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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gemeine Fichte (Picea abies)
Illustration der Gemeinen Fichte (Picea abies). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. Nadeln spitz und steif, spiralig um den Zweig angeordnet, verholztes Nadelkissen, rögliche, feinschuppige Borke, usw.

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae), Gattung: Fichte (Picea)

"der typische Nadelbaum schlechthin, dessen Nadeln in Tee oder Sirup ein angenehmes harzig-waldiges Dufterlebnis schaffen"

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Habitus: Baum bis 50 m hoch; Krone spitzkegelförmig


Nadeln: 1 bis 2.5 cm lang; spiralig um den Zweig angeordnet; starr; spitz; an der Basis mit verholztem Nadelkissen; US und OS mit zwei weiss-punktieren Streifen mit gleicher Breite wie mittlerer grüner Bereich


Stamm rotbraun bis graubraun; feinschuppig (jung rötlicher, glatt und glänzend)


Blütenzapfen: blüht Mai

  • männliche Blütenzapfen: 0.5 bis 4 cm lang; orangegelb

  • weibliche Blütenzapfen: 1 bis 5 cm lang; rot; aufrecht


Zapfen: 10 bis 15cm lang; braun (unreif grün); hängend; im Innern kleine schwarze Samen mit Flügel


gefährliche Verwechslungen: Europäische Eibe (Taxus baccata) < mehr dazu (Unterscheidung) unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"


Zeigerwerte: sehr schattig, mässig feucht, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, pH-Wert indifferent


typische Standorte: natürlicherweise in erhöhten Lagen als Teil von Mischwäldern oder (gegen die Baumgrenze) als Hauptteil von Bergwäldern; zur Holzgewinnung auch forstwirtschaftlich im Tiefland weit verbreitet

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle


mögliche Kulinarische Verwendung:  zu den Grundrezepten


  • Nadeln (würzig > mehr dazu): frische (hellgrüne) Triebe als roher Snack; Tee; Sirup; Likör; getrocknet und vermahlen als Gewürzbei den jungen Trieben ist im Geschmack die Zitronen- und bei älteren Nadeln die harzige Komponente stärker ausgeprägt


  • Harz: Kaugummi – nur verfestigtes Harz verwenden und vor dem Kauen Harz ca. eine Minute im Mund weich werden lassen (ansonsten klebt es an den Zähnen und den Schleimhäuten fest)


  • männliche Blütenzapfen (würzig > mehr dazu): würziges Streckmehl, Gewürz


  • weibliche Blütenzapfen (stark aromatisch duftend > mehr dazu): Likör, Sirup oder als Gemüse angedünstet


  • Samen (nussig > mehr dazu): als nussige Beigabe zu diversen Gerichten (am besten vorher etwas angeröstet) – Gesammelt werden die Zapfen von Oktober bis Ende Winter. Die noch geschlossenen Zapfen öffnen sich während der kalten Monate drinnen in der Wärme automatisch. Dasselbe gilt auch für die Lagerung neben dem Feuer (vorher eine halbe Stunde ins Wasser einlegen). Sind die Zapfen geöffnet, werden die Samen ausgeschüttelt oder bei Bedarf herausgekratzt. Bevor sie weiterverwendet (z.B. geröstet) werden, müssen erst noch die Flügel entfernt werden (sehr aufwändig!)


Zusammentellung von kulinarischen Verwendungen mit der Gemeinen Fichte (Picea abies)

