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Europäische Lärche (Larix decidua)

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae), Gattung: Lärchen (Larix)
" nicht nur im Herbst wegen der goldigen Verfärbung schön anzusehen, sondern auch eine essbarer harzig-würziger Nadelbaum"
Bestimmung
Habitus: Baum bis 50m Höhe
Nadeln: dünn und biegsam; 1-3cm lang; in Büscheln (Kurztrieben) à 20-40 Nadeln angeordnet, mit Holzkissen zwischen Ast und Büschel; am Astende auch Langtriebe mit Einzelnadeln vorhanden; Die Nadeln fallen jeweils im Herbst ab, bzw. davor mit schöner goldgelber Herbstfärbung.
Stamm: braungrau, tief-längsrissig
junge Stämme: mit grün- bis braungrauer, glatter Rinde
junge Zweige: gelblich- bis rötlichbraun und meist leicht behaart
Blüten: getrennt-geschlechtlich; einhäusig; Zapfen an Kurztrieben, wo ein Jahr zuvor ein Langtrieb war; blüht Mai / Juni
männliche Blütenzapfen: oval, 5 bis 8 mm lang; hängend; gelbbraun; an unbenadelten Kurztrieben
weibliche Blütenzapfen: eiförmig, 6 bis 19mm lang; aufrecht; meist an benadelten Kurztrieben; im reifen Zustand pupurn
Zapfen: eiförmig, 2 bis 4 cm lang; aufrecht; braun (unreif grün); Samenschuppen anliegend; Samen geflügelt,
Zeigerwerte: hell, mässig feucht, nährstoffarm, sauer
typische Standorte: Bergwälder, v.a. in den inneralpinen Alpentälern; In den tiefen Lagen (Mittelland, Jura) auch forstwirtschaftlich angebaut
Fotos


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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Nadeln (würzig > mehr dazu): Tee; Likör, Sirup, junge Nadeln als roher Snack; ältere Nadeln getrocknet und vermahlen als Gewürz
männliche Blütenzapfen (würzig > mehr dazu): Streckmehl, Gewürz
weibliche Blütenzapfen (stark aromatisch duftend, aber auch stark adstringierend > mehr dazu): Likör, Sirup, angedünstet als Gemüsebeigabe (Gerbstoff-reich!)
unreife Zapfen (angenehm aromatisch duftend > mehr dazu): Likör, Sirup (im Wasser nur bis max. 70°C erhitzen!)
Samen (nussig > mehr dazu): mit Flügel entfernt (aufwändig) als nussige Beigabe zur diversen Gerichten (am besten vorher etwas anrösten)

