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Wilde Malve (Malva sylvestris)

Familie: Malvengewächse (Malvaceae), Gattung: Malven (Malva)
"Die Blüten sehen nicht nur schön aus, sondern man kann daraus auch einen Tee herstellen, der sich unerwartet blau färbt. Weiter handelt es sich um eine Heilpflanze, die man nutzen kann, um Schleimhäute zu beruhigen."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; lang gestielt: rund bis nierenförmig; handförmig gelappt (mit ca. 3-7 spitzen Lappen); grob gesägt; Blattstiel rau behaart
untere Blätter: 5 bis 12 cm lang; Einschnitte am Rand nur gering
obere Blätter: 3 bis 5 cm lang; Einschnitte am Rand bis ca. Mitte
Stängel: 30 bis 120 cm hoch; rund, aufrecht (leicht gebogen); dicht behaart
Blüten: radiärsymmetrisch; mit 5 Kronblätter (violett-rosa, mit dunkleren Längsstreifen, 2 bis 3cm lang, am Ende ausgerandet); 5 bis zur Hälfte verwachsene Kelchblätter; 2 bis 3 lanzettliche Aussenkelchblätter; Staubfäden bilden eine Röhre; ca. 2 bis 6 Einzelblüten zusammen in Blütenständen angeordnet, die aus den Blattachseln abzweigen; blüht Juni bis September
Früchte: scheibenförmig; ca. 1 cm Durchmesser; von den Kelchblättern umhüllt; die Frucht zerfällt bei Reife in 12 bis 15 Teilfrüchte
Zeigerwerte: hell, frisch (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffreich, neutral bis basisch
typische Standorte: Ruderalflächen, Ackerränder, Unkrautfluren
Fotos






Verwendung
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Flavonoide wenig Ätherische Öle, in den Blättern wenig Gerbstoffe
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, herb > mehr dazu): jung im Salat oder als wildes Blattgemüse, Suppe, Pesto, Streckmehl Kräuterbutter, Kräuterquark, Smoothie, Tee
Blüten (schwach angenehm duftend > mehr dazu): essbare Dekoration, Tee, Limonade, Sirup, "Honig", Gelée, Kräuteressig, Kräuteröl,
Früchte (nussig > mehr dazu): roher Snack, Beigabe im Salat, Müesli, Joghurt, usw.

Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Für die phytotherapeutischen Anwendung macht man sich die enthaltenen Schleimstoffe zu Nutze. Diese wirken auf den Schleimhäuten beruhigend. Verwendet werden Teeauszüge aus Blättern und Blüten. Dazu werden 1.5-3 g (1-2 TL) zerkleinerte / getrocknete Malvenblätter oder 1.5-2 g (4 bis 4 TL) zerkleinerte /getrocknete Malvenblüten in 250ml heissem Wasser ausgezogen. Möglich ist auch ein 5- bis 10 stündiger Kaltauszug, der kurz vor der Anwendung aufgekocht wird, was für die Schleimstoffe etwas schonender ist.
Entzündungen im Mund-/Rachenraum: Indem die Schleimstoffe auf den Schleimhäuten einen feucht-viskosen und schützenden Film bilden, führt das zu deren Beruhigung und so einer Linderung der Symptome. Dazu wird mehrmals pro Tag eine Tasse des Tees getrunken oder damit gegurgelt.
trockener Husten: Die beruhigende Wirkung auf die Schleimhäute im Rachen, sorgt auch für eine geringere Stimulation der sich dort befindlichen gereizten Nervenzellen, welche für den Hustenreiz verantwortlich sind. Damit kann die Hustenintensität bei trockenem Husten etwas gelindert werden und dies ohne die Nebenwirkungen von Codein. Dazu wird mehrmals pro Tag eine Tasse des Tees getrunken oder damit gegurgelt.
Magenreizungen: Die enthaltenen Schleimstoffe bilden auf der Magenschleimhaut eine schützende Schicht, welche diese vor der aggressiven Magensäure schützt. Dazu wird mehrmals pro Tag eine Tasse des Tees getrunken
Beschreibung
Die Wilde Malve besiedelt typischerweise Flächen, wo eine Störung der Vegetation stattgefunden hat, gehört dabei aber nicht zu den klassischen Pionierpflanzen, denn sie ist in der Regel mehrjährig, braucht auch etwas Humus im Boden und wächst auch nicht so rasant schnell. Sie gehört so auf den Ruderalstandorten eher zu den Zweitbesiedlern und wird dort nach ein paar Jahren von konkurrenzstärkeren Arten verdrängt. Auf Äckern werden die Pflanzen durchs Pflügen zerstört, weshalb man sie dort eher an den Rändern antrifft. Sie verträgt nur leichten, gelegentlichen Tritt und ist auch nur mässig schnittfest. Sie ist eine Futterpflanze für viele Raupenarten, die teils sogar ausschliesslich auf Malvenarten angewiesen sind.
Typisch für alle Arten der Gattung Malva sind die zahlreichen zu einem Turm verwachsenen Staubfäden. Der Fruchtnoten ist oberständig und besteht aus drei oder mehr verwachsenen Fruchtblättern (bei der Wilden Malve sind es ca. 10-12 Fruchtblätter). Der Griffel befindet sich innerhalb des Staubfaden-Turmes. Da die Blüten vormännlich sind, bleiben die verzweigten Narben erstmal dort drin versteckt. Sobald aber die Fruchtblätter reif sind, ragen die Narben am Ende des Turmes daraus hinaus. Die Blüten duften zwar sehr angenehm, aber nur schwach. Die Bestäuber (v.a. Wildbienen, Honigbienen, Hummeln, Käfer,..) werden vor allem durch den reichlich vorhandenen Pollen angelockt. Die Pflanzen blühen vom Beginn des Sommers praktisch durchgehend bis weit in den Herbst hinein. Dabei werden immer wieder neue Blüten gebildet, während an anderer Stelle die Früchte heranreifen.
Nach der Befruchtung bildet sich aus jedem Fruchtblatt eine einsamige Teilfrucht. Die Teilfrüchte sind zu Beginn miteinander verbunden und bilden dann zusammen eine Gesamtfrucht, die wegen ihrer scheibenförmigen Form an einen Käselaib erinnert. Deshalb wird die Wilde Malve in der Schweiz auch «Chäslichrut» genannt. Im deutschen Sprachraum existiert ausserdem der Name «Käsepappel». Die Endung «-pappel» kommt dabei von «Papp», einem Synonym für Brei. Die Bezeichnung hat damit zu tun hat, dass sich die Kelchblätter, welche die Früchte umhüllen, sich bei Regen öffnen. Dabei werden die Teilfrüchte mit dem Wasser ausgewaschen und kriegen dazu auch (dank den Schleimstoffen) eine schleimig-klebrige Konsistenz, um sich zur Verbreitung an Tierfellen anhaften können.
Anwendungen mit der Wilden Malve bei Reizhusten, Hals-, Rachen- oder Magenbeschwerden sind bereits in der Antike dokumentiert. Früher wurde sie zusätzlich für Auflagen bei Hautentzündungen und Schwellungen genutzt. Dazu wurden die Blätter im Wasser weichgekocht, zu einem Brei zerdrückt und dann mit einem Tuch umwickelt auf die betreffenden Stellen gelegt. Auch hier dürfte die beruhigende Wirkung der Schleimstoffe eine Rolle gespielt haben. Ähnlich wie der Spitzwegerich, kann auch der Saft der Malvenblätter als beruhigend-kühlendes bei Insektenstichen genutzt werden.
mögliche Verwechslungen
Kleine-/Weg- Malve (Malva neglecta) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Die Weg-Malve ist sehr trittfest und wächst vor allem an viel begangenen Stellen oder über verdichteten Böden im Siedlungsgebiet. Die phytotherapeutische Anwendung der Blätter erfolgt analog wie bei der Wilden Malve. So hat HMPC hierzu eine gemeinsame Monographie herausgegeben. Dies gilt jedoch nicht für die Blüten, die im Gegensatz zur Wilden Malve praktisch geruchslos sind.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter rund bis nierenförmig, handförmig-gelappt und gezähnt
Unterschiede (u.a.)
Blätter kleiner (unten 2 bis 5 cm, oben 1 bis 2.5 cm); auch obere Blätter nur leicht gelappt
Stängel niederliegend, nur leicht behaart, Pflanze nur ca. 30 bis 40cm hoch
Kronblätter heller, nur ca. 0.5 bis 1.5cm lang; Blüten duften praktisch nicht
Frucht kleiner (0.6 bis 0.7cm Durchmesser)

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