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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Früchte


Sobald die Samenanlagen der Blüten erfolgreich befruchtet wurden, setzt eine faszinierende Transformation hin zu Samen und Früchten statt. Die Samenanlagen befinden sich jeweils im Fruchtknoten und mit einer Befruchtung der dortigen Einzellen mit den Spermien aus dem Pollen der Vaterpflanze, entsteht die erst die Zygote der neuen Pflanzengeneration, dann der Embryo des neuen Individuums und schliesslich reifen die Samenanlagen zu Samen heran.


Diagramm des Pflanzenlebenszyklus: Blume, Bestäubung, Befruchtung, Samenbildung, Verbreitung, Keimung und neues Pflanzenwachstum.
Lebenszyklus eines Bedecktsamers (bearbeitet aus ©Aldona - stock.adobe.com)

Bei den Pflanzen der Klasse «Bedecktsamer» (grob gesagt «die Pflanzenarten, welche komplexe Blüten ausbilden») werden die reifen Samen von einem Fruchtgewebe umhüllt. Dieses kann sowohl verholzt und hart (z.B. Nuss), als auch weich und fleischig (z.B. Beere) ausgebildet sein.


Zwei grüne Äpfel auf weißem Hintergrund: einer ganz, der andere halbiert mit sichtbaren Kernen. Frische, lebendige Farben.
In einer Frucht (z.B. Apfel) werden die Samen von einem Gewebe (hier fleischig ausgebildet) umhüllt (CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2094427)

Bei der Frucht handelt es sich um "die Gesamtheit der Organe, die aus einer Blüte hervorgehen und die Pflanzensamen bis zu deren Reife umschliessen"


Aufbau einer Frucht

Fruchttypen

Sonderformen bei den Nüssfrüchten

Samen

Scheinfrüchte der Nadelbäume

Verbreitung der Früchte und Samen



Aufbau einer Frucht


Die Hülle, welche den oder die Samen umgibt, entsteht vor allem aus der Umbildung von Gewebe des ursprünglichen Fruchtknotens. Diese Teile der Frucht nennt man Perikarp (oder auch «Fruchtwand»). Manchmal können auch weitere Teile der Blüte, wie z.B. der Blütenboden am Aufbau der Frucht beteiligt sein (z.B. Apfelfrucht). Das Perikarp selbst wird jeweils in drei Bereiche unterteilt: Innen das Endokarp, in der Mitte das Mesokarp und aussen das Exokarp. Deren Proportionen sind je nach Frucht unterschiedlich. Bei den fleischigen Früchten stellt meist das Endokarp die Fruchthaut und das Mesokarp das Fruchtfleisch dar.


Querschnitt von Obst: links Heidelbeere mit beschrifteten Samen und Perikarp, rechts gelbes Frucht-Diagramm mit Endokarp, Mesokarp, Exokarp.
links: Querschnitt durch eine Heidelbeere: Das Gewebe der Frucht, welches die Samen umhüllt und aus der Fruchtknotenwand entstanden ist, wird «Perikarp» genannt (hier komplett «fleischig» ausgebildet); rechts: Schematischer Aufbau einer Frucht aus Samen und Perikarp. Das Perikarp wird in Endo-, Meso- und Exokarp unterteilt.


Fruchttypen


Wenn sich eine Frucht bei Reife öffnet, spricht man von einer Öffnungsfrucht. Davon gibt es folgende Fruchttypen:

  • Balgfrucht: Frucht, die nur aus einem Fruchtblatt entsteht und sich nur an der Bauchnaht (gegen die Blüten-Innenseite) öffnet.

  • Sammelbalgfrucht: zusammengewachsene Balgfrüchte aus mehreren Fruchtblättern derselben Blüte. Die Fruchtblätter der ursprünglichen Blüte waren dabei jedoch nicht zusammengewachsen (denn sonst wäre es eine Kapselfrucht).

  • Hülsenfrucht: Frucht, die nur aus einem Fruchtblatt entsteht und sich dabei an der Bauch- und Rücknaht öffnet (typisch für die Familie der «Schmetterlingsblütler»). Innerhalb der Hülsenfrüchte gibt es auch Früchte, die sich bei Reife nicht öffnen und somit Schliessfrüchte darstellen (z.B. bei Erdnuss oder Wiesen-Klee). Diese werden in der Regel trotzdem als Hülsenfrüchte bezeichnet.

