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Gundermann (Glechoma hederacea)

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Gundermann (Glechoma)
"ein Würzkraut, welches ganze Jahr über verfügbar ist - es kriecht am Boden und jeweils im Frühjahr werden aufrechte Blütentriebe gebildet"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: kreuzgegenständig; lang gestielt; (herz-) bis nierenförmig, 0.5 bis 4cm lang; grob gekerbt; kahl bis dicht behaart; OS bei älteren Blättern oft glänzend; US oft rötlich überlaufen; Blätter im oberen Bereich der Blütentriebe häufig etwas rötlich; beim Zerreiben aromatischer Duft; Blätter der kriechenden Hauptachse wintergrün
Stängel: 5-20cm hoch; 4-kantig; kahl bis behaart; teils rötlich überlaufen; Hauptachse kriechend (bis 2 Meter lang) und mit zahlreichen seitlichen Ausläufern; im Frühling auch aufrechte Triebe mit Blüten
Blüten: an den im Frühjahr austreibenden aufrechten Blütenstielen; 1 bis 3 Lippenblüten zusammen aus den Blattachseln; Kronblätter hellblauviolett, behaart, am Grund etwas heller und mit dunkleren Flecken; Oberlippe sehr klein; Mittellappen mit Einbuchtung; blüht April / Mai
Früchte: 4 Nüsschen, die in der Kelchröhre eingebettet sind (unreif noch zusammengewachsen) («Klausenfrucht»)
Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), neutral bis basisch
typische Standorte: Waldrand, unter Hecken oder Staudenfluren, Wiesen
Fotos

Artem Marfin- stock.adobe.ch




Samuele_Gannini - stock.adobe.com
Verwendung
kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter / Blüten (würzig, herb, leicht adstringierend > mehr dazu): Salatbeigabe, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Suppe, Pesto, Sauce, Tee, Limonade, Smoothie, Kräuteressig, Kräuteröl, Oxymel, Streckmehl,…
Verwendung in der Phytotherapie: Wurde früher in der Volksheilkunde zur Desinfektion von eiternden Wunden eingesetzt. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Beschreibung
Der Gundermann wird auch Gundelrebe, Erd-Efeu, Donnerrebe, Gundelrank oder Wundkraut genannt und ist in Mitteleuropa ein sehr weit verbreitetes Wildkraut. Seine aromatischen Blätter und Blüten machen ihn zum idealen Gewürzkraut. Dadurch dass die Blätter der Hauptachse wintergrün sind, stehen uns diese kulinarisch das ganze Jahr durch zur Verfügung, d.h. auch im Winter.
Mit seiner kriechenden Hauptachse mit zahlreichen Ausläufern wächst er dem Boden entlang und kann so auch rasch grössere Flächen bedecken. Er ist auch trittverträglich, hat aber als kleine Art gegen hochwüchsigere Pflanzenarten keine Chance. An seinen Standorten braucht es deshalb einen regelmässigen Schnitt (jedoch nicht zu häufig) oder eine moderate Beweidung und keine zu starke Düngung. Die aufrechten Stängel mit den Blüten findet man jeweils nur im Frühling.

Der Name der Arten kommt vermutlich vom althochdeutschen «Gund» für Eiter, denn in der Volksheilkunde wird er traditionell gegen eiternde Wunden eingesetzt. Durch die enthaltenen Ätherischen Öle und Gerbstoffe dürfte er dabei durchaus lokal entzündungshemmend und lokal antimikrobiell wirken, wobei er in der Phytotherapie bisher nicht genauer untersucht wurde. Im alten heidnischen Volksglauben galt der Gundermann als Schutzpflanze, die vor Geistern, Hexen und Krankheiten schützen sollten. Dazu wurde der Gundermann wegen seinen aromatischen Duft u.a. zum Räuchern verwendet.
Gundermann wurde früher auch beim Bierbrauen zum Würzekochen verwendet. Für diesen Prozess wird heute der Hopfen genutzt, doch Letzterer setzte sich erst ab dem Hoch- bis Spätmittelalter durch. Nebst dem Gundermann wurden auch andere Wildpflanzen, wie z.B. Gagel, Schafgarbe oder auch Eichenblätter verwendet. Bier, die mit traditionellen Kräutermischungen (dem «Gruit») gebraut werden, sind unter dem Namen «Gruitbier» bekannt. Wie der Hopfen, verleiht auch der Gundermann dem Bier nicht nur mehr Aroma, sondern sorgt wegen den antimikrobiellen Inhaltstoffen auch für Konservierung und sichert damit die Lagerfähigkeit. Die enthaltenen Gerbstoffe unterstützten während dem Würzekochen zusätzlich die Klärung des Bieres, indem dadurch die Eiweisse ausflocken und diese dann einfacher entfernt werden können (für Geschmack, optischer Eindruck, Haltbarkeit und Schaumstabilität).
mögliche Verwechslungen
Kriechender Günsel (Ajuga reptans) - ungiftig / essbar
Der Kriechende Günsel war in der Volksheilkunde des Mittelalters eine bekannte und geschätzte Heilpflanze mit allerlei Heilzuschreibungen. In der modernen Phytotherapie kann man ihn wegen dem hohen Gerbstoffgehalt zu den Gerbstoffpflanzen zählen, wobei er hier mangels genauerer Untersuchungen keine bedeutende Stellung hat. Die Art ist durch die enthaltenen Gerbstoffe und Bitterstoffe im Geschmack sehr bitter und adstringierend. Kulinarisch eignet sich die Art, wenn überhaupt, dann nur in kleinen Mengen als Beigabe. Die Blüten sind etwas weniger bitter und eine schöne essbare Dekoration.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
ähnelt im Erscheinungsbild den Blütenstängeln des Gundermanns
ältere Blätter oft glänzend / rötlich überlaufen
bodennahe Blätter wintergrün
Vorkommen auf ähnlichen Standorten (wobei eher saure Standorte bevorzugt werden)
gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterschiede (u.a.)
untere Blätter v.a. verkehrt-eiförmig bis oval und geflügelt gestielt; obere Blätter v.a. oval und sitzend; Blattende jeweils stumpf; Blattrand ganzrandig bis gezähnt.
Stängel meist v.a. auf zwei gegenüberliegenden Flächen behaart
Blüten blauviolett, mit dunkleren und weissen Streifen und sehr kleiner Oberlippe
Blüten in dichten Scheinquirlen in den oberen Stängelbereichen; blüht bis Juli
Hauptachse aufrecht, jedoch mit vielen horizontalen und beblätterten Ausläufern

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