische Faktoren eine Rolle, wie z.B. Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit, Nährstoffgehalt, Klima (d.h. Höhenstufen), etc. Weiter ist die Vorgeschichte und Bewirtschaftung eines Standortes wichtig.
Einfluss Gebirge / Höhenstufen
Vegetation Mitteleuropas
In Mitteleuropa befinden wir uns klimatisch in der «kühlgemässigten Klimazone», die den südlichen Bereich der «gemässigten Klimazone» (zwischen den Subtropen und der polaren Zone) darstellt. Wasser ist +/- das ganze Jahr verfügbar und die jährliche Niederschlagssumme beträgt mehr als 500 mm. Die Vegetationsperiode dauert ca. 150 bis 210 Tage. Dazwischen liegt eine kalte Winterperiode und die Mitteltemperatur des wärmsten Monats beträgt zwischen 15 und 26°C. Als Anpassung an dieses Klima resultieren sommergrüne Laubwälder.

Einfluss Gebirge / Höhenstufen
Gebirge beeinflussen die Standortbedingungen nicht nur durch die unterschiedlichen Höhenstufen, sondern auch durch klimatischen Effekte von Luv- (Stauniederschläge)- und Leebereichen (vom Regen abgeschirmte Bereiche). Typische Änderungen der Standortbedingungen mit zunehmender Höhe sind u.a.
Abnahme der Durchschnittstemperaturen (ca. 0.6°C pro 100m) und damit auch eine Reduktion der Vegetationsperiode (ca. 6-7 Tage/Jahr pro 100m)
höhere Strahlungsintensität (v.a. der schädlichen UV-Strahlung)
höhere Niederschlagsummen
tendenziell stärkere Hangneigungen mit erhöhter oder verminderter Strahlungsintensität, sowie Erosion

Bei den Höhenstufen Mitteleuropas wird folgende Kategorisierung vorgenommen, die sich an das Auftreten wichtiger Baumarten orientiert (Achtung: Grenzen sind meist fliessend):
planar (<300 m ü. M.): Tiefland mit typischer zonaler Vegetation aus Laubwäldern (kommt in der Schweiz nicht vor).
kollin (<700 m ü. M.): Hügellandstufe; auch hier herrscht mehrheitlich die zonale Vegetation aus sommergrünen Laubwäldern vor. Die Unterschiede zur planaren Stufe sind sehr gering.
montan (700-1500 m ü. M.): Mittelgebirgsstufe; hier treten natürlicherweise Buchenwälder auf, die mit Nadelbäumen (Weisstanne / Fichte) durchmischt sind. Der Anteil der Nadelbäume nimmt mit zunehmender Höhe zu. Eichen treten nicht mehr auf.
subalpin (1500 - 2000 m ü. M.): Hochgebirgsstufe; Es treten natürlicherweise Nadelbäume (Fichte, Lärchen, Arven) auf. Die Rotbuche findet man nur noch selten und auch der Anteil der Weisstanne ist geringer als in der montanen Stufe. Der Übergang zur alpinen Stufe stellt die Waldgrenze dar.
alpin (2'000 – 3'000 m ü. M.): mittlere Hochgebirgsstufe; Die Landschaft ist waldfrei und besteht aus Tundra, Matten, Zwergstrauchheiden, Rasen, Staudenfluren, Polsterpflanzen und Schutthalden.
nival (>3000 m ü. M.): obere Hochgebirgsstufe; oft das ganze Jahr schneebedeckt und Nährgebiet der Gletscher, Man findet praktisch nur noch Algen, Moose, Flechten und Pilze.

Je nach Region liegen die Höhenstufen auf unterschiedlichen Meereshöhen. Generell nehmen die Höhenstufen gegen Süden an Meereshöhe hin zu. Der starke Unterschied zwischen den Voralpen und den Zentralalpen von ca. 300 bis 400 m, wird mit dem für Gebirge typischen Massenerhebungseffekt erklärt. In anderen Gebirgen dieser Welt (mediterrane Gebirge, Skandinavien, Anden,…), bzw. bereits auf der Alpensüdseite werden andere Höhenstufensysteme verwendet.
Bodenfaktoren
Die Bodenschicht ist meist sehr dünn, aber immens wichtig für die Pflanzenwelt. Nur wenige Pflanzenarten sind fähig, direkt aus einer Sand- oder Kiesfläche herauszuwachsen, bzw. bei Felsgestein ist es sogar nahezu unmöglich. Nur dank des Bodens können sich die Pflanzen optimal mit Wasser und Nährstoffe vorsorgen und sich stabil im Untergrund verankern.
Den Boden (oder einfach das «Erdreich») als solches zu beschreiben ist schwierig, handelt es sich doch um ein Mischgefüge aus totem und lebendigem biologischem Material, mineralischen Partikeln, Wasser und Luft. Viele verschiedene Prozesse zusammen formen und verändern den Boden.