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • produktiver Husten: Aufgrund der enthaltenen Ätherische Öle, die als schleimlösend gelten (Bronchialschleim wird verflüssigt auch die Bewegung der Flimmerhärchen wird stimuliert, so dass dieser leichter abgehustet werden kann), werden Nadeln zur Behandlung von produktivem Husten verwendet. Die Anwendung erfolgt u.a. durch Dampfinhalation, indem eine grössere Menge an Nadeln in ca. 300ml heisses Wasser gelegt wird und dabei die Dämpfe eingeatmet werden Vorsicht bei Asthmatiker > kann Asthmaanfälle auslösen; Keine Anwendung bei Fieber, Keuchhusten oder Herzschwäche! Nicht für Kleinkinder geeignet! Keine innere Anwendung des Ätherischen Öls da die giftige / schädliche Dosis sehr gering ist!). Bei produktivem Husten wird teils auch Tee aus den Nadeln empfohlen (1-2 TL zerkleinerter Nadeln in 150ml kochend-heissem Wasser bei geschlossenem Deckel für ca. 5 min ausziehen; 3x pro Tag anwenden; evtl. Dampfinhalation wirksamer?). Volksheilkundlich sind bei Husten auch Einreibungen auf der Brust mittels Nadel-Ölauszügen, Nadelsalben auch Pechsalben (aus dem Harz hergestellt) gebräuchlich.


  • Muskelkater / Muskelverspannung oder Linderung von Beschwerden bei Arthrose / Arthritis: Salben aus Nadeln und dem Harz steigern auf der Haut die Durchblutung und können dadurch bei Muskelkater, Muskelverspannungen oder zur Linderung von Arthritis/Arthrose behandelt werden. Gebräuchlich sind auch Badezusatze. Dazu werden ca. 200-300g Nadeln in 1l heissem Wasser für ca. 5min mit geschlossenem Deckel ausgezogen Die Dämpfe können Asthmaanfälle auslösen! Keine Anwendung bei Keuchhusten, Fieber, Herzschwäche oder verletzten Haut! Es sind Reizungen auf Haut und Schleimhäute möglich! Nicht für Kleinkinder geeignet!


Pechsalbe
Pechsalbe

Beschreibung

Die Fichte, der 0815-Nadelbaum schlechthin, wird im Volksmund oft einfach «Tanne» genannt. Auch wenn dabei auch die Bezeichnung «Rottanne» existiert (wegen dem rotbraunen Stamm), gehört sie nicht nur Gattung der Tannen (Abies), sondern zur Gattung den Fichten (Picea). In den Wäldern trifft man die Fichte vom Flachland bis ins Gebirge sehr oft an. Es handelt sich sogar um die am weitesten verbreitete Baumart der Schweiz, die 39% aller Baumexemplare umfasst! Mit der natürlichen Verbreitung hat das jedoch nur bedingt zu tun, sondern vielmehr, dass sie forstwirtschaftlich angebaut wird. Mit ihrem raschen Wachstum (Umtriebszeit ca. 80 bis 100 Jahre), der einfach Bewirtschaftung, dem geraden Stamm und dem qualitativ hochstehenden, vielseitig verwendbaren Holz, ist die Fichte so etwas wie der «Brotbaum der Forstwirtschaft». Das Holz der Fichte ist mittelschwer, tragfähig, elastisch, homogen, leicht zu bearbeiten und beim Trocknen formstabil. Es ist ein beliebtes Bau- und Konstruktionsholz, wird aber auch für Karton und Papier genutzt. Da es im Ausseneinsatz nur wenig dauerhaft ist, muss es in solchen Fällen vorgängig behandelt werden.


Das mitteleuropäische Flachland (also auch das Schweizer Mittelland) gehört eigentlich gar nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte, denn sie braucht vielmehr ein kühl-feuchtes Klima, um gegen andere Baumarten konkurrenzfähig zu sein. Ihre Heimat liegt deshalb v.a. in den borealen Regionen Skandinaviens / Sibiriens (im hohen Norden bildet die Fichte den Hauptbestand der ausgedehnten borealen Nadelwälder), den höheren Lagen der Mittelgebirge und der Hochgebirge (Alpen, Karpaten, Dinariden). Innerhalb der Schweiz liegt der Schwerpunkt ihres natürlichen Vorkommens daher vor allem in den höheren Lagen vom Jura, den Voralpen und in den Alpen nördlich des Hauptkamms. Dort würde sie in montanen Lagen (ca. 600 bis 1'500 m ü. M.) zusammen mit Rotbuche und Weisstanne Mischwälder bilden. Ihr Anteil nimmt dabei mit zunehmender Höhe zu. Kurz vor der Baumgrenze wird sie dann sogar zur dominanten Baumart. In den inneralpinen Tälern, wie Engadin oder Wallis, ist das Klima für die Fichte hingegen zu trocken und ihr natürliches Vorkommen beschränkt sich dort auf einzelne feucht-schattige Standorte. Auch im Tessin, wo zwar hohe Jahresniederschläge, aber auch lange Trockenphase und viele Sonnenstunden vorhanden sind, ist die Fichte nur (zusammen mit der Weisstanne) in den feuchten Nordhängen oberhalb von ca. 1'500 m ü. M. bestandsbildend.