  • Kapselfrucht: Öffnungsfrucht, die sich aus mehreren zusammengewachsenen Fruchtblättern bildet.

  • Schote: Kapselfrucht, die aus zwei verwachsenen Fruchtblättern entsteht. Innerhalb der Frucht bilden sich zwei Kammern, die durch eine Scheidewand voneinander getrennt sind (typisch für Familie der «Kreuzblütler»)


Links sind offene Balgfrüchte zu sehen, rechts eine Sammelbalgfrucht mit Samen und textlichen Erklärungen zu den botanischen Strukturen.
links: Balgfruchte der Gemeinen Akelei; rechts: Sammelbalgfrucht: der Trollblume
Hülsenfrucht links mit Samen; Kapsel mit grüner Schale, rotem Samen rechts. Beschriftungen: Perikarp, Samen, Öffnung an Bauch- und Rücknaht.
links: Hülsenfrucht der Gewöhnlichen Robinie; rechts: Kapselfrucht der Rosskastanie

Bleibt die Frucht bei Reife geschlossen, ist es eine Schliessfrucht. Dabei unterscheidet man folgende Fruchttypen:


Diagramm zeigt Fruchttypen von Schließfrüchten, teils in Rot, Braun und Grün. Beschriftungen: Perikarp, Exokarp, Mesokarp, Endokarp.
  • Beere: Das komplette Perikarp ist fleischig ausgebildet (z.B. Heidelbeere, Zitrusfrüchte,...)

  • Steinfrucht: Das Endokarp ist verholzt, Meso- und Exokarp sind jedoch fleischig ausgebildet (z.B. Pfirsich, Schwarzer Holunder,…)

  • Sammelsteinfrucht: mehrere Steinfrüchte einer Blüte, die am fleischigen Exokarp zusammenhaften (z.B. Brombeere, Himbeere,…)

  • Nuss: Das komplette Perikarp ist verholzt (z.B. Haselnuss, Löwenzahn,...)

  • Sammelnussfrucht: mehrere Nussfrüchte einer Blüte, die durch ein fleischiges Gewebe aus ehemaligen Blütenbodengewebe zusammengehalten werden (z.B. Erdbeere, Hagebutten,...)

  • Apfelfrucht: Meso- und Exokarp sind fleischig ausgebildet. Zusätzlich wird ein Teil des Fruchtfleisches durch Gewebe aus ehemaligem Blütenachsengewebe aufgebaut (z.B. Apfel, Weissdorn,...)


Heidelbeeren als Beeren mit fleischigem perikarp an Ästen und im Querschnitt links; Pfirsich als Steinfrucht mit Beschriftungen rechts, zeigt Mesokarp, Endokarp, Samen.
links: Heidelbeeren sind auch im botanischen Sinn Beeren, da das gesamte Perikarp fleischig ist; rechts: Steinfrucht bei Pfirsich, wo das Endokarp verholzt ist und zusammen mit dem Samen den "Steinkern" bildet
Himbeere als Sammelsteinfrucht und Walnuss als Nussfruchtim Vergleich. Beschriftungen zeigen Teile der Früchte: fleischiges Exokarp, Samen, verholztes Endokarp, Perikarp.
links: Himbeeren sind Sammelnussfrüchte - pro Fruchtblatt entwickelt sich eine Einzel-Steinfrucht; rechts: Bei einer Nussfrucht, wie hier beim Echten Walnuss (auch einfach «Walnuss» genannt), ist das gesamte Perikarp verholzt.

Nahaufnahme einer Erdbeere. In Grün beschriftet: Sammlenussfrucht, Blütenbodengewebe, Nussfrucht. Rote Oberfläche mit Details.
Die Wald-Erdbeere ist der Klassiker unter den Sammelnussfrüchten.

