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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gundermann (Glechoma hederacea)

Illustration des Gundermann (Glechoma hederacea). Die Bestimmungsmerkmalen sind graphisch sehr übersichtlich darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a.: Blätter kreuzgegenständig, Stängel 4-kantig, Blatt (herz-) bis nierenförmig, usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Gundermann (Glechoma)

"ein Würzkraut, welches ganze Jahr über verfügbar ist - es kriecht am Boden und jeweils im Frühjahr werden aufrechte Blütentriebe gebildet"

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

> wie bestimme / erkenne ich den Gundermann und wo kommt er vor?


Blätter: kreuzgegenständig; lang gestielt; (herz-) bis nierenförmig, 0.5 bis 4 cm lang; Blattrand grob gekerbt; kahl bis dicht behaart; OS bei älteren Blättern oft glänzend; US oft rötlich überlaufen; Blätter im oberen Bereich der Blütentriebe häufig etwas rötlich; beim Zerreiben aromatischer Duft; Blätter der kriechenden Hauptachse wintergrün


Stängel: 5-20cm hoch; 4-kantig; kahl bis behaart; teils rötlich überlaufen; Hauptachse kriechend (bis 2 Meter lang) und mit zahlreichen seitlichen Ausläufern; im Frühling auch aufrechte Triebe mit Blüten


Blüten: an den im Frühjahr austreibenden aufrechten Blütenstielen; 1 bis 3 Lippenblüten zusammen aus den Blattachseln; Kronblätter hellblauviolett, behaart, am Grund etwas heller und mit dunkleren Flecken; Oberlippe sehr klein; Mittellappen mit Einbuchtung; blüht April / Mai


Früchte: 4 Nüsschen, die in der Kelchröhre eingebettet sind (unreif noch zusammengewachsen) («Klausenfrucht»)


Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), neutral bis basisch


typische Standorte: Waldrand, unter Hecken oder Staudenfluren, Wiesen

Fotos

Verwendung​

> Gundermann in der Wildkräuterküche


Giftigkeit: Der Gundermann ist ungiftig / problemlos essbar.


kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



Verwendung in der Phytotherapie: Wurde früher in der Volksheilkunde zur Desinfektion von eiternden Wunden eingesetzt. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben

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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art


Der Gundermann wird auch Gundelrebe, Erd-Efeu, Donnerrebe, Gundelrank oder Wundkraut genannt und ist in Mitteleuropa ein sehr weit verbreitetes Wildkraut. Seine aromatischen Blätter und Blüten machen ihn zum idealen Gewürzkraut. Weil die Blätter der Hauptachse wintergrün sind, steht uns das Kraut ausserdem kulinarisch das ganze Jahr zur Verfügung (d.h. auch im Winter).


Lebensraum und Standortbedingungen des Gundermanns


Mit seiner kriechenden Hauptachse mit zahlreichen Ausläufern wächst der Gundermann dem Boden entlang und kann so auch rasch grössere Flächen bedecken. Er ist auch trittverträglich, hat aber als kleine Art gegen hochwüchsigere Pflanzenarten keine Chance. An seinen Standorten braucht es deshalb einen regelmässigen Schnitt (jedoch nicht zu häufig) oder eine moderate Beweidung und keine zu starke Düngung. Die aufrechten Stängel mit den Blüten findet man jeweils nur im Frühling. 


am Boden kriechende Haupttriebe vom Gundermann
am Boden kriechende Haupttriebe vom Gundermann

"Gund" kommt von Eiter


Der Name der Arte kommt vermutlich vom althochdeutschen «Gund» für Eiter, denn in der Volksheilkunde wird Gundermann traditionell gegen eiternde Wunden eingesetzt. Durch die enthaltenen Ätherischen Öle und Gerbstoffe dürfte er dabei durchaus lokal entzündungshemmend und lokal antimikrobiell wirken, wobei er in der Phytotherapie bisher nicht genauer untersucht wurde. Im alten heidnischen Volksglauben galt der Gundermann als Schutzpflanze, die vor Geistern, Hexen und Krankheiten schützen sollten. Dazu wurde der Gundermann wegen seinen aromatischen Duft u.a. zum Räuchern verwendet.


Gundermann als frühere Bierwürze


Gundermann wurde früher auch beim Bierbrauen zum Würzekochen verwendet. Für diesen Prozess wird heute der Hopfen genutzt, doch Letzterer setzte sich erst ab dem Hoch- bis Spätmittelalter durch. Nebst dem Gundermann wurden auch andere Wildpflanzen, wie z.B. Gagel, Schafgarbe oder auch Eichenblätter verwendet. Biere welche mit traditionellen Kräutermischungen (dem «Gruit») gebraut werden, sind unter dem Namen «Gruitbier» bekannt. Wie der Hopfen, verleiht auch der Gundermann dem Bier nicht nur Aroma, sondern sorgt wegen den antimikrobiellen Inhaltstoffen auch für eine gewisse Konservierung und damit Lagerfähigkeit. Die enthaltenen Gerbstoffe unterstützten während dem Würzekochen zusätzlich die Klärung des Bieres, indem dadurch die Eiweisse ausflocken und sich im Schaum auf der Wasseroberfläche ansammeln. Dieser Schaum kann dann beuqem mit einem Sieb abgeschöpft werden (für Geschmack, optischer Eindruck, Haltbarkeit und Schaumstabilität will man nicht zu viele Eiweisse im Bier).

 

mögliche Verwechslungen

Kriechender Günsel (Ajuga reptans) - ungiftig / essbar


Der Kriechende Günsel war in der Volksheilkunde des Mittelalters eine bekannte und geschätzte Heilpflanze mit allerlei Heilzuschreibungen. In der modernen Phytotherapie kann man ihn wegen dem hohen Gerbstoffgehalt zu den Gerbstoffpflanzen zählen, wobei er hier mangels genauerer Untersuchungen keine bedeutende Stellung hat. Die Art ist durch die enthaltenen Gerbstoffe und Bitterstoffe im Geschmack sehr bitter und adstringierend. Kulinarisch eignet sich die Art, wenn überhaupt, dann nur in kleinen Mengen als Beigabe. Die Blüten sind etwas weniger bitter und eine schöne essbare Dekoration.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • ähnelt im Erscheinungsbild den Blütenstängeln des Gundermanns

  • ältere Blätter oft glänzend / rötlich überlaufen

  • bodennahe Blätter wintergrün

  • Vorkommen auf ähnlichen Standorten (wobei eher saure Standorte bevorzugt werden)

  • gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)


Unterschiede (u.a.)

  • untere Blätter v.a. verkehrt-eiförmig bis oval und geflügelt gestielt; obere Blätter v.a. oval und sitzend; Blattende jeweils stumpf; Blattrand ganzrandig bis gezähnt.

  • Stängel meist v.a. auf zwei gegenüberliegenden Flächen behaart

  • Blüten blauviolett, mit dunkleren und weissen Streifen und sehr kleiner Oberlippe

  • Blüten in dichten Scheinquirlen in den oberen Stängelbereichen; blüht bis Juli

  • Hauptachse aufrecht, jedoch mit vielen horizontalen und beblätterten Ausläufern




zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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