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Echter Wacholder (Juniperus communis)

Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae), Gattung: Wacholder (Juniperus)
"die Beerenzapfen des Wacholders sind ein leckeres Gewürz"
Bestimmung
Habitus:
Gewöhnlicher- (subsp. communis): aufrechter Strauch bis 3m Höhe (selten Baum)
Zwerg- (subsp. alpina): Zwergstrauch, ca. 20 bis 80cm hoch
Nadeln: in 3er-Quirl angeordnet; sitzend; bis 2cm lang; steif; spitz (stechend); OS mit breitem weissen Stomata-Streifen; immergrün
subsp. communis: Nadeln abstehend, deutlich stechend und ca. 2x so lang wie die Beerenzapfen
subsp. alpina: Nadeln vorwärts ausgerichtet, gegen den Zweig gekrümmt; wenig stechend und ca. so lang wie die Beerenzapfen
Stamm: grau- bis rotbraun, längsrissig, aromatisch duftend
Blüten: zweihäusig (selten einhäusig), blüht April bis Mai (subsp. communis), resp. Mai bis August (subsp. alpina)
männliche Blütenzapfen: gelb; eiförmig bis zylindrisch, 2 bis 4mm lang
weibliche Blütenzapfen: (gelb-)grün; 2 bis 3mm lang; mit 3 fleischigen Samenschuppen
Beerenzapfen: fleischige Beerenzapfen; rund, 5-8mm lang; schwarzblau; mit wachsartigem Reifüberzug; am Ende drei leichte Einschnitte
gefährliche Verwechslungen: Sadebaum (Juniperus sabina) < Unterscheidungsmerkmale weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"
Zeigerwerte: mässig trocken (Feuchtigkeit wechselnd), nährstoffarm, schwach sauer bis neutral
subsp. communis: lichte Wälder, trockene Hänge, magere Weiden, Felsvorsprünge
subsp. alpina: in den Alpen v.a. über der Baumgrenze auf eher trockenen Zwergstrauchheiden, Alpweiden oder Felsen
Fotos

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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (α-Pinen, β–Myrcen, Sabinen, Limonen, diverse Terpinene wie Terpinen-4-ol,….Gesamtgehalt in den Beerenzapfen ca. 2.5%), Flavonoide (v.a. Rutin und Apigenin-Glykoside), wenig Gerbstoffe (ca. 5% in den Beerenzapfen)
*Giftigkeit: Die Beerenzapfen sind in hohen Mengen (> 60 Beerenzapfen, resp. 10g pro Tag) für den Magen unbekömmlich und bei langfristiger Einnahme (> 2 Wochen) hoher Mengen möglicherweise schädlich auf die Niere. Wacholder darf nicht während der Schwangerschaft konsumiert werden! Die Nadeln enthalten dasselbe Profil an Ätherischen Ölen wie die Beerenzapfen, jedoch konzentrierter und zusätzlich auch Harze, was beim Konsum früher zu Magenreizungen führen kann. Aus diesem Grund wird vom Konsum der Nadeln abgeraten
mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten
Beerenzapfen (würzig, süss, scharf, leicht herb > mehr dazu): rohe Nascherei direkt vor Ort, als Gewürz-Beigabe zu diversen Gerichten (z.B. für Wildsauce von Fleischgerichten, Sauerkraut, Rotkraut,….), Beigabe im Salat / Müesli/ Brotteig, Likör (ca. 20- bis 0g, resp. 60 bis 150 Beerenzapfen pro Liter Schnaps), Tee (1 TL, d.h. ca. 10-15 zerdrückte Beerenzapfen auf 200ml heisses Wasser), Sirup, Wacholdersalz, Wacholderessig (ca. 5-10 Beerenzapfen pro 250ml Essig) – immer vor der Verwendung leicht zerdrücken damit sich das Ätherische Öl freisetzt!
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben*: Die Beerenzapfen können wegen ihrer verdauungsfördernden, harntreibenden, leicht krampflösenden und durchblutungssteigernden Wirkung vielfältig genutzt werdenkeine innerliche Anwendung bei Nierenerkrankungen, unter 18 Jahren oder bei Schwangerschaft, resp. Stillzeit! Keine Langzeittherapie!
Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen: Verwendet werden nicht nur die Beerenzapfen. Diese können entweder direkt verzehrt werden (in 3 Portionen über den Tag verteilt ca. 10-15 Beeren) oder man bereitet daraus einen Tee zu (Zubereitung siehe oben), mit einer Anwendung 3x täglich.
Leichte Harnwegsbeschwerden: Wacholder wirkt (durch das enthaltene Terpinen-4-ol) stark harntreibend und eignet sich deshalb zur Durchspülungstherapie im Rahmen von Harnwegsbeschwerden. Verwendet werden die Beerenzapfen, die entweder direkt verzehrt (in 3 Portionen über den Tag verteilt ca. 10-15 Beeren) oder als Tee eingenommen werden (Zubereitung siehe oben), mit einer Anwendung 2 bis 3x
Muskelkater / Muskelverspannung oder Linderung von Beschwerden bei Arthrose / Arthritis: Die Anwendung erfolgt äusserlich als Vollbad. Die Ätherischen Öle führen zu einer Reizung der Haut und damit zu einer Mehrdurchblutung und auch leichter Schmerzlinderung. Als Badezusatz für ein Vollbad werden ca. 100 bis 150 zerquetsche Beerenzapfen (ca. 2 bis 3 gehäufte Esslöffel) in 1l Wasser für 10 bis 15min ausgekocht und dann noch 10min ziehen gelassen, ehe sie dem Badewasser zugefügt werden. Die Temperatur des Badewassers beträgt ca. 35 bis 38°C und die Dauer ca. 20 min. Die Anwendung erfolgt 2 bis 4x pro Woche. Auch Pflegeöle und Salben sind gebräuchlich (Öl-Heissauszug mit den Beerenzapfen) Keine Anwendung bei Keuchhusten, Fieber, Herzschwäche oder verletzten Haut! Es sind Reizungen auf Haut und Schleimhäute möglich! Nicht für Kleinkinder geeignet !
Beschreibung
Der Echte Wacholder ist innerhalb der Nadelbäume ein Exot, denn er bildet keine typischen Tannenzapfen, sondern so etwas wie «Beeren». Wobei dies bei genauem Hinsehen so nicht stimmt, denn Nadelbäume, die erdgeschichtlich etwas älter sind als die typischen Blütenpflanzen, bilden keine Früchte und können daher auch keine Beeren produzieren. Vielmehr handelt es um Zapfen, die fleischig ausgebildet sind und daher «Beerenzapfen» genannt werden. Der Gemeine Wacholder ist nicht nur windbestäubend, sondern auch zweihäusig (diözisch), d.h. es gibt rein männliche Exemplare (mit nur männlichen Blütenzapfen) und weibliche Exemplare (mit nur weiblichen Blütenzapfen).
Die weiblichen Blütenzapfen enthalten drei Einzelblüten (d.h. 3 Schuppenblätter) mit je einer Samenanlage. Zwischen Bestäubung und Befruchtung vergehen danach einige Monate. Ab dem Frühling des 2. Jahres beginnt nun die Entwicklung zu den Beerenzapfen, indem die drei Samenschuppen zusammenwachsen, fleischig werden und viele Ätherische Öle einlagern. Von den drei Samenanlagen reifen jedoch in der Regel nur eine oder zwei zu einem Samen heran. Die unreifen Beerenzapfen sind noch grün und durch den hohen Anteil reizender Ätherischen Öle, sollten diese nicht verzehrt werden. Die Endreife erfolgt erst im Spätsommer des 3. Jahr, indem sie dann auch schwarzblau werden. Zu diesem Zeitpunkt wird nun auch der Zucker (v.a. Glukose und Fruktose) eingelagert, dessen Anteil bei reifen Exemplaren bei 8 bis 15% des Frischgewichtes liegt. Die beste Zeit zum Sammeln, d.h. wo die Beerenzapfen würzig, süss und verträglich sind, ist dann (abhängig von der Höhe) so Mitte September bis November (je höher, desto später der Reife-Zeitpunkt). Da der Wacholder in der Regel jedes Jahr blüht (jedoch mit unterschiedlicher Intensität), sieht man nicht selten an einem Strauch gleichzeitig sowohl reife Beerenzapfen, als auch grüne Exemplare (aus der Blüte ein Jahr später).
