das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Detox-Mythen im Zusammenhang mit Essbaren Wildpflanzen und Heilpflanzen
Unser Körper wird ständig mit Fremdstoffen konfrontiert, die biologisch schädlich sind: Das reicht von natürlichen Pflanzengiften, die wir mit der täglichen Nahrung konsumieren, Toxine von Mikroorganismen, Umweltgifte oder auch eigene Stoffwechselprodukte. Im Körper laufen deshalb ständig und automatisch Entgiftungsprozesse ab, u.a. auch in der Leber und nicht allzu selten, liest man dann in Kräuterbüchern, in Social-media-content, usw. Aussagen wie:
"Pflanze xy reinigt die Leber"
"Pflanze xy entgiftet den Körper"
"Pflanze xy beschleunigt die Entgiftung in der Leber"
"Pflanze xy wirkt blutreinigend"
"Pflanze xy leitet Schlacken aus dem Körper aus, welche sonst die Gesundheit beeinträchtigen"
"Pflanze xy leitet Schwermetalle aus dem Körper aus (und dass Schwermetalle der wahre Grund für alle heutigen Gesundheitsprobleme sein sollen)"
Im Zusammenhang mit Entgiftung und «Leberboostern» werden dabei oft Pflanzen wie Löwenzahn, Artischocke, Brennnessel, Giersch, usw. genannt. Nicht selten sind es dabei bitter schmeckende Pflanzen oder Arten, die einen harntreibenden Effekt haben (für so richtig «Hardcore»-Detoxkuren werden auch abführende Pflanzenarten verwendet). Sehr oft wird dabei mit deren Einfluss auf die Leber (das zentrale Entgiftungsorgan im Körper) argumentiert. Teils wird auch die Steigerung der Gallensaft-Sekretion durch Bitterstoffe (was an sich stimmt) als Argument für eine angeblich entgiftende Wirkung herangezogen.
Dass man solche Aussagen wie oben im erdflow-Phytikon nicht vorfindet, hat seinen guten Grund, denn solche Aussagen fussen nicht auf wissenschaftliche Evidenz, sondern sind entweder reiner Humbug, aus dem Kontext gerissen oder haben eher kulturhistorische als wissenschaftliche Gründe. Auch sind die oben genannten Pflanzen alles tolle Arten mit vielfältigen kulinarischen und heiltechnischen Verwendungen, aber können diese uns tatsächlich auch «detoxen»? In diesem Beitrag hier geht es nun darum, solche Entgiftungs-Heilsversprechen mal nüchtern zu betrachten und nüchtern einzuordnen (ohne Marketing oder Clickbaiting).
Sekundäre Pflanzenstoffe und die Leber

