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Weisstanne (Abies alba)

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae), Gattung: Tannen (Abies)
"die Weisstanne kann kulinarisch ähnlich wie die Fichte genutzt werden"
Bestimmung
Habitus: Baum bis 60m Höhe; Äste waagrecht; Krone kegelförmig; ältere Bäume mit verlängerten Gipfeltrieben («Storchnestkronen-förmig»)
Nadeln: In zwei Reihen angeordnet; flach; stumpf; verbreiterte Nadelbasis; US mit zwei weiss-punktieren Streifen mit gleicher Breite wie mittlerer grüner Bereich
Stamm: grau bis weiss, schuppig (junge Bäume glatt)
Blütenzapfen: blüht Mai
männliche Blütenzapfen: 2 bis 3 cm lang, in Gruppe, im reifen Zustand gelbe Färbung
weibliche Blütenzapfen: aufrecht, 3 bis 5cm lang, im reifen Zustand grün, mit sichtbaren Deckschuppen
Zapfen: braun; 8 bis 15cm lang; aufrecht; dunkelbraune, geflügelte Samen
gefährliche Verwechslungen: Europäische Eibe (Taxus baccata) < die Unterscheidungsmerkmale sind weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen" dargestellt
Zeigerwerte: sehr schattig, mässig feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: natürlicherweise in leicht erhöhten Lagen in Mischwäldern und Bergwäldern, wo tiefgründiger Boden vorhanden ist; durch gezielte Pflanzungen auch im Tiefland weit verbreitet.
Fotos




