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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Heilpflanzen-Anwendungen für den Bewegungsapparat


Prellung, Verstauchung und Zerrung

Muskelkater und Muskelverpannungen

Arthrose

Arthritis

Gicht

>>> zum Disclaimer bzgl. Heilpflanzen-Angaben <<<


Blüten des Beinwell als Sinnbild für Heilpflanzenanwendungen für den Bewegungsapparat
Beinwell (©guppys - stock.adobe.com)

Der Bewegungsapparat stellt das Grundgerüst des Körpers dar und besteht aus diversen Organen. Da ist zum Beispiel das aus Knochen aufgebaute Skelett, welches das Körpergewicht trägt. Knochen sind ein hartes und gleichzeitig aber auch elastisches Gewebe, das hauptsächlich aus Calciumphosphat besteht. Die Knochen sind durch Gelenke miteinander verbunden, wodurch eine zielgerichtete Bewegung ermöglicht wird. Die Gelenke werden durch eine Flüssigkeit «geschmiert», die sich «Gelenkschmiere» nennt und ausserdem werden sie durch Bänder stabilisiert. Um die Reibung auf die Gelenke zu minimieren, resp. den Druck gleichmässig zu verteilen, befindet sich am Ende der Knochen, an der Kontaktfläche zum Gelenk, jeweils eine glatte Knorpelschicht. Die Bewegung der Knochen über die Gelenke erfolgt mit Skelettmuskeln, die durch Sehnen mit den Knochen verbunden sind. Viele verschiedene Erkrankungen, bei denen es zu Schmerzen, resp. Entzündungen am Bewegungsapparat (insbesondere der Gelenke) kommt (wie z.B. Arthrose, Arthritis oder Gicht), werden oft unter dem Begriff «Rheuma» zusammengefasst.


Querschnitt eines Gelenks mit markierten Teilen: gelbes Knochenmark, Periost, schwammiger und kompakter Knochen, Bänder und Synovialmembran.
©reineg – stock.adobe.com

Kleinere akute Beschwerden am Bewegungsapparat können oft äusserlich behandelt werden und hierzu hat die Natur ein paar nützliche Heilpflanzen im Repertoire. Auch bei chronischen Erkrankungen der Gelenke können Arzneipflanzen unterstützend eingesetzt werden.


Prellung, Verstauchung und Zerrung


Diese Beschwerden werden häufig unter dem Begriff «stumpfe Verletzungen» zusammengefasst. Dies weil sie meist durch äussere, stumpfe Einwirkungen (wie z.B. einen Schlag oder Sturz) verursacht werden. Die Beschwerden können aber auch durch körperliche Überbelastung entstehen. Symptome sind meist Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.


  • Prellung: Durch die Kompression während der Einwirkung, wird Weichteilgewebe verletzt. Solch «geprelltes» Gewebe sind z.B. Muskeln, Sehnen, Fettgewebe oder die Haut. Die Verletzungen müssen dabei nicht unbedingt von aussen sichtbar sein. Stärkere Prellungen (auch «Kontusion» genannt) führen zu einem Bluterguss, der meist von aussen sichtbaren Schwellungen und «blauem Flecken» begleitet ist. Von einer Quetschung spricht man, wenn bei stärkeren Prellungen nicht nur Gewebe verletzt, sondern auch zerstört wurde. Eine Prellung heilt in den allermeisten Fällen von alleine und ohne Folgen aus.


  • Verstauchung: Bei einer Verstauchung erfolgt die Bewegung eines Gelenkes über den normalen Bewegungsradius hinaus, ohne aber dabei auszurenken. So etwas kann in Folge einer äusserlichen Einwirkung auftreten, wie Sturz, Umknicken oder auch einer Überbelastung durch ruckartige Bewegungen. Bei einer Verstauchung entstehen in den Bändern und den Gelenkkapseln kleine Risse, die zu Blutergüssen führen, resp. in stärkeren Fällen auch zu sichtbaren Schwellungen. Nur in schweren Fällen kommt es dabei zum Bänderriss. Ein Bänderriss ist sehr schmerzhaft, wodurch Belastungen unmöglich werden und eine ärztliche Behandlung angezeigt ist. Ansonsten heilt eine Verstauchung aber von alleine aus, doch das kann teilweise mehrere Wochen dauern. Schonung ist dabei sehr wichtig!