Die reifen Beerenzapfen bleiben (wie echte Beeren) auch im reifen Zustand geschlossen. Die Ausbreitung erfolgt, indem die Beerenzapfen über den Winter (dank dem Zuckergehalt) von den Vögeln (v.a. Drosselarten wie die Wacholderdrossel) gefressen werden und der Samen unverdaut wieder ausgeschieden wird. Während die entsprechenden Vogelarten die Ätherischen Ölen gut vertragen (teils sogar Enzyme haben, welche diese abbauen können), sind diese gegen Insekten oder auch Säugetiere ein wirksamer Frassschutz. Für uns Menschen sind die Beerenzapfen nicht nur ein leckeres Gewürz, sondern unterstützen auch die Fettverdauung schwerer Speisen. In hohen Dosen führen die die Ätherischen Öle jedoch zu einer Reizung der Magenschleimhaut und in der Folge zu Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall und auch verstärkter Harnaussscheidung. Bei regelmässigem Verzehr sind auch Nierenschäden möglich. Für die Aufbewahrung werden gesammelte Beerenzapfen getrocknet (entweder Lufttrocknung oder im Backofen Umluft / Dörren max 40°C) bis sie hart sind. Dabei steigt der Zuckergehalt, gleichzeitig verdampfen dabei aber auch gewisse leichtflüchtige Ätherische Öle und zwar vor allem jene, die besonders reizend für die Schleimhäute sind. Damit wird der Geschmack süsser und milder, gleichzeitig sind die Beerenzapfen aber auch weniger reizend (bzw. scharf) und verträglicher. Eine ähnliche Umwandlung findet bei Beerenzapfen statt, die am Strauch überwintern und dann im nächsten Frühling gesammelt werden.
Der Gemeine Wacholder hat auf der Nordhemisphäre ein sehr weites Verbreitungsgebiet von nahezu dem gesamten Europa (Mittelmeer bis Norden von Skandinavien), über Sibirien, Zentralasien, Ostasien bis Nordamerika. Dabei gibt es mehrere (je nach Quelle 6 bis 8) Unterarten. Hierzulande kommen einerseits der Gewöhnlicher Wacholder (subsp. communis), andererseits (v.a. im Gebirge) der als Zwergstrauch ausgebildete Zwerg-Wacholder (subsp. alpina) vor. Beide Unterarten sind lichtbedürftig und benötigen nährstoffarmen, trockenen Boden. Das können einerseits lichte Nadelwälder, Büsche auf Magerwiesen, Kieshänge, Felsvorsprünge, die Krummholzzone über der Baumgrenze oder auch aufgegebene Weiden sein, wo der Boden durch Nährstoffentzug und Erosion verarmt ist. Wegen seinen spitz-stechenden Nadeln wird der Echte Wacholder ausserdem im Gegensatz zu anderen (konkurrenzstärkeren) Sträucher / Baumarten durch das Vieh gemieden. Auf diese Weise sind die typischen Wacholderheiden der Schwäbischen Alb entstanden, indem sich der Wacholder durch fehlenden Verbiss immer mehr in der Landschaft angereichert hat. Teilweise wird auch heute noch die Beweidung fortgesetzt, um diese Kulturlandschaften zu erhalten.