Zwei Bilder von Apfel udn Weissdorn als Beispiele von Apfelfrüchten und Fruchtquerschnitten mit Beschriftungen: Apfel zeigt Exo-, Meso- und Endokarp; rote Frucht zeigt Kelchblätter und Samen.
links: Das Kerngehäuse des Apfels besteht aus dem ledrigen Endokarp, welches die Samen (mehrere Samen pro Fruchtblatt) umhüllt. Der grösste Teil des Fruchtfleisches stellt umgebildetes Blütenachsengewebe dar. Der innere Teil des Fruchtfleisches besteht jedoch aus Meso- und Exokarp. rechts: Aufbau der Apfelfrucht des Zweigriffeligen Weissdorns. Da das Endokarp verholzt ist, spricht man, wie bei den Steinfrüchten, vom «Steinkern» (Endokarp + Samen).

 

 

Sonderformen bei den Nussfrüchten


Bei den Nussfrüchten gibt es jede Menge Sonderformen (Illustrationen unten):

  • Achäne: Dieser Typ Nussfrucht besteht aus nur einem Samen. Dieser ist nur punktuell (am Grund der Frucht) mit dem Perikarp verbunden. Achänen sind der Fruchttyp bei der Familie der Korbblütler.

  • Achäne mit Pappus: Die Achänen der Korbblütler haben sehr oft noch einen Flugschirm (Pappus) angehängt. Bei den Härchen dieses Schirmes handelt es sich um die Kelchblätter der Blüte. Wenn sich zwischen der Frucht und dem Pappus ein Stiel befindet spricht man von einem «geschnäbelten Pappus».

  • Doppelachäne: Doppelachänen gehören zur Kategorie der Zerfallsfrüchte, also Früchte die sich während der Reifung in einzelne kleinere Teilfrüchte spalten. Im Fall der Doppelachäne handelt es sich um zwei Achänen, die im unreifen Zustand miteinander verwachsen sind. Bei der Reifung beginnen sie sich dann voneinander zu lösen. Doppelachänen sind der Fruchttyp bei der Familie der Doldenblütler.

  • Klausenfrucht: Es handelt sich um eine Frucht, die sich während der Reife in 4 Teilfrüchte (Nüsschen) trennt. Es ist der Fruchttyp von der Familie der Lippenblütler, als auch der Familie der Raubblattgewächse.

  • Flügelnuss (Samara): Es sind Nussfrüchte deren Perikarp flach ausgebildet ist und so auch als Flugorgan dient. Dies mit dem Ziel, die Frucht optimal über den Wind zu verbreiten. Dieser Fruchttyp ist vor allem bei Bäumen zu finden (wie z.B. bei Ahorn, Birke, Esche, Ulme, Götterbaum,…)

  • Korn (Karypose): Das Korn ist der Fruchttyp der Familie der Süssgräser, zu denen zahlreiche wichtige Getreide (wie der Weizen) gehören. Bei den Körnern ist das Perikarp fest mit der Samenschale verwachsen und lässt sich so nicht einfach ablösen. Typisch sind auch die Spelzen, also Hochblätter, welche die Körner umhüllen.

  • Calybium («mit Fruchtbecher»): Dieser Nussfruchttyp kommt bei der Familie der Buchengewächse vor (z.B. Rotbuche, Eiche, Edel-Kastanie). Die Nussfrucht wird dabei von einem (meist stachelig ausgebildeten) Fruchtbecher (Cupula) teilweise oder vollständig umhüllt. Das Gewebe des Fruchtbechers besteht aus umgewandelter Blütenachse und zahlreichen kleinen Blättern, wobei die Struktur meist sehr komplex ist. Auch bei gewissen Früchten in der Familie der Birkengewächse (z.B. Gemeiner Hasel) spricht man von einem Fruchtbecher. Bei denen geht das Gewebe jedoch aus anderen Strukturen hervor.


