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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen


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Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen richtig und sicher bestimmen


Egal ob man Wildpflanzen kulinarisch oder zu Heilzwecken nutzt, resp. damit Produkte herstellt: Alles beginnt mit einer sauberen Pflanzenbestimmung! Wenn man keine Pflanzen bestimmen kann, dann gibt weder einen leckeren Wildkräutersalat, noch eine Heilsalbe daraus, es sei denn man lebt sehr gefährlich (siehe Abschnitt Giftpflanzen hier). Die Bestimmung von Pflanzen ist also das essentielle Grundhandwerk, welches jeder Verwertung / Nutzung vorangeht.


Bestimmung nach Pflanzenmerkmalen


Die Bestimmung einer Pflanze erfolgt weder nach Gefühl, noch nach der Art «sieht ein bisschen aus wie…», sondern durch das systematische Scannen der charakteristischen Pflanzenmerkmalen einer Art.


Es geht also um Mustererkennung und dazu schaut man diese Merkmale detailliert an und vergleicht sie mit den Pflanzenmerkmalen der Art, die man vermutet. Merkmale sind z.B. Blattform, Blattanordnung, Behaarung, Blütenmorphologie, Fruchttyp, usw.


Welche charakteristischen Merkmale für eine Art entscheidend sind und wie diese beschrieben werden können, findet man in Pflanzenbeschreibungen aus Ressourcen wie Kräuterbüchern, Flora Helvetica, Videos/Reels oder auch in den Pflanzenbeschreibungen des erdflow-Phytikons, bzw. in persönlich angelegten Notizen. Zum Beispiel schaut man bei der Bestimmung vom Bärlauch auf die lanzettliche Blattform, die parallelen Blattnerven, die matte Blattunterseite und die Tatsache, dass die Blätter direkt aus dem Boden kommen (warum der Geruchstest keine gute Idee ist, erfährst du hier).


Hand hält ein Exemplar eines essbaren Echten Labkrautes (Galium verum) mit vielen kleinen gelben Blüten, um es für die kulinarische Verwendung sicher zu bestimmen. Ruhige Stimmung in einer natürlichen Umgebung.

Das Bestimmen von Pflanzen erfolgt durch das eigene Mustererkennungsprogramm mit Hilfe der Bestimmungsmerkmale. Beim Echten Labkraut (Galium verum, Foto oben) sind es die quirlige Anordnung der lanzettlichen Blätter und die Rispe aus gelben, 4-zipfeligen Einzelblüten.


Im besten Falle hat man die Merkmale sicher im Kopf abgespeichert. Kommt jedoch Zweifel oder Unsicherheit auf, lohnt es sich zur Sicherheit in der Bestimmungsliteratur nachzuschlagen. Je öfters man sich mit einer Art beschäftigt, desto eher kann man sich die Merkmale merken (siehe nächster Abschnitt «Botanikwissen aufbauen»). Mit der Zeit läuft das Abscannen einer Pflanze im Kopf automatisch ab.


Sind bei einer Art giftige Doppelgänger vorhanden, muss den charakteristischen Unterschieden der beiden Arten besondere Beachtung geschenkt werden. So wird beim Bärlauch besondere Beachtung u.a. auf die matte Blattunterseite gelegt, da diese bei den giftigen Doppelgängern wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen glänzend ausgebildet ist. Bei Essbaren Wildpflanzen mit hochgiftigen Doppelgängern, lohnt es sich diese auch erst zu Sammeln, wenn man mit der botanischen Bestimmung etwas Erfahrung hat.


Sobald sich beim Bestimmen ein Gefühl der Unsicherheit breit macht oder man dabei ein schlechtes Baugefühl spürt, muss man das ernst nehmen und als Sicherheitsmarge gegebenfalls auf das Sammeln verzichtet werden (aufgeschoben heisst jedoch nicht aufgehoben!).


Bestimmungsliteratur


Bestimmungsressourcen wie erwähnt, nebst den Pflanzenbeschreibungen hier auf dem erdflow-Phytikon auch persönliche Notizen oder diverse Bücher. Bei den Bücher emfiehlt es sich jede zu verwenden, die einen Bezug zur kulinarischen Nutzung haben, da dort auch Wert auf mögliche gefährliche Verwechslungen gelegt wird. Beispiele hierzu sind z.B.

