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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke


In diesem Abshcnitt soll es darum gehen, wie Heilpflanzen für den Selbstgebrauch in der Hausapotheke zubereitet werden können


Frisch oder getrocknet ?

Zerreiben und äusserlich Auftragen

Tee

Tinktur

Ölauszug

Pflegeöle

Salbe

Umschläge / Wickel

Breiumschlag

Dampfinhalation

Vollbad

Weitere Zubereitungen


>>> zum Disclaimer bzgl. Heilpflanzen-Angaben <<<


Frisch oder getrocknet ?


Getrocknete Pflanzenteile (auch «Drogen» genannt) haben den Vorteil, dass sie haltbar sind und so auch angewendet werden können, wenn die Art (aus geographischen oder jahreszeitlichen Gründen) draussen gerade nicht verfügbar ist. Der grosse Nachteil getrockneter Pflanzenteile liegt jedoch darin, dass sich die Wirkstoffe mit der Zeit verflüchtigen.


Beim Trocknen ist es wichtig, dass das Pflanzenmaterial nur grob zerkleinert wird, denn dies geht mit einem deutlich rascheren Wirkstoffverlust einher. Eine Ausnahme stellen schwer trockenbare Pflanzenteile wie Wurzeln, fleischige Früchte oder Rinden dar. Die Trocknung erfolgt am besten an einem trockenen, gut durchlüfteten und sonnengeschützten Ort (die Sonne zerstört viele Wirkstoffe!), am besten mit Hilfe eines Trocknungsrahmens. Das Ganze kann auch mit Dörrex oder im Backofen bei maximal 40 Grad Umluft mit leicht geöffnetem Spalt deutlich beschleunigt werden. Sobald die Pflanzenteile sich nicht mehr biegen lassen, resp. bei der Berührung automatisch beginnen auseinanderzufallen, ist die Trocknung abgeschlossen. Zur Lagerung werden die Pflanzenteile an einem dunklen Ort in ein gut abgeschlossenes Gefäss gelegt. Zerkleinert werden die Pflanzen dann erst unmittelbar vor der Weiterverarbeitung (zum Tee, Tinktur, Ölauszug,…). Geschnittene Drogen mit leicht flüchtigen Bestandteilen lassen sich ca. 1 Jahr gut lagern. Jene ohne flüchtige Bestandteile halten sich sogar mehrere Jahre.



Zerreiben und äusserlich auftragen


Wenn man draussen unterwegs ist, dann hat man meist weder Zeit sich eine Tinktur anzusetzen bzw. womöglich nicht gerade die benötigte Ausrüstung dabei, um einen Teeauszug daraus herzustellen.


Die einfachste und schnellste Möglichkeit, um sich die Wirkstoffe zugänglich zu machen ist deshalb das Zerreiben der benötigten Pflanzenteile. Der damit heraustretende Pflanzensaft wird anschliessend auf die betroffene Stelle auf der Haut oder der Wunde eingerieben. Oft dauert es eine Weile, bis sich das Pflanzengewebe beim Zerreiben dahingehend aufgelöst hat, dass der Pflanzensaft austritt.


Falls es sich um eine ungiftige Pflanze handelt, kann dieser Vorgang auch beschleunigt werden, indem der Pflanzenteil zerkaut und mit Speichel anreichert wird. Damit kann die Heilwirkung gegebenfalls verstärkt werden, da der Speichel selbst auch antibakterielle und wundheilungsfördernde (und sogar schmerzstillende) Substanzen enthält. Zur Desinfektion offener Wunden wird jedoch von der Verwundung von Speichel abgeraten, da sich darin auch zahlreiche Mikroorganismen («Mundflora») befinden, die zu einer Infektion führen können.


Vorsicht bei Offenen Wunden: Nur saubere Pflanzenteile verwenden, bzw. im Speichel befinden sich auf den Pflanzen zahlreiche Mikroorganismen, die zu einer ersthaften Infektion führen können !



Tee


Tee, aber auch Tinkturen und Ölauszüge sind sogenannte Extrakte. Das Ziel dabei ist, mit einem Extraktionsmittel die Inhaltstoffe aus dem Pflanzenmaterial herauszulösen. Beim Tee stellt dabei das Wasser das Extraktionsmittel dar. Genutzt werden frische oder getrocknete Pflanzenteile, die vor der Zubereitung fein zerkleinert werden, so dass die Inhaltsstoffe auch optimal herausgelöst werden können.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Teeauszug mit Kräutern: Gehackte grüne Blätter auf Holzbrett neben Messer. Rechts eine weiße Tasse mit den Blättern in Wasser. Natürliche Küchenszene.

 

Festere Pflanzenteile, wie z.B. die «Samen» von Fenchel oder Anis werden direkt vor dem Auszug ausserdem mit dem Mörser etwas zerstossen.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Teeauszug mit Samen: Auf Holzbrett Mörser mit Gewürzen und zwei Tassen gelber Flüssigkeit. Gewürze liegen neben den Tassen, natürliche Farben.

Beim Tee werden die vier Arten unterschieden:


  • Aufguss (Infus): Das Pflanzenmaterial wird mit heissem (bis kochenden) Wasser übergossen und nach einer gewissen Zeit (je nach Rezept 5 bis 20 min) abgeseiht. Ob das Übergiessen dabei mit heissem oder kochend-heissem Wasser erfolgt, hängt von den konkreten Wirkstoffen ab.


  • Abkochung (Dekokt): Das Pflanzenmaterial wird in kaltes Wasser gelegt, welches erst aufgekocht und dann einige Minuten weitergekocht wird, ehe es schliesslich abgeseiht wird. Dabei entsteht ein Sud, der anschliessend für die Heil-Anwendung verwendet wird. Die Methode eignet sich vor allem für Wurzeln, Rinde oder sonstige harte Pflanzenteile.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Teeauszug als Dekokt mit Wurzeln und Rhizome: Links Brennnesselwurzeln auf grauem Hintergrund, rechts kochen gehackte Wurzeln in einem Topf mit Wasser. Lebhafte Naturfarben.
Für einen Tee aus Brennnesselrhizomen, werden diese erst zerkleinert und dann ausgekocht

  • Kaltansatz (Mazeration): Das Pflanzenmaterial wird in kaltem Wasser ausgezogen und zwar mit einer Ziehzeit, die (in der Regel) mehrere Stunden dauert, ehe am Ende abgeseiht wird. Kaltansätze werden z.B. verwendet, wenn die in den Pflanzenteilen enthaltene Gerbstoffe nicht in die Lösung gehen sollen. Der Nachteil liegt darin, dass damit Keime nicht abgetötet werden. Am Ende wird der Auszug (zur Desinfektion) bedarfsweise noch kurz aufgekocht. Falls der Kaltansatz mit dem Pflanzenmaterial am Ende noch für ein paar Minuten ausgekocht wird, spricht man von einem Mazerationsdekokt.