Wie erwähnt, hat die Forstwirtschaft das Verbreitungsgebiet der Fichte bis weit ins Flachland stark ausgedehnt. Alles begann ca. um 1800 als die Wälder in Mitteleuropa stark übernutzt bzw. weitläufig gerodet waren. Mit der Fichte stand dann eine schnellwüchsige und nutzbare Art zur Wiederbewaldung und auch zur nachhaltigen Holzproduktion zur Verfügung. Dabei wurden oft Monokulturen (dichte Reihenpflanzungen nur mit Fichten und Exemplare etwa desselben Alters) angelegt, die mit der Kahlschlag-Methode (Fläche wird komplett abgeholzt und dann neu bepflanzt) bewirtschaftet wurden. Dabei zeigten sich mit der Zeit jedoch zunehmend Probleme durch Windwurf, Pilzbefall, Borkenkäferbefall und nach den grossen Schäden der Stürme Vivian (1990) und Lothar (1999), wo besonders die Fichtenplantagen in Mitleidenschaft gezogen wurden, fand das definitive Umdenken statt. So erfolgte im 20. Jahrhundert (zumindest in der Schweiz) der schrittweise Umbau von den Monokulturen zu Mischwäldern und der Bewirtschaftung nach der Dauerwald-Methode (keine Kahlschläge, sondern Wachstum der Jungbäume unter dem bestehenden Kronendach älterer Exemplare). Das Fichtensterben in tiefen Lagen wurde auch zunehmend durch den Klimawandel angeheizt und so wurden viele der übrig gebliebenen Fichtenreinbestände durch Trockenschäden in den heissen Sommern (wie z.B. 2003, 2018,…) und den anschliessenden Borkenkäferwellen in Mitleidenschaft gezogen. So gibt es heutzutage unterhalb von 800 m ü. M. kaum noch Neupflanzungen mit Fichte.


In den höheren Lagen, in den Voralpen und Alpen, sieht dies jedoch anders aus, denn dort ist die Fichte auch heute noch ein zuverlässiger Nutzbaum, ohne grosse Vitalitätsprobleme. Kein Wunder, denn das ist auch ihr natürliches Verbreitungsgebiet und mit den dort vorherrschenden Klima-Verhältnissen (hohe Niederschläge, lange Wintern, kühle Sommer, feuchte Böden und häufiger Nebel) kommt sie sehr gut klar. Allerdings wird beobachtet, dass der Borkenkäfer mit steigenden Temperaturen sich immer höher hinaus verbreitet und dass nach langen Trockenperioden auch in verschiedenen Regionen in der montanen Stufe an sonnigen Südhängen erste flächenhafte Ausfälle entstanden sind. Man erwartet jedoch, dass die Fichte oberhalb von 1200 m ü. M. auch in Zukunft weiter optimal gedeihen wird.


