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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Efeu (Hedera helix)

 

Familie: Araliengewächse (Araliaceae), Gattung: Efeu (Hedera)


Achtung: Giftpflanze !

Blätter: wechselständig