Beim Teeauszug gelangen vor allem wasserlösliche Inhaltsstoffe ins Wasser. Typische wasserlösliche Stoffe sind z.B. Gerbstoffe, Aucubin, Schleimstoffe und viele Stoffe, die als Glykoside vorliegen (wie z.B. Flavonoide). Ätherische Öle, die vor allem fettlöslich sind, erreichen den Auszug nur in kleiner Menge, die aber unter Umständen für die Heilanwendung bereits genügt. Damit diese Ätherischen Öle sich nicht mit dem Dampf ins Nirvana verflüchtigen, muss die Teekanne oder Tasse während der Zubereitung mit einem Deckel verschlossen werden, so dass diese zurück in den Auszug tropfen können.


Ein Nachteil des Teeauszuges ist seine geringe Haltbarkeit, d.h. er sollte innerhalb eines Tages konsumiert werden. An seine Grenzen kommen Teezubereitungen, wenn für die Therapie höhere Wirkstoffmengen (z.B. beim Weissdorn) notwendig werden . Hier muss auf hochdosierte Extrakte aus dem Handel zurückgegriffen werden. Ebenfalls eingeschränkt ist der Nutzen vom Teeauszug bei Wirkstoffen, die sich kaum im Wasser lösen lassen (hier sind Tinkturen oder Ölauszüge zielführender).


Die Nutzung eines Teeauszuges geht über das reine Trinken zur inneren Einnahme hinaus. Der Tee kann nämlich auch zum Gurgeln (bei Entzündungen um Mund-Rachenraum), für einen Umschlag oder als Badezusatz verwendet werden.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Gurgeln eines Teeauszuges bei Halsgeschichten

Tees, die im Handel erhältlich sind, liegen meist in Form von Teebeuteln oder als Instanttees vor. Gerade bei Teebeuteln kann die dafür notwendige Zerkleinerung zu einem Verlust an Ätherischen Ölen führen. Häufig werden Teemischungen aus mehreren Pflanzenarten angeboten. Diese sind mit Vorsicht zu geniessen, da dabei auch die Wirkstoffgehalte der einzelnen Pflanzenarten deutlich reduziert ist.



Tinktur


Eine Tinktur ist ein Extrakt mit einer Alkohol-Wasser-Mischung als Lösungsmittel. Das Ethanol (also der Alkohol) bewirkt dabei auch eine erhöhte Löslichkeit fettlöslicher Stoffe. Ein Vorteil von alkoholischen Auszügen liegt auch in der langen Haltbarkeit von mehreren Monaten bis mehreren Jahren. Die Löslichkeit von verschiedenen Wirkstoffen ist dabei aber je nach Alkoholgehalt unterschiedlich. So sollte für die Extraktion von eher wasserlöslichen Substanzen wie Gerbstoffe, Schleimstoffe, Anthocyanen, Arbutin, Aucubin, usw. der Alkoholgehalt nicht mehr als 60% betragen (der Alkoholgehalt sollte für eine optimale Haltbarkeit aber mindestens über 25 Vol% betragen). Ätherische Öle, Cumarine, usw. benötigen hingegen einen Alkoholgehalt von über 50%.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Tinktur: Hand hält Pipette über brauner Tinktur auf grauem Tisch. Weiße Kachelwand im Hintergrund. Etikett auf der Flasche mit Text.

Die Wahl des Alkoholgehaltes richtet sich also nach den gewünschten Wirkstoffen. Als Alkohol-Wasser-Mischung für den Eigengebrauch werden am besten Spirituosen aus dem Handel verwendet. Um den optimalen Alkoholgehalt zu kriegen, werden diese mit Wasser verdünnt. Die Menge an Wasser zur Verdünnung (VW) lässt sich Berechnen aus dem gewünschten Alkoholgehalt (in Vol%) des Endproduktes (e), dem Volumen der Ausgangsspirituose (VA) und dem Alkoholgehalt (in Vol%) der Ausgangspirituose (a):

VW = VA * ( a – e ) / e


Die benötigte Wassermenge zur Verdünnung lässt sich auch ohne mathematische Formeln bequem aus Graphik unten entnehmen:


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Tinktur: Diagramm zeigt Verdünnung von Alkohol: Mengen Wasser (ml) gegen gewünschten Alkoholgehalt (Vol%). Grün beschriftet, Kurven mit Vol%-Markierungen.

Die Menge an Wasser zur Verdünnung (VW) für eine bestimmte Menge des Endproduktes (VE), lässt sich auch aus dem gewünschten Alkoholgehalt (in Vol%) des Endproduktes (e), dem Volumen der Ausgangsspirituose (VA) und dem Alkoholgehalt (in Vol%) der Ausgangspirituose (a) wie folgt berechnen:


VW = VE * ( a – e ) / aVA = (VE-VW)


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Tinktur: Diagramm zur Alkoholverdünnung mit grünen Linien. Achsen zeigen gewünschten Alkoholgehalt und benötigte Wassermenge. Text in grün.

Tinkturen können sowohl aus frischen als auch getrockneten Pflanzenteilen («Drogen») hergestellt werden. Das Pflanzenmaterial wird dabei zerkleinert, danach in ein Glasgefäss gelegt, welches anschliessend mit dem Alkohol-Wassergemisch gefüllt wird. Feste Pflanzenteile, wie «Samen» oder Wurzeln, werden vorgängig mit dem Alkohol-Wassergemisch in einem Mörser zerstampft.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Tinktur: Auf einem Holzbrett liegen gehackte grüne Kräuter. In einem Glas wird Flüssigkeit aus einer Flasche mit der Aufschrift "Absolut" eingegossen.