Die Fichte bildet zwar ein dichtes, aber auch flaches Wurzelsystem. Dies ist eine Anpassung an die flachgründigen, jedoch humosen boralen Böden, bzw. Gebirgsböden. Diese Flachgründigkeit ist im Gebirge, wo Wassermangel in der Regel kein grosses Problem darstellt (hohe Niederschläge, Schneeschmelze, oft Nebel), kein grosses Problem für den Wasserhaushalt. Doch im Flachland kann dies bei Trockenheit rasch zu Wassermangel führen. Der flache Wurzelteller macht die Fichte auch anfällig für Windwurf, was aber vor allem im Flachland ein Problem ist. So waren paradoxerweise bei Lothar in den Voralpen keine flächigen Schäden zu beobachten. Denn an Gebirgshängen ist die Kronenoberfläche meist heterogen und der Wind bläst bei rauer Geländemorphologie oft sehr heterogen und mit verwirbeltem Strömungsfeld. So schwingen die Bäume unterschiedlich und bremsen sich dabei gegenseitig ab, während im Flachland durch den gleichmässig frontal einwirkenden Wind gefährliche Resonanzeffekte entstehen können. Weiter bilden die Fichten im Gebirge als Anpassung an den häufigeren starken Wind dichtere Wurzeln aus, während die Fichten im Flachland völlig untrainiert dem Sturm ausgesetzt sind. Weiter sind im Gebirge Baumhöhen und Stammdurchmesser deutlich geringer. Die typische schlanke, spitzkegelförmige Form der Kronen sorgt dazu (zusammen mit den elastisch nach unten gebogenen Ästen), dass der Schnee leicht abrutschen kann, was die Schneelasten reduziert. Die Fichte kann Temperaturen von bis -40°C problemlos überstehen und kann an etwas wärmeren Wintertagen von über 0°C Photosynthese durchführen.


Unter dem Kronendach von naturnahen Fichten-Gebirgswälder herrschen das ganze Jahr durch kühl-schattig-feuchte Verhältnisse und der Nadelstreu sorgt für eher saure und nährstoffarme Bodenverhältnisse. Mit diesen Verhältnissen kommen v.a. Moose, Bärlappe; Heidelbeeren oder schattenverträgliche Kräuter (wie z.B. Wald-Sauerklee) damit klar, die das diffuse Streulicht optimal ausnutzen. Das Moos und der hohe Humusgehalt sorgen zusätzlich dazu, dass die Feuchtigkeit im Boden gehalten wird, was wiederum ideale Keimbedingungen für den Nachwuchs schafft. Jungbäume haben ausserdem kaum Lichtkonkurrenz mit Gräsern oder Kräutern. In Monokulturen im Flachland, mit gleichaltrigen und damit gleich hohen Exemplaren ist am Boden jedoch nur noch sehr wenig Restlicht vorhanden, so dass keine natürliche Verjüngung stattfinden kann und am Boden teils keine Vegetation vorhanden ist. Die geringeren Niederschläge des Flachlandes und die verdichteten Böden (weniger Wasserspeicherung) sorgen dann zusammen mit der dichten Krone dafür, dass der Boden häufig trocken ist, resp. bei Regen hohe oberflächliche Wasserabflussraten aufweist.


Während die reifen Zapfen typischerweise nach unten hängen, sind diese im Blütenstadium noch aufrecht orientiert. Zu diesem Zeitpunkt sind die Samenschuppen auf leicht geöffnet, so dass der Pollen aufgenommen werden kann. Wenn die Blüten bestäubt werden, schliessen sich die Zapfen, verholzen und verfärben sich schliesslich erst grünlich, dann braun. Es dauert aber noch bis zum Frühling des Folgejahres (dem 2. Jahr) bis die Befruchtung stattfindet. Danach wachsen die Zapfen rasch heran und beginnen nach unten zu hängen. Die Samen sind dann ab ca. Oktober reif. Über den Winter öffnen sich die Zapfen jeweils bei Trockenheit und die geflügelten Samen werden dann über den Wind verbreitet. Bei Trockenheit schliessen sich die Zapfen jeweils wieder. Nach der Samenverbreitung fallen die Zapfen dann als Ganzes auf den Boden. Die Keimung der Samen erfolgt dann im Frühling des 3. Jahres. Beim Sammeln von weiblichen Blütenzapfen, resp. reife Zapfen gibt es ein kleines Problem: Diese befinden sich in der Regel in den oberen Bereichen der Krone und damit nicht für die Hände erreichbar. Gesammelt wird bevorzugt an freistehenden Fichten, denn dort findet man Zapfen und weibliche Blütenzapfen teils bis auf bequemer Griffhöhe. Die Männlichen Zapfen befindet sich generell v.a. im unteren bis mittleren Kronenbereich (Vermeidung von Selbstbestäubung).