Die Eigenschaften des Bodens haben letztlich auch einen Einfluss, welche Pflanzen am betreffenden Standort vorkommen. So bevorzugt z.B. der Wiesen-Salbei «kalkhaltige» Böden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass direkt unter dem Boden fester Kalkstein vorkommen muss. Dass dabei «kalkhaltig» mit «basisch » gleichgesetzt werden kann, hat wiederum mit den chemischen Prozessen im Boden zu tun. Um das zu verstehen, müssen wir uns kurz damit befassen, wie Boden denn überhaupt entsteht.
Entstehung von Boden
Die Bodenbildung besteht aus dem Zusammenwirken mehrerer beteiligter bodenbildender Prozesse. Es sind dies u.a.
Gesteinsverwitterung: Die Bodenbildung beginnt mit der Freilegung von nacktem Gestein (Kalkstein, Kristallingestein, etc.) oder Sediment (Kies, Sand, Lehm,..) an der Erdoberfläche. Man spricht dabei auch vom Muttergestein. Dessen oberflächlichen Bereiche sind der Verwitterung ausgesetzt und zersetzten sich über die Zeit. Dies einerseits durch die Einwirkung von Temperaturänderungen (dabei entstehen Spannungen) und je nach Region durch Frost (in den Klüften Volumenzunahme beim Gefrieren des Wassers), wodurch sich der Gesteinsverband zunehmend auflockert und in kleinere Teile zerfällt (physikalische Verwitterung). Anderseits finden auch zahlreiche chemische Prozesse statt (chemische Verwitterung), v.a. als Folge des stets leicht sauren Regenwassers. Denn durch das CO2 in der Atmosphäre, welches auch in den Wolken-/Regentropfen gelöst ist, entsteht Kohlensäure, was den Regen stets leicht sauer macht Die leichte Säure führt dabei, je nach Gesteinstyp, zur Auflösung oder Umwandlung der darin enthaltenen Minerale.

Bei den silikatischen Mineralen (meist in kristallinem Gestein, wie z.B. Granit, Basalt, Gneis, Serpentinit, etc., aber auch Sandsteinen, Sandpartikeln, etc.) findet eine Umwandlung in sogenannte «Tonmineralen» statt (man spricht dabei von der «Hydrolyse»). Wie es der Name bereits sagt, bilden diese Tonminerale auf den Oberflächen einen zunehmend lehmigen Rückstand, bzw. nach langer Zeit entsteht aus dem zerbröselten Gesteinsverband zunehmend ein lehmiges Gefüge.
Die beteiligten chemischen Reaktionen lösen Kationen, d.h. positiv geladene Metalle (Kationen, wie Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium, etc.) aus dem Mineralgerüst heraus, die sich danach im Wasser lösen und mit diesem entweder oberflächlich abgeführt werden oder ins Erdreich versickern.
Bei den Karbonaten (Kalk, Dolomit, etc.), verursacht der leicht saure Regen eine Auflösung des Gesteins. Im Falle von Kalk (der aus Kalzit-Minerale, d.h. CaCO3 besteht), entsteht dabei ein Calcium-Kation (Ca2+) und ein Hydrogencarbonat-Anion (HCO3-). Diese lösen sich anschliessend im Wasser auf und werden mit ihm abgeführt (oberflächlich oder ins Erdreich). Gleichzeitig bleiben die im Kalk in geringen Anteilen ebenfalls vorhandenen silikatischen Minerale als Tonminderale an Ort und Stelle zurück, wodurch sich ebenfalls mit der Zeit an der Oberfläche ein lehmiger Rückstand ablagert.

