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Pyrrolizidinalkaloide (PA)
Die Stoffgruppe der Pyrrolizidinalkaloide (PA) ist bei gewissen Essbaren Wildpflanzen (z.B. Beinwell) und auch bei gewissen Heilpfanzen (wie z.B. Huflattich) immer wieder ein Thema, wenn es um potentielle langfristige Gesundheitsschäden geht.

Es handelt sich um eine Gruppe von Stoffen, deren Grundstruktur aus dem Molekül «Pyrrolizidin» besteht. Da dieses u.a. auch Stickstoff enthält, handelt es sich bei den PA's auch um Alkaloide. PA's kommen vor allem innerhalb der Familie der Raubblattgewächse (Beinwell, Vergissmeinnicht, Natternkopf,…), aber auch in diversen Gattungen der Korbblütler (z.B. Huflattich, Pestwurz, Wasserdost, Greiskräuter,…) vor.

Pyrrolizidinalkaloide sind Giftstoffe, die der Abwehr gegen Fressfeinde dienen. Bei den meisten in Mitteleuropa vorkommenden PA-haltigen Wildpflanzen sind akute Vergiftungen bei uns Menschen aber unwahrscheinlich (Dosis zu gering). Eine Ausnahme stellen jedoch z.B. die Greiskräuter dar. Im Nahen und Mittleren Osten sind jedoch auch zahlreiche Todesfälle bekannt, wo Weizenmehl mit PA-haltigen Unkräutern verunreinigt war. Auch für Kühe kann der Verzehr von getrockneten Greiskräutern tödlich enden.
PA’s von Pflanzen, dessen Pollen von Bienen gesammelt werden, gelangen auch in den Honig, bzw. PA’s in Pflanzen, die von Kühen gefressen werden, können entsprechend auch in die Milch gelangen. In der Regel sind in Honig oder Milch die Konzentrationen jedoch sehr gering und akute Vergiftungen damit ausgeschlossen. Honig oder Milch aus bestimmten Regionen der Welt, wo viele PA-reiche Wildpflanzen vorkommen, kann jedoch auch deutlich erhöhte Werte aufweisen. Auch Tee- oder auch Gewürzmischungen aus dem Handel können mit PA-haltigen Wildkräuter verunreinigt sein.

Pyrrolizidionalkaloide sind wasserlöslich und bei einem Teeaufguss gelangt nahezu der gesamte PA-Gehalt der Pflanze in den Auszug. Kulinarisch haben PA’s keine Bedeutung, bzw. sind im Geschmack einfach nur bitter. Der kulinarische und auch der heiltechnische Fokus liegt eher darin sicherzustellen, dass man sich beim Konsum nicht akut vergiftet (d.h. auf den Konsum von entsprechend akut-giftigen Arten wie Greiskräutern verzichtet) bzw.dass man auf einen regelmässigen Verzehr PA-haltiger Pflanzenarten, die nicht akut toxisch sind (wie z.B. von Huflattich), verzichtet.

Denn bei gewissen Pyrrolizidinalkaloiden vom Typ «1.2-ungesättigte PA» wurde in Tierversuchen beobachtet, dass diese bei regelmässiger Einnahme von hohen Dosen krebserregend sind und zu Leberschäden führen. Die schädliche Wirkung von 1.2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloiden entsteht dabei durch die in der Leber gebildeten Abbauprodukte. Diese können an der DNA Mutationen verursachen (und so Krebs auslösen) und über Reaktionen mit bestimmten Proteinen zum Zelltod führen (was Organschäden verursacht). Von der Leber aus gelangen die Abbauprodukte auch in andere Körperbereiche, wie Niere oder Lunge.
Somit könnte auch bei uns Menschen der regelmässige Verzehr von Huflattich, Beinwell und co. gefährlich sein. Die Übertragbarkeit der Tierversuch-Erkenntnisse auf den Menschen wird von Fachleuten als sehr wahrscheinlich eingeschätzt. Trotzdem können Tierversuche mit hohen Dosen nicht 1:1 auf den Menschen übertragen werden. Weiter gilt wie bei vielem: «Die Dosis macht das Gift». Hohe Dosen sind zweifelsfrei schädlich, aber wo beginnt die unbedenkliche Menge? Gründe zur Vorsicht vor dem regelmässigen Verzehr PA-haltiger Wildpflanzen sind jedoch allemal vorhanden. Wie man jedoch konkret mit den vorhandenen Erkenntnissen umgeht, entschiedet jede Person für sich, es gilt Selbstverantwortung. Von hohen Verzehrmengen, einem regelmässigen Konsum oder dem Konsum von Pflanzen mit sehr hohen PA-Gehalte (wie z.B. Greiskräuter oder Pestwurz) wird jedoch abzuraten. Auch Schwangere und Kleinkinder müssen unbedingt auf den Konsum von PA-haltigen Wildkräutern verzichten!

Wie erwähnt, handelt es sich bei den gefährlichen PA’s um diejenigen vom Typ «1.2-ungesättigte PA». «1.2-gesättigte PA» gelten als nicht toxisch und unproblematisch. Auch bei den «1.2-ungesättigte PA» ist das Schadenspotential eines konkreten Stoffes von weiteren Faktoren in der chemischen Struktur abhängig. In den allermeisten Föllen handelt es sich bei den in einer Pflanzenart enthaltenen PA’s jedoch um einem Mischung aus unproblematischen und problematischen Stoffen.

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