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Huflattich (Tussilago farfara)

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Huflattich (Tussilago)
"Ein früh im Jahr austreibendes Kraut mit intensiv Honig-artig duftenden Blüten, die sich perfekt für einen leckeren Tee eignen, welcher erst noch bei Reizhusten beruhigend wirkt. Alles perfekt, wären da nicht diese schädlichen Psycholimpidindingsbummer drin..."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: in Grundrosette angeordnet; nierenförmig,10-20 cm lang; ledrig; grob unregelmässig gezähnt (Zähne schwarz) mit flachen Buchten; unregelmässiges stark verästeltes Nervenmuster; OS jung graufilzig und später kahl; US bleibt graufilzig
Blattstiel: lang gestielt; im Querschnitt u-förmig; Leitbündel ebenfalls in u-förmigem Muster angeordnet
Stängel: 5 bis 15 cm hoch; mit braunen Blattschuppen
Blüten: Einzelblüten in endständigem Blütenkorb angeordnet; am Rand sehr viele feine gelbe Zungenblüten; in der Mitte gelbe Röhrenblüten; honigartiger Duft; blüht Februar/März (Tieflagen) bis Mai (im Gebirge in den höheren Lagen) jeweils vor dem Blattaustrieb
Früchte: 3 bis 5 mm lange, zylindrische Achäne mit Pappus; der Stängel nimmt nach dem Verblühen an Höhe zu (bis 30 cm); unreifer Fruchtstand nickend, reif aufrecht
gefährliche Verwechslungen: Weisse Pestwurz (Petasites alba), Rote Pestwurz (Petasites hybridus) < mehr zu diesen Arten und den Unterscheidungsmerkmalen weiter unten im Abschnitt «mögliche Verwechslungen»
Zeigerwerte: hell, feucht, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, neutral bis basisch
typische Standorte: Ruderalflächen, ruderale Wegränder, Kiessträsschen, Schutthalden, Flussufer, Rutschhänge
Fotos





Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Flavonoide, Phenolsäuren, Sesquiterpenlactone, Pyrrolizoidinalkaloide (PA) (v.a. Senkirkin, Senecionin, Seneciphyllin), Inulin
*Giftigkeit: Trotzt den enthaltenen Pyrrolizoidinalkaloiden (PA) sind akute Vergiftungsfälle bei Menschen nicht bekannt. Der Huflattich gilt bei üblichem Gebrauch deshalb als ungiftig (Unmengen sollten aber nicht verzehrt werden!). Allerdings haben die enthaltenen Pyrrolizoidinalkaloide (PA) ein kanzerogenes Potential und führen bei regelmässigem Verzehr zu Leberschäden.
Aus Rücksicht auf seine Gesundheit, sollte der Huflattich deshalb nur sehr selten verzehrt werden (z.B. 2 bis 2x pro Jahr?). Kinder, Schwangere und Stillende sollten auf den Konsum verzichten!
Mögliche kulinarische Verwendung* zu den Grundrezepten
junge Blätter (leicht nussig, herb > mehr dazu): Beigabe im Salat, Wildgemüse
junge Stängel «Hopfenspargel» (fade, herb > mehr dazu): angedünstet als Wildgemüse
Blüten (intensiv süsslich-honigartig > mehr dazu): Gewürz, Tee