Das Verhältnis zwischen getrocknetem Pflanzenmaterial und Extraktionsmittel (genannt Drogen-Extrakt-Verhältnis aka DEV) beträgt meist entweder 1:5 oder 1:10 («1:5» bedeutet 1g Droge auf 5ml Lösungsmittel). Wichtig ist, dass das Pflanzenmaterial vollständig bedeckt ist, da es sonst zur Schimmelbildung kommen kann. Das Ganze wird nun an einem von Sonnenlicht geschützten Ort ca. 2-3 Wochen ausgezogen. Durch ein regelmässiges Schütteln kann man den Auszugsvorgang etwas unterstützen. Am Ende wird das Pflanzenmaterial abgeseiht (mit feinem Sieb und bedarfsweise danach zusätzlich mit einem Kaffeefilter) und die Tinktur wird anschliessend in ein Tropfglas abgefüllt. Denn durch die Tropfpipette kann bei der Einnahme die Menge gut kontrolliert werden. Ein Tropfen hat dabei ungefähr ein Volumen von 0.05 ml, resp. 1ml umfasst ca. ca. 20 Tropfen.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Tinktur: Glas mit Spitzwegerich und vier Fläschchen mit Pipetten auf grauem Untergrund. Etiketten mit Datum und Vodka-Anteil.

Zur innerlichen Anwendung werden mehrere Tropfen (meist 20-30 Tropfen > 1-1.5 ml) aus der Tropfpipette entweder direkt geschluckt oder im Wasser verdünnt. Da man mit der Tinktur auch Alkohol zu sich nimmt, stellt sich natürlich die Frage nach der dabei aufgenommenen Alkohol-Menge: 1ml (20 Tropfen) einer Tinktur mit 50 Vol% entsprechen dabei ca. 10ml Bier, bzw. 4.2ml Wein. Dies sind so geringe Mengen, dass dies für die allermeisten Menschen kein Problem darstellt. Anders sieht es jedoch bei Alkoholabstinenz, Schwangerschaft / Stillzeit, Lebererkrankungen oder bei Kindern aus, wo von der Einnahme von Tinkturen abgeraten wird.


Um aus einer Tinktur ein hochdosiertes Präparat zu machen, wird bei der industriellen Produktion pflanzlicher Arzneimittel das Lösungsmittel aus der Wasser-Ethanol-Mischung nachträglich entfernt. Bei einem DEV von 1:1 bis 1:3 spricht man von einem Fluidextrakt. Wird dieses eingedickt, dann spricht man von einen Dickextrakt, resp. bei kompletter Entfernung des Lösungsmittels vom Trockenextrakt (siehe Abschnitt «weitere Zubereitungen»).


Für äusserliche Anwendungen können Tinkturen auch in Salben oder in Cremes eingerührt werden.



Ölauszug


Dabei wird das Pflanzenmaterial in einem fetten Pflanzenöl ausgezogen (z.B. Olivenöl, Mandelöl, usw.). Dieses Verfahren ist eine gute Wahl, wenn fettlösliche Wirkstoffe extrahiert werden sollen. Solche sind z.B. Ätherische Öle, Carotinoide, Cumarine, Flavonoide ohne Glykosid, Senföle, usw. Als Lösungsmittel sollten nur Öle verwendet werden, die eine gewisse Haltbarkeit aufweisen. Raffinierte Öle (durch chemische Extraktion gewonnen) sind jeweils länger haltbar als Native Öle (durch Pressung gewonnen) und haben einen geringeren Gehalt an Umweltgiften (wie Pestizide, Schwermetalle), sowie weniger Eigengeschmack. Allerdings enthalten sie auch weniger wertvolle Vitamine.


Je nach Temperatur des Auszuges unterscheidet man:


  • Kaltauszug: Das frische oder getrocknete Pflanzenmaterial wird erst zerkleinert oder vermörsert (v.a. bei «Samen» wichtig) und anschliessend in einem Gefäss (Glasbehälter) mit dem Öl übergossen. Meist beträgt das Verhältnis zwischen Pflanzenmaterial und Öl ca. 1:10. Das Pflanzenmaterial muss vollständig vom Öl überdeckt sein, da es sonst zur Schimmelbildung kommen kann. Frische Pflanzenteile sollten bei trockenem Wetter gesammelt werden oder werden vorgängig kurz angetrocknet, da durch den erhöhten Wassergehalt auch eine erhöhte Gefahr für Schimmelbildung besteht. Allerdings gibt es auch Arten, die müssen komplett frisch verwendet werden, da sich die Wirkstoffe sehr schnell verflüchtigen, wie z.B. beim Johanniskraut oder Arten mit Senfölglykosiden. Wichtig ist auch, dass die Pflanzenteile vorgängig nicht gewaschen werden, denn dadurch werden sie erst recht nass. Ausgezogen wir das Ganze an einem von der Sonne geschützten Ort für ca. 2 Wochen und am Ende wird das Pflanzenmaterial mit einem Sieb und einem darüber gelegten Teefilter abgeseiht (ohne Auspressen der Pflanzenteile, da sonst der Wassergehalt im Öl steigt!). Von einer innerlichen Anwendung eines mit frischen Kräutern durch Kaltauszug hergestellten Ölauszuges wird wegen der Gefahr einer Botulismus-Vergiftung ausdrücklich abgeraten!


  • Warmauszug: Bei Pflanzenteilen, wo die Gefahr einer Schimmelbildung besonders hoch ist (wie z.B. bei Wurzel, Samen oder Nadeln) ist ein Warmauszug sinnvoller. Das Pflanzenmaterial wird dabei in einem Topf mit dem Öl übergossen und auf maximal 60°C erwärmt (Kontrolle durch ein geeignetes Thermometer), wo es für 1-2 Stunden unter gelegentlichem Rühren (für jeweils 1-2 Minuten) ausgezogen wird. Danach wird es abgekühlt und anschliessend abgeseiht. Um Kondenswasser in der Flasche zu vermeiden, wird das Pflegeöl erst auf Raumtemperatur abgekühlt und dann in die Flaschen abgefüllt. Das Erwärmen des Öls erfolgt am besten mit einer hitzebeständigen Schüssel (oder kleinerem Topf) in einem Wasserbad. Dabei erwärmt sich das Öl gleichmässiger und schonender als direkt über dem Herd. Die Temperatur des Wassers für ca. 60°C Öltemperatur beträgt dabei ca. 65 bis 70°C.