Links: 3 Sonnenblumenkerne als Achäne, nah beschriftet; rechts: Nahaufnahme einer Pusteblume als Achäne mit Pappus, mit Beschriftungen. Grüner Hintergrund.
links: Sonnenblumenkerne (schwarz) sind die Früchte der Sonnenblume. Es handelt sich um Achänen, also Nussfrüchte wo das verholzte Perikarp nur an einer einzigen Stelle, d.h. an Basis der Frucht, mit dem Samen verwachsen ist; rechts: Gewöhnlicher Löwenzahn im Fruchtstadium mit den zahlreichen kleinen Achänen inkl. angehängten Flugschirmen (Pappus)
Grüner und brauner Doppelachäne Samenstand mit Beschriftungen: Diskus, Griffel. Näheaufnahme, neutrale Hintergrundfarben.
Doppelachäne des Wiesen-Kerbels. Die zwei Teilfrüchte sind im unreifen Zustand (Bild links) noch zusammengewachsen (pro verwachsenes Fruchtblatt je eine Teilfrucht mit jeweils einem Samen) und beginnen sich bei Reife (Bild rechts) voneinander zu trennen
Unreife und reife Klausenfrucht der Pflanze. Unreife mit vier verwachsenen Nüsschen, reife mit vier getrennten. Beschriftungen und Pfeile zur Erklärung.
Beim Wald-Ziest (Familie Lippenblütler) handelt es sich um eine 4-teilige Frucht (Bild links im unreifen Zustand). Als Klausenfrucht zerfällt sie bei Reife (Bild rechts) in vier Nussfrüchte
Flügelfrucht links, goldbraun vor schwarzem Hintergrund. Rechts Nuss in braunem Fruchtbecher, beschriftet mit "Nuss" und "Cupula".
links: Flügelnuss des Berg-Ahorns; rechts: Frucht der Rotbuche, wo die Nuss in einem Fruchtbecher eingepackt ist


Samen


Ein einzelner Samen geht aus dem Gewebe der entsprechenden Samenanlage im Fruchtknoten hervor, sobald diese befruchtet wird. Doch was ist genau der Sinn von Samen und wie sind sie aufgebaut?


Funktion der Samen: Zum einen schützt die Samenschale den Embyro. Ausserdem enthalten Samen ein Nährgewebe, welches es ihnen ermöglicht, ohne Hilfe eine längere Zeit überleben zu können (und so keimfähig zu bleiben). So kann sich der Samen Zeit lassen und erst dann keimen, wenn die äusserlichen Umweltbedingungen passend sind. Gewisse Samen warten ein paar Wochen, andere mehrere Jahre! Das Nährgewebe versorgt ausserdem nach dem Keimen das neue Pflänzchen mit Energie, bis es selber Photosynthese betreiben kann.


Evolution der Samen: Es sind nur die Pflanzen der Unterabteilung «Samenpflanzen», die Samen bilden können. Diese Fähigkeit zur Samenbildung, mit all ihren Vorteilen, hat sich in der Erdgeschichte erst evolutionär entwickeln müssen. Zu den Samenpflanzen zählen die Nacktsamer (Gymnospermen) und die etwas jüngeren Bedecktsamer (Angiospermen). Die Nacktsamer, zu denen alle unsere Nadelbäume gehören, haben einfach aufgebaute Blüten und bilden keine Früchte aus. Die etwas jüngeren Bedecktsamer hingegen sind geprägt von einem komplexen Blütenaufbau und der Tatsache, dass sie ihre Samen in Früchte verpacken. Die Bedecktsamer können in zwei grosse Gruppen unterteilt werden, den Monokotyledonen und den Dikotyledonen (Achtung sehr vereinfach! Systematik der Bedecktsamer ist leider etwas komplizierter…).


Die erdgeschichtlich älteren Pflanzen nennt man Sporenpflanzen (z.B. Moose, Schachtelhalme, Farne, Bärlappe,…). Dies weil sie sich nicht via Samen, sondern über Sporen verbreiten. Wie dies funktioniert ist ein Thema für sich (siehe Artikel auf dem erdflow-Blog «Evolution der Pflanzen»). Während bei den Sporenpflanzen die Verbreitung stark vom Wasser abhängig ist, ist dies bei den Samenpflanzen dank der schützenden Hülle weniger bis gar nicht der Fall, was ihnen einen Vorteil an Land bringt.

Diagramm zeigt die Evolution von Landpflanzen. Text: Nacktsamer, Bedecktsamer, Moose. Enthält Zeichnungen von Blättern und Zweigen.
Ausschnitt aus der Phylogenie der Pflanzen: Samen bilden nur die Samenpflanzen. Dabei unterscheidet man (vereinfacht) die Nacktsamer (Gymnospermen, zu denen die Koniferen, d.h. unsere Nadelbäume gehören) und die Bedecktsamer (Angiospermen). Bei den Bedecktsamern werden die Samen in Früchte eingepackt.