Entgiftungsprozesse im Körper
Um alle diese kursierenden Entgiftungs-Heilsversprechen einordnen zu können, müssen wir uns erstmal kurz damit beschäftigen, wie denn die Entgiftung in unserem Körper abläuft.
Dabei ist ein Punkt zentral: Das Entgiftungssystem läuft im gesunden Körper automatisch 24/7 und «Abfälle» bzw. Stoffwechselprodukte werden dabei kontinuierliche entsorgt, ohne dass sich diese (als «Schlacken» wie im Hochofen) ansammeln würden.
Es gibt jedoch gewisse Giftstoffe, wie Schwermetalle, die sich im Gewebe anreichern und dann erst über Jahre wieder ausgeschieden werden können. Doch das ist nur bei Personen, die solchen Stoffen stark exponiert sind, gesundheitlich relevant (wie z.B. Industriearbeiter, Menschen, die in stark verschmutzten Regionen leben, Raucher, Leute mit hohem Fischkonsum oder Leute, die ständig «magische» Algen- oder Muschelpräparate oder «wunderwirkende» Nahrungsergänzungsmittel / Detoxprodukte aus China / Indien ohne Qualitätsprüfung zu sich nehmen).
Die Entgiftung im Zuge der Nahrungsaufnahme beginnt bereits im Magen mit dem Magensaft, der ein stark saures Milieu schafft, wo nicht nur potenzielle Erreger absterben, sondern bereits gewisse Giftstoffe (z.B. toxische Proteine, die oft von Bakterien stammen) zerstört werden können. Im Darm kommen dann weitere Enzyme hinzu, welche gewisse Giftstoffe abbauen können. Teils können durch die enzymatische Spaltung aber auch Giftstoffe erst so richtig aktiviert werden (u.a. solche, die an Zucker gebunden sind). Eine wichtige Barriere ist nun die Darmwand, wo viele Moleküle (v.a. grössere) daran gehindert werden, ins Blut zu gelangen. Weiter wirken auch an der Darmschleimhaut wichtige Entgiftungsenzyme. Fremdstoffe, die es trotzdem schaffen vom Körper aufgenommen zu werden, werden in der Leber umgebaut, bzw. dort für den Abtransport «transportfähig» gemacht.
Der Umbau in der Leber geschieht über Reaktionen, die in zwei Phasen unterteilt werden können:
Phase I («Umbau»): Die Fremdstoffe werden chemisch umgebaut (v.a. durch CYP-Enzyme) und zwar via Oxidation und dem Anhängen von Bestandteilen, die den Stoff polarer machen (für chemisch Interessierte: -OH, -NH2 oder -SH-Gruppen). Das Ziel ist dabei, die Stoffe chemisch so zu verändern, dass man danach in der Phase II eine wasserlösliche Gruppe daran anhängen kann. Die Zwischenprodukte aus Phase I können teils noch reaktiver sein als die ursprünglichen Fremdstoffe / Giftstoffe und deshalb wird sofort Phase II aktiviert (in der Regel in der gleichen Leberzelle)
Phase II («Konjugation»): Den Zwischenprodukten wird nun ein wasserlöslicher Teil angehängt, so dass erstens deren biologische Aktivität chemisch deaktiviert wird und zweitens eine Entsorgung (auch ursprünglich fettlöslicher Stoffe) via Urin möglich ist. Solche Anhängsel sind z.B. Glucuronsäure, Glutathion, Sulfat, Acetyl, Methyl, Aminosäure, usw.

Die dabei entstehenden Abbauprodukte werden schliesslich aus dem Körper entsorgt. Der wichtigste Hauptweg ist dabei der Urin, indem diese Abbauprodukte von der Niere aus Blut herausgefiltert werden. Für die Fälle, wo der Entsorgungsweg über den Urin nicht möglich ist, sei es, weil es sich um sehr grosse Moleküle handelt oder weil es die Leber chemisch nicht hinkriegt, die entsprechenden fettlöslichen Stoffe wasserlöslich zu machen, ist auch der Entsorgungsweg via Gallensaft und Darm über den Stuhl möglich. Der Gallensaft wird in der Leber produziert und ist eigentlich ein Verdauungssaft, der Stoffe enthält, welche die Fettverdauung unterstützen. Der Gallensaft wird in der Gallenblase gespeichert und bei Nahrungsaufnahme von dort aus in den Dünndarm abgegeben. Bei besonders flüchtigen Stoffen ist auch der Entsorgungsweg über die Lunge möglich und ganz kleine Mengen bestimmter Substanzen gelangen auch via Schweiss aus dem Körper (dieser Weg ist jedoch sehr untergeordnet).

Die Leber reguliert ihre Aktivität (Aktivierung / Hemmung) u.a. über diverse Rezeptoren, die Fremdstoffe erkennen (wie z.B. PXR- und Nrf2-Sensoren) und damit die Bildung der entsprechenden Entgiftungsenzyme und Abbautransportwege steuern. Auch Hormone, Entzündungsmarker usw. beeinflussen das System. Alles in allem ist diese Steuerung ein komplexes biochemisches System, wo die diversen Prozesse funktionell aufeinander abgestimmt sind.
Sekundäre Pflanzenstoffe und die Leber
Weil die Leberaktivität-regulierenden Rezeptoren auf Fremdstoffe reagieren, ist es nicht verwunderlich, dass Sekundäre Pflanzenstoffe die Aktivität von Leberenzymen beeinflussen können. Denn die meisten Sekundären Pflanzenstoffe behandelt der Körper als Fremdstoffe und aktivieren folglich die Fremdstoff-Rezeptoren. Dies reguliert wiederum die Aktivität bestimmter Entgiftungsenzyme, welche diese Stoffe abbauen. So werden z.B. auch beim Alkoholkonsum bestimmte Entgiftungsenzyme hochreguliert (u.a. via NRf2).
Im Labor beobachtet man an Zellkulturen oder in Tierstudien bei gewissen Pflanzenstoffen oder auch mit Pflanzenextrakten eine Beeinflussung («Modulation»), d.h. sowohl Erhöhung als auch Verminderung der Aktivität gewisser Entgiftungsenzyme von Phase I und II. Vertreter, die besonders dazu bekannt sind, sind z.B. Senföle, bestimmte Flavonoide, bestimmte Ätherische Öle, Berberin, Piperin, usw.