  • Muskelzerrung: Eine Muskelzerrung wird durch eine Überdehnung des Muskels verursacht, wodurch es zu kleinen Rissen im Muskelgewebe und der in Folge zu kleinen Blutergüssen kommt. Die Überdehnung ist oft eine Folge von äusserer Einwirkung oder Überbelastung im Rahmen von sportlichen Aktivitäten (z.B. aufgrund von fehlendem Aufwärmen und schnellen Bewegungen). Bei der Zerrung ist der Muskel (v.a. auf Druck) schmerzhaft und verhärtet, in seiner Funktion jedoch nicht beeinträchtigt. Dehnen kann sich dabei angenehm anfühlen. Eine Muskelzerrung heilt meist nach 1-2 Wochen aus. Sind ganze Muskelfasern gerissen, spricht man von einem Muskelfaserriss und dieser ist meist mit «nadelstichigen» Schmerzen, einer Funktionseinschränkung und sichtbaren Schwellungen verbunden. Starke Muskelfaserrisse oder sogar Muskelrisse müssen ärztlich behandelt werden.


Als Sofortmassnahme direkt nach der Prellung oder Verstauchung kann Kühlen, z.B. durch Eiswürfel (nicht direkt auf der Haut!) oder kaltes Wasser der betreffenden Stelle, die entstehende Schwellung reduzieren, indem damit der Blutfluss vermindert wird. Ebenfalls den Blutfluss verringern kann man durch Kompression, z.B. durch einen Druckverband, oder mittels Hochlagern der Beine, resp. einer Schonung der betreffenden Körperstelle.


Nach der Akutphase (nach ca. 24 bis 72 Stunden) kann der Heilungsprozess durch eine Steigerung der Durchblutung unterstützt werden, z.B. durch eine sanfte Massage oder Wärme. Die Heilung kann auch unterstützt werden durch äusserliche Anwendungen folgender Heilpflanzen in der Form mit Salben, Gels oder Umschlägen:


Muskelkater und Muskelverpannungen


Muskelkater entsteht durch eine Überbelastung der Muskeln beim Sport und äussert sich in Schmerzen, die ca. nach 24 bis 36 Stunden nach der Belastung auftreten und meist nach ca. 48h ihren Höhepunkt erreichen. Beim Muskelkater entstehen kleine Risse in den Muskelfasern. Diese werden durch kleine Entzündungen repariert und dessen Abbauprodukte verursachen schliesslich den Schmerzreiz an den Schmerzrezeptoren ausserhalb des Muskels (im Innern des Muskels gibt es keine Schmerzrezeptoren!). Die Muskeln sind bei Muskelkater auch etwas verhärtet und fühlen sich meist kraftlos an. Der Muskelkater verschwindet nach einigen Tagen wieder von alleine. Unterstützen kann man die Regeneration durch Aktivitäten, welche die Durchblutung steigern, wie Wärmebehandlung, Wechselbäder oder auch moderate Belastung (z.B. Spazieren). Auch Dehnen und sanfte Massagen können helfen. Starke Belastungen oder starke Massagen sind hingegen zu vermeiden.


Bei Muskelverspannungen ist die Spannung des Muskels über eine längere Zeit hin erhöht. Dies ist oft eine Folge von Überbelastungen des Muskels, z.B. durch Fehlhaltungen, Überanstrengung beim Sport, usw., kann aber auch psychosomatische Gründe haben. Durch die Anspannung des Muskels ist die Durchblutung vermindert und Entzündungen werden damit begünstigt. Zur Behandlung eignen sich Massagen oder auch Dehnübungen. Auch durchblutungsfördernde Massnahmen, z.B. durch leichte körperliche Aktivitäten, können sehr hilfreich sein.



Weitere Pflanzenarten: Weiter genutzt werden können aus Salben auf Basis der ätherischen Öle vom Kampferbaum (Cinnamomum camphora), welche aus dessen Holz gewonnen werden.


Arthrose


Bei einer Arthrose nimmt beim Knochen die Mächtigkeit der schützenden Knorpelschicht (an der Kontaktfläche zum Gelenk) immer mehr ab. Teilweise liegt dabei sogar ein kompletter Abrieb vor. Symptome sind Schmerzen bei Belastung (v.a. nach längerer Ruhe) und eine Steifigkeit des betroffenen Gelenkes (v.a. beim Aufstehen). Oft nimmt der Schmerz bei Belastung mit der Zeit wieder ab. Bei gewissen Personen sind die Beschwerden nur sehr gering, bei anderen schlimmer. Bei der Arthrose handelt sich um eine normale Verschleisserscheinung, die mit dem Alter einhergeht, jedoch durch Übergewicht, Bewegungsmangel, Fehlstellungen oder längerfristige Überbelastungen verstärkt wird. Leistungssport mit starker Belastung auf gewisse Gelenke, kann auch zur Arthrose bei jüngeren Leuten führen.