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
produktiver Husten: Aufgrund der enthaltenen Ätherische Öle, die als schleimlösend gelten (Bronchialschleim wird verflüssigt auch die Bewegung der Flimmerhärchen wird stimuliert, so dass dieser leichter abgehustet werden kann), werden Nadeln zur Behandlung von produktivem Husten verwendet. Die Anwendung erfolgt u.a. durch Dampfinhalation, indem eine grössere Menge an Nadeln in ca. 300ml heisses Wasser gelegt wird und dabei die Dämpfe eingeatmet werden Vorsicht bei Asthmatiker > kann Asthmaanfälle auslösen; Keine Anwendung bei Fieber, Keuchhusten oder Herzschwäche! Nicht für Kleinkinder geeignet! Keine innere Anwendung des Ätherischen Öls da die giftige / schädliche Dosis sehr gering ist!). Bei produktivem Husten wird teils auch Tee aus den Nadeln empfohlen (1-2 TL zerkleinerter Nadeln in 150ml kochend-heissem Wasser bei geschlossenem Deckel für ca. 5 min ausziehen; 3x pro Tag anwenden; evtl. Dampfinhalation wirksamer?). Volksheilkundlich sind bei Husten auch Einreibungen auf der Brust mittels Nadel-Ölauszügen, Nadelsalben auch Pechsalben (aus dem Harz hergestellt) gebräuchlich.
Muskelkater / Muskelverspannung oder Linderung von Beschwerden bei Arthrose / Arthritis: Salben aus Nadeln und dem Harz steigern auf der Haut die Durchblutung und können dadurch bei Muskelkater, Muskelverspannungen oder zur Linderung von Arthritis/Arthrose behandelt werden. Gebräuchlich sind auch Badezusatze. Dazu werden ca. 200-300g Nadeln in 1l heissem Wasser für ca. 5min mit geschlossenem Deckel ausgezogen Die Dämpfe können Asthmaanfälle auslösen! Keine Anwendung bei Keuchhusten, Fieber, Herzschwäche oder verletzten Haut! Es sind Reizungen auf Haut und Schleimhäute möglich! Nicht für Kleinkinder geeignet!
Beschreibung
Eine Besonderheit der Lärchen innerhalb der Nadelbäume ist, dass sich diese im Herbst goldgelb verfärben, im Anschluss ihre Nadeln abwerfen und dann kahl überwintern, ehe ich nächsten Frühling frische neue Nadeln austreiben. Dies ist eine Anpassung an die die Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum, wo nicht nur sehr kalte Temperaturen, sondern auch trockene Luft, viel Sonne und Wind-Ausgesetztheit vorherrschen. Dies ist ein Milieu, wo der winterliche Wasserverlust mit Nadeln sehr hoch wäre und durch den Abfall der Nadeln entledigt sich die Lärche diesem Problem. Es ist für die Lärche also wirtschaftlicher, jeweils im Frühling neue Nadeln zu bilden.
Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in den höher gelegenen Bergwäldern der Alpen (isolierte Vorkommen auch in den Westkarpaten) und dies vorwiegend in den inneren Alpentälern, die durch ein eher kontinentales Klima (niedrige Niederschlagssummen, hohe Sonneneinstrahlung, sehr kalte Winter, bzw. grossen Temperaturschwankungen) geprägt sind, wie z.B. dem Engadin und dem Wallis. Dort bildet die Lärche ausgedehnte Bestände, oft zusammen mit der Arve. Teils findet man aber auch Reinbestände oder auch aufgelichtete Lärchenwälder («Lärchenweiden»). Die weite Verbreitung der Lärche ist dabei nicht immer auf rein natürliche, sondern vielfach auch auf menschliche Einflüsse zurückzuführen. Denn die Lärche hat den Charakter einer Pionierpflanze. Sie verbreitet, keimt und wächst rasch und benötigt dabei gestörte Standorte (mit sehr rauen Bedingungen). Im Schatten einer geschlossenen Walddecke sterben Keimlinge hingegen rasch ab und die Lärche wird von schattentoleranteren Arten verdrängt.