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Öl Heissauszug: Topf mit grünem Kraut in Wasserbad erhitzt, Temperatur bei 67,1°C. In zweitem Bild wird Kräuteröl durch Filter in Glas gegossen.

  • «Sonnenauszug»: Bei einem Auszug an der Sonne ist die Temperatur gegenüber einem Warmauszug etwas höher, was dazu führt, dass die Inhaltstoffe rascher ins Öl übergehen. Allerdings zerstört das Sonnenlicht viele Wirkstoffe und auch das Öl wird rascher ranzig. Aus diesem Gründen wird von einem Sonnenauszug abgeraten!


Für eine optimale Haltbarkeit werden die Ölauszüge an einem dunklen, kühlen Ort aufbewahrt (am besten im Kühlschrank). Generell gilt, dass Ölauszüge aus gepresstem Speiseöl ca. 1 bis 2 Monate und Raffiniertes Öl ca. 3 bis 6 Monate haltbar sind. Je mehr ungesättigte Fettsäuren im Öl, desto geringer die Haltbarkeit. Abgelaufenes, d.h. «ranziges» Öl erkennt man am unangenehmen Geruch und einem bitter-kratzigen Geschmack.


Die Ölauszüge können äusserlich als Pflegeöl angewendet werden oder teils (falls ungiftig und so zubereitet, dass keine Botulismus-Gefahr besteht) auch als Speisezusatz verwendet werden. Beliebt ist auch die Weiterverarbeitung zu Salben oder Cremes.


Pflegeöle


Pflegeöle werden äusserlich auf der Haut angewendet. Dies z.B. für eine Rückfettung (Ersatz natürlicher Hautfette nach dem Duschen oder Hände waschen), als eine Barriere zu Verhinderung von Flüssigkeitsverluste aus der Haut, zur Nährstoffversorgung, Regeneration nach Sonnenbrand / Verbrennungen, für Massagen oder auch zur Pflege von entzündlicher Haut. Sie werden durch einen Ölauszug (mit Speiseöl) aus entsprechenden wirksamen Pflanzenteilen (wie z.B. Blüten aus Arnika, Ringelblume, usw.) hergestellt.  Der Anteil an einfach- zwei- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Basisöl hat einen Einfluss darauf hat, wie rasch und wie tief es in die Haut einzieht:

  • Gesättigte Fettsäuren (wie z.B. beim Kokosöl, Olivenöl, Avocadoöl, Erdnussöl, speziell gezüchtetes «HO-Sonnenblumenöl») und einfach ungesättigte Fettsäuren (wie z.B. beim Olivenöl) ziehen langsam ein und hinterlassen auf der Haut einen schützenden Ölfilm, der vor Wasserverlust schützt und sich so gut zur Pflege von trockener Haut, Rückfettung nach dem Duschen oder als Massageöle eignen. Man nennt solche Öle auch «nichttrockende Öle».

  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren ziehen rasch in die Haut ein, hinterlassen keine fettigen Rückstände und verstopfen damit auch nicht die Poren. Sie eignen sich auch gut für fettige Haut. Allerdings sind diese Öle nur für eine kurze Zeit (z.T. nur wenige Wochen) haltbar. Man nennt entsprechende Öle auch «halbtrockende Öle» (z.B. Sonnenbliumenöl, Sesamöl, Rapsöl, Mandelöl) oder solche mit einem hohen Anteil an Linol-, resp. Linolensäure (die extrem rasch einziehen) auch «trockenende Öle» (z.B. Leinöl, Chiaöl, Traubenkernöl).


Jojobalöl: Dieses Öl wird aus den Früchten des Jojobastrauches (heimisch in Mexiko, Kalifornien, Arizona) gewonnen und ist kein Speiseöl, sondern ein flüssiges Wachs (der ab einer Temperatur von unter 8°C fest wird). Es besteht chemisch nicht wie die Speiseöle aus Triglyceriden, sondern aus Wachs-Estern. Es ist sehr hitzestabil, sehr lange haltbar, allerdings aber auch sehr teuer. Es kann als Zugabe die Haltbarkeit von Speiseölen verlängern (z.B. mit einem Anteil von 10 bis 20%). Jojobaöl ist nicht für innerliche Anwendungen geeignet!


Oxidationsschutz mit Vitamin E: Mit der Zugabe von reinem Vitamin E (Tocopherol), das in Naturkosmetik-Onlineshops bestellbar ist, kann die Haltbarkeit von Ölauszügen verlängert werden (ca. auf die doppelte Zeit), da dieses antioxidativ wirkt. Für einen 100ml Ölauszug werden ca. 20 Tropfen (0.5 bis 1g) am Ende des Auszuges, nach dem Abkühlen, dazugemischt. Generell verlängern auch weitere antioxidative Inhaltstoffe, die aus den Pflanzenteilen in den Ölauszug übergehen, die Haltbarkeit. Achtung: Vitamin E wirkt nicht konservierend gegen Keime, sondern schützt das Öl nur vor Oxidation!


Schnelle Herstellung durch Zugabe Ätherischer Öle: Statt einem Ölauszug können auch entsprechend wirksame Ätherische Öle in Reinform (z.B. Kamillenöl) mit einem Anteil von 1-2%, dem Basisöl dazugesetzt werden. Diese Methode ist jedoch ungeeignet, wenn das Pflegeöl anschliessend zu einer Salbe weiterverarbeitet wird (dann wird das Ätherische Öl erst während dem Abkühlen der Salbe hinzugefügt). Das Ätherische Öl besorgt man sich entweder im Handel oder sie werden selbst durch Wasserdampfdestillation gewonnen, Ein 1%-Anteil entspricht 20 Tropfen Ätherisches Öl auf 100ml Basisöl. Ähnlich wie Vitamin E verlängern auch Ätherische Öle die Haltbarkeit von Pflegeölen.



