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Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)

Familie: Raubblattgewächse (Boraginaceae), Gattung: Lungenkräuter (Pulmonaria)
"Man findet das Lungenkraut bereits früh im Jahr. Die Blüten, die mit dem Reifegrad ihre Farbe ändern, sind eine schöne Essbare Dekoration."
Bestimmung
Blätter: Grundrosette und wechselständige Stängelblätter; eiförmig; Blattgrund rasch in geflügelten Stiel ausdünnend, ganzrandig; OS dunkelgrün und mit runden weissen Flecken und wenigen Borsten
Grundblätter: 10 bis 20 cm lang; z.T. mit herzförmigem Grund; Blattstiel kürzer als Blattspreite
obere Blätter: kürzer als die unteren Blätter; ungestielt bis umfassend
Stängel: 10 bis 40 cm hoch; borstig behaart
Blüten: Einzelblüten in endständigen Blütenständen angeordnet; Kronblätter zu einer langen Kronröhre verwachsen, die am Ende in 5 abgerundeten Kronzipfeln endet; Farbe je nach Reifegrad rotviolett > violett > blau; blüht März bis Mai
Früchte: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind; Die einzelnen Nüsschen sind eiförmig und haben ein fettreiches Anhängsel (Elaiosom)
Zeigerwerte: schattig, feucht, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich; neutral bis basisch
typische Standorte: Wälder, Gebüsche
Fotos

© Piotr – stock.adobe.com





Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Kieselsäure, wenig Gerbstoffe, Flavonoide
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
junge Blätter (mild > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Blätterchips, Wildgemüse, Gemüsebeigabe, Suppe, Tee
Blüten (schwach angenehm duftend > mehr dazu): essbare Dekoration, Tee
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Reizhusten: Das Kraut enthält Schleimstoffe und hat sich als reizmilderndes Mittel bewährt. Verwendet werden dabei Blätter und Blüten. Die Anwendung erfolgt in Form von Tee. Dazu werden 1.5g (ca. 2TL) des getrockneten und zerkleinerten Krautes mit Wasser kalt angesetzt und kurz aufgekocht. Anwendung mehrmals täglich. Es liegt weder eine Bearbeitung von ESCOP, noch von HMPC vor. Kommission E versah das Lungenkraut aufgrund den damals nicht vorhandenem pharmakologischen Wirksamkeitsbeweisen mit einer Negativbewertung. Weil damals jedoch die die Anwendung als risikofrei erwartet wurde, kriegte das Lungenkraut eine Nullmonographie. Neuere Untersuchungen fehlen.
Beschreibung
Der Name „officinalis“ deutet es bereits an, dass es sich beim Echten Lungenkraut um eine traditionelle Heilpflanze handelt. Da es sich um eine mitteleuropäische Art handelt, ist in den antiken Quellen (aus dem Mittelmeeerraum) keine Verwendung dokumentiert. Die weissen Flecken auf der Blattoberseite erinnern an ein Lungengewebe, weshalb die Nutzung als Hustenpflanze vermutlich auf die Signaturenlehre zurückzuführen ist. Die Anwendung bei trockenem Husten macht aufgrund der enthaltenen Schleimstoffe auch aus dem Blickwinkel der modernen Pflanzenheilkunde durchaus Sinn.
Die Art ist aber auch kulinarisch interessant: Die jungen Blätter sind angenehm mild im Geschmack (der etwas an Gurken erinnert) und haben dabei einen etwas schleimigen Biss. Ältere Blätter sollten wegen den borstigen Haaren vor dem Verzehr angedünstet werden. Obwohl zu den Raubblattgewächsen zugehörig, enthalten Blätter und Blüten des Lungenkrautes keine Pyrrolizidinalkaloide mit vermuteter krebserregender, resp. lebertoxischen Wirkungen. Jene kommen jedoch in der Wurzel vor.
Bereits im Spätwinter treibt der Stängel mit den Blütenständen am Ende aus, so dass die Art bereits im März blüht. Spannend ist, dass die Blüten ihre Farbe im Verlauf ihres Lebenszyklus je nach Reifegrad ändern (rotviolett > violett > blau). Dies, indem der pH-Wert in den Zellen sich von sauer zu basisch verändert, was eine unterschiedliche Färbung der enthaltenen Anthocyane zu Folge hat. Mit der entsprechenden Farbe wissen die Bestäuber dann, ob sich ein Besuch auf der Blüte noch lohnt und oder es schon zu spät ist (d.h. Blüte verblüht ist). Die Blüten einer Pflanze öffnen sich eher nach- als miteinander, so dass die Blütezeit einige Wochen andauert. Aufgrund der langen Kronröhre, erfolgt die Bestäubung vor allem durch langrüsselige Bienen und Hummeln.
Im Frühling werden auch frische Grundblätter ausgetrieben (die sogenannten «Sommerblätter»). Diese Grundrosette des Echten Lungenkrautes ist vor allem in milden Wintern auch wintergrün. Die weissen Flecken auf den Blättern entstehen durch luftgefüllte Kammern zwischen den Zellen (und auch der Chlorophyllgehalt ist dort reduziert).
mögliche Verwechslungen
Dunkelgrünes Lungenkraut (Pulmonaria obscura) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Bildet mit dem Echten Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) und dem Schweizer Lungenkraut (Pulmonaria helvetica) die Artengruppe Pulmonaria officinalis aggr.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blattform, Blüten
ähnliche Standorte
Unterschiede (u.a.)
Blatt-OS ohne weissen Flecken; Blattstiel länger als Blattspreite; Blattrand oft leicht gewellt

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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