das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Doldenblütler (Apiaceae), Gattung: Pastinak (Pastinaca)
"ein würzig, aromatischer Doldenblütler, den man jedoch häufiger im Gebirge als im Tiefland antrifft"
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme / erkenne ich die Kleine Bibernelle und wo kommt sie vor?
Lebenszyklus: bildet im jungen Stadium (d.h. früh im Jahr) erst eine Grundrosette und später erscheint dann der aufrechte Stängel mit wechselständigen Stängelblättern und endständigen Blütenständen
Blätter: OS matt und mit der Zeit verkahlend; US leicht behaart
Grundblätter: 1-fach gefiedert, 7-11-zählig; Fiedern rund (bis selten lanzettlich), bis 3cm lang und am Rand unregelmässig gesägt (Zähne nur leicht länger als breit) bis fiederlappig; Endfieder meist tief 3-teilig eingeschnitten
obere Blätter: fiederlanzettlich
Stängel:15 bis 60 cm hoch; rund; kahl (z.T. unten leicht behaart); oben fast blattlos
Blüten: Einzelblüten in endständigen Doppeldolden angeordnet; Doppeldolden jeweils mit 8-15 Döldchen; ohne Hüllblätter und ohne Hüllblättchen; Kronblätter weiss (bis selten rötlich) und bewimpert; blüht Juni bis Oktober
Früchte: ca. 2mm lang; Griffelrest kürzer als die Frucht
Zeigerwerte: hell, mässig trocken, nährstoffarm, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Trockenwiesen, lichte Kieferwälder
Fotos

1-fach gefiedert



fiederlanzettlich

fiederlanzettlich


weder Hüllblätter, noch Hüllblättchen
Verwendung
> die Kleine Bibernelle in der Wildkräuterküche und als alte Heilpflanze verwenden
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Flavonoide, Saponine (v.a. in Wurzel), Spuren von Furocumarinen
Giftigkeit: Die Kleine Bibernelle ist ungiftig / problemlos essbar.
Kulinarische Verwendung
Blätter (aromatisch, herb > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Blätterchips, Wildgemüse (Wildspinat), Suppe, Pesto, Sauce
Blüten (würzig > mehr dazu): essbare Dekoration, Gewürz
Früchte (würzig, herb > mehr dazu): Gewürz; Beigabe um Müesli; Zutat im Brot / Knäckebrot
Wurzel (aromatisch bis würzig > mehr dazu): vermahlen als Gewürz, Tee, Likör
Kleine Bibernelle als Heilpflanze / Verwendung in der Phytotherapie
zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Akute Bronchitis (produktiver Husten): Die Wurzeln wurden traditionell als Expektorans bei produktivem Husten verwendet. Die wissenschaftliche Datenlage ist dabei jedoch sehr dünn. Am Effekt beteiligt sein könnten die Ätherische Öle oder Saponine. Für einen Tee werden hierzu 3 bis 10g (1 bis 4 TL) der getrockneten und stark zerkleinerten Wurzeln in kochend-heissem Wasser ausgezogen. Es ist auch möglich die zerkleinerten Wurzeln für mehrere Stunden in kaltem Wasser anzusetzen und anschliessend kurz aufzukochen. Die Anwendung erfolgt 3 bis 4 mal täglich. Eine Bearbeitung von HMPC oder ESCOP liegt bisher nicht vor. Kommission E anerkannte damals die Anwendung.
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Lebensraum der Kleinen Bibernelle
Die Kleine Bibernelle ist charakteristisch für trockene Magerwiesen an Südhängen über kalkhaltigem Boden. Bei intensiver landwirtschaftlicher Nutzung (mit vielen Schnitten pro Jahr) oder Düngung verschwindet sie jedoch rasch. Weiter kommt sie auf Weiden nur bei extensiver Nutzung vor, bzw. verschwindet auch da bei zu häufigem Tritt. Die Art findet man zwar auch im Tiefland, dies jedoch eher selten, nicht zuletzt, weil magere Standorte eher rar geworden sind. In den Bergen (Jura, Alpen) hingegen (wo noch mehr magere Standorte vorhanden sind), da findet man die Kleine Bibernelle an Kalk-Südhängen teils massenhaft. Im Gebirge sind die Blüten teils etwas rötlich ausgebildet.
>>> weitere Essbare Alpenpflanzen / alpine Heilkräuter (Übersicht)