Jeweils ca. im Mai bildet die Fichte ihre neuen hellgrünen Triebe aus. Dieser Zeitpunkt verzögert sich jedoch mit zunehmender Höhenlage und Sonnenexposition und liegt in erhöhten Lagen meist im Juni, resp. kann sich an schattigen Lagen der Baumgrenze, je nach Wetter, teils bis Anfangs Juli hineinziehen. Bei diesen jungen Trieben, die auch «Maiwipfel» genannt werden, sind die Nadeln noch weich, wodurch sie im Gegensatz zu ausgewachsenen Nadeln auch roh verzehrt werden können. Durch den hohen Wassergehalt haben sie auch eine erfrischende Note. Der Geschmack hat im Gegensatz zu älteren Nadeln ausserdem eine stark Zitronen-Komponente (durch das Ätherische Öl Limonen) und auch der Vitamin C-, bzw. Zuckergehalt ist dann am höchsten. Bereits nach wenige Wochen sind die Triebe dann für den direkten Verzehr zu hart. Mit der Verfestigung tritt auch das «zitronige» immer mehr in den Hintergrund und der Wasser-, Vitamin C- und Zuckergehalt sinkt. Weiter werden zunehmend Harze eingelagert, wodurch der Geschmack zunehmend «harzig» dominiert ist. Doch was Gute: Wer den optimalen Zeitpunkt für die jungen Fichtentriebe verpasst, kann immer noch auf die höheren Lagen ausweichen. Für Tee, Sirups, Likör, usw. können ältere Nadeln aber genauso verwendet werden, einfach mit einem etwas anderen Geschmacksprofil. Bei harten Nadeln lohnt es sich auch diese vor dem Auszug etwas mit dem Messer zu zerkleinern, so dass die Inhaltsstoffe besser herausgelöst werden können. Beim Tee aus älteren Nadeln werden nach ein paar Minuten auch vermehrt bitter schmeckende Inhaltstoffe herausgelöst.

 

mögliche Verwechslungen


Europäische Eibe (Taxus baccata) - hochgiftig / tödlich!


Die Eibe gehört in Mitteleuropa zu den giftigsten Pflanzenarten. Bereits eine Aufnahme von ca. 50 bis 100 Gramm der Nadeln gilt für uns Menschen als tödlich. Werden die Nadeln vorgängig zerkleinert, reichen auch bereits kleinere Dosen. Verantwortlich für die Giftwirkung ist ein Cocktail aus diversen Giftstoffen, die zusammengefasst als «Taxane» bezeichnet werden. Sie schädigen diverse Bereiche des Körpers wie das Verdauungssystem, die Leber, Herzmuskulatur, etc. Der Tod tritt dann meist wegen Herzversagen oder Atemlähmung ein. Auch wenn man eine Vergiftung überlegt, muss danach mit bleibenden Leberschäden gerechnet werden. Auch für Pferde ist die Eibe hochgiftig, während Rinder, Ziegen und Schafe durch den regelmässigen Verzehr kleiner Mengen eine gewissen Toleranz bilden können. Für das Rehwild ist die Eibe hingegen ungiftig, weshalb es sehr oft zu Wildverbiss kommt.


Die Giftigkeit darf jedoch nicht über die spannenden Aspekte dieser Baumart hinwegtäuschen. So handelt es sich um eine sehr «entspannte» und «genügsame», aber auch «zähe Art. Während viele Baumarten direkt um das Licht im Wald konkurrieren, hat sich die Europäische Eibe mit dem Schatten unter dem Kronendach abgefunden. Sie gilt dabei sogar als die «schattenverträglichste Baumart» Mitteleuropas. Sie wächst dabei gerne im Unterstand von Buchenwäldern. Das Wurzelsystem ist dabei dicht, weit- und tiefreichend, welches auch stark verdichtete Boden durchdringen kann. Die Eibe hat eine hohe Regenerationsfähigkeit. Als einziger Nadelbaum ist sogar auch zu Stockausschlag fähig. Auch die Dürreresistenz ist sehr hoch und übersteigt sogar diejenige der Waldkiefer. Auch gegen Spätforst ist die Eibe sehr unempfindlich. Bei der Eibe wird das harte, zähe, elastische und dauerhafte Holz für den Bau von Werkzeugen sehr geschätzt. Ötzi hatte bei seiner verhängnisvollen Alpenüberquerung auch einen Bogen aus Eibenholz dabei. Heutzutage ist der Bestand an Eiben in der freien Natur leider stark dezimiert, was mit einer früheren menschlichen Übernutzung zu tun haben dürfte. Starker Wildverbiss durch zu hohe Wildbestände dürften das Ganze noch verstärken. Die Europäische Eibe wird jedoch sehr oft in Garten und Parks angepflanzt. So wird zunehmend auch als heimische, immergrüne Hecke geschätzt.