Akkumulation von organischer Substanz: Auf den Flächen in den Alpen, die gerade durch die schmelzenden Gletscher freigelegt wurden oder auch auf nicht genutzten Ruderalflächen kann dies gut beobachtet werden: Die Flächen werden rasch von Pionierpflanzen besiedelt. Diese legen den Grundstein für die Bildung organischer Substanz, die in Böden meist 1-20% des Gewichtes ausmacht.
Pioniervegetation im Vorfeld des abschmelzenden Morteratsch-Gletschers (links); rechts: Regenwürmer gehören zu den wichtigen Destruenten. Durch ihre Wühltätigkeit sorgen sie ausserdem eine Durchmischung und Durchlüftung des Bodens (Quelle: s shepherd schizoform on flickr - originally posted to Flickr as 20060131 earthworm dives, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9918048)
Tote Pflanzen oder abgestorbene Teile davon (z.B. Blätter), werden «Streu» genannt. Dieser wird durch diverse Organismen (auch Destruenten genannt) zersetzt. Das Ganze ist eine komplexe Abfolge. Sie beginnt meist mit dem Verzehr grösserer und gut verdaulicher Streupartikel durch Schnecken oder Regenwürmer. Diese wiederum stossen Kot aus und sterben irgendwann. An der Zersetzung des Tierkotes, den toten Tieren, sowie des unverdaulichen oder sonst durch die Tiere verschmähten Streus, sind zunehmend kleinere Tiere und diverse Pilze und Bakterien beteiligt. Dabei entsteht mit der Zeit aus der organischen Substanz zunehmend wieder anorganisches Material unter Freisetzung von CO2, Wasser und den in den Organsimen eingebauten Nährstoffen. Je höher der Zucker- und Proteingehalt im Streu, desto rascher läuft die Zersetzung. Streu mit niedrigem Zucker- und/oder Proteingehalt sind z.B. die holzigen Pflanzenteile oder auch die Nadeln der Nadelbäume. Bei diesem kommt ausserdem noch die harte Struktur dazu: Holz und Nadeln werden deshalb besonders langsam zersetzt. Gehemmt wird der Abbau ausserdem bei einen niedrigen pH-Wert im Boden, Sauerstoffmangel (z.B. wenn Bodenschicht wassergesättigt > Organismen brauchen zur Energiegewinnung Sauerstoff), einem sauren Milieu, Kälte (je kälter, desto langsamer Aktivität von Tieren und Mikroorganismen) und Trockenheit. Je langsamer der Abbau, desto mehr organisches Material (meist Zwischenprodukte der Zersetzung) wird akkumuliert.

Eine wichtige Zwischenstufe im Abbau zu anorganischem Material stellt die Bildung von Huminstoffen durch Mikroorganismen dar. Dabei handelt es sich um grosse, hochkomplex aufgebaute Moleküle. Die Huminstoffe werden nicht sofort abgebaut, womit sich über die Zeit ein Teil davon im Boden anreichert. Die Gesamtheit dieses fein zersetze organische Material wird «Humus» genannt. Der Humus führt zur dunklen Färbung des Bodes. Hat sich erstmal Humus gebildet, wird das dort enthaltene Wasser im Vergleich zum frischen Regenwasser saurer. Dies einerseits durch die Atmung der Mikroorganismen, die CO2 freisetzen (> Reaktion mit Wasser zu Kohlensäure), andererseits durch Säuren, die von den Pflanzen ausgeschieden werden. Dies beschleunigt wiederum die chemische Verwitterung.

Es bildet sich mit der Zeit ein Boden, d.h. Gefüge aus Humus, den Produkten der Gesteinsverwitterung (Ton-, Silt- Sand-Partikel), aber auch lebendigen und toten Organismen, sowie durch Gas und Wasser gefüllte Poren (Porengehalt zwischen 40-60%). Die Tonminerale und die Huminstoffe im Boden können das Sickerwasser gut speichern und so verhindern, dass es einfach in den tieferen Untergrund abfliesst.

