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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen


weiter zurück zu den Gefahren > (Giftpflanzen, Fuchsbandwurm, usw.)


Grundlagen zum Sammeln von Essbaren Wildpflanzen und Heilpflanzen


Rechtliches

Ehrenkodex

Benötigte Werkzeuge

Das wichtigste Mantra

Sammel-Jahreszeit

Sammel-Uhrzeit



Rechtliches



In der Schweiz 🇨🇭🌱


Schweizer Bundesgesetz über Natur- und Heimatschutz, Artikel 19: 

«Das Sammeln wildwachsender Pflanzen und das Fangen frei lebender Tiere zu Erwerbszwecken bedürfen der Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde. Diese kann die Bewilligung auf bestimmte Arten, Gegenden, Jahreszeiten, Mengen oder in anderer Richtung beschränken und das organisierte Sammeln oder Fangen sowie die Werbung dafür verbieten. Die ordentliche land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie das Sammeln von Pilzen, Beeren, Tee- und Heilkräutern im ortsüblichen Umfange sind ausgenommen, soweit es sich nicht um geschützte Arten handelt.»


In normalen Mengen und zum persönlichen Gebrauch ist es dir also gestattet Wildpflanzen zu sammeln. Dieses Recht gilt natürlich nicht in Nationalparks, Natur- und Pflanzenschutzgebieten für entsprechenden Verboten oder für geschützte Pflanzenarten.


Geschützte Pflanzenarten sind in aller Regel sehr seltene Pflanzen, die man draussen kaum antrifft, weshalb man bei Sammeln von Wildpflanzen zum persönlichen Gebrauch nur selten damit in Kontakt kommt. Trotzdem muss man die Schutzbestimmungen jeweils im Hinterkopf behalten, so kann z.B. Arnika nicht einfach in dem Kanton wild für seine selbst gemachten Wundheilungscreme gesammelt werden und auch die im Frühling in den Voralpen häufig anzutreffende Aurikel ist in der Regel geschützt und steht somit für den Wildkräutersalat nicht zur Verfügung.


In der Schweiz gibt es einerseits die nationalen, andererseits auch die kantonal geschützten Arten. Die schweizweiten Arten findet man in der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV, SR 451.1, https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1991/249_249_249/de) im Anhang 4. Die jeweils kantonal geschützten Arten sind in den jeweiligen Verordnungen der einzelnen Kantone zu entnehmen. Diese Verordnungen und Listen findet man meist durch rasches googeln (Begriff «geschützte Pflanzenarten Kanton xy…»). Aus eigener Erfahrung sind die kantonalen Verbote bisher in der Regel sehr vernünftig und verhältnismässig gestaltet.



In Deutschland 🇩🇪🌱


Im deutschen Gesetz steht zwar im Bundesnaturgesetz vom 29.07.2009 Paragraf 39: "Es ist verboten, wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Beständeniederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten". Doch dann wird ergänzt: «Jeder darf abweichend von Absatz 1 Nummer 2 wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen»


Bei dem was in der Praxis als "geringe Menge" zu verstehen ist, wird jeweils auf die "Handstraussregel" verwiesen. Das bedeutet, dass typischerweise als "geringe Menge" diejenige Menge verstanden werden kann, die man selbst in der Hand halten kann.

Unter gewissen Bedingungen ist auch eine gewerbliche Entnahme möglich, diese muss aber erst durch die Behörden genehmigt werden.


Das Sammeln geschützter Pflanzenarten sind tabu, ebenso das Sammeln in Naturschutzgebieten. Die Liste der bundesweit geschützten Pflanzenarten findet man in der Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung - BArtSchV) unter https://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/BJNR025810005.html. Zu beachten ist, dass die einzelnen Bundesländer die Regelungen ergänzen und verschärfen können. Deshalb sollten vorgängig jeweils auch noch die die Regelungen vor Ort konsultiert werden.


In Österreich 🇦🇹🌱


Die Situation entspricht im Gröberen in etwa derjenigen der Schweiz oder Deutschland, wobei das Ganze sehr föderal organisiert ist, d.h. die Regelungen von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden sind. Es sind daher die jeweiligen Regelungen und auch Schutzlisten des entsprechenden Bundeslandes zu konsultieren.


Speziell in Österreich ist die Regelung, dass Pilze und Beeren grundsätzlich Eigentum des Waldbesitzers sind und dieser kann das Sammeln unter Hinweis mit Beschilderung untersagen, beschränken oder kostenpflichtig machen.



Ehrenkodex


Bei Sammeln von Wildpflanzen entnimmt man der Natur Ressourcen. Dafür muss aber nicht grundsätzlich ein schlechtes Gewissen haben soll, denn schliesslich sind auch wir Menschen Teil dieser Natur, bzw. ja selbst auf Ressourcen aus der Natur (landwirtschaftliche Anbauflächen zur Ernährung) angewiesen. Wichtig ist jedoch, dass man den Pflanzen mit Respekt begegnet und das Sammeln möglichst schonend und nachhaltig gestaltet. Das bedeutet zum Beispiel, dass man nur so viel Pflanzenmaterial sammelt, wie man tatsächlich benötigt.