Ein Grund für die weite Verbreitung ist, dass früher die Wälder als Waldweide genutzt wurden. Dies hat zu einer künstlichen Auflichtung der Wälder geführt, was der lichtliebenden und rasch wachsenden Lärche entgegenkam. Die Nadeln von Jungbäumen der Lärche sind für Schafen oder Ziegen ausserdem viel weniger attraktiv als z.B. Arvennadeln. Damit ist die Lärche viel weniger von Verbiss betroffen und wenn, dann kann sich die Lärche sehr rasch wieder regenerieren. Weiter profitierte die Lärche auch davon, dass das Arvenholz sehr begehrt war. Zwar war auch die Lärche ein beliebtes Nutzholz, doch es wächst schneller wieder nach und wurde auch gezielt angepflanzt.
Natürlicherweise ausgedehnte Lärchenbestände (zusammen mit Arven) würden sich vor allem an sonnigen Südhängen bilden, während auf gestörten Flächen wie Lawinenzügen, Brandflächen und Gletschervorfelder Reinbestände zu erwarten sind. Auch auf trocken-kalkigem Untergrund ist die Lärche, obwohl auch keine Kalkliebhaberin, langfristig konkurrenzstärker als die Arve. An schattigen Nordhängen an der Baumgrenze wird sie über die Zeit von der Arve, resp. in den schattigen etwas tieferen Lagen von der Fichte verdrängt. Dieser Übergang findet jedoch in einem langen Zeitraum von ca. 100 bis 300 Jahren statt.
Ausgedehnte Lärchenvorkommen findet man auch in den Bergtälern des Tessins, wo vielfach an der Waldgrenze Reinbestände vorherrschen. Auch hier haben wir eine ähnliche Situation durch anthropogene Förderung (v.a. Waldweide, Aufgabe der Alpwirtschaft,…) wie in den inneralpinen Tälern, resp. sie würde dort natürlicherweise v.a. an Pionierstandorten (wie z.B. Lawinenrunsen) vorkommen. Weiter ist das Klima, abgesehen vom etwas kontinentaleren Nordtessin (Val Bedretto oder Val Piora), niederschlagsreich und eher warm, was nicht dem Optimum der Lärche entspricht. Im Tessin würden stattdessen natürlicherweise Weisstanne, Rotbuche, (an schattigen Stellen) Fichten und Arve dominieren.
Das Holz der Lärche ist hart, durch das eingelagerte antimikrobiell wirkende Harz witterungsbeständig und hat einen angenehmen Harzduft. Es wird gerne als Bau- und Möbelholz genutzt. Um dieses wertvolle Bauholz zu gewinnen und auch dank der kurzen Umtriebszeit von ca. 80 bis 100 Jahren, wird die die Lärche auch im Flachland forstwirtschaftlich angebaut, vor allem an trockenen südexponierten Standorten. Teils handelt es sich auch um eine Kreuzung mit der Japanischen Lärche, die noch rascher wachsen und weniger anfällig für Krankheiten sind. Für ein optimales Wachstum sind jedoch (wegen der hohen Lichtbedürftigkeit) wiederholte Durchforstungen im Wald nötig.
Die Nadeln der Lärche sind in «Büscheln» à 20-40 Nadeln angeordnet. Dabei handelt es sich um sogenannte Kurztriebe, das heisst Triebe mit einer stark verkürzten Sprossachse. Das Holzkissen an der Basis des Büschels stellt also im Grund ein kurzer Ast dar, bei denen die Nadeln dicht an dicht stehen. Wenn ein neuer «normaler» Ast (Langtrieb) heranwächst, wie das oft am Astende zur beobachten ist, dann finden sich dort auch einzeln angeordnete Nadeln. Die bereits im Herbst des 1. Jahres reifen Samen sind geflügelt und können sich so gut mit dem Wind verbreiten. Nach dem Ausfliegen der Samen bleiben die leeren Zapfen noch ca. 10 Jahren am Baum, ehe sie auf dem Boden fallen.
mögliche Verwechslungen
Japanische Lärche (Larix kaempferi) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Sie stammt ursprünglich aus den Gebirgswälder Japans und wird bei uns als Park und Zierbaum angepflanzt. Sie wird auch fortwirtschaftlich genutzt und zwar als Kreuzung mit der Europäischen Lärche, wodurch man von der «Hybrid-Lärche» (Larix x eurolepis) spricht. Die Art ist widerstandsfähig gegen städtische Abgase und bevorzugt Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit, resp. verträgt extreme Temperaturschwankungen nicht so gut.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Nadeln dünn, weich, sommergrün und mit schöner goldgelber Herbstfärbung, bzw. in Kurztrieb-Büscheln angeordnet
Unterschiede (u.a.)
Nadeln blaugrün; US weiss gestreift
rötlich-braune, schuppige Borke; junge Zweige rötlich
breiterer Wuchs
Samenschuppen abstehend und am Rand deutlich umgebogen
unreife Zapfen gelblich-braun, reife Zapfen breiter


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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