Nährstoffgehalt des Bodens
Pflanzen können dank der Photosynthese ihren "Treibstoff" selber herstellen. So entsteht aus CO2 und Wasser (H2O) mit Hilfe des Sonnenlichtes Zucker (bzw. Glukose, d.h. C6H12O6) und (als Abfallprodukt) Sauerstoff. Zucker besteht demnach aus Wasserstoff-, Sauerstoff- und Kohlenstoffatomen. Für die Herstellung weiterer Moleküle, welche die Pflanzen sonst noch benötigen (u.a. Zellulose), kann zu einem Grossteil auf die Zuckerverbindungen zurückgegriffen werden. Viele Moleküle (z.B. Proteine) enthalten jedoch noch weitere Atome (wie z.B. Stickstoff) und diese müssen die Pflanzen vom Boden aufnehmen. Stoffe, welche die Pflanze aufnehmen muss, um seine Funktionen und das Wachstum zu bewerkstelligen, werden "essentielle Nährstoffe" genannt. Dabei unterscheidet man die Makronährstoffe (Stickstoff, Kalium, Calizum, Magnesium, Phosphor, Schwefel), die in grossen Mengen benötigt werden. und die Mikro-Nährelemente (Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Nickel, Chlor, Bor und Molybdän), wo bereits kleinere Mengen genügen.
Damit die Pflanze die Nährstoffe aufnehmen kann, müssen diese im Boden in «pflanzenverfügbarer Form» vorliegen. Mineralstoffe, die im Kristallgitter von Gestein oder in lebendiger/toter Biomasse gebunden ist, sind für die Pflanzen nicht verfügbar. Die Pflanzen können die Nährstoffe nur aufnehmen, wenn sie im Wasser des Bodens gelöst sind, wobei dort die Menge dort sehr begrenzt ist. Die meisten verfügbaren Nährstoffe findet man innerhalb des Bodens an der Oberfläche von Tonmineralen und in den Huminstoffen gespeichert. Von dort aus wird gelangen immer wieder frische Nährstoffe in die Bodenlösung. Damit der Boden nicht an Nährstoffen verarmt (weil diese von den Pflanzen aufgenommen werden), müssen diese ständig nachgeliefert werden. Dies geschieht einerseits durch den Abbau von totem organischem Material («Recycling»), andererseits auch durch die chemische Verwitterung des Gesteins. Nicht im Muttergestein vorhanden ist der Stickstoff, welcher erst noch der wichtigste Nährstoff darstellt!
Stickstoff: Der wichtigste Nährstoff stellt der Stickstoff dar, denn dieser ist ein wichtiger Bestandteil der Proteine und wird somit auch in grossen Mengen für den Aufbau der Biomasse benötigt. Dies macht den Stickstoff zum limitierenden Element im Boden, von dessen Menge es abhängt, wie stark die Pflanze wachsen kann. Deshalb werden die zwei Begriffe «nährstoffreich» und «stickstoffreich» gerne als Synonyme genutzt. Ausserdem: Da das Muttergestein keinen Stickstoff enthält, gelangt durch dessen chemische Verwitterung auch kein Stickstoff in den Boden. Man könnte jetzt argumentieren, dass doch auf unserer Welt genug Stickstoff vorhanden ist, schliesslich hat dieser in der Atmosphäre einen Gehalt von 78%. Das Problem: Dieser liegt dort in der Form des Molkeüls "N2" vor und damit können die Pflanze nichts anfangen. Dies u.a. weil dies sehr energieintensiv wäre, diese zwei Stickstoffatome zu spalten (ist eine sehr starke chemische Bindung). Der Stickstoff im Boden muss stattdessen als Nitrat (NO3-) oder Ammonium (NH4+) vorliegen, damit ihn die Pflanzen aufnehmen können. In diesen Formen gelangt der Stickstoff auf folgenden Wegen in den Boden:
durch den Abbau bestehender abgestorbener Biomasse und Exkrementen. Dadurch entsteht Ammoniak (NH3), welcher im Boden zu Ammonium (NH4+) umgebaut wird. Bakterien wandeln diesen danach in zwei Schritten zu Nitrat (NO3-) um.
Biologische Stickstoff-Fixierung: Es gibt gewisse Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft (N2) unter Bildung von Ammonium (NH4+) aufspalten können. Dabei bilden sie oft eine Symbiose mit gewissen Pflanzenarten und werden dann Knöllchenbakterien genannt. Die meisten von gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), aber auch Arten anderer Familien (wie z.B. Erlen) sind dazu in der Lage. Während diese Pflanzen so ihre Stickstoffaufnahme boostern, nimmt auch mit der Zeit der Stickstoffgehalt im Boden zu. Dies, indem das Laub abgeworfen wird oder Pflanzenteile absterben und anschliessenden dieses organische Material zersetzt wird.
Atmosphärischer Eintrag: Mit dem Regen werden Stickoxide (NOx), die in der Luft vorhanden sind, ausgewaschen und gelangen so in die Böden. Stickoxide entstehen in der Luft durch Blitzeinschläge oder werden von Vulkanen ausgestossen. Heutzutage entsteht jedoch ein Vielfaches davon in den Verbrennungsmotoren.
Landwirtschaftliche Düngung: Chemisch hergestellte Stickstoffverbindungen werden über die Böden verstreut.
Bei Nitrat gibt es übrigens ein entscheidendes Problem: Seine Bindung an Tonminerale oder Huminstoffen ist nur schwach und somit wird es rasch durch das Sickerwasser ins Grundwasser oder Oberflächengewässer ausgewaschen. Im Boden gespeicherter Stickstoff liegt aber auch noch in Form von Ammonium (NH4+) vor. Dieses ist zwar ebenfalls gut wasserlöslich ist, kann aber durch die positive Ladung an die Oberflächen der Tonminerale gebunden werden.
Saure vs. basische Böden
Bei den ökologischen Standortfaktoren von Pflanzenarten ist u.a. der pH-Wert des Bodens eine wichtige Eigenschaft, ob eine entsprechende Pflanze am Standort vorkommt oder nicht. Doch was macht genau Böden basisch oder sauer, bzw. was hat das mit Kalk zu tun? Nun, grundsätzlich tendieren alle Böden im Verlaufe ihrer Entwicklung zur Versauerung. Denn durch die Atmung der Bodenlebewesen entsteht CO2, welches wiederum mit dem Wasser zu Kohlensäure reagiert. Hinzu kommt, dass Pflanzen mit ihren Wurzeln Säuren ausscheiden (aus diversen Gründen). Der menschlich bedingte saure Regen verstärkt den Prozess. Auch in Nadelwäldern ist die Versauerung des Bodens beschleunigt.
Kalkreiche = Basischer Böden: Solange Kalk im Boden vorkommt, wird die Versauerung verhindert. Denn durch die ständige Kalk-Auflösung werden die Säuren neutralisiert. Kalk ist dabei also ein Puffer, der den pH im neutralen bis leicht basischen Bereich, mit pH-Wert von ca. 7.2-8.2 hält. Ist aber der gesamte Kalkanteil einmal aufgelöst, dh. der Puffer aufgebraucht, dann versauert auch ein ursprünglich kalkreicher Boden. Durch vollständige Kalkauflösung kann auch über kalkigem Muttergestein ein kalkfreier Boden entstehen. Zurück bleiben die nicht kalkigen Mineralanteile (Tonminerale und Eisenhydroxide, Kalkstein enthält immer auch ein gewisser Anteil «fremder» Minerale!)