Salbe


Ein Ölauszug kann zu einer Salbe weiterverarbeitet werden. Salben haben im Gegensatz zu Pflegeölen eine fettige Konsistenz und haften so besser auf der Haut. Ausserdem ziehen sie nur sehr langsam in die Haut ein, was den Vorteil hat, dass der schützende Fettfilm lange erhalten bleibt und die Wirkstoffe zwar langsamer, dafür über eine längere Zeit schrittweise in die Haut einziehen, was bei trockener, entzündeter oder gereizter Haut von Vorteil ist. Mit Salben können ausserdem auch Tinkturen in eine "bequem auf die Haut aufzutragende Form" überführt werden (und wodurch man im Gegensatz zu reinen Pflegeölen auch wasserlösliche Wirkstoffe nutzen kann). Damit aus einem Pflegeöl eine Salbe entsteht, wird dem Ölauszug zur Verfestigung ein Konsistenzgeber (meist Bienenwachs) dazugesetzt.


Wasserbad: Für die Herstellung direkt auf dem Herd ist zwar kein extra Equipment notwendig, dafür besteht die Gefahr einer Überhitzung des Öls. Dies weil es sich bei direkter Hitze (im Gegensatz zu Wasser) sehr ungleich erwärmt und so trotz Kontrolle mit einem Thermometer die Temperatur lokal heisser sein kann. Aus diesem Grund wird für das Erwärmen ein Wasserbad empfohlen, bei dem die Zutaten in einem hitzebeständigen Gefäss (z.B. Becherglas oder kleiner Topf) in einer Pfanne mit heissem Wasser erwärmt werden. Dabei wird in der Pfanne so viel Wasser eingefüllt, dass das Gefäss noch aus dem Wasser herausragt (d.h. weder zu schwimmen noch unterzutauchen beginnt). Die Temperatur des Wassers beträgt dabei ein paar wenige Grad mehr als die gewünschte Zieltemperatur. Egal ob auf dem Herd oder im Wasserbad, die Temperatur mit einem Thermometer überprüft werden!


Desinfektion des Aufbewahrungsgefässes: Bei Salben und Cremes ist eine Sterilisation der Aufbewahrungsgläser oder -dosen besonders wichtig. Am besten werden sie dazu vorgängig mit hochprozentigem Ethanol eingesprüht und danach kurz getrocknet.


Salbe aus Pflegeöl

Bienenwachs wird von Bienen für den Bau der Honigwaben produziert. Es ist von gelber Farbe (gereinigtes und gebleichtes Bienenwachs ist hingegen von weisser Farbe) und hat einen Schmelzpunkt von 62°C. Bienenwachs wird dem Pflegeöl mit einem Anteil von 5 bis 15% (bezüglich des Gewichts) dazugegeben.


Das Vorgehen bei der Herstellung einer Salbe mit Bienenwachs läuft folgendermassen:

  1. Pflegeöl und Bienenwachs (Anteil je nach gewünschter Konsistenz bei 5-15%) zusammen im Wasserbad (Wassertemperatur ca. 65 bis 70°C) unter leichtem, vorsichtigem (Vermeidung Luftblasen!) Rühren erwärmen, bis sich das Bienenwachs vollständig aufgelöst hat.

  2. bei Bedarf: bis auf 40°C abkühlen lassen und dann Ätherische Öle einrühren (ca. 20 Tropfen Ätherisches Öl für 100ml Basisöl)

  3. Mischung in das Aufbewahrungsglas abfüllen und danach mit einem Tuch bedeckt abkühlen lassen.

  4. Sobald die Salbe fest wird, wird das Aufbewahrungsglas mit dem Deckel verschlossen (wird es früher verschlossen wird, bildet sich darin Kondenswasser!).


Heilpflanzen-Zubereitungen für die Hausapotheke - Salbe selber herstellen: Topf mit gelbem Öl und gelben Bienenwachs, die in Wasserbad erhitzt werden. Edelstahl im Hintergrund, Messmarkierungen und Thermometer erkennbar.

Eine auf diese Art hergestellt Salbe hat bei optimaler Zubereitung und Lagerung eine Haltbarkeit von ca. einem Jahr.


Balsam

Eine Salbenzubereitung mit Hilfe von Kokosfett, Kakaobutter oder Sheabutter wird auch «Balsam» genannt. Dabei ist der Gehalt vom Bienenwachs auf Kosten vorher genannten pflanzlichen Fetten geringer. Kokosfett, Kakaobutter oder Sheabutter liegen bei Raumtemperatur in einer halbfesten bis festen, Konsistenz vor, was den Balsam (gegenüber der Variante mit nur Bienenwachs) deutlich streichfähiger macht. Ausserdem haben diese selbst bereits wertvolle hautpflegende Eigenschaften. Da Kokosfett oder Sheabutter hitzeempfindlich sind, werden diese erst beim Abkühlen der Pflegeöl-Bienenwachs-Mischung, bei ca. 40°C (wenn das Ganze langam eindickt), dazugegeben.


  • Kokosfett: Hat einen Schmelzpunkt von 23 bis 26°C und kann bereits bei leicht erhöhter Raumtemperatur in flüssigem Zustand vorliegen und schmilzt damit auch rasch auf der Haut. Ausserdem hat es auf der Haut einen leichten Kühleffekt. Gegenüber Kakaobutter oder Sheabutter ist Kokosfett nicht besonders hitzeempfindlich.


  • Kakaobutter: Schmilzt zwar bereits ab ca. 28 bis 32°C, hat aber trotzdem bei Raumtemperatur eine einigermassen feste Konsistenz. Er wird dem Pflegeöl zu Anteilen von 5 bis 30% dazugegeben. Kakakobutter ist hitzeempfindlich und darf maximal bis 40°C erwärmt werden. Darüber hinaus erhitzt, wird es rasch ranzig.


  • Sheabutter: Es wird aus den Nüssen des Sheabaumes gewonnen, dessen Heimat in den Savannenregionen Westafrikas liegt. Sheabutter hat bereits bei Raumtemperatur eine ausgeprägte cremige Konsistenz. Der Schmelzpunkt liegt je nach Sorte zwischen 32 bis 45°C. Sheabutter Ist ebenfalls hitzeempfindlich und darf maximal bis 60°C erwärmt werden.


