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Inhaltsstoffe von Wildpflanzen
Essbare Wildpflanzen als Superfood?
Wir sind es uns gewohnt, dass auf Lebensmittelpackungen die jeweiligen Inhaltstoffe und der Kaloriengehalt angegeben wird. Lebensmittel, bzw. aus dem Supermarkt, bzw. die Rohstoffe davon, sind generell gut untersucht und werden unter kontrollierten Bedingungen angebaut.

Bei essbaren Wildpflanzen ist das etwas anders: Zwar wurden viele Pflanzenarten mal chemisch untersucht, meist allerdings nur grob und lückenhaft. Weiter können die Nährstoffgehalte einer Pflanze je nach Individuum, Boden, Umweltbedingungen, Jahreszeit, erfolgte Infektion durch Parasit, etc. enorm schwanken. Am besten untersucht sind Pflanzen mit arzneilichen Nutzungen, die auch in den Arzneibüchern und Monographien erwähnt werden, sowie auch jene Wildpflanzenarten, die als Lebensmittel oder Tierfutter genutzt werden.
Vitamine und Mineralstoffe
Essbare Wildpflanzen haben im Gegensatz zu Kulturpflanzen haben generell eine höhere Dichte an Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen, wobei auch hier immer der Einzelfall betrachtet werden muss. Allerdings sind auch die konsumierten Mengen in der Regel deutlich geringer. So ist die Menge an Vitamin C pro 100g in der Brennnessel gegenüber einer Orange zwar um ein Faktor 6 höher, trotzdem konsumiert man davon meist viel geringere Massen. Weiter ist wie erwähnt die Variablität je nach Standort und Lebensbedingungen sehr gross und belastbare "Nährstofftabellen" nur bei wenigen Arten vorhanden. Bei Vergleichen muss man auch immer beachten, ob es sich bei der konkreten Angabe um Frisch- und Trockenmasse handelt, denn dies kann die Werte um einen Faktor 10 erhöhen / erniedrigen. Zu beachten ist weiter, dass nur weil ein Stoff in hoher Konzentration vorliegt, das noch lange nicht bedeutet, dass dieser auch gut vom Körper aufgenommen wird. So wird Eisen im Fleisch um ein Vielfaches besser aufgenommen, als im pflanzlichen Gewebe. Bei gewissen Pflanzen dessen wird die Eisen-Aufnahme zusätzlich durch die darin enthaltene Oxalsäure erschwert.

Zu erwähnen ist ausserdem, dass die Menschen in Mitteleuropa keinen generelll akuten Vitaminmangel haben. In bestimmten Fällen sind jedoch trotzdem unzureichende Zufuhren bei bestimmten Gruppen vorhanden, wie beim Vitamin-D im Winter, Eisen bei bestimmten Frauen, bei bestimmten Erkrankungen oder stark einseitiger Ernährung, bei speziellen Diäten (z.B. Veganismus mit Vitamin B12) oder generell bei Erkrankungen, usw. Allerdings haben viele Personen suboptimale Vitamin-Spiegel im Blut, ohne dass jedoch eindeutig sichtbar Mangelbeschwerden auftreten (eine erhöhte Infektanfälligkeit oder Müdigkeit können auf supotimale Versorgung hindeuten, können aber auch komplett andere Ursachen haben). Essbare Wildpflanzen als Ergänzung in einem generell abwechslungsreichen Speiseplan können zumindest dazu beitragen, diese Lücke zu füllen.
Vitamine und Mineralstoffe sind auch keine Zaubertrankstoffe, mit denen man seinen Körper boostern kann, sondern einfach nur Stoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und damit von aussen via Nahrung zugeführt werden müssen. Nimmt man davon zu wenig auf, kriegt man Mangelerscheinungen. Sind die Speicher jedoch voll, wird der Überschuss ausgeschieden, ohne dass man einen Nutzen davon hat.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Wichtige Inhaltstoffe von Essbaren Wildpflanzen sind nicht nur die Klassiker wie Kohlenhydrate, Ballaststoffe Eiweisse, Fette, Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch die sekundären Pflanzenstoffe, wie z.B. Gerbstoffe, Saponine, Flavonoide etc. Diese erfüllen meist eine Funktion als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde, Schutz vor UV-Licht oder Schutz vor freien Radikalen.
Wildpflanzen enthalten im Gegensatz zu Kulturpflanzen generell deutlich mehr solcher Abwehrstoffe, und zwar weil sie sich im Gegensatz zu diesen selbst (ohne Pestizide) gegen Pathogene, Fressfeinde und pflanzlichen Konkurrenten behaupten müssen. Kulturpflanzen sind hingegen auf Ertrag, Grösse, Geschmack, geringe Bitterkeit, Lagerfähigkeit, usw gezüchtet und ein Teil der Abwehr wird dort durch menschliche Eingriffe (Pestizide, Unkraut-Jäten, Bodenbearbeitung, Pflege) übernommen.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind oft bitter, so dass Essbare Wildpflanzen in der Regel eine herbe bis stark bittere Geschmacksnote aufweisen. Die Sekundären Pflanzenstoffe oft auch die Substanzen, mit denen die pharmakologischen Wirkungen einer Heilfpflanzte einhergehen. Dann gibt es wiederum Sekundäre Pflanzenstoffe, wie z-B. Flavonoide, die mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht werden.
>> Mehr zu sekundären Pflanzenstoffe und detailliertem Beschrieb der den einzelnen Stoffgruppen hier
Superfood?
Im Zusammenhang mit Essbaren Wildpflanzen taucht wegen dem hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt, bzw. den Sekundären Pflanzenstoffen oft der Begriff "Superfood" auf.
Allgemein können Essbare Wildpflanzen aufgrund des generell höheren Vitamin- und Mineralstoffgehaltes, wie auch den Sekundären Pflanzenstoffen und den enthaltenen Ballaststoffen als gesunde Nahrungsmittel eingestuft werden. Doch der Begriff "Superfood" ist vor allem ein Marketingsbegriff und viel Profit mit einem überteuerten exotischen Lebensmittel zu machen (wie z.B. Chiasamen). Suggiert wird dabei oft, dass man seinen Körper damit in irgendeiner Weise "boostern" können, also diese Lebensmittel im Gegensatz zu unserem ""langweiligen heimischen food", wie z.B. Leinsamen eigentliche Wundermittel darstellen, die im zivilisierten Europa bisher nicht auf dem Schirm gewesen sind. Als "magic pills" sollten sie dabei im Stande sein, einfach und unkompliziert eine Gesundheit in den Griff zu kriegen.

Genauso wie mit diesem exotischen Lebensmitteln, sollte auch die Erwartung mit Essbaren Wildpflanzen realistisch bleiben: Essbare Wildpflanzen können zweifelsfrei für ein gesundes Leben einen Teil dazu beitragen, doch magische Wunder bewirken können auch sie nicht! Viel wichtiger für seine persönliche Gesundheit ist eine generell abwechslungsreiche, vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung mit viel Ballaststoffen und genügender Proteinaufnahme. Ebenso matchentscheiden sind weitere Faktoren des Lebensstils, wie ausreichend Bewegung / Sport, Verzicht auf Rauchen und Drogen, kein langfristiger Stress oder Schlafmangel, soziale Bindungen, eine positive Lebenseinstellung, usw.
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