Aufbau der Samen: Die harte äusserte Schicht, welche ein Schutzfunktion ausübt, nennt man Samenschale (Testa). Ein grosser Teil des Inneren wird durch das Nährgewebe (Endosperm) aufgebaut. Den Rest stellt der Embryo dar. Aus dem Embryo, der in der Regel klein ist, entwickelt dann bei der Keimung die neue Pflanze. Er besteht u.a. aus Anlagen für die spätere Wurzel (Radikula), für die ersten Blätter (Keimblätter = Kotyledonen) und für die Sprossachse zwischen Wurzel und den Keimblätter (Hypokotyl). Ebenfalls im Embryo befinden sich Anlagen aus denen später die Sprossachse, Blätter und Knospen gebildet werden (Plumula). 

Diagramm eines Samens mit Beschriftungen: Keimblatt, Plumula, Hypokotyl, Keimwurzel, Samenschale, Hilum, Mikropyle, Endosperm.
Genereller Aufbau eines Samens. Die Zwei Narben in der Samenschale sind das Hilum (ehemalige Verbindung von Samenanlage zur Plazenta) und die Mikropyle (ehemaliges Loch des Pollenschlauches, welcher bei der Befruchtung die Wände der Samenanlangen passieren musste) (bearbeitet aus ©wanpya - stock.adobe.com)

Im Aufbau der Samen gibt es Unterschiede zwischen den Nacktsamern, sowie den Monokotyledonen und Dikotyledonen innerhalb der Bedecktsamer:

  • Nacktsamer: Ein Samen enthält zwei oder mehrere Keimblätter.

  • Monokotyledonen: Ein Samen enthält nur ein Keimblatt.

  • Dikotyledonen: Ein Samen enthält zwei Keimblätter.


Bei gewissen Dikotyledonen können die Keimblätter auch die Funktion eines Nährgewebes übernehmen («Speicherkotyledonen») wie z.B. bei der Erdnuss. Solche Samen haben dann kein Endosperm.


Erdnuss mit Beschriftungen: Samenschale, Speicherkotyledonen, Hypokotyl, Radikula. Helle Schale auf hellblauem Hintergrund.
Bei der Erdnuss stellen die zwei Keimblätter das Nährgewebe dar. Bei der etwas dunkleren Hülle handelt es sich um die Samenschale (bearbeitet (David Büsser I Beschriftungen) aus Ivar Leidus - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=100537017)

Keimung der Samen: Die Prozesse, welche die Keimung der Samen auslösen, sind je nach Pflanzenart unterschiedlich, d.h. hierzu gibt es zahlreiche Faktoren, wie z.B. die Lichtverhältnisse, Temperatur, Feuchte oder ein Brandereignis. Dabei keimt der Samen sobald die artspezifischen Umweltbedingungen passen.


Bei der Keimung entwickelt sich im Boden aus der Radikula die Primärwurzel und das Hypokyl dringt nach oben. Die ausbreitenden Keimblätter schützen entweder den Rest des Embryo oder betreiben breits erste Photosynthese. Aus der Plumula entwickelt sich die Sprossachse und die ersten Blätter (Primärblätter). Man unterscheidet die zwei Keimungsarten «epigäische Keimung» und «hypogäische Keimung»:

  • epigäische Keimung: Wenn die Primärwurzel mal genug im Boden verankert ist, kann das Hypokotyl den Rest des Samens hochdrücken. Während die Samenschale sich öffnet schützen die Keimblätter den Embryo.

  • hypogäische Keimung: Die Keimblätter bleiben im Boden. Die Sprossachse wächst jedoch mit den Primärblätter nach oben zum Licht hin.


Diagramm zeigt epigäische und hypogäische Keimung mit Markierungen: Primärwurzeln, Hypokotyl, Keim- und Primärblätter, Seitenwurzeln.
Schema der epigäischen (links) und hypogäischen Keimung (rechts) (bearbeitet aus ©Aldona - stock.adobe.com)


Scheinfrüchte der Nadelbäume


Die Nacktsamer (Gymnospermen), zu denen alle unseren Nadelbäume gehören (z.B. Fichte, Weisstanne, Kiefern, Lärche, Wacholder, Eibe,…) bilden zwar Samen, jedoch keine Früchte aus. Trotzdem haben die Samen von Wacholder oder Eiben, so etwas wie einen Mantel aus "Fruchtfleisch".