Pro 100g Salbe werden folgende Zutaten in folgender Menge benötigt:

  • 55ml Pflegeöl

  • 40-50g Kokosfett, Kakaobutter oder Sheabutter

  • 5-10g Bienenwachs


Das Vorgehen bei der Herstellung eines Balsams mit Kokosfett oder Sheabutter läuft folgendermassen:

  1. Pflegeöl und Bienenwachs (Anteil je nach gewünschter Konsistenz bei 5-10%) zusammen im Wasserbad (Wassertemperatur ca. 65 bis 70°C) erwärmen, bis das Bienenwachs vollständig geschmolzen ist.

  2. Mischung abkühlen lassen und regelmässig Temperatur kontrollieren

  3. Sobald die Temperatur beim Abkühlen 40°C erreicht hat (Wachs wird langsam trüb und cremig) wird das Kokosfett, Kakaobutter oder der Sheabutter hinzugefügt und bei konstanter Temperatur eingerührt (Temperatur darf dabei nicht über 40°C betragen > regelmässig kontrollieren).

  4. Mischung in das Aufbewahrungsglas abfüllen und mit einem Tuch bedeckt abkühlen lassen.

  5. Sobald die Salbe fest wird, wird das Aufbewahrungsglas mit dem Deckel verschlossen (wird es früher verschlossen, bildet sich darin Kondenswasser!).


Die Haltbarkeit einer solchen Salbe kann bei optimaler Lagerung über ein Jahr betragen.



Salbe mit eingerührter Tinktur

Um eine Tinktur zu einer Salbe weiterzuverarbeiten, werden diese zusammen mit einem Basisöl / Pflegeöl und dem Konsistenzgeber (Bienenwachse) verrührt. Allerdings ist dabei die Menge an einarbeitbarer Tinktur (wegen dem Wassergehalt) begrenzt (auf ca. 5ml / 100g Basisöl; 1ml Tinktur sind ca. 20 Tropfen). Diese Menge kann auf das doppelte (ca. 10 bis 12 ml / 100g Basisöl) erhöht werden, indem Lanolin (auf 100g Basisöl 10g, d.h. ca. ein halber Esslöffel) dazugemischt wird.


  • Lanolin (auch Wollfett genannt). Es wird von Schafen in speziellen Drüsen produziert und bei der Schafwoll-Verarbeitung gewonnen. Lanolin hat emulgatorische Eigenschaften, d.h. es sorgt dafür, dass sich auch wasserlösliche Anteile im Ölauszug vermischen lassen.


Das Vorgehen bei der Herstellung einer Tinktur-Salbe mit Bienenwachs als Konsistenzgeber läuft folgendermassen ab:

  1. Basisöl (/Pflegeöl) und Bienenwachs (Anteil gegenüber dem Basisöl je nach gewünschter Konsistenz bei 5-15%) zusammen im Wasserbad (Wassertemperatur ca. 65 bis 70°C) erwärmen, bis das Bienenwachs vollständig geschmolzen ist.

  2. Mischung abkühlen lassen und regelmässig Temperatur kontrollieren

  3. Sobald die Temperatur beim Abkühlen 40°C erreicht hat (Wachs wird langsam trüb und cremig) wird die Tinktur eingerührt (auf 100g Basisöl ca. 5ml, d.h. 100 Tropfen) > wird gleichzeitig noch Lanolin (10g) dazugegeben, kann die Tinktur Menge auf 12ml erhöht werden)

  4. Mischung in das Aufbewahrungsglas abfüllen und mit einem Tuch bedeckt abkühlen lassen.

  5. Sobald die Salbe fest wird, wird das Aufbewahrungsglas mit dem Deckel verschlossen (wird es früher verschlossen, bildet sich darin Kondenswasser!).


Auch mit Sheabutter lässt sich die einarbeitbare Tinktur-Menge erhöhen (auf ca. 8ml Tinktur / 100g Salbe). Es wird beim Abkühlen auf 40°C zusammen mit der Tinktur dazugegeben. Für 100g Salbe werden ca. 50 bis 55g Basisöl, 40g Sheabutter und 5 bis 10g Bienenwachs verwendet.


Salbe aus Harz («Pechsalbe»)

Bei einer Pechsalbe werden die Harze von Nadelbäumen (Fichte, Weisstanne, Douglasie, Waldkiefer, Lärche, Arve,…) mit einem Basisöl (z.B. Oliven oder Kokosöl) vermischt. Eine Pechsalbe wirkt desinfizierend und entzündungshemmend, resp. wird auf der Haut zur Durchblutungsförderung und so bei Verspannungen, Gelenkbeschwerden, usw. eingesetzt. Sie wird in der Volksheilkunde auch bei Husten auf der Brust eingerieben. Eine Pechsalbe darf jedoch nicht auf offene Wunden aufgetragen werden!


Weißer Tiegel mit selbst hergestellter Pechsalbe auf einem Holzbrett, daneben zwei Harzstücke. Aufkleber mit Datum: 22.03.2025. Beige-goldene Farbe.

Das Vorgehen bei der Herstellung von ca. 100g Pechsalbe läuft folgendermassen:

  1. Basisöl (70ml, ca. 65g) zusammen mit dem Harz (25g) im Wasserbad auf 65°C (Wassertemperatur ca. 75°C) erhitzen.

  2. bei konstanter Temperatur der grösste Anteil vom Harz unter Rühren schmelzen lassen.

  3. bei konstanter Temperatur ca. 30 bis 60 min das weitere Harz auflösen lassen (zwischendurch Rühren). Es ist normal wenn es am Ende noch Harzbestandteile hat, die sich nicht lösen lassen.

    Herstellung einer Pechsalbe - Rezept
  4. bei ca. 62°C das Bienenwachs (5-10g) dazurühren.

    Herstellung einer Pechsalbe - Rezept
  5. noch flüssige Pechsalbe durch ein feines Sieb abgiessen (Entfernung von Verunreinigungen, resp. nicht auflösbare Harzbestandteile)

    Herstellung einer Pechsalbe - Rezept
  6. Abkühlen lassen

  7. bei Bedarf: beim Erreichen einer Temperatur von 40°C: Ätherische Öle hinzufügen (ca. 15 Tropfen)

  8. Sobald die Salbe fest wird, wird das Aufbewahrungsglas mit dem Deckel verschlossen (wird es früher verschlossen, bildet sich darin Kondenswasser!).