Wenn nun diese Pflanzenstoffe die Leberaktivität beeinflussen können, dann unterstützen (bzw. «boostern») sie so folglich auch die Entgiftung der Leber? Im Märchenland, wo man die Natur überromantisiert, mag man zu diesem Schluss kommen, doch in der Realität ist dieser Sachverhalt leider viel komplexer und auch widersprüchlicher:
so können Pflanzenstoffe, wie erwähnt, nicht nur die Bildung von Entgiftungsenzymen erhöhen, sondern auch verringern
so werden oft nur einzelne bestimmte Enzyme beeinflusst, die im Abbau eines anderen Giftstoffes keine Relevanz haben
raschere Reaktionen in Phase I, ohne dass auch mehr in Phase II passiert, kann in der Theorie unter Umständen sogar bedeuten, dass mehr toxische Zwischenprodukte entstehen
falls theoretisch ein einzelner Umbau-Schritt im System rascher vor sich geht, kann einfach an anderer Stelle ein «Flaschenhals» bestehen
die Aktivierung der Enzymbildung kann auch einfach nur eine regulatorische Antwort auf Fremdstoffe rein, die es nun abzubauen gilt (ähnlich wie am Beispiel vom Alkoholkonsum)
Wie, ob und wie stark sich diese Einzeleffekte aus Labor- und Tierstudien als «generelles Schutzprogramm» in der Gesamtheit des komplexen Entgiftungsprozesses mit komplexer Selbststeuerung auswirken, kann in den allermeisten Fällen nicht seriös schlussgefolgert werden!
Mehr Enzyme XY für den Prozess YZ im Labor bedeuten also nicht einfach mehr Gesamtentgiftung in der Leber ! Das System in der Leber ist so komplex, dass aus Einzeleffekten aus dem Labor kein allgemein relevanter Effekt im Körper postuliert werden kann und schon gar keine allgemein raschere Entgiftung. Und wenn, dann ist das ein typisches Beispiel von «aus dem Kontext gerissener Desinformation»
Wenn man solche Aussagen mit «raschere Entgiftung», usw. behauptet, dann muss man für die entsprechende Pflanze oder den entsprechenden Stoff auch plausible Evidenzen liefern (z.B. mit qualitativ hochstehenden klinischen Studien an Menschen), welche diese These unterstützen. So ist z.B. der der Einfluss von Hyperforin im Johanniskraut auf den beschleunigten Abbau von bestimmten Arzneistoffen (durch Aktivierung bestimmter Entgiftungsenzyme in der Leber) mit klinischen Studien an Menschen gut untersucht und zwar nicht nur via Marker, welche die erhöhte Enzymaktivität zeigen, sondern auch mittels Messung von Plasmaspiegel der entsprechenden Arzneimitteln.
Bitterstoffe und Gallenfluss: Bitterstoffe können den Gallenfluss erhöhen (choleretisch) bzw. die Gallenblasenentleerung beschleunigen (cholagog) und damit die Fettverdauung verbessern (der Effekt wurde v.a. in Tierstudien untersucht). Teils wird dieser gesteigerte Gallenfluss als Argument angeführt, wonach die Entgiftung der Leber beschleunigt werden würde, denn schliesslich werden ja über den Gallensaft auch «Abfälle» entsorgt. Leider hat diese Argumentation zwei entscheidende Haken:
Der Hauptweg zur Entsorgung der «Abfälle» läuft, wie erwähnt, über den Urin und auf all dies hat ein gesteigerter Gallensaft keinen Einfluss.
Damit die «Abfälle» mit der Galle als Entsorgungsweg die Entgiftung beschleunigen würden, müsste der Gallefluss der Flaschenhals im System rein. Das heisst in der Leber müsste sich so eine Art überquellendes «Zwischenlager» befinden, für deren Existenz es jedoch keine Beweise gibt. Es gibt jedoch tatsächlich Fälle, wo der Gallefluss gestört ist und damit der Abtransport beeinträchtigt ist, doch dabei handelt es sich um einen pathologischen Krankheitszustand (mit dem Begriff «Cholestase»), der für gesunde Leute keine Relevanz hat.
Beispiel Löwenzahn: Löwenzahnextrakt beeinflusst in Laborstudien an Zellkulturen die Aktivität bestimmter Entgiftungsenzyme. Wie erwähnt erlaubt dies jedoch keine direkten Aussagen darüber, dass dies tatsächlich im Menschen die generelle Entgiftung "boostern" würde. Es gibt zur «Entgiftung mit Löwenzahn» weder Tier-, noch Humanstudien (Es gibt zwar Tierstudien zu einer möglichen leberprotektiven Wirkung, jedoch nicht zur Entgiftung).

