das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Hunds-Rose (Rosa canina)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Rosa
"Die Hundsrose ist die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Wildrose. Die Früchte (Hagebutten) haben eine sehr vielfältige kulinarische Verwendung."
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme / erkenne ich die Hundsrose und wo kommt sie vor?
Habitus: Strauch bis 4m Höhe
Blätter: wechselständig; gefiedert, mit 5 bis 7 Teilblättern; Blattstiel z.T. mit Stacheln und/oder (sehr kleinen) Stieldrüsen, jedoch nicht behaart; am Grund mit zwei länglichen Nebenblättern (die mit dem Blattstiel verwachsen sind)
Teilblätter / Fiedern: eiförmig bis oval; 2 bis 4 cm lang; meist 1.5x so lang wie breit; am Rand gesägt bis doppelt gesägt; auf beiden Seiten kahl
Äste / Stamm: bogig überhängend; mit hakenförmigen (selten sichelförmigen) Stacheln, die eine breite Stachelbasis aufweisen
Blüten: Krone 3-5cm breit; Kronblätter meist hellrosa (selten weiss) und verkehrt-herzförmig; Staubblätter gelb; Kelchblätter nach dem Verblühen zurückgeschlagen und danach rasch abfallend; Blüte und Blütenstiel ohne Nektardrüsen; nicht bis kaum duftend; blüht Juni; die einzelne Blüte blüht nur wenige Tage
Blüten der Arten aus der Gattung Rosa allgemein: radiärsymmetrisch; 5 Kron- und 5 Kelchblätter; viele Staub- und Fruchtblätter; krugförmiger Blütenboden, der sich oben verengt; Fruchtblätter unterständig
Früchte: leuchtend rote bis orangerote, meist ovaloide oder eiförmige Hagebutten; ca. 1.5 bis 3 cm lang; ab ca. Oktober/November reif
Früchte aus den Arten der Gattung Rosa allgemein: Sammelnussfrucht; Fruchtfleisch umschliesst dabei die Nüsschen; Kerne im Innern (Nüsschen) fein behaart; Früchte werden «Hagebutte» genannt.
Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis nährstoffreich, frisch, schwach sauer bis neutral
typische Standorte Hecken, Waldrand
Fotos



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Verwendung
> Hundsrose, inbesondere die Hagebutten, in der wilden Küche und als Heilpflanze verwenden
wichtige Inhaltsstoffe: in den Hagebutten Pektin, Carotinoide, Galaktolipide, hoher Gehalt an Vitamin-C
Giftigkeit: Die Blätter, Blüten und Hagebutten von Wildrosen (u.a. Hundsrose) sind ungiftig /essbar. Bei roh verzehrten Hagebutten müssen jedoch vorgängig die etwas reizenden Härchen im Innern ausgekratzt werden.
Kulinarische Verwendung
junge Blätter (herb > mehr dazu): Salat, Salatbeigabe
Blüten (fade > mehr dazu): essbare Dekoration (Achtung: Verwelken nach dem Sammeln rasch!)
Früchte (süss > mehr dazu): roh als Nascherei vor Ort (Kerne und Haare im Innern vorher auskratzen), Tee, Mus, Konfitüre, Chutney /Ketchup, weiter
Hagebuttenriegel (siehe Text weiter unten auf der Seite)
Fruchtfleisch getrocknet und kleingeschnitten / kleingemahlen als Hagebuttenpulver (für Beigabe im Müesli, im Smoothie, Gewürz für Suppe oder Saucen, über dem Salat, im Joghurt /Quark, als Streckmehl, usw.)