Wie, ob und in welchem Umfang man eine Art sammelt, kommt auch immer darauf an, wie stark diese im Gebiet verbreitet ist, wie stark sie sich regenerieren kann, usw. So sind bei Giersch oder der Brombeere, die sich beide rasch und massenschaft ausbreiten auch grössere Entnahmemengen weniger Problem, während bei empfindlichen und selteneren Arten (wie z.B. der Heilwurz) eher Sparsamkeit angesagt ist. Auch muss man sich bewusst sein, welcher Pflanzenteil man entfernt. Entnimmt man Wurzeln und Rhizome, dann bedeutet das meist das Ende der Pflanze und wenn man ganze Blütenstände (z.B der Teufelskralle) «köpft», dann nimmt man ihr womöglich die Grundlage für eine Vermehrung. Insbesondere die Wildfrüchte von Bäumen und Sträuchern sind auch eine wichtige Nahrung für die heimische Tierwelt, weshalb man davon absehen sollte, ganze Sträucher abzuernten (besser an mehren Sträuchern jeweils in bisschen). Dann gibt es aber auch Standorte wie Nutzwiesen oder die Ränder von Waldsträsschen, die sowieso nutzungsbedingt regelmässig gemäht werden, wo man sich kein Kopf machen muss, auch mal eine grössere Menge an Brennnessel, Gundermann oder Knoblauchsrauke zu sammeln. Keine besondere Rücksicht ist bei invasiven Neophyten geboten, wo das grossflächige Abernten möglicherweise sogar einen positiven Einfluss auch die heimische Natur hat.


Also kurzum: Sammeln mit Bedacht und Respekt, wobei immer auch die Verhältnismässigkeit und ein gesundes Mass an gesundem Menschenverstand mitberücksichtigt werden muss und zwar sowohl in die eine als auch in die andere Richtung !



Benötigte Werkzeuge


Mitnehmen musst du im Grunde nur ein Behälter, bei dem du die gesammelten Pflanzenteile transportieren kannst. Am besten eigen sich dazu ein Stoffbeutel (z.B. Gemüsebeutel aus dem Supermarkt wie Migros oder Coop) oder ein Korb.


Gesammelte Kräuter "atmen" auch nach dem Plücken weiter und sondern damit Wasserdampf und Wärme ab, bzw. haben selbst auch noch Feuchtigkeit an der Oberfläche. In dichten Behältern, wie z.B. Plastiktüten staut sich damit diese Feuchtigkeit und es kann sich Kondeswasser bilden. Zusammen mit der dort ebenfalls aufgestauten Wärme wird wiederum die Verwesung / Fäulnis beschleunigt, was mit einem Qualitätsverlust des Sammelgutes einhergeht. In Notfall wenn nichts besseres zur Verfügung steht, tun aber auch Plastiktüten ihren dienst (wichtig: möglichst viele Öffnungen offen lassen).


Die Kräuter sollten ausserdem locker und von der Sonne geschützt transportiert werden.

Eine dicht gestopfte Lagerung führt zu mechanischen Schäden und grösserem Wärmestau, was wiederm die Fäulnis beschleunigt. Bei heissem und trockenen Wetter ist auf eine möglichst kurze Transportzeit zu achten, da das Sammelgut dann rasch austrocknet. Mit einer periodischen und vorsichtigen Befeuchtung des Sammelgutes mit einem Wasserzerstäuber (denn man hierzu mitführen müsste), kann die Zeit bis zur Austrocknung herausgezögert werden.


Weitere Gegenstände bei Bedarf:

  • Unkrautstecher oder Spaten: Zum Ernten von Wurzeln (ist bedarfsweise auch mit einem selbst gemachten Grabstock möglich, braucht aber zum Ausgaben ein Vielfaches an Zeit und Energie!)

  • Handschuhe: zur Ernte von Brennnesseln (Handschuhe müssen genug dick sein!) oder Wiesen-Bärenklau

  • Taschenmesser: Zum Abschneiden etwas härterer Stängel

  • Wasser-Zerstäuber: An heissen oder trockenen Tagen, um das Sammelgut regelmässig zu befeuchten, damit es nicht zu stark austrocket und damit welkt bis man es verabeitet

  • Botanik-Bestimmungsbuch: Als gedrucktes Buch, eBook auf dem Smartphone oder App (wie z.B. Flora Helvetica)




Das wichtigste Mantra


Das wichtigste Mantra, das du immer im Hinterkopf haben musst, wenn du essbare Wildpflanzen sammelst:


Konsumiere nur Pflanzenteile, die du so zu 100% sicher bestimmen kannst, dass damit eine Vergiftung ausgeschlossen ist!


Dabei gilt: Es ist deine persönliche Aufgabe und Verantwortung dies sicherzustellen! Beschäftige dich intensiv mit den Pflanzenarten und überprüfe auch regelmässig deine Informationsquellen. In meinen Augen bedeutet „Essbare Wildpflanzen sammeln“ eben vor allem auch „Selbstverantwortung übernehmen“.