Beispiel Artischocke: Auch Artischocken-Extrakte beeinflussen in Laborstudien an Zellkulturen bestimmte Entgiftungsenzyme (u.a. Hemmung von Phase II). Doch auch hier erlaubt dies keine direkten Aussagen darüber, dass damit im Menschen die Entgiftung tatsächlich "geboostert" oder gehemmt werden würde. Und auch hier gibt es zum Thema «Entgiftung mit Artischocke» weder Tier-, noch Humanstudien. Es gibt jedoch (spannende) Tier- und Humanstudien zu einer möglichen leberprotektiven Wirkung, nicht aber zur Entgiftung.

Entgiftend da harntreibend?
Löwenzahn, Brennnessel, Giersch, Schachtelhalm, Grosse Klette, Kletten-Labkraut und co wirken leicht harntreibend. Der Grund dafür liegt im hohen Kalium-Gehalt in diesen Pflanzen, der in der Niere zu mehr Ausscheidung von Natrium, so weniger Rückabsorbtion und damit mehr Urinproduktion führt (evtl. könnten in diesen Pflanzen auch gewisse Flavonoide am Effekt beitragen). Die Effekte sind allerdings gering und nicht mit pharmakologisch eingesetzten Diuretika zu vergleichen.

Nun, der Urin ist ja der Haupt-Abtransportierweg der «Abfälle»: Heisst so also mehr Urin = mehr Entgiftung im Körper ?
Gewisse Abbaustoffe (die teilweise in der Niere rückabsorbiert werden) können dadurch rascher ausgeschieden werden, doch auf die Abbaurate in der Leber hat dies keinen Einfluss. Und auch die Filtrationsrate (Produktion von Primärharn) steigt dadurch nicht automatisch. Im Alltag sind diese Effekte mit diesen leicht harntreibenden Pflanzen kaum relevant. Um einen optimalen Urin-Entgiftungstransport zu gewährleisten ist es viel wichtiger, im Alltag auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Begriff «blutreinigend»
Der Begriff «blutreinigend» taucht als volksheilkundlicher Begriff im Zusammenhang mit Essbaren Wildpflanzen / Heilpflanzen sehr oft auf. Haben wir es damit also mit genialen «Dialyse-Pflanzen» zu tun?

