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Alkaloide
Die Alkaloide sind eine sehr umfangreiche Stoffgruppe aus organischen Verbindungen (Moleküle, die vor allem aus Kohlenstoffatomen aufbaut sind), die dadurch charakterisiert ist, dass die Moleküle mindestens ein Stickstoff-Atome enthalten.

Bis heute wurden über 10'000 verschiedene Substanzen entdeckt. Alkaloide sind in der Pflanzenwelt weit verbreitet (geschätzt bei ca. 10-20% der Pflanzenarten). In den folgenden Pflanzenfamilien kommen Alkaloide gehäuft vor: Mohngewächse (u.a. Morphium im Schlafmohn), Rötegewächse (Coffein im Kaffee), Nachtschattengewächse (u.a. Nikotin im Tabak), Hahnenfussgewächse, Doldenblütler, Hülsenfrüchte. In der Regel eher niedrige Alkaloid-Gehalte findet man bei den Lippenblütlern oder den Korbblütlern.

Die Stoffgruppe der Alkaloide ist so richtig potent. Es handelt sich um Giftstoffe zur Abwehr von Fressfeinden. Alkaloide haben dabei aber teils auch eine Bedeutung an Heilwirkungen, als Genussmittel oder als Rauschdroge. Gewisse Alkaloide erfüllen aber auch die Funktion als Farbstoff (wie z.B. das Betanidin, das für die rote Farbe der Roten Bete verantwortlich ist). Eine Möglichkeit ist auch die «Stickstoffspeicherung», d.h. Stickstoff wird in den Molekülen von gewissen Alkaloiden gespeichert und so transportfähig gemacht.
Alkaloide sind meist fettlöslich und im Geschmack meist bitter bis stark bitter. Gewisse Alkaloide sind aber auch scharf im Geschmack und so ein essenzieller Bestandteil von Gewürzen (wie z.B. das Piperin im Pfeffer, das Sedamin im Scharfen Mauerpfeffer oder das Capsaicon in den Chilischoten).

Viele Alkaloide sind für uns Menschen giftig bis stark giftig. Einige davon können auch tödlich sein. Allgemein werden Alkaloide vom Körper gut aufgenommen (jedoch abhängig vom konkreten Stoff). Diverse Alkaloide (v.a. die fettlöslichen und kleinen Moleküle unter ihnen) können dabei sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden, und so auf das Nervensystem einzuwirken. Einige haben dabei im molekularen Aufbau Ähnlichkeiten zu unseren Botenstoffen und können so bei den Nervenzellen an Neurorezeptoren andocken. Alkaloide sind also sehr oft typische Nervengifte! Es gibt ausserdem eine Reihe an zytotoxischen Alkaloiden, welche Zellteilungen im Körper blockieren und so zum Zelltod führen, was wiederum das Organgewebe schädigt. Die giftigen Eigenschaften vieler tödlicher Pflanzen gehen auf Alkaloide zurück, wie z.B. bei der Eibe die Taxane, im Gefleckten Schierling das Coniin, im Herbstzeitlosen das Colchizin oder im Blauen Eisenhut das Aconitin.

Bei gewissen Alkaloiden wird die Wirkung aufs Nervensystem gezielt zur Berauschung genutzt. Dazu gehören einige der bekannten Drogen wie Coffein, Nikotin, Kokain, Morphin, etc. Nebst der Berauschung gibt es je nach Stoff auch zahlreiche medizinische Wirkungen: So wird der Milchsaft des Schlafmohns («Opium») nicht nur zur Berauschung genutzt, sondern das Morphin daraus wird auch als starkes Schmerzmittel, bzw. das ebenfalls im Optium enthaltene Codein als potenter Hustenstiller verwendet. Weiter wird das Colchizin im Herbstzeitlosen in der Medizin als Reinsubstanz zur Behandlung von Gicht eingesetzt und auch das Atropin aus der Tollkirsche wurde früher in der Notfallmedizin intravenös gegen Herzstillstand eingesetzt, bzw. wird immer noch in der Augenheilkunde zur Erweiterung der Pupillen vor Augenuntersuchungen genutzt. Das Chelidonin im Schöllkraut hat krampflösende Eigenschaften und ist Bestandteil des Medikamentes Iberogast. Alle diese Anwendungen sind zur Selbstmedikation (z.B. als Tee) jedoch ungeeignet, da die Gefahr einer Überdosis sehr hoch ist. Dies weil die meisten medizinisch brauchbaren Alkaloide eine geringe therapeutische Breite aufweisen, d.h. der Bereich zwischen therapeutisch wirksamer Dosis und toxischer Dosis sehr klein ist. Oft ist deshalb bei den entsprechenden Pflanzenarten eine Selbstmedikation durch eigenes Sammeln und eigenes Zubereiten (abgesehen von möglichen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz) eine sehr gefährliche Angelegenheit, wodurch an dieser Stelle ausdrücklich davon abgeraten wird.

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