Die Eibe ist (mit wenigen Ausnahmen) zweihäusig, das heisst die weiblichen und männlichen Blütenstände kommen nie auf demselben Baum vor. Die Eibe blüht bereits im Februar/März, also sehr früh im Jahr. Der Grund dafür ist, dass sich dann die Pollen optimal mit dem Wind verbreiten können, bevor nach erfolgtem Laubaustrieb mitten im schattigen Wald (natürliche Standorte der Eibe) eher Windstille vorherrschen wird. Bei den weiblichen Zapfen ist jeweils nur die oberste Blüte fruchtbar. Der Pollen wird dabei durch einen sogenannten «Bestäubungstropfen» an der Spitze des Zapfens aufgesammelt. Die Geschlechtsreife wird in schattigen Lagen erst mit 70 bis 120 Jahren erreicht.


Der Samen ist von einem fleischigen roten, süssen Samenmantel umgeben. Dieser dient dazu, Vögel anzulocken, die den Samenmantel inklusive Samen fressen. Letzterer wird unverdaut mit dem Kot wieder ausgeschieden und dadurch verbreitet. Der Samenmantel ist auch der einzige ungiftige Pflanzenteil und ist ausserdem sehr süss im Geschmack, allerdings auch von einer etwas gewöhnungsbedürftigen Konsistenz. Um den Samenmantel zu verzehren, wird dieser entweder vorsichtig vom Samen weggekratzt oder er wird zusammen mit den Samen in den Mund genommen und von dort weggeschlürft, während der Samen wieder herausgespuckt wird. Aus dem Samenmantel kann auch Konfitüre oder Likör hergestellt werden, allerdings muss dieser mit viel Geduld und noch mehr Vorsicht mit dem Messer vom hochgiftigen Samen getrennt werden, so dass dieser nicht verletzt wird. Von gewissen Rezepten, nach denen die Samenmantel inkl. Samen nach kurzem Aufkochen durch ein Sieb gepresst werden, wird ausdrücklich abgeraten. Dies weil dabei nicht auszuschliessen ist, dass aus nicht-intakten Samen Giftstoffe herausgelöst werden, resp. beim Streichen durch das (Passier-)Sieb es zu Verletzungen an den Samen kommen kann.

Da die enthaltenen Taxane das Zellwachstum und die Zellteilung hemmen, werden sie seit den 90er Jahren auch in der Krebstherapie eingesetzt (Hemmung des Tumorwachstums). Genutzt werden dabei die Stoffe «Paclitaxel» und «Docetaxel».


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Nadel spitz


Unterschiede (u.a.)

  • ohne Nadelkissen, Nadelbasis den Ast herablaufend; Nadeln flach und weich; Nadel-Unterseite hellgrün, mit dunklerem hervortretendem Mittelstreifen

  • Stamm mit abblätternden Schuppen und vielen Mulden/Furchen; junge Äste grün-unverholzt

  • keine grossen «Tannenzapfen»

  • männliche Blütenzapfen einzeln, gelbweiss, kugelig, ca. 4 mm gross

  • weibliche Blütenzapfen sehr klein (1-1.5 cm), grünlich-braun, schuppig

  • keine grossen «Tannenzapfen», stattdessen einzelner Samen mit rotem Samenmantel


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale übersichtlich graphisch dargestellt, der hochgiftigen /tödlichen Europäischen Eibe (Taxus baccata) gegenüber der ungiftigen / essbaren Gemeinen Fichte (Picea abies)

Weisstanne (Abies alba) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Unterschiede (u.a.)