Eine Pechsalbe ist ca. 16 Monate lang haltbar.


Cremes


Cremes haben gegenüber Salben auch einen erheblichen Wassergehalt. Dies sorgt einerseits dafür, dass die Haut mit Feuchtigkeit versorgt wird, andererseits auch, dass die Creme rascher in die Haut einzieht. Der grosse Vorteil in Cremes liegt allerdings darin, dass damit auch grössere Mengen an Tinkturen, Hydrolaten oder Teeauszüge darin eingearbeitet werden können und somit auch wichtige wasserlösliche Wirkstoffe der entsprechenden Pflanzenarten genutzt werden können. Damit sich Wasser und Pflegeöl mischen lassen, sind bei der Herstellung von Cremes Emulgatoren, wie z.B. Lanolin, nötig.



Der Nachteil liegt aber in einer geringen Haltbarkeit (ohne Konservierungsmittel) von ca. einer Woche bei Zimmertemperatur, resp. maximal 2-3 Wochen im Kühlschrank. Denn sobald Wasser im Spiel ist, wird die Rezeptur anfällig für Schimmel, Bakterien und Hefen. Achtung: Eine beginnende Schimmelbildung ist meist nicht von Auge sichtbar, d.h. erst ein paar Tage später sichtbar. Die Haltbarkeit von Cremes, bei denen grössere Mengen an Tinkturen verwendet werden, ist durch den konservierenden Alkohol (Ethanol) mit 2 bis 3 Monate deutlich länger. Dazu ist jedoch ein Alkoholgehalt in der Creme von mindestens 10% nötig (kann durch entsprechende Zugabe von 95%igem Alkohol erreicht werden). Der Alkohol hat leider aber wiederum einen entfettend-austrocknenden Effekt, was die Anwendung der Crème kontraproduktiv macht. Ein Alkoholgehalt von bis zu 5% gilt dabei jedoch als unproblematisch, allerdings ist dabei auch der konservierende Effekt nur sehr gering. Der Alkoholgehalt von ca. 10% (also ca. 20% in der Wasserphase) ist dabei ein guter Kompromiss, der meist noch verträglich, aber bereits eine ausreichende Konservierung gewährleistet.  


Für eine Haltbarkeit darüber hinaus, ist die Zugabe von Konservierungsmittel nötig. In der Naturkosmetik beliebt ist dabei «Cosgard». Cosgard als Handelsprodukt ist eine Mischung aus dem antimikrobiell wirkenden Stoff Benzylalkohol, dem gegen Schimmelpilze aktiven Dehydroessigsäure und Wasser als Lösungsmittel. Es gilt in der für Kosmetik üblichen Dosis (<1%) als gut verträglich, resp. Benzylalkohol kommt in bestimmen Pflanzenarten sogar natürlicherweise vor. Cosgard erfüllt dabei auch die Kriterien diverser Naturkosmetik-Zertifizierungen, wie z.B. COSMOS. Es ist in Naturkosmetik-Onlineshops erhältlich. Bei der Cremeherstellung wird es ganz am Schluss während dem Abkühlen tröpfchenweise eingerührt. Die Haltbarkeit der Creme verlängert sich mit dem Cosgard auf ca. 3 bis 6 Monate.


Bei der Herstellung von Cremes wird erst die «Fettphase» aus Basisöl, Lanolin, Bienenwachs und Fetten (Kakaobutter, Sheabutter) hergestellt. Anschliessend wie die «Wasserphase» aus Tinkturen, Hydrolaten oder Teeauszügen hergestellt.


Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke: Creme selber herstellen: Wasserphase, Fettphase, Bienenwachs und Lanolin als Zutaten nebeneinander hingelegt

Das Vorgehen bei der Herstellung von ca. 100g Creme geht dabei grob wie folgt:

  1. Fettphase herstellen: Bienenwachs (5g), Lanolin (10 bis 20g > ca. ½ EL), Basisöl / Pflegeöl (45ml) im Wasserbad auf 62°C erwärmen und Bienenwachs auflösen lassen (Temperatur des Wassers liegt bei ca. 65 bis 70°C).

  2. Wasserphase herstellen: Teeauszug / Hydrolat (40-45ml) im Wasserbad auf 62°C erwärmen.

  3. Fettphase und Wasserphase mischen: Fett- und Wasserphase haben dabei eine Temperatur von ca. 62°C. Wasserphase in kleinen Schritten in die Fettphase einrühren (neue Portion erst dazurühren, wenn die Letzte vollständig emulgiert ist).

    Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke: Creme selber herstellen
  4. Abkühlen: Die Mischung unter ständigem Rühren (ansonsten können sich Wasser- und Fettphase wieder trennen) abkühlen lassen; Das Rühren geht am besten mit einem Glasstäbchen, da bei diesem wenig kleben bleibt. Bei Erreichen von ca. 40°C (da wo man merkt, dass die Flüssigkeit langsam dickflüssiger wird) werden dann die hitzeempfindliche Fette (Kakaobutter, Sheabutter 5g) / Tinktur, resp. Cosgard (ca. 12 Tropfen) hinzufügt und einrührt.

    Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke: Creme selber herstellen
  5. In das Aufbewahrungsglas abfüllen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen und anschliessend mit Deckel verschliessen.




Umschläge / Wickel


Umschläge (auch Wickel genannt) eignen sich zur äusseren Anwendung auf der Haut. Dabei wird ein Tuch mit einem flüssigen Pflanzenauszug vollgesogen und danach auf der Haut auf die betroffene Stelle gelegt. Beim Pflanzenauszug handelt es sich meist um einen Teeauszug, wobei auch Ölauszüge, Tinkturen oder im Wasser verdünnte Ätherische Öle verwendet werden können. Als Tuch nutzt man saugfähige Materialien (wie z.B. Baumwolle).