Verwendung in der Phytotherapie*: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Reizhusten: Der Huflattich wirkt durch die enthaltenen Schleimstoffe reizmildernd. Darauf weist auch der lateinische Name hin, der sich aus «tussis» für Husten und «agere» für vertreiben zusammensetzt. HMPC hat wegen dem Risiko durch die enthaltenen Pyrrolizoidinalkaloide (PA) keine Monographie herausgegeben. Kommission E anerkannte damals die Anwendung mit dem Huflattich bei Katarrhen der Luftwege, wobei die Monographie mit einem Warnhinweis bezüglich den enthaltenen Pyrrolizoidinalkaloiden (PA) versehen ist und diese Jahrzehnte alten Angaben nach dem neusten Wissensstand nicht mehr aktuell sind. Für einen Tee werden 1 bis 2 g der getrockneten und zerkleinerten Blätter verwendet, mit Anwendung 2 bis 3x täglich. Nach den damaligen Hinweisen der Kommission E, soll die Anwendungsdauer nicht länger als 4 bis 6 Wochen pro Jahr betragen.
Anwendung wegen der Gefahr durch Pyrrolizidinalkaloide nicht empfohlen! keine Anwendung bei während der Schwangerschaft und Stillzeit! Keine Anwendung bei Kindern unter 18 Jahre!
Beschreibung
Der Huflattich ist eine ausgeprägte Pionierpflanze, die gestörte Böden besiedelt. Dabei findet man die Art sowohl auf Rutschanrissen, wie auch auf Kies- und Schutthalden. Auch menschlich beeinflusste Standorte wie Ruderalflächen, Kiesträsschen werden gerne besiedelt. Man findet den Huflattich nicht nur im Tiefland, sondern auch im Gebirge bis teils über der Baumgrenze (u.a. auch auf Lawinenkegeln), wo sich die Blütezeit gegenüber dem Tiefland auch um viele Wochen verzögern kann. Die Art überwintert in einem kriechenden Rhizom und treibt mit seinen Blütenstängeln bereits im Vor-Frühling aus. Diese haben einen intensiven honigartiger Duft, was die früh aktiven Insekten als Bestäuber anlockt. Bleiben die Besuche aus (schlechter / kaltes Wetter) ist auch Selbstbestäubung möglich. Die Früchte werden dank dem angehängten Pappus mit dem Wind verbreitet. Die Blätter erscheinen erst im April nach der Blütezeit. Über den Sommer erfolgt dann das seitliche Wachstum der Rhizome, mit denen sich der Huflattich auch vegetativ ausbreiten kann. Ausserdem werden im Rhizom Nährstoffe eingelagert, damit im nächsten Vor-Frühling (noch ohne Photosynthese) rasch wieder die Blütenstängel austreiben können.
Als Heilpflanze bei Husten wurde der Huflattich bereits in der Antike verwendet. Er wurde auch bei Asthma eingesetzt, indem der Rauch der getrockneten Blätter eingeatmet wurde. In der heutigen Zeit ist seine Verwendung wegen den enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden in Verruf gekommen. Zum Glück stehen uns bei Reizhusten zahlreiche weitere, unproblematische Schleimstoffdrogen zur Verfügung, wie z.B. Wilde Malve, Isländisch Moos, Spitzwegerich, Königskerze oder Lungenkraut. Die Blätter wurden früher als Wildspinat genutzt und die Blütenknospen und Stängel waren ein wilder Spargelersatz.
mögliche Verwechslungen
Rote-/Gemeine- Pestwurz (Petasites hybridus) - giftig! Wurde zwar früher verwendet, doch wegen dem hohen Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden wird mittlerweile vom Konsum abgeraten!
Die Art wächst vor allem im halbschattigen Bereich an Bach- und Flussufern, in Auenwäldern, Gräben oder Quellfluren, sowie auch auf Feuchtwiesen. Die Weisse Pestwurz enthält kaum Schleimstoffe, dafür ist jedoch der Gehalt an gefährlichen Pyrrolizidinalkaloide deutlich höher. Die Art enthält ebenfalls ein hoher Gehalt an krampflösenden Sesquiterpenlactone (die sogenannten Petasine). Die Art ist eine traditionelle Heilpflanze und wurde bei Fieber, Krämpfen, Atemwegsleiden und auch als Wundauflage eingesetzt. Die Art wurde auch bei der Pest eingesetzt, deshalb auch der Name. Bei Asthma wurden die getrockneten Blätter geräuchert und dabei der Rauch eingeatmet. Diese Wirkung ist durch die enthaltenen krampflösenden und entzündungshemmenden Petasine durchaus plausibel. Ebenso genutzt wurden Rauch-Inhaltationen und Abkochungen der Rhizome (mit höherem Wirkstoffgehalt als in den Blättern). Wegen den enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden (und dem schädlichen Rauch) wird von jeglicher solcher Anwendung jedoch ausdrücklich abgeraten! In neuster Zeit ist die Rote Petwurz jedoch auf Basis klinischer Studien zur Behandlung von Allergischem Schnupfen, u.a. Heuschnupfen, resp. weiterer Allergiebedingter Symptome in Augen, Rachen, etc. interessant geworden. Die enthaltenen Petasine wirken dabei nicht nur krampflösend, sondern auch entzündungshemmend, indem sie die Produktion bestimmter Botenstoffe für Entzündungen und damit auch allergischen Reaktionen hemmen. Verwendet werden Fertigarzneimittel aus dem Handel, die auf PA-freie Extrakte basieren. In der Schweiz sind Tabletten auf Basis des Extraktes «Ze 339» mittlerweile rezeptfrei erhältlich. Es soll dabei gemäss Studien eine ähnliche Wirksamkeit wie bereits verfügbare synthetische Antihistaminika auf Basis von Ceitrizin aufweisen und die Wirkung soll ca. 30 bis 90 Minuten nach der Einnahme eintreten.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blatt nierenförmig; US junger Blätter graufilzig
Blütenstand erscheint vor Blattaustrieb; Stängel des Blütenstandes mit Schuppenblätter
Unterschiede (u.a.)
Blätter grösser (im ausgewachsenen Zustand 40 bis 80 cm lang); feiner und dichter gezähnt (Zähne nicht schwarz); US verkahlt mit der Zeit; Stielbucht herzförmig und mit randlichen Blattnerven
Blattstiel im Querschnitt hufeisenförmig, Innen hohl und auf der Oberseite u-förmig
Zweihäusig; Blütenstand rötlich; Blütenkörbe in Traube; Stängel bis 40cm (Fruchtzeit bis 1m) hoch; nur Röhrenblüten; männliche Blütenköpfe grösser

Weisse Pestwurz (Petasites alba) - giftig! Wurde zwar früher verwendet, doch wegen dem hohen Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden wird mittlerweile vom Konsum abgeraten!
Die Weisse Pestwurz wächst vor allem an feuchten Waldstellen, feuchten-schattigen Wegränder (wo das Regenwasser abfliesst) und bewaldeten Bachufern. Auch feucht-schattige Quellfluren und Schutthalden werden besiedelt. Dabei werden eher die höheren Lagen bevorzugt, weshalb man die Art bevorzugt im Jura, den Mittelland-Hügelgebieten und den Alpen antrifft. Die Art hat ebenfalls sehr hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden und an Sesquiterpenlactonenen. Sie wurde früher im Vergleich zur Roten Pestwurz jedoch kaum arzneilich verwendet.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blatt nierenförmig; US graufilzig
Blütenstand erscheint vor Blattaustrieb; Stängel des Blütenstandes mit Schuppenblätter
Unterschiede (u.a.)
Blätter grösser (ausgewachsen 20 bis 40cm lang); Blattrand doppelt gezähnt; Buchten eher eng
Blattstiel fast rund, Leitbündel nicht u-förmig angeordnet
Zweihäusig; Blütenkörbe in Traube; Stängel bis 30cm (Fruchtzeit bis 60cm) hoch; nur Röhrenblüten und diese weiss
gehört zur Gattung Pestwurz (Petasites)

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