  • Nadeln 2-reihig angeordnet

  • Nadeln flach und stumpf («die Fichte sticht, die Tanne nicht»)

  • ohne Nadelkissen, jedoch verdickte Nadelbasis

  • Stomata-Streifen nur auf der Unterseite

  • Stamm weiss bis grau, gröberer geschuppt

  • männliche Blütenstände in Gruppen und im reifen Zustand gelb

  • weibliche Blütenstände im reifen Zustand grün, Deckschuppen sichtbar

  • reife Zapfen aufrecht


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale übersichtlich graphisch dargestellt, der Weisstanne (Abies alba) gegenüber der Gemeinen Fichte (Picea abies)

Gewöhnliche Douglasie (Pseudotsuga menziesii) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Die Gewöhnliche Douglasie ist bei uns in Mitteleuropa nicht heimisch. Im Tertiär gab es hier zwar ebenfalls heimische Douglasien-Arten, doch diese sind danach im Zuge der zahlreichen Eiszeiten ausgestorben. Die Gewöhnliche Douglasie stammt ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde sie nach Mitteleuropa gebracht und in Parks angepflanzt. Kurze Zeit später wurde sie auch forstwirtschaftlich angebaut, in Deutschland teils in grossem Umfang, wo sie ca. 2% aller Bäume ausmacht. In der Schweiz sind es hingegen gerade mal 0.2%. Im Vergleich zur Fichte ist die Douglasie deutlich dürreresistenter und das Holz hat ähnlich gute Eigenschaften, resp. zusätzlich auch eine hohe Witterungsbeständigkeit.


Bei der Gewöhnlichen Douglasie werden zwei Varietäten unterschieden:

  • Gebirgs-Douglasie (var. glauca): Stammt ursprünglich aus dem Rocky Mountains. Die Nadeloberseite hat silbrig- bis graugrüne Stomata-Streifen.

  • Küsten-Douglasie (var. menziesii): Stammt ursprünglich aus der pazifischen Küstenregion (Kalifornien bis Alaska). Die Nadeloberseite hat keine Stomata-Streifen. In Mitteleuropa wird vor allem diese Varietät angebaut, da sie gegen den häufigen Pilzschädling namens «Russige Douglasienschütte» resistenter ist.


In den Wäldern ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes stellt die Gewöhnliche Douglasie für viele Tierarten eine wichtige Nahrungsquelle dar. Sei dies durch den Verzehr der Nadeln oder auch der Samen. Die Douglasie ist auch wertvoller Lebensraum, wie z.B. für die Rote Baumwühlmaus, die ausschliesslich auf Douglasien lebt. In den «künstlichen» Vorkommen Mitteleuropas sind die Douglasien hingegen artenarmer als heimische Gehölze, wobei mittlerweile auch immer mehr auf Douglasien spezialisierte Insekten und Säugetierarten bei uns eingewandert sind. Kulinarisch wird die Douglasie analog wie die Fichte genutzt. Ein wichtiger Unterschied ist dabei, dass der Geschmack der Nadeln eine ausgedehnte Orangenduft-Note aufweist.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Nadeln spiralig angeordnet

  • hängende Zapfen


Unterschiede  (u.a.)

  • Nadeln flach, stumpf und weich; ohne Nadelkissen; Orangenduft beim Zerreiben

  • mittlerer grüner Streifen auf der Nadel-Unterseite dünner als die zwei weissen Streifen

  • Stamm graubraun und längsrissig

  • männliche Blütenstände in Gruppen und reif eher gelbbraun

  • weibliche Blütenstände kleiner (1.5-2cm), 3-teilige Deckschuppen sichtbar

  • Zapfen mit auffälligen 3-teiligen Deckschuppen


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale übersichtlich graphisch dargestellt, der Douglasie gegenüber der Gemeinen Fichte (Picea abies)

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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