Bei den Nadelbäumen (Koniferen) werden die Samen meist in verholzten Zapfen aufbewahrt («Tannenzapfen» eben). Diese bilden sich bereits als weiblicher Blütenstand und bestehen aus einer stark gestauchten Sprossachse, an der (meist spiralig) Samenschuppen angeordnet sind. Die Samenschuppen stellen dabei die (primitiven) Einzelblüten dar. Auf deren Oberseiten befinden sich die Samenanlagen. An der Sprossachse des Zapfens zweigen ausserdem noch die Deckschuppen ab, welche die Tragblätter der Samenschuppen darstellen.


Diagramm und Fotos eines Kiefernzapfens. Beschriftungen zeigen weiblichen Blütenstand und reifen Zapfen mit Details von Samen- und Deckschuppen.
links: Aufbau eines Zapfens der Wald-Kiefer. Bei der Reifung verholzt der Zapfen und nimmt an Grösse zu; rechts: Bei der Gewöhnlichen Douglasie sind die Deckenschuppen länger als sie Samenschuppen und als 3-teilige Zipfel ausgeprägt.

Nach der Bestäubung verholzen Samenschuppen und Deckschuppen, bzw. die Zapfen verschliessen sich. Nun vergeht erstmal eine lange Zeit, bis die Samenanlangen überhaupt befruchtet werden. Die Pollen werden in der Zeit zurückgehalten (bei den Kiefern ca. 1 Jahr, bei der Weisstanne ca. 4-5 Wochen). Danach werden die Eizellen befruchtet und die Samen reifen heran. Sind diese voll ausgereift, öffnen sie sich die Zapfen bei geeigneten Umweltbedingungen, wodurch die Samen entlassen werden.


Eibe und Wacholder: Ihre Samen werden durch etwas «Frucht-ähnliches» umhüllt. Wichtig zu wissen: Da die Blüten der Koniferen keine Fruchtblätter haben, kann die «Fleischhülle» auch nicht aus so etwas wie einem Perikarp bestehen. Beim Gemeinen Wacholder werden die Samen- und Deckschuppen der weiblichen Blüte nach der Bestäubung fleischig. Die «Beere» stellt also im Grunde einfach nur ein fleischiger Zapfen («Beerenzapfen») dar. Bei den Eiben entsteht aus einem weiblichen Blütenstand nur ein Samen. Es existieren zwar mehrere Samenschuppen, von denen ist jedoch nur eine davon mit einer Samenanlage ausgestattet. Der Samenmantel besteht aus Gewebe, das sich ursprünglich an der Basis der Samenanlage befunden hat. Es hüllt die Samenschale von unten her ein. Wie beim Wacholder besteht der Zweck des "Fruchtfleisches" darin, Vögel anzulocken. Für uns Menschen sind alle Teile der Eibe hochgiftig, wobei der Samenmantel die einzige Ausnahme darstellt.


Linke Bild: Dunkelblaue Wacholderbeeren auf Zweig mit grünen Nadeln. Rechte Bild: Rote Eibe-Frucht auf Zweig mit grünen Nadeln.
links: «Beerenzapfen» des Wacholders; rechts: Samenmantel der Eibe


Verbreitung der Früchte und Samen


Sobald ein Same keimt, bleibt die Pflanze ein Leben lang an Ort und Stelle. Sich «bewegen» und somit ausbreiten, kann die Pflanze nur im Lebensstadium des Samens. Es gibt zahlreiche Strategien zur Ausbreitung (und somit «Bewegung») der Samen und der Aufbau einer Frucht ist meist der Ausdruck davon. Die Liste der folgenden genannten Ausbreitungsarten ist nicht abschliessend:


Tierverbreitung (Zoochorie): Die Frucht nutzt die Tiere als Helfer («Verkehrsmittel») um sich zu verbreiten. Im Gegensatz zu den Pflanzen sind wir Tiere nämlich mobil :-).