Quelle: Crusier - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6935032

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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Nadeln (würzig > mehr dazu): frische (hellgrüne) Triebe als roher Snack; Tee; Sirup; Likör; getrocknet und vermahlen als Gewürz – bei den jungen Trieben ist im Geschmack die Zitronen- und bei älteren Nadeln die harzige Komponente stärker ausgeprägt
männliche Blütenzapfen (würzig > mehr dazu): Streckmehl, Gewürz
Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
produktiver Husten: Aufgrund der enthaltenen Ätherische Öle, die als schleimlösend gelten (Bronchialschleim wird verflüssigt auch die Bewegung der Flimmerhärchen wird stimuliert, so dass dieser leichter abgehustet werden kann), werden Nadeln zur Behandlung von produktivem Husten verwendet. Die Anwendung erfolgt u.a. durch Dampfinhalation, indem eine grössere Menge an Nadeln in ca. 300ml heisses Wasser gelegt wird und dabei die Dämpfe eingeatmet werden Vorsicht bei Asthmatiker > kann Asthmaanfälle auslösen; Keine Anwendung bei Fieber, Keuchhusten oder Herzschwäche! Nicht für Kleinkinder geeignet! Keine innere Anwendung des Ätherischen Öls da die giftige / schädliche Dosis sehr gering ist!). Bei produktivem Husten wird teils auch Tee aus den Nadeln empfohlen (1-2 TL zerkleinerter Nadeln in 150ml kochend-heissem Wasser bei geschlossenem Deckel für ca. 5 min ausziehen; 3x pro Tag anwenden; evtl. Dampfinhalation wirksamer?). Volksheilkundlich sind bei Husten auch Einreibungen auf der Brust mittels Nadel-Ölauszügen, Nadelsalben auch Pechsalben (aus dem Harz hergestellt) gebräuchlich.
Muskelkater / Muskelverspannung oder Linderung von Beschwerden bei Arthrose / Arthritis: Salben aus Nadeln und dem Harz steigern auf der Haut die Durchblutung und können dadurch bei Muskelkater, Muskelverspannungen oder zur Linderung von Arthritis/Arthrose behandelt werden. Gebräuchlich sind auch Badezusatze. Dazu werden ca. 200-300g Nadeln in 1l heissem Wasser für ca. 5min mit geschlossenem Deckel ausgezogen Die Dämpfe können Asthmaanfälle auslösen! Keine Anwendung bei Keuchhusten, Fieber, Herzschwäche oder verletzten Haut! Es sind Reizungen auf Haut und Schleimhäute möglich! Nicht für Kleinkinder geeignet!
Beschreibung
Die Weisstanne würde bei uns natürlicherweise vor allen in erhöhten Lagen (zusammen mit der Rotbuche) auftreten, mit Verbreitungsschwerpunkt auf der montanen Stufe (ca. 600 bis 1'500 m ü. M.). Ihr prozentualer Anteil steigt dabei mit zunehmender Meereshöhe. Gegen die Waldgrenze, wo sie vor allem der Gemeinen Fichte vergesellschaftet ist, nimmt ihr Anteil dann wieder ab. Die Weisstanne kommt sowohl auf kalkaltigem, als auch saurem Boden klar. Wichtiger ist vielmehr, dass der Boden tiefgründig ausgebildet ist, so dass eine ausreichend tiefe Bodenbewurzelung (für Wasserversorgung und Stabilität) sichergestellt ist. Hanglagen mit untiefer Felsoberfläche sind deshalb nur wenig geeignet. Optimal sind dagegen Standorte über Mergel- oder Tonsteine, Moräne, Hangschutt, etc. Die Weisstanne meidet Staunässe.
Das natürliche Verbreitungsareal der Weisstanne erstreckt sich über die Hoch- und Mittelgebirge Mittel- und Südeuropas, d.h. von den Pyrenäen über das Zentralmassiv, den Alpen in die Karpaten, resp. auch Vogesen, Schwarzwald, Dinariden und lokal auch im Appennin. Ihr nördlichstes natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Thüringer Wald / Harz und spannend hierbei ist, dass es sich dabei nicht um eine klimatische Grenze handelt, sondern nur um die aktuelle natürliche Ausbreitungsfront seit ihrer Rückwanderung nach dem Ende der letzten Eiszeit.
Die Ausbreitung der Weisstanne geht nämlich äussert langsam vonstatten. Die Samen sind zwar geflügelt, aber auch relativ gross und schwer, so dass die Windausbreitung in der Regel bis maximal 30 Meter Entfernung beträgt (selten auch bis 100 Meter). Die Samen verlieren ausserdem bereits nach einem Jahr ihre Keimfähigkeit. Innerhalb des Zapfens reifen die Samen im Oktober desselben Jahres, wo auch die Bestäubung stattfindet. Die Zeit zwischen Bestäubung und Befruchtung beträgt ca. 4 bis 6 Wochen, was für Nadelbäume eine vergleichsweise kurze Zeitdauer ist. Während die Samen durch den Wind verbreitet werden, fallen die Samenschuppen einzeln vom Zapfen ab, bis nur noch ein schwertförmiger Zapfenrest übrigbleibt. Dieser kann dann noch mehrere Jahre am Baum bleibe, ehe auch dieser auf den Boden fällt.
Die Weisstanne ist sehr schattenverträglich und kann so über eine lange Zeit (mit langsamem Wachstum) im Schatten der Nachbarsbäume verweilen. Sterben diese ab, wird der Standort lichtexponiert und die Weisstanne wächst dann in der Folge rasch in die Höhe. Mit Trockenphasen kann sie gut umgehen und wird deshalb in der Forstwirtschaft im Zuge des Klimawandels immer wichtiger. Gegenüber der Fichte ist die Weisstanne ausserdem deutlich sturmfester, jedoch gleichzeitig auch anfälliger auf Schäden in Folge von Spätfrost. Dank forstwirtschaftlicher Anpflanzungen hat sich das Verbreitungsareal der Weisstanne mittlerweile auch weit über ihre natürliche Grenze, bis nach Südskandinavien und den Britischen Inseln ausgedehnt.
Die hohe Empfindlichkeit auf Schadstoffbelastung mit Schwefeldioxid haben der Weisstannen-Population bis vor wenigen Jahrzehnten stark zugesetzt. Ein Problem stellen jedoch weiterhin die erhöhten Bestände von Schalenwild (Rehe, Rothirsche, Gämse, etc.) dar. Die Weisstannen-Nadeln sind nämlich wegen ihres hohen Nährstoffgehaltes und dem vergleichsweisen geringen Gehalt an verdauungshinderlichen Stoffen für die Tiere ein beliebter Leckerbissen. Den Weisstannen können auch diverse Schädlinge schaden, wie z.B. die im 19. Jahrhundert eingeschleppte Tannentrieblaus. So ist die Weisstannen-Population durch eine Kombination diverser Stress-Faktoren nach wie vor stark unter Druck, was mit dem Begriff des «Tannensterbens» umschrieben wird. Bäume, die unter Stress stehen, bilden bereits in jungen Jahren eine «Storchnestkrone» aus. Im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen, finden sich in der Weisstanne keine Harzkanäle, womit es auch bei Verletzungen zu keiner Harzausscheidung kommt. Innerhalb der Zellen sind aber durchaus auch Harzstoffe vorhanden.
Das Holz ist in den Eigenschaften mit demjenigen der Gemeinen Fichte vergleichbar. Da im Holz keine Harzkanäle sind, ist es jedoch besser bearbeitbar. Das Weisstannen-Holz hat einen hohen Brennwert und bildet bei der Verbrennung nur wenig Funken.
mögliche Verwechslungen
Europäische Eibe (Taxus baccata) - – hochgiftig / tödlich!
>>> mehr Infos zur Europäischen Eibe hier <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Nadel flach und stumpf, in zwei Reihen angeordnet
Unterschiede (u.a.)
Nadelbasis nicht verdickt, stattdessen den Ast herablaufend; Nadel-Unterseite hellgrün, Mittelstreifen hervortretend
Stamm rotbraun, mit abblätternden Schuppen und vielen Mulden/Furchen; junge Äste grün-unverholzt
keine grossen «Tannenzapfen», stattdessen einzelner Samen mit rotem Samenmantel

Nordmanntanne (Abies nordmanniana) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Die Nordmanntanne ist bei uns nicht heimisch, sondern stammt aus dem Kaukasus (nicht im hohen Norden!). Sie wird bei uns wegen der beliebten Nutzung als Weihnachtsbaum teilweise forstwirtschaftlich angebaut, ist jedoch anfällig auf strenge Winter und Spätfrost!
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Nadelform analog (weich, stumpf, an der Basis verbreitert,…)
Stamm schuppig
reifer Zapfen aufrecht
Unterschiede (u.a.)
Nadeln spiralig angeordnet, Nadeln oberhalb des Zweiges kürzer
Stamm etwas dunkler


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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