  • Rudi Beiser - Unsere Essbare Wildpflanzen: Der empfohlene Klassiker schlechthin. Darin sind die wichtigsten essbaren Wildpflanzen Mitteleuropas mit deren Bestimmungsmerkmalen, möglichen Verwechslungen und Verwendungen beschrieben.

  • Otmar Diez - Unsere essbaren Bäume und Sträucher: Die ideale Ergänzung zum Buch von Rudi Beiser. Das Buch widmet sich dabei den essbaren Bäumen und Sträucher etwas detaillierter.

  • Steffen Guide Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger -  Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, 2000 Pflanzen Mitteleuropas: In diesem Buch sind für die meisten Pflanzenarten die Bestimmungsmerkmale stichwortartig und mit einer Skizze beschrieben. Ausserdem sind zu vielen Arten auch Fotos vorhanden. Der Nachteil: Das Buch ist sehr gross und schwer und ist damit für den Felseinsatz ungeeignet (auch eine E-Book-Version ist bisher nicht erhältlich)

  • Kosmos-Naturführer – Was blüht denn da?: In diesem Buch sind 870 Pflanzenarten nach ihren Bestimmungsmerkmalen beschrieben, mit schönen und detaillierten Skizzen. Geordnet sind die Arten nach Blütefarbe und weiteren Blütenmerkmale. Das Buch hat jedoch keinen grossen Bezug zur Nutzung / Essbarkeit und Nutzung der Pflanzen.

  • Flora Helvetica: Es ist das Standartwerk für die Botanik der Schweiz. Es enthält Beschreibungen, Fotos und Grafiken von allen Gefässpflanzen, die in der Schweiz vorkommen. Weiter können damit die Pflanzenarten systematisch mittels botanischen Bestimmungsschlüsseln bestimmt werden. Für Fortgeschrittene sehr zu empfehlen! Das Buch ist jedoch sehr dick und schwer und damit für den eher ungeeignet. Es ist jedoch auch als App erhältlich!


Bücher, Skripte, persönliche Notizen, etc. brauchen Platz im Rucksack und man führt diese auch nicht ständig mit sich. Es lohnt sich diese (nebst der gedruckten Ausgabe) auch als E-Book, PDF auf das Smartphone zu laden. Da man das Smartphone ja praktisch immer und überall dabei hat, kann man so auch jederzeit auch seine Bestimmungsliteratur zugreifen!


mit Pflanzenbestimmung-Apps?


Warum aber das Ganze, wenn man doch heutzutage mit einer Smartphone-App praktisch jede Pflanze bestimmen kann? In der Tat haben diese Apps auf dem Markt eine sehr hohe Trefferquote. Für die definitive Bestimmung zur Nutzung einer Pflanze wird jedoch ausdrücklich davon abgeraten! Die Trefferquote ist bei weitem nicht bei 100% und oft ist sich das App selbst auch nicht ganz sicher und macht mehrere Vorschläge. Die Gefahr besteht vor allem, wenn giftige Doppelgänger vorhanden sind.

Weiter würde man dabei jede Menge Selbstverantwortung für sein Leben und seine Gesundheit dem App abgeben. Ja, beim Konsum von Lebensmitteln aus dem Supermarkt oder bei Medikamenten geben wir auch die Verantwortung auch ab, doch da steckt auch eine ganze Reihe menschlicher Experten, Studien, Vorschriften, kontrollierte Herstellungs- und Lagerbedingungen dahinter. Diese multiple Sicherheitskette ist niemals zu vergleichen mit einem simplen App-Algorithmus! Und Essbare Wildpflanzen zu sammeln, heisst eben auch vor allem Selbstverantwortung zu übernehmen!



Im Bild oben ist die Pflanze links vom menschlichen Auge einfach und eindeutig bestimmbar: Ein giftiges Maiglöckchen (glänzende Blattunterseite, zwei den Stiel leicht umfassenden Blätter). Vom App PlantNet wird es jedoch als essbarer Bärlauch eingestuft. Auch wenn das App aus eigener Erfahrung in 90% der Fälle ein Maiglöckchen korrekt erkennen kann, kann es ernsthafte Konsequenzen haben, wenn man sich darauf verlässt!


Sind Pflanzenbestimmungs-Apps also schlecht und zu verteufeln? Nein, auf keinen Fall, im Gegenteil. Diese Pflanzenbestimmungs-Apps können richtig eingesetzt sehr wertvoll sein um neue Pflanzenarten kennenzulernen. Die sichere Bestimmung, bevor man Pflanze konsumierst, muss man jedoch selbst erledigen.


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