Kerne geröstet und vermahlen als Kaffee (Kerne sehr hart > sehr starke Mühle verwenden!) oder ausgekocht als Kernlestee (siehe Text weiter unten auf der Seite)

Hundsrose, bzw. Hagebutten als Heilpflanze / Heilwirkungen von Hagebutten / Verwendung in der evidenzbasierten Phytotherapie
zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Arthritis: Die in den Hagebuttenschalen enthaltenen Galaktolipide zeigen in in-vitro-Studien eine entzündungshemmende Wirkung. Dabei verspricht man sich eine Wirkung von Hagebutten bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis. Verwendet wird vor allem das kleingeschnittene Pulver der Fruchtschalen (Hagebuttenpulver). Für ein standardisiertes Hagebuttenpulver aus Dänemark («Hyben vital») liegen vielversprechende klinische Studien für eine Tagesdosis von 5g (2-3 TL) Pulver pro Tag vor, die zeigen, dass damit bei rheumatischen Beschwerden die Menge an Schmerzmitteln reduziert werden kann. Zu beachten ist jedoch, dass dort ein spezifisches Herstellungsverfahren den Gehalt an wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen sicherstellt (spezifische Züchtung, Erntezeitpunkt, schonende Trocknung, laufende Überprüfung vom Wirkstoffgehalt,…) und damit die Studienergebnisse nicht 1:1 auf andere Produkte oder selbst hergestelltes Hagebuttenpulver übertragen werden können. Die Galaktolipide sind fettlöslich und zersetzten sich bei 40 °C, weshalb die Hagebuttenschalen nicht stark erhitzt werden dürfen, resp. ein Teeauszug nur schon wegen der schlechten Wasserlöslichkeit nicht viel bringen dürfte (ölige Kaltauszüge, die als Speiseöl verwendet werden, wären hier zielführender, wobei hier nichts über die erforderliche Dosis bekannt ist).
Hautentzündungen: Die Kronblätter von Blüten gewisser Rosenarten («Rosenblütenblätter»), d.h. von Rosa gallica, Rosa centifolia oder Rosa damascena werden von HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft, dass basierend auf langjähriger Erfahrung äusserlich bei leichten Hautentzündungen angewendet werden kann. Verwendet wird dabei das Hydrolat (auch «Rosenwasser» genannt), dass bei der Wasserdampfdestillation vom Ätherischen Öl («Rosenöl») als Nebenprodukt anfällt. Bei der Übertragbarkeit auf die Hunds-Rose ist jedoch Vorsicht geboten. Das aus den Kernen verwendete Öl (Hagebuttenkernöl) und das Fruchtfleisch werden sowohl traditionell, als auch in modernen Kosmetikprodukten, zur Hautpflege verwendet.
Sammelkalender


Spannendes über die Art
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Rosen als Symbol der Liebe - von Europa bis Ostasien
Die Rose gilt als die «Königin der Blumen»: Ihre grosse Blütenkrone, die schönen Farben und je nach Art auch der wundervolle Duft, lässt wohl niemanden kalt. Die gezüchteten «Kulturrosen» sind in unserer Kultur tief verankert als Symbol von Liebe und Schönheit und dies schon seit mindestens einigen tausend Jahren. Die entsprechende Bedeutung hatte die Rose nämlich bereits in allen grossen antiken Kulturen Eurasiens (Persien, China, Griechenlands, Ägypten,…). Was jedoch die wenigsten Leute wissen: Es gibt in der Natur da draussen auch zahlreiche heimische wilde Rosenarten !
Es gibt sehr viele veschiedene Wildrosen-Arten
Innerhalb dieser Gattung Rose (Rosa) ist die Hundsrose in Mitteleuropa der häufigste Vertreter. Daneben kommen auch noch 30 weitere Rosen-Arten vor, teils mit sehr ähnlichem Aussehen. Bei diesen als «Wildrosen» bezeichneten Arten ist die genauere Bestimmung deshalb nicht so einfach, wobei zum Glück alle Arten der Gattung ungiftig sind. Das Vorhandensein von Nektardrüsen an den Blättern und/oder den Blüten, resp. Blütenstiel ist dabei ein wichtiges Merkmal zur Artbestimmung innerhalb der Gattung. Solche «Drüsenhaare» sondern einen zuckerreichen Nektar ab, der meist auch intensiv duftet und Bestäuber anlockt. Die Hundsrose, die praktisch keinen Drüsenhaaren hat, scheint auf diese zusätzliche Anlockung jedoch nicht angewiesen zu sein.