Pollendaten zeigen, dass der Echte Wacholder während der letzten Eiszeit eine der wenigen Straucharten war, welche in der Kältesteppe (Mammutsteppe) Mitteleuropas verbreitet war (nicht flächendeckend, aber mosaikartig auf geeigneten Standorten). Dies nicht zuletzt durch seine extreme Frosthärte, Wind- und Trockenresistenz. Am Ende der Eiszeit gehörte er dann zu den wichtigsten und bedeutendsten Pionierpflanzen, welche die Flächen abschmelzender Gletscher wiederbesiedelten. Mit der zunehmenden Wiederbewaldung nahm seine Bedeutung dann ab, resp. nahm dann kurze Zeit später durch menschliche Rodungen und Weidewirtschaft wieder zu. In Steinzeitlichen Fundstellen Mitteleuropas wurde auch verkohltes Wacholderholz gefunden. Vermutlich wurde es nicht nur genutzt, weil es auch in feuchtem Zustand noch gut brennt, sondern auch zum Räuchern (um damit Insekten zu vertreiben oder um Kleider und Häute zu desinfizieren). Inwiefern durch den angenehmen Geruch beim Räuchern auch rituelle Verwendungen eine Rolle spielten ist schwierig zu sagen. Zumindest ist diese Praxis heuzutage bei den nomadischen Sibirischen Völkern weit verbreitet. Bei den Kelten und Germanen war der Wacholder heilig und galt als Schutz- und Reinigungspflanze (bei den Germanen zusätzlich auch Symbol der Unvergänglichkeit und Leben nach dem Tod). Rituelles Räuchern war während kultischen Zeremonien weit verbreitet. Die Christen übernahmen diese Symbolik, deuteten sie aber biblisch um, indem die Sage erzählt wurde, dass der Wacholder einst der Jungfrau Maria auf der Flucht nach Ägypten ein Versteck bot, um nicht erkannt zu werden. Für das Räuchern werden getrocknete dünne Zweige verwendet (ca. 2 bis 4 Wochen Lufttrocknung), die angezündet werden und (sobald eine Flamme aufsteigt) ausgepustet werden. Man kann das Holz auch auf die Räucherkohle oder (stark abgekühlte) Glut legen. Auch getrocknete Beerenzapfen werden zum Räuchern verwendet (auf der Räucherkohle oder im Stövchen).
mögliche Verwechslungen
Sadebaum / Stink-Wacholder / Sefistrauch (Juniperus sabina) – hochgiftig / tödlich!
Die Pflanzenteile des Sadebaums, inkl. deren Beerenzapfen sind stark giftig und dabei auch potenziell tödlich. Die Toxizität beruht auf die Ätherischen Öle, u.a. dem Sabinol, Sabinylacetat und dem Sabinenhydrat. Diese sind nicht nur stark reizend auf Haut und Schleimhäute, sondern auch auf schädlich für die Niere. Weiter sind sie abortiv, leber- und neurotoxisch. Schon geringe Mengen sind gefährlich und können zu Nieren- und Leberschädigungen und Kreislaufkollaps führen. Das Ätherische Öl («Sabinaöl») war wurde früher als Abtreibungsmittel verwendet, was oft auch mit tödlichen Nebenwirkungen endete. Die tödliche Dosis liegt bei ein paar duzend Beerenzapfen, wobei erste Symptome und gefährliche Komplikationen bereits früher eintreten. Auch auf das Räuchern oder Einreibungen damit muss verzichtet werden, da die Aufnahme der Stoffe auch über die Haut und die Lunge erfolgen kann. Wie der Wacholder, tritt auch der Sadebaum auf trockenen, nährstoffarmen Südhängen, bis teils über die Baumgrenze auf (in der Schweiz v.a. im Wallis und Engadin), so dass es beim Sammeln von den optisch ähnlichen Wacholder-Beerenzapfen rasch zu einer fatalen Verwechslung kommen kann.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
niederliegender Strauch
Nadeln vorwärts ausgerichtet (wie beim Zwerg-Wacholder)
Bildung von runden, 5-7mm dicken, blauen Beerenzapfen
Unterschiede (u.a.)
Nadeln kurz (1.5 bis 2mm), kreuzgegenständig, eng am Zweig anliegend und dabei dachziegelartig überdeckend (Achtung: Nadeln junger Triebe länger, in 3er-Quirl angeordnet und nicht so eng anliegend)
beim Zerreiben unangenehmer Geruch
Beerenzapfen eher weisslich bereift


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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