Das Tuch wird dabei in den Auszug getränkt oder mit dem Auszug übergossen. Anschliessend wird die Flüssigkeit etwas herausgewrungen, so dass das Tuch feucht, aber nicht zu nass ist. Danach wird es auf die betreffende Körperstelle aufgetragen, und zwar ohne Druck, aber auch nicht zu lose. Bei Bedarf wird zusätzlich ein trockenes Aussentuch um das feuchte (Innen-)tuch gehüllt. Die Dauer eines Umschlages dauert bei Hautleiden meist so 1-2 Stunden und wird ca. 3x am Tag angewendet.


Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke - Anleitung für ein Umschlag: Blätter kochen in Wasser, blau-grünes Tuch wird darin eingeweicht, ausgewrungen und um einen Arm gewickelt. Texturen sichtbar.

Breiumschlag


Nicht nur aus flüssigen Auszügen lässt sich ein Umschlag machen, sondern auch aus zu Brei zerstossenen Pflanzenteilen (meist Früchte / Samen, teils auch Wurzeln oder das Kraut) oder aus Brei, der durch die Vermischung von Pflanzenpulver und heissem Wasser entsteht.


Der Brei wird auf ein Tuch, Küchenpapier, oder auch eine Kompresse gestrichen und anschliessend auch die entsprechenden Hautstelle aufgetragen. Mit einem weiteren Tuch oder einer Kompresse kann das Ganze fixiert werden. Wenn der Brei gut auf der Haut klebt, kann dieser auch direkt auf die Haut aufgetragen werden.


Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke - Anleitung für ein Breiumschlag: Eine Senfpaste wird in einer Tasse angerührt, dann auf einem Tuch verstreut und auf einem Arm als Umschlag befestigt. Holz- und Küchentuchhintergrund.

Bei Anwendungen, welche die Durchblutung der Haut steigern sollen, beträgt die Anwendung meist maximal 15 Minuten, resp. wird bei starker Hautreaktion, resp. Reizungen auch früher abgebrochen. Am Ende wird die entsprechende Hautstelle gründlich mit Wasser abgespült und eine pflegende Hautcreme aufgetragen.



Dampfinhalation


Bei einer Dampfinhalation werden die Wirkstoffe (v.a. Ätherische Öle) über Dämpfe eingeatmet, wodurch sie schliesslich über die Atemwege in die Lunge gelangen. Dazu macht man sich ausserdem auch die beruhigende Wirkung des Wasserdampfes auf die Schleimhäute zu Nutze. Die Dampfinhalation wird in einem Topf vom mit ca. 1l angesetzt, bei dem die Pflanzenteile dem heissen Wasser dazugegeben werden. Nun wird der Kopf über den Topf gehalten und die Dämpfe werden eingeatmet. Um das Entweichen der Dämpfe etwas einzugrenzen, wird ein Badetuch über den Kopf gelegt.


Heilpflanzen-Zubereitungen in der Hausapotheke - Anleitung für eine Dampfinhalation:  Links Hände mit Tannenzweigen, Wasser kocht. Rechts Person über Topf mit Handtuch auf dem Kopf, Dampf inhalierend in Küche.


Vollbad


Bei der Anwendung eines Vollbades besteht das Ziel, dass die Wirkstoffe (z.B. Ätherische Öle) sowohl über die Atemwege, als auch die Haut aufgenommen werden. Bei Gerbstoffen ist das Ziel wiederum eine direkte äusserliche Einwirkung auf die Haut. Generell macht man sich bei einem Bad auch die Vorteile der Wärmewirkung zunutze. Die Wassertemperatur beträgt idealerweise ca. 36 bis 38 Grad und die Badedauer ist so ca. 10 bis 15 Minuten. Die Heilpflanzen werden dem Badewasser über Badezusätze zugeführt, die im DIY-Bereich durch Teeauszüge hergestellt werden.


Achtung: elastet das bei Herz-Kreislaufsystem, bei entsprechenden Erkrankungen ist Vorsicht geboten !



Weitere Zubereitungen


Die folgenden weiteren Zubereitungen werden zwar bei der Herstellung pflanzlicher Arzneimittel genutzt, eignen sich aber nicht für den normalen DIY-Einsatz:


Frischpflanzensaft: Aus dem Pflanzenmaterial wird unter hohem Druck die enthaltene Flüssigkeit herausgepresst. Anschliessend werden mögliche enthaltene Schwebstoffe durch eine Zentrifuge entfernt. Diese Methode eignet sich vor allem für Wirkstoffe, die innerhalb der intakten Pflanze im Zellwasser gelöst sind.


Destillate: Durch Destillation werden enthaltene Ätherische Öle isoliert. Bei der «Wasserdampfdestillation» wird ein wässeriger Auszug erhitzt, wodurch mit dem Wasserdampf auch die leicht flüchtigen Ätherischen Öle mitverdampft werden. Dieses Gemisch aus Wasserdampf und weiteren flüchtigen Inhaltstoffen gelangt anschliessend in den Kühler, wo es sich wieder verflüssigt. Da Ätherische Öle schlecht wasserlöslich und auch noch leichter als Wasser sind, sammeln sie sich in reiner Form an der Oberfläche der abgekühlten Wasserschicht an, wo sie abgeschöpft werden können. Im Restwasser sind aber auch noch ein paar Ätherische Öle gelöst, die teilweise auch als sogenannte «Hydrolate» zum Einsatz kommen.


Trockenextrakt: Dabei wird aus einem Fluidextrakt das gesamte Lösungsmittel (Wasser, Ethanol, usw.) entfernt, so dass die Wirkstoffe hochkonzentriert vorliegen. Als Lösungsmittel werden teils auch giftige Substanzen wie z.B. Aceton verwendet. Das Drogen-Extrakt Verhältnis (zwischen der Gewichtsmenge der Droge und der Gewichtsmenge von gewonnenem Trockenextrakt) beträgt meist zwischen 10:1 und 5:1. Trockenextrakt kann dann wiederum zu Arzneimitteln, wie Tabletten (fest gepresstes Trockenextrakt mit einem Überzug als Schutz vor Licht, Feuchtigkeit um einfaches Schlucken), Dragées (Tabletten mit einem Zuckerüberzug, um einen allfälligen bitteren Geschmack zu überdecken) oder Kapseln (in eine Hülle gefülltes Trockenextrakt) weiterverarbeitet werden.

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