Nun, der Begriff wird in der evidenzbasierten Phytotherapie nicht verwendet und hat auch nichts mit einer Dialyse zu tun. Vielmehr stammt der Begriff aus der 4-Säfte-Lehre (Humoralpathologie, mehr dazu hier), dem früheren westlichen Medizinkonzept. Nach dem damaligen Konzept der 4-Säfte-Lehre würden Krankheiten durch Ungleichgewichte der 4 postulierten Körpersäfte (Blut, Schleim, Gelbe Galle, Schwarze Galle) aber auch durch «verdorbene Säfte» entstehen. Und so findet man in den mittelalterlichen Arzneibüchern bei Kräutern Aussagen wie «reinigt das Blut». Blut galt als der wichtigste dieser 4 Körpersäfte und wenn folglich ein harntreibendes Kraut zu mehr Ausscheidung von Körpersäften (in dem Fall Urin) führt, sah man dies vermutlich als Zeichen, dass sich damit «verdorbenes Blut» reinigen würde. Entsprechende damalige Interpretationen wurden später in volksheilkundlichen Kräuterbüchern übernommen.
«blutreinigend» im Zusammenhang mit Heilpflanzen sollte also nicht medizinisch, sondern vielmehr kulturhistorisch verstanden werden!
Detox-Kuren
Entgiftungsanwendungen werden in der Szene teils auch als ganze «Detox-Kuren» für mehrere Wochen angeboten. Die Grundidee dabei ist: Es hätten sich im Körper (z.B. über den Winter) viele Giftstoffe oder einfach nur Stoffwechsel-Abfallprodukte (die in der Szene oft «Schlacken» genannt werden) angesammelt und dieser «Güsel» soll nun für eine optimale Gesundheit mit einer längeren Kur ausgeschieden werden (als eine Art «Frühlingputz»).
Oft sind dabei harntreibende oder bittere Pflanzen ein wichtiger Teil dieser Kuren, z.B. als Smoothie, Tee oder Presssaft. Der gesteigerte Harn wird in diesen Konzepten als «Reinigung» und der bittere Geschmack als «Leberbooster» verstanden.

Bei diesen Konzepten gibt es jedoch einiges kritisch anzumerken:
Der Körper entgiftet kontinuierlich 24/7. Es sammeln sich im Körper keine «Abfallstoffe aus dem Stoffwechsel» (also «Schlacken» wie im Hochofen) an!
Wie erwähnt arbeitet die Leber nicht automatisch schneller, nur weil im Labor mehr vom Enzym XY aktiviert wird
Es gibt zwar vereinzelt klinische Studien, die den Effekt gewisser Detox-Kuren untersuchen. Wen wunderts, sieht man dabei (rein durch die Kalorienreduktion) ein Gewichtsverlust. Weiter geht eine geringere Zucker- und Fettaufnahme bei vorher ungesunder Ernährung oft auch mit besseren Leberwerten einher. Beweise, dass durch diese Detox-Kuren mehr im Körper «feststeckende Abfallstoffe» aus dem Körper befördert werden würden, gibt es hingegen nicht!
Vom Körper aufgenommene Schwermetalle, PCB, usw. können nicht einfach via Phase I und II abgebaut und ausgeschieden werden und haben deshalb eine längere Verweilzeit im Körper, bzw. binden sich in der Regel fest ans Gewebe (je nach konkretem Stoff in die Knochen, ins Fettgewebe, usw.). Eine Detox-Kur mit ein bisschen mehr Urinausscheidung wegen harntreibender Pflanzen, bzw. mehr Stuhl durch abführende Pflanzenarten, führt nicht zu erhöhter Schwermetallausscheidung. Dies weil die Freisetzung dieser Stoffe aus dem Gewebe entscheidend ist. Zumal die Argumentation, dass bei uns in Mitteleuropa chronische Schwermetallbelastungen die Hauptursache moderner Krankheiten seien, nicht auf Fakten beruht. Schwermetalle sind schädlich und können Komplikationen und Krankheiten verursachen, doch dass betrifft, wie erwänht, v.a. Leute, welche diesen Stoffen stark exponiert sind.
Fazit
Entgiftungs-Heilsversprechen in der Wildkräuterszene sind typische Beispiele von «vielleicht ein Stück Wahrheit, aber total aus dem Kontext gerissen, so dass es wissenschaftlich keinen Sinn mehr macht». Die entsprechenden Ideen und Konzepte sind irgendwie über «alternative Strömungen» mit «wissenschaftlichem Anstrich» in die Szene gelangt und werden dort leider immer noch tagtäglich reproduziert. Doch den allermeisten Creatorn / Influencern, Autoren oder Kursanbietern, usw. kann man jedoch keinen direkten Vorwurf machen, denn diese wiedergeben meist einfach nur Infos, sie sie selbst in der Szene gelesen und gehört haben. Je mehr solche Mythen dann ohne Wiederspruch reproduziert werden, desto mehr verfestigen die sich als wahren Tatsachen (in 95% der Fälle wohl ohne böse Absicht und im guten Glauben den Leuten was Gutes und Wertvolles zu vermitteln).
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