weitere Pflanzenarten: Weiter genutzt werden können Salben auf Basis der ätherischen Öle vom Kampferbaum (Cinnamomum camphora), welche aus dessen Holz gewonnen werden. Ebenfalls verwendet werden Fertigpräparat aus Basis von Wurzeln der Katzenkralle (Uncaria tomentosa) aus Südamerika. Sehr gute Ergebnisse werden sogar mit den Speicherwurzeln der Afrikanischen Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) erzielt.


Arthritis


Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Entzündung der Gelenke führt. Immunzellen greifen dabei das körpereigene Gewebe in den Gelenken an. Das Ganze verläuft oft in mehrwöchigen Schüben, mit anschliessender Verbesserung der Symptome. Symptome sind Schmerzen, Schwellungen und Versteifungen. Eine Arthritis kann in jedem Alter auftreten, doch im hohen Alter steigt das Risiko. Arthritis ist nicht heilbar, aber die Symptome können abgemildert, resp. Schäden verzögert oder sogar verhindert werden. Bei der Behandlung werden u.a. Medikamente eingesetzt, welche die Immunreaktion vermindern, was dann jedoch oft mit einer erhöhten Infektanfälligkeit einhergeht. Vor allem bei akuten Schüben werden auch Cortison-Spritzen verabreicht. Teil der Therapie sind auch Wärme- und Kältebehandlungen. Wärme fördert dabei die Durchblutung und Entspannung der Muskulatur. Heilpflanzen können bei Arthritis die erforderlichen synthetischen Medikamente nicht ersetzen. Sie wirken aber in einem Masse unterstützend, dass deren Dosis reduziert werden kann.


Weitere Pflanzenarten: Weiter genutzt werden können aus Salben auf Basis der ätherischen Öle vom Kampferbaum (Cinnamomum camphora), die aus dessen Holz gewonnen werden. Ebenfalls verwendet werden Fertigpräparat aus Basis von Wurzeln der Katzenkralle (Uncaria tomentosa, aus Südamerika).  Sehr gute Ergebnisse werden mit den Speicherwurzeln der Afrikanischen Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) erzielt. Studien zeigen auch eine gute Wirkung mit entzündungshemmend wirkenden Präparaten aus dem Harz des Weihrauchs (Boswellia carteri).


Gicht


Auch bei Gicht sind die Gelenke betroffen. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung des Stoffwechsels, wo eine zu hohe Konzentration von Harnsäure im Blut vorliegt. Dies aufgrund einer Nierenfunktionsstörung, die meist erblich bedingt ist. Zu verstärkter Harnsäurebildung führt auch ein hoher Alkoholkonsum oder der Konsum purinreicher Lebensmittel wie Fleisch, resp. fermentierte Lebensmittel (die enthaltenen Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut). Dabei kommt es zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken und auch anderem Gewebe. Diese sind scharfkantig und reizen dabei das Gewebe, was zu Entzündungen führen kann.

Wenn sich dabei ein entsprechendes Gelenk entzündet, dann spricht man von einem Gichtanfall. Dieser entsteht oft, wenn hoher Alkoholkonsum oder eine fleischreiche Mahlzeit am Vorabend den Harnsäuregehalt noch weiter in die Höhe stiegen liess. Weisse Blutkörperchen beginnen dabei die Kristalle aufzulösen. Dabei entsteht als Produkt Laktat, das zu einem Abfallen des pH-Wertes führt, wodurch sich auch Löslichkeit von Harnsäure absenkt und zur Bildung weiterer Kristalle führt, die wiederum eine Entzündung auslösen. Ein Gichtanfall dauert meist 2-3 Wochen und ist mit einer starken Schwellung, Schmerzen, Rötung und Erwärmung, teils auch Fieber verbunden. Betroffen ist dabei vor allem das Gelenk des Grosszehen, der Mittelfuss oder auch das Knie.


Gichtanfälle werden mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt und dazu gehört auch das Colchizin, welches als Reinsubstanz aus Herbstzeitlosen gewonnen wird. Als längerfristige Therapie gelten eine Ernährungsumstellung (Purin-arme Kost und kohlenhydratreduzierte Diät) und medikamentöse Therapie zur Senkung des Harnsäurespiegels. 


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