Saure Böden: Über Kristallingestein ist der Boden schon von Beginn weg sauer, da der Kalk-Puffer fehlt. In der Geologie werden die Kristallingesteine in «basisch» (z.B. Basalt) und «sauer» (z.B. Granit) eingeteilt. Die Minerale in den «basischen» Gesteinen enthalten besonders viele Kationen und verwittern durch den weniger robuste Mineralverband rasch. Dabei wird der Boden nährstoffreich. Der pH-Wert liegt im leicht sauren (aber nicht basischen) Bereich. Die «sauren» Gesteine enthalten v.a. Minerale mit wenig Kationen und einem robusten Mineralverband, d.h. sie verwittern nur langsam, was den Boden nicht nur nährstoffarm macht, sondern dadurch liegt auch der pH-Wert im sauren Bereich. Übrigens besteht aus Sandstein meist aus sauren Mineralen. Doch warum ist denn der Boden über «saurem Gestein» saurer als über «basischem Gestein»? Der Grund liegt in einem weitere pH-Puffermechanismus, nämlich der Silikatverwitterung. Diese verbraucht nämlich Säuren, stellt aber ein eher langsames Puffersystem dar. Weil die Verwitterung bei den basischen Gesteinen schneller ist, sind dort auch die pH-Werte im Boden höher.