Der typische Rosenduft von Zuchtrosen geht nicht von den Drüsenhaaren, sondern von Ätherischen Ölen aus, die sich in den Zellen an den äusseren Schichten der Kronblätter befinden. Auch hierbei ist die Hundsrose nahezu duftlos, während typische Duftrosen, wie die Essig- oder die Zimt-Rose grosse Mengen davon produzieren.
Hagebutten sind das Charakteristikum von Wildrosen
Als Früchte bilden Wildrosen die charakteristisch aussehenden «Hagebutten» aus. Dabei sind die kleinen Kerne im Innern nicht die Samen, sondern diese stellen einzelne Nussfrüchte dar. Das darum herum umfassende Fruchtfleisch besteht aus umgewandeltem Blütenbodengewebe. Ein weiteres Merkmal der Gattung sind die Stacheln an den Ästen. Diese dienen dem Frassschutz und sind teilweise auch eine Kletterhilfe.
Ökologischer Wert und Ausbreitung der Hundsrose
Sowohl Bienen, als auch Käfer und Schwebfliegen besuchen die Blüten der Hundsrose und sammeln dort den reichlich vorhandenen Pollen. Wie für dornige Sträucher (z.B. Weissdorn oder Schlehe) typisch, bieten die spitzen Stacheln den Vögeln Schutz vor Fressfeinden, wodurch die Wildrosen von diversen Vogelarten als Nistplatz genutzt werden. Die Hagebutten, die meist bis Ende Winter noch an den Sträuchern zu finden sind, sind eine wichtige Futterpflanze für in Mitteleuropa überwinternde Vogelarten, resp. werden auch von Kleinsäugern wie z.B. Füchse oder auch von grösseren Säugetieren wie Rehen oder Wildschweinen verzehrt. Die Hundsrose kann sich nicht nur generativ über die Samen, sondern auch vegetativ über unterirdische Ausläufer und mit herablaufenden Zweigen, die sich am Boden bewurzeln, vermehren.
Hagebutten sind essbar und sehr Vitamin-C-reich
Bei der kulinarischen Nutzung stehen vor allem die Hagebutten im Vordergrund. Bereits im Frühherbst reifen diese zu roter bis orangeroter Farbe heran, indem Carotinoide eingelagert werden. Sie können zu diesem Zeitpunkt bereits gesammelt werden, sind dann jedoch noch etwas sauer. Wegen den enthaltenen Gerbstoffen sind sie auch etwas adstringierend und noch nicht so süss im Geschmack. Ausserdem ist das Fruchtfleisch durch den hohen Pektin-Gehalt noch etwas hart. Der Vitamin-C Gehalt ist zu diesem Zeitpunkt sehr hoch und kann Werte von 500 bis 1'000 mg / 100g Frischmasse (teils auch darüber hinaus) erreichen. Mit 100g Hagebutten kann man also bereits das 5 bis 10-fache des Tagesbedarfs an Vitamin C zu sich nehmen.
Die Vollreifung erfolgt dann erst im Spätherbst nach den ersten Frösten und zwar indem das Fruchtfleisch in der Konsistenz weicher (gelartiger) wird und der Geschmack sich nun deutlich süsser anfühlt. Untersuchungen zeigen, dass zu diesem Zeitpunkt allerdings auch der Vitamin C-Gehalt deutlich abnimmt.