  • Verdauungsausbreitung (Endochorie): Die Früchte statten sich so aus, dass sie als Ganzes von Tieren gefressen werden. Bewerkstelligt wird dies über im Fruchtfleisch enthaltene Nährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine, Fette, Mineralstoffe, Vitamine,..), angenehmen Düften oder starken Farben. Einmal gefressen, werden die Samen im Darm des Tieres transportiert und im besten Fall an einem anderen Ort unverdaut mit dem Kot wieder ausgeschieden. Dies bedingt aber auch, dass die Samen mit einer harten Samenschale oder einem harten Endokarp so robust sein müssen, dass sie im Darm nicht verdaut werden können. Die meisten unserer heimischen Wildpflanzen, die Beeren, Steinfrüchte, Sammelsteinfrüchte oder Sammelnussfrüchte ausbilden, sind auf die Verbreitung durch Vögel spezialisiert (mit entsprechender «mundgerechten» Grösse der Früchte)

  • Vorratsbildung: Dies betrifft vor allem die harten Nussfrüchte mit grosser Nährstoffmenge in den Samen. Diese werden von einigen Tieren, die Techniken beherrschen solche Früchte zu öffnen, gerne gefressen. Da das harte Perikarp den Samen sehr gut konserviert, eignen sie sich auch bestens, um damit Wintervorräte anzulegen. Dabei werden die Früchte gut versteckt im Boden vergraben. Diese Strategie sieht man z.B. bei den Eichhörnchen, Mäusen oder auch diversen Vögeln wie dem Eichelnäher. Die Tiere legen mehrere Verstecke an, wovon sie stets einige davon vergessen. Falls dies der Fall ist oder das Tier sogar stirbt, können die Samen aus dem Versteck heraus keimen. Pflanzenarten mit grösseren Früchten, wie Eicheln (Eichen) oder Bucheckern (Buchen), bilden nicht jeden Herbst die gleiche Fruchtmenge (resp. im vorherigen Frühling "Blütenmenge"). Grosse Mengen werden nur alle paar Jahre (Mastjahre) gebildet. Das Ganze läuft pro Baumart über grosse Gebiete synchron ab (kann in gewissen Mastjahren z.B. nur die Ostschweiz, in anderen Mastjahren ein Gebiet von der Schweiz bis Norddeutschland betreffen). Einer der Gründe für dieses Verhalten ist zu verhindern, dass sich die Tiere, welche ihre Samen in grosser Menge fressen (Wildschweine, Rehe, Eichhörnchen,..), sich nicht zu stark vermehren können. Denn in den Jahren mit niedrigen oder gar keinen Fruchtmengen herrscht Nahrungsmangel, wodurch viele dieser Tiere im Winter sterben. Dadurch liegen dann im Frühling nach den Mastjahren am Waldboden immer noch genug ungefressene Früchte herum, welche dann keimen können. Bei der Bildung von Mastjahren können auch noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. Das Ganze wird von der Wissenschaft noch nicht im Detail verstanden.

  • Ameisenausbreitung (Myrmekochorie): Hier werden die Ameisen als Transportmittel genutzt. Dazu bildet sich an den Samen ein nährstoffreiches (und duftendes) Anhängsel aus (Elaiosom). Solche Samen werden von den Ameisen gesammelt, in den Ameisenbau transportiert und deren Elaiosom dort gefressen. Der Rest des Samens wird meist von den Ameisen als «Abfall» wieder ins Freie heraustransportiert. Die Ameisenausbreitung ist der am weit verbreite Mechanismus bei den krautigen Pflanzen Mitteleuropas.

  • Klettausbreitung (Epichorie): Die Früchte sind mit Dornen oder Widerhaken ausgestattet. Bei Kontakt mit dem Fell, Haaren oder Pfoten von Tieren, können sie sich daran anhaften (Kletthafter, wie z.B. Grosse Klette, Waldmeister, Echte Nelkenwurz,..). Gewisse Pflanzen wie z.B. Malven nutzen zur Anhaftung auch klebrige Sekrete (Klebhafter). Die Klettausbreitung ist sehr «ökonomisch», da keine Nährstoffe als "Belohnung" produziert werden müssen.