Sammel-Jahreszeit


Wildkräuter können grundsätzlich das ganze Jahr über gesammelt werden. Je nach Jahreszeit ändert sich jedoch das verfügbare Angebot und der Schwerpunkt der verfügbaren Pflanzenteile.


Frühling: Die meisten Kräuter und auch die Blätter der Laubbäume treiben um diese Jahreszeit aus. Während der März (teils bereits im Spätwinter) das erste Grün austreibt, explodiert die Vegetation im April nahezu. Die meisten grünen Pflanzenteile sind im Frühling noch zart und aromatisch. Auch viele Pflanzen blühen auch um diese Jahreszeit. Auch zum Sammeln von Wurzeln 2-jähriger Arten ist der Frühling eine perfekte Sammelzeit.



Sommer: Im Verlaufe der Vegetationsperiode werden Blätter und Stängel der im Frühling ausgetriebenen Pflanzen zunehmend hart, faserig und bitter, was deren die Verwendung zunehmend einschränkt. Es gibt aber auch Arten, die eher spät austreiben und so auch im Sommer «frisch» sind. Zusätzliches «frisches Grün» findet man durch Abmähen von Grünflächen / Kräutsäumen und den darauffolgenden Wiederaustrieb. Es gibt auch viele Pflanzen, die beginnen erst im Sommer zu blühen, bzw. blühen seit dem Frühjahr immer noch. Gleichzeitig findet man im Sommer zunehmend reife «Samen» und Früchte. Der Sommer ist auch die Zeit zum Sammeln von Bergkräutern in den Alpen.



Herbst: Ist beste Zeit für das Sammeln von Samen, Früchten, Wurzeln und Rhizomen. Viele Früchte sind in dieser Jahreszeit reif und schmackhaft. Auch Wurzeln und Rhizomen sind dann gehaltvoll, da in der Zwischenzeit die im Sommer produzierten Nährstoffe eingelagert wurden. Oft ist der Herbst auch so etwas wie der «zweite Frühling», denn mit den ersten herbstlichen Niederschlägen treiben auf abgemähten Flächen bei vielen Arten wieder frische Stängel und Blätter aus. Und bei günstiger Witterung findet man auch im Herbst noch viele blühende Wildpflanzenarten.



Und wie sieht es im Winter aus? Auch im Winter findet man Wildpflanzen, nicht nur immergrüne Nadelbäume, sondern auch viele Kräuter (zumindest im Tiefland)! Klar, das Angebot ist im Vergleich zu den anderen Jahreszeiten stark reduziert, aber man findet trotzdem mehr als man auch den ersten Blick vermuten würde. So sind zahlreiche bekannte Kräuter wintergrün, wie z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich oder Gundermann und viele mehr. Einige Arten findet man um diese Jahreszeit sogar deutlich häufiger, wie z.B. die Vogelmiere, die Acker-Taubnessel oder der Gemeine Hirtentäschel. Das Angebot ist stark abhängig von der Witterung. In milden Wintern (mittlerweile ja der Standart…) ist das winterliche Wildkräuterbuffet besonders reichhaltig. Weiter findet man bis in den Winter hinein auch Früchte von Bäumen und Sträuchern, wie z.B. Hagebutten oder auch Eicheln / Bucheckern, die am Boden liegen. Wie erwähnt sind im Winter auch Nadelbäume eine gute Option.  




Sammel-Uhrzeit


Gewisse Inhaltsstoffe bestimmter Pflanzen können in ihrer Konzentration im Tagesverlauf schwanken. So ist der Gehalt an Ätherischen Ölen generell am späten Vormittag etwas höher als zu anderen Uhrzeiten. Der Unterschied ist aber nicht matchentscheidend. Am besten richtet man seine Sammelaktivität auf die Zeit, die der persönlichen Agenda, bzw. dem Lebensstil am besten zusagt. Einen grossen Einfluss auf die Konzentrationen der Inhaltsstoffe hat auch das Wetter. Gerade angenehm duftende Molkküle auf den Blüten oder den Drüsenhaaren von Stängel und Blättern können durch den Regen ausgewachen werden, bzw. deren Emission aus den Drüsenhaaren / den Blüten kann bei Regen reduziert sein. Beim Abstrocknen nach dem Regen nimmt der Duft dann wieder zu. Nach tagelangem Regen kann es teils durchaus auch 1-2 Tage dauern, bis die Duftstoffe wieder in voller Pracht vorhanden sind.


Tipps zum Sammeln und Verarbeiten für die kulinarische Nutzung


Siehe Kapitel "Grundlagen Wildkräuterküche"



weiter gehts tief in die Materie der Grundlagen rein:


Grundlagen (Rechtliches, Ehrenkodex, Material, usw.)

Gefahren (Giftpflanzen, Fuchsbandwurm, usw.)

Inhaltstoffe von Wildpflanzen

Pflanzen bestimmen

Botanikwissen aufbauen


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