Zubereitung von Hagebutten
Wer das Fruchtfleisch und die Schale roh essen will, kratzt vorgängig die harten Nüsschen im Innern aus, denn diese sind zu hart, um sie kauen zu können. Ausgekratzt werden auch die feinen Härchen um die Kerne, denn diese lösen wegen ihrer Widerhaken nicht nur auf der Haut einen Juckreiz aus, sondern können auch bei einem Verzehr im Mund, Rachen oder Verdauungstrakt etwas unbekömmlich wirken. Ein paar Reste dieser Härchen stellen jedoch kein Problem dar. Letztere wurden früher zu Spasszwecken (typischer Kinderscherz) als Juckpulver eingesetzt, indem diese auf Kleidung oder Haut gestreut wurden.
Bei einer Verarbeitung der Hagebutten zu Konfitüre wird oft empfohlen, die Hagebutten vorgängig für ein paar Tage im Tiefkühlfach einzufrieren. Diese Hagebutten werden dadurch etwas süsser, deutlich weicher und lassen sich danach auch einfacher durch das Sieb passieren. Ob sich dabei auch geschmacklich was verändert, darüber wird in der Szene diskutiert. Bei den weichen Hagebutten ab Spätherbst kann das gelartige süsse Fruchtfleisch ganz einfach herausgedrückt und so direkt ausgelutscht werden. Für die Konfitüre-Herstellung ist dann für das Weichkochen nur eine minimale Kochdauer notwendig. Gegen Ende Winter werden jedoch die am Strauch übrig gebliebenen Hagebutten aber zunehmend faulig.
Hagebutten als (leckere) Pflanzliche Notnahrung
Hagebutten sind auch als pflanzliche Notnahrung interessant. Während die Kalorien im Fruchtfleisch v.a. in Form von Zucker vorliegen, sind es in den Kernen vor allem Fette. Um an diese Kalorien zu gelangen, müssen die Kerne erst im Wasser weichgekocht werden, denn sonst sind sie fürs Kauen zu hart. Aus eigener Erfahrung reichen dabei 20 bis 30 Minuten Kochzeit aus (darüber hinaus passiert nicht mehr viel). Das Gute: Die Härchen jucken nach diesen langen Kochzeit auch nicht mehr. Das Kauen ist nach dem Weichkochen zwar grundsätzlich möglich, trotzdem bleibt das Ganze für die Zähne eine zähe und harte Angelegenheit. Gekochte Hagebutten können Anschluss zerstampft, auf ein Holzstück gestrichen werden und danach neben dem Feuer kurz (ca. 5 bis 10min) angebraten werden, wodurch ein leckerer Hagebuttenriegel entsteht. Das Anbraten darf jedoch nicht zu lange dauern, denn sonst werden die Kerne durch den Wassern-Entzug wieder härter. Angaben in der Survivalliteratur, wonach die Kerne rein durch Rösten weich gemacht werden können, haben sich in Selbstversuchen bisher nicht bestätigt (im Gegenteil, die Kerne wurden jeweils sogar härter).
>>> mehr über Pflanzliche Notnahrung / Survivalpflanzen allgemein 🌿🍒

Kernlestee aus den Hagebutten-Kernen
Die Kerne, welche bei der Herstellung von Hagebuttenmus oder -pulver als «Abfall» anfallen, können im Wasser ausgekocht und der daraus entstehende Sud getrunken werden. Diese Zubereitung ist auch als Kernlestee bekannt. Dieser gilt als leicht entwässernd und wurde vermutlich deshalb früher bei Nieren- und Blasensteinen eingesetzt. Die Kerne (pro 100ml Tee ca. 0.5 bis 1 TL) werden dazu mit einem (grossen) Messer zerkleinert oder mit dem Mörser zerstossen und 20 bis 30min im Wasser ausgekocht (bis der Sud rot wird, danach abseihen). Bedarfsweise können die Kerne auch bereits vorgängig über Nacht eingeweicht werden. Das in den Kernen enthaltene Vanillin verleiht dem Kernlestee eine leichte Vanille-Note.

Youtube-Video über die Hundsrose
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