  • Tierballisten: Indem Tiere bei der Fortbewegung den Stängel des Fruchtstandes bewegen, wird eine katapultartige Rückbewegung ausgelöst, welche die Samen herausschleudert.


Tierverbreitung: Ein Vogel auf roten Beeren, grünem Hintergrund; daneben eine Ameise, die ein grossen Samen inkl Elaiosom  auf sandigem Boden trägt.
links: Verdauungsausbreitung - Dieser Vogel frisst die Steinfrüchte des Roten Holunders (für uns Menschen roh giftig!) und wird die Samen dann in seinem Darm transportieren.; Rechts: Eine Ameise transportiert den Samen einer Gold-Akazie. Das sandbraune Anhängsel stellt dabei das Elaiosom dar.

Klettausbreitung: Hand entfernt Klette aus Hundehaar im Garten. Rechts sind Disteln vor grünen Bäumen zu sehen. Sommerliche Stimmung.
links: Klettausbreitung - Die Früchte der Grossen Klette können sich gut am Fell von Tieren verhaken; rechts: der Spezialist unter der Tierschleudern in unserer heimischen Flora ist die Wilde Karde. Die Stacheln am Stängel helfen dabei, beim Kontakt mit dem Tier eine eine möglichst grosse Spannung aufzubauen. Beim Rückschlag werden die Achänen dann herausgeschleudert.

Windausbreitung (Anemochorie):

  • Windflieger: Die Samen sind so aufgebaut, dass sie vom Wind fortgetragen werden können, dies z.B. über Flügel (z.B. Ahorn oder Birke), Flugschirme (Pappus wie z.B. beim Löwenzahn) oder luftgefüllten Strukturen («Ballonflieger»). Meist handelt es sich um kleine Früchte, da sich diese leichter vom Wind bewegen lassen. Ganz feine Samen werden auch ohne Flughilfen mit dem Wind verbreitet.

  • Windstreuer: Die Kraft des Windes wird so genutzt, dass die Frucht am Fruchtstiel so stark vom Wind bewegt wird, dass die Samen weggestreut werden (z.B. Klatschmohn). Dazu sind die Stängel meist elastisch ausgebildet und die Samen klein.


Wasserausbreitung (Hydrochorie): Die Früchte sind so ausgebildet, dass sie im Wasser aufschwimmen (z.B. mit Luftsäcken). Dies ist vor allem in der Nähe von Gewässern sinnvoll. Andere nutzen auch die Hilfe von Regentropfen, indem diese die Samen aus der Frucht herausschwemmen.


Selbstausbreitung (Autochorie): Zur Ausbreitung sind keine äusserlichen Kräfte (wie Tier, Wind oder Wasser) notwendig. Grössere Distanzen können dabei jedoch nicht überwunden werden.


Barochorie: Die Früchte fallen einfach mit der Schwerkraft zu Boden.


Ballochorie: Die Samen werden aus der Frucht weggeschleudert. Dabei wird innerhalb der Frucht eine Spannung (entweder durch Austrocknung oder durch Aufbau eines hohen Wasserdrucks in der Zelle) aufgebaut. Wenn diese zu gross wird, reissen die Früchte explosionsartig auf (Beispiel: Drüsiges Springkraut)


Kulturausbreitung (Hemerochorie): Überall wo sich die menschliche Zivilisation ausgebreitet hat, beeinflusst diese die Samenverbreitung sehr stark. So werden in der Landwirtschaft beim Bestellen der Felder die Samen von Kulturpflanzen (wie z.B. des Weizens) gezielt ausgebracht. Im verunreinigten Saatgut können sich auch noch Samen andere Arten tummeln (Saatgutbegleiter), die dann ebenfalls auf den Äckern als «Unkräuter» keimen (z.B. Klatschmohn oder Echte Kamille).


Rotes Mohnfeld in sanftem Hügel, umgeben von grünen Gräsern und Bäumen im Hintergrund. Lebendige Farben in einer ruhigen Landschaft.
Der Weizen wird von den Menschen gezielt angebaut. So werden auch deren Samen «kulturell» verbreitet. Im unreinen Saatgut können sich aber auch noch Samen anderer Arten befinden, welche sich so ebenfalls verbreiten. So findet man auf Getreideäckern oft auch Klatschmohn.

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