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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Europäische Eibe (Taxus baccata)



Die Eibe gehört in Mitteleuropa zu den giftigsten Pflanzenarten. Bereits eine Aufnahme von ca. 50 bis 100 Gramm der Nadeln gilt für uns Menschen als tödlich. Werden die Nadeln vorgängig zerkleinert, reichen auch bereits kleinere Dosen. Verantwortlich für die Giftwirkung ist ein Cocktail aus diversen Giftstoffen, die zusammengefasst als «Taxane» bezeichnet werden. Sie schädigen diverse Bereiche des Körpers wie das Verdauungssystem, die Leber, Herzmuskulatur, etc. Der Tod tritt dann meist wegen Herzversagen oder Atemlähmung ein. Auch wenn man eine Vergiftung überlegt, muss danach mit bleibenden Leberschäden gerechnet werden. Auch für Pferde ist die Eibe hochgiftig, während Rinder, Ziegen und Schafe durch den regelmässigen Verzehr kleiner Mengen eine gewissen Toleranz bilden können. Für das Rehwild ist die Eibe hingegen ungiftig, weshalb es sehr oft zu Wildverbiss kommt.


Die Giftigkeit darf jedoch nicht über die spannenden Aspekte dieser Baumart hinwegtäuschen. So handelt es sich um eine sehr «entspannte» und «genügsame», aber auch «zähe Art. Während viele Baumarten direkt um das Licht im Wald konkurrieren, hat sich die Europäische Eibe mit dem Schatten unter dem Kronendach abgefunden. Sie gilt dabei sogar als die «schattenverträglichste Baumart» Mitteleuropas. Sie wächst dabei gerne im Unterstand von Buchenwäldern. Das Wurzelsystem ist dabei dicht, weit- und tiefreichend, welches auch stark verdichtete Boden durchdringen kann. Die Eibe hat eine hohe Regenerationsfähigkeit. Als einziger Nadelbaum ist sogar auch zu Stockausschlag fähig. Auch die Dürreresistenz ist sehr hoch und übersteigt sogar diejenige der Waldkiefer. Auch gegen Spätforst ist die Eibe sehr unempfindlich. Bei der Eibe wird das harte, zähe, elastische und dauerhafte Holz für den Bau von Werkzeugen sehr geschätzt. Ötzi hatte bei seiner verhängnisvollen Alpenüberquerung auch einen Bogen aus Eibenholz dabei. Heutzutage ist der Bestand an Eiben in der freien Natur leider stark dezimiert, was mit einer früheren menschlichen Übernutzung zu tun haben dürfte. Starker Wildverbiss durch zu hohe Wildbestände dürften das Ganze noch verstärken. Die Europäische Eibe wird jedoch sehr oft in Garten und Parks angepflanzt. So wird zunehmend auch als heimische, immergrüne Hecke geschätzt.


Die Eibe ist (mit wenigen Ausnahmen) zweihäusig, das heisst die weiblichen und männlichen Blütenstände kommen nie auf demselben Baum vor. Die Eibe blüht bereits im Februar/März, also sehr früh im Jahr. Der Grund dafür ist, dass sich dann die Pollen optimal mit dem Wind verbreiten können, bevor nach erfolgtem Laubaustrieb mitten im schattigen Wald (natürliche Standorte der Eibe) eher Windstille vorherrschen wird. Bei den weiblichen Zapfen ist jeweils nur die oberste Blüte fruchtbar. Der Pollen wird dabei durch einen sogenannten «Bestäubungstropfen» an der Spitze des Zapfens aufgesammelt. Die Geschlechtsreife wird in schattigen Lagen erst mit 70 bis 120 Jahren erreicht.


Der Samen ist von einem fleischigen roten, süssen Samenmantel umgeben. Dieser dient dazu, Vögel anzulocken, die den Samenmantel inklusive Samen fressen. Letzterer wird unverdaut mit dem Kot wieder ausgeschieden und dadurch verbreitet. Der Samenmantel ist auch der einzige ungiftige Pflanzenteil und ist ausserdem sehr süss im Geschmack, allerdings auch von einer etwas gewöhnungsbedürftigen Konsistenz. Um den Samenmantel zu verzehren, wird dieser entweder vorsichtig vom Samen weggekratzt oder er wird zusammen mit den Samen in den Mund genommen und von dort weggeschlürft, während der Samen wieder herausgespuckt wird. Aus dem Samenmantel kann auch Konfitüre oder Likör hergestellt werden, allerdings muss dieser mit viel Geduld und noch mehr Vorsicht mit dem Messer vom hochgiftigen Samen getrennt werden, so dass dieser nicht verletzt wird. Von gewissen Rezepten, nach denen die Samenmantel inkl. Samen nach kurzem Aufkochen durch ein Sieb gepresst werden, wird ausdrücklich abgeraten. Dies weil dabei nicht auszuschliessen ist, dass aus nicht-intakten Samen Giftstoffe herausgelöst werden, resp. beim Streichen durch das (Passier-)Sieb es zu Verletzungen an den Samen kommen kann.

Da die enthaltenen Taxane das Zellwachstum und die Zellteilung hemmen, werden sie seit den 90er Jahren auch in der Krebstherapie eingesetzt (Hemmung des Tumorwachstums). Genutzt werden dabei die Stoffe «Paclitaxel» und «Docetaxel».



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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