menschlicher Einfluss
Den hierzulande wohl grössten Faktor stellen menschlich beeinflusste Eingriffe in die Vegetation dar. So werden Wälder forstwirtschaftlich oder als Schutzwald oder zur Biodiversitätsförderung bewirtschaftet. Die Urwälder Mitteleuropas wurden auch grösstenteils gerodet und an deren Stelle findet man Siedlungsflächen, Verkehrswege, Brachflächen, Gärten, usw. aber auch Wiesen, Weiden und Äcker.
Archäophyten und Neophyten
Durch die Wanderbewegungen der Menschen haben sich in der freien Natur zahlreiche Pflanzenarten angesiedelt, die durch einen rein natürlichen Einfluss nicht hier auftreten würden. Diejenigen davon, die vor dem Jahr 1492 (d.h. vor der Entdeckung Amerikas) hier her gelangten nennt man Archäophyten. Die jüngeren bezeichnet man entsprechend als Neophyten. Archäo- und Neophyten-Arten sind vor allem in der (kurzlebigen) Ruderalvegetation verbreitet.
Bei den Archäophyten (vor 1492) stammen die meisten Arten aus Westasien und dem Mittelmeerraum. Sie gelangten im Zuge der Ausbreitung der Landwirtschaft vom Orient her nach Europa. Später war es die Besatzung der Römer, bzw. der Handel innerhalb des Römischen Reichen das Zugpferd der Ausbreitung. In dieser Zeit gelangte z.B. der Klatsch-Mohn oder die Echte Kamille nach Mitteleuropa. Dabei spielte nicht nur gezielte Einführung (für den Anbau in der Landwirtschaft oder Gärten), sondern auch verunreinigtes Saatgut und Schlammablagerungen auf den Transportmitteln eine grosse Rolle.

Bei den Neophyten (nach 1492) kommt zusätzlich der Austausch mit Nordamerika ins Spiel. Ausserdem hat seither der Welthandel nochmal so richtig Fahrt aufgenommen und die Neophyten sind dann einfach eine logische Folge der Globalisierung. Auch heute nimmt die Anzahl der Neophyten in Europa Jahr für Jahr zu! In der Schweiz gelten im Jahre 2022 ca. 730 Arten als Neophyten.
Auch wenn oft so verstanden, steckt im Wort "Neophyt" keine Wertung drin, sondern es handelt sich um eine rein florengeschichtliche Bezeichnung («neue Pflanze»), welche die ursprüngliche Herkunft gewisser Arten verdeutlicht. Die allermeisten Neophyten sind im Naturschutz auch überhaupt nicht umstritten, sondern werden sogar als Bereicherung gesehen! Wir alle (auch Naturschützer/-innen) freuen uns z.B. über die Gemeinen Nachtkerze oder dem Persischen Ehrenpreis. Anders sieht es jedoch mit den sogenannten «invasiven Neophyten» aus.

Invasive Neophyten: Also solche werden Neophyten bezeichnet, die auf die bestehenden heimischen Arten einen starken Konkurrenzdruck ausüben. Damit können sie sich rasch ausbreiten und grosse Fläche besiedeln und grosse Auswirkungen aufs Ökosystem haben. Es handelt sich innerhalb der Neophyten aber eindeutig um eine Minderheit, d.h. in der Schweiz sind von den Neophyten nur etwa über 10% «invasiv» oder «potentiell invasiv». Einen guten Überblick mit vielen Infos über Neophyten und invasive Neophyten in der Schweiz finden sich in der BAFU-Bröschüre «Gebietsfremde Arten in der Schweiz».

Ökologische Zeigerwerte
Mit den ökologischen Zeigerwerte werden die Standortanforderungen der einzelnen Pflanzenarten unter Konkurrenz beschrieben. Eine Pflanzenart hat durch ihre physiologischen Voraussetzungen gewisse Ansprüche an ihre Umwelt und ausserdem steht sie aber auch in Konkurrenz zu anderen Arten, d.h. es wird um Ressource wie Licht, Nährstoffe, Wasser, etc. gekämpft. Dabei ist zu beachten, dass verschiedene Arten am selben Standort auch nebeneinander koexistieren können, sofern jede ihre Nische findet (z.B. der Bärlauch im Buchenwald, der vor dem Laubaustrieb der Bäume austreibt und somit während dieser Zeit viel Licht für die Photosynthese nutzen kann).
Es resultieren schliesslich für jede Art bestimmte Umweltbedingungen, bei denen sie ihr maximales Vorkommen haben. Diese werden mit den "Ökologischen Zeigerwerten" beschrieben.
So wird z.B. im System von Flora Helvetica (System nach «LANDOLT et al.») bei einer Art für verschiedenen Umweltfaktoren jeweils eine Zahl von 1 bis 5 zugeordnet. Ist bei einer bestimmten Art ein Faktor nicht relevant oder ist die Amplitude sehr breit (was bei oft Bäumen der Fall ist), spricht man von «indifferent» (mit Buchstaben X).
Umweltfaktoren sind:
Feuchtezahl (F): hier geht es um den Wassergehalt des Bodens
1 sehr trocken
1+ trocken
2+ frisch
3 mässig feucht
3+ feucht
4 sehr feucht
4+ nass
5 überschwemmt, bzw. unter Wasser
optional werden Angaben zur Wechselfeuchte angehängt
w Feuchtigkeit stark wechselnd
w+ Feuchtigkeit stark wechselnd
bei einer Feuchtezahl von 5 kann weiter differenziert werden:
f Bereich mit fliessendem Bodenwasser
u im Wasser untergetaucht
v mit untergetauchten und schwimmenden Organen
Reaktionszahl (R): hier geht es um den pH-Wert des Bodens > siehe S. 120
1 stark sauer (pH 2.5 - 5.5)
2 sauer (pH 3.5 - 6.5)
3 schwach sauer bis neutral (pH 4.5 – 7.5)
4 neutral bis basisch (pH 5.5 - 8.5)
5 basisch (pH 6.5 ->8.5)
Nährstoffzahl (N): hier geht es um den pH-Wert des Bodens > siehe S. 119
1 sehr nährstoffarm
2 nährstoffarm
3 mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich
4 nährstoffreich
5 sehr nährstoffreich bis überdüngt
Lichtzahl (L): Hier geht es um die Intensität der Sonneneinstrahlung auf dem Standort
1 sehr schattig
2 schattig
3 halbschattig
4 hell
5 sehr hell
Temperaturzahl (T): Hier geht es um die Temperatur, resp. daraus abgeleitet der Höhenstufe am Standort
1 alpin bis nival (Baum- bis Schneegrenze)
1+ unter-alpin (Arven- und Lärchenwälder)
2 subalpin (Fichtenwälder)
2+ unter-subalpin und ober-montan3+
3 montan (Wälder mit Buche)
3+ unter-montan bis ober-kollin
4 kollin (Mischwälder mit Eichen)
4+ warm-kollin
5 sehr warm-kollin (nur an den wärmsten Orten)
Kontinentalitätszahl (K): Hier geht es um weitere klimatische Faktoren am Standort, wie Luftfeuchtigkeit. Temperaturschwankungen und Wintertemperaturen
1 ozeanisch
2 subozeanisch
3 subozeanisch bis subkontinental
4 subkontinental
5 kontinental
In der gedruckten Ausgabe von Flora Helvetica werden die Zeigerwerte nur in Kürzel angeben, wie z.B.:
Wilde Möhre (Daucus carota): T.2+42+443.k.
Grosse Brennessel (Urtica dioica): U.3+w+35-33+x.h.
Rotbuche (Fagus sylvatyca): W.333-13+2.p.
Waldkiefer (Pinus sylvestris): W.xw+x2-4x4.p.
Die erste Zahl stellt dabei die ökologische Gruppe dar Danach folgen der Reihe nach die Bodenfaktoren (1. Stelle Feuchtezahl, optional danach mit Angabe zu Wechselfeuchte, 2. Stelle Reaktionszahl, 3. Stelle Stickstoffzahl). Weiter folgt die Angabe, ob die Art mit salzhaltigem Boden gut zurechtkommt (+) oder nicht (-) und schliesslich die Klimafaktoren (1. Stelle Lichtzahl, 2. Stelle Temperaturzahl, 3. Stelle Kontinentalitätszahl). Der letzte Buchstabe stellt die Abkürzung der Lebensform dar.
< zur Startseite des erdflow-Phytikons
Grundlagen zum Sammeln - Botanische Grundlagen - Wildkräuterküche - Heilpflanzen / Phytotherapie - Mythologie - Pflanzenbeschreibungen
das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
teile diesen wertvollen Content:
folge erdflow auf Social-Media:








