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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Lippenblütler (Lamiaceae)


Ebenfalls eine weitverbreitete Pflanzenfamilie stellen die Lippenblütler (Lamiaceae) dar. In Mitteleuropa sind es vor allem krautige Pflanzen oder Halbsträucher, wobei weltweit auch Bäume und Sträucher auftreten. Sie haben oft einen hohen Gehalt an Ätherischen Ölen. Aus diesem Grund sind sie als Gewürz- Tee- oder Heilpflanzen geradezu prädestiniert.


Bekannte Wildpflanzen der Lippenblütler: Taubnessel, Wald-Ziest, Hohlzahn, Waldminzen, Thymian, Gundermann, Kriechender Günsel, Wiesen-Salbei, Zitronenmelisse, Kleine Braunelle,…


Stängel und Blätter: Der Stängel ist im Querschnitt immer 4-kantig und oft hohl. Die Blätter sind dabei stets kreuzgegenständig angeordnet. Die Blattränder sind meist nur leicht eingeschnitten (meist gezähnt).


Goldnessel (Lamium galeobdolon): Typisch für die Lippenblütler ist der (oft hohle) 4-kantige Stängel und die kreuzgegenständige Anordnung. Die Blattränder sind meist nur leicht eingeschnitten (wie hier “gesägt”) (bearbeitet (David Büsser I Beschriftungen) aus AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32279105)
Goldnessel (Lamium galeobdolon): Typisch für die Lippenblütler ist der (oft hohle) 4-kantige Stängel und die kreuzgegenständige Anordnung. Die Blattränder sind meist nur leicht eingeschnitten (wie hier “gesägt”) (bearbeitet (David Büsser I Beschriftungen) aus AnRo0002 - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32279105)

Blüten: Die zwittrigen «Lippenblüten» haben sowohl 5 Kronblätter, als auch 5 Kelchblätter und weisen eine zygomorphe Form auf. Die Kelchblätter sind verwachsen und bilden eine Röhre. An ihrem oberen Ende sind sie jedoch zu spitzen «Kelchzähnen» ausgefranst. Auch die Kronblätter sind unten zu einer Röhre ("Kronröhre") verwachsen. Aus diesem Grund bleibt die Krone beim Herausziehen aus dem Kelch in der Regel als Ganzes erhalten (im Gegensatz zur Krone eines Schmetterlingsblütlers, welche in ihre Einzelteile zerfällt).


Aufbau einer Lippenblüte am Beispiel des Gundermanns (bearbeitet (David Büsser I Zusammenstellung und Beschriftung) aus Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1943542 und Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1943541)
Aufbau einer Lippenblüte am Beispiel des Gundermanns (bearbeitet (David Büsser I Zusammenstellung und Beschriftung) aus Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1943542 und Frank Vincentz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1943541)

An der Form der Krone zeigt sich, warum auch bei den Lippenblütlern der Name Programm ist. Durch das Zusammenwachsen bilden (meist) die oberen zwei Kronblätter die «Oberlippe». Die Oberlippe hat oft eine helmförmige Form oder ist zurückgebildet.


Die unteren drei Kronblätter bilden die «Unterlippe». Sind die zwei seitlichen Kronblätter ("Seitenlippen") sehr ausgeprägt oder nicht so stark mit dem untersten Kronblatt verbunden, dann bezeichnet man oft auch einfach nur das unterste Blatt (der "Mittellappen") als «Unterlippe".


links: Gefleckte Taubnessel - mit sehr dünnen Seitenlippen und "ausgerandetem" Mittellappen; Mitte: Gewöhnliche Goldnessel - mit helmförmiger Oberlippe und direkt darunter den Staublättern; rechts: Kriechender Günsel - mit zurückgebildeter Oberlippe und ausgeprägten Seitenlippen
links: Gefleckte Taubnessel - mit sehr dünnen Seitenlippen und "ausgerandetem" Mittellappen; Mitte: Gewöhnliche Goldnessel - mit helmförmiger Oberlippe und direkt darunter den Staublättern; rechts: Kriechender Günsel - mit zurückgebildeter Oberlippe und ausgeprägten Seitenlippen

Es sind meist 4 Staublätter vorhanden (i.d.R. 2 lange und 2 kurze). Sie sind unten mit den Kronblättern verwachsen. Die zwei Fruchtblätter sind verwachsen und bilden zusammen einen oberständigen (synkarpen) Fruchtknoten mit je zwei (somit insgesamt 4) Samenanlagen (4-teiliger Fruchtknoten). Der gemeinsame Griffel verzweigt sich am Ende zu einer 2-teiligen Narbe.


Oft befinden sich der Griffel und die Staubblätter direkt unter der Oberlippe, so dass der Pollen (mit der Unterlippe als «Landeplatz») gut auf dem Rücken der Bestäuber an- und abgestreift werden kann.


Die Blüten können einzeln, in den Blattachsel oder in einem «Scheinquirl» auftreten. Mit «Scheinquirl» ist gemeint, dass zahlreiche Einzelblüten in einem Quirl (mehr als 2 Blüten pro Stockwerk) angeordnet scheinen. In Wahrheit handelt es sich dabei aber um jeweils zwei Blütenstände mit stark gestauchten Sprossachsen.


Wald-Ziest mit einem "Scheinquirl"- Blütenstand (Einzelblüten in Stockwerken angeordnet) (© tom - stock.adobe.com)
Wald-Ziest mit einem "Scheinquirl"- Blütenstand (Einzelblüten in Stockwerken angeordnet) (© tom - stock.adobe.com)

Früchte: Der Fruchttyp der Lippenblütler ist die Klausenfrucht. Dabei handelt es sich um eine Frucht, die während der Reifung in 4 Nussfrüchte zerfällt. Sie spalten sich sowohl entlang der echten Scheidenwände (Scheidewand zwischen den zwei Fruchtblätter), als auch entlang «falscher Scheidewände» (Scheidewand zwischen den zwei Samenanlagen innerhalb des Fruchtblattes). Typisch ist auch, dass die Klausenfrüchte jeweils in der Kronröhre eingebettet sind.


Es gilt: Alle Lippenblütler Mitteleuropas sind essbar! Dabei ist jedoch zu beachten, dass auch andere Familien innerhalb der Ordnung "Lippenblütlerartige" (zu denen auch die Lippenblütler gehören) eine ähnliche Form aufweisen und darunter sich auch giftige Arten tummeln. Deshalb ist bei einer Blütenform mit Ober- und Unterlippe trotzdem Vorsicht geboten! Hat die Pflanze zusätzlich sowohl einen 4-kantigen Stängel, gegenständige Blätter und einen 4-teiligen Fruchtknoten hat, dann ist es auf jedenfalls einen Lippenblütler (wobei das mit dem Fruchtknoten eine eher detaillierte Analyse erfordert).


Zottiger Klappertopf: Blätter gegenständig, Stängel 4-kantig und Blüten mit Ober- und Unterlippe. Es ist trotzdem kein Lippenblütler, sondern gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae): Die Blätter sind zwar gegenständig, jedoch nicht kreuzgegenständig. Ausserdem sind nur 4 Kelchblätter vorhanden. (©Rolf Müller - stock.adobe.com)
Zottiger Klappertopf: Blätter gegenständig, Stängel 4-kantig und Blüten mit Ober- und Unterlippe. Es ist trotzdem kein Lippenblütler, sondern gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae): Die Blätter sind zwar gegenständig, jedoch nicht kreuzgegenständig. Ausserdem sind nur 4 Kelchblätter vorhanden. (©Rolf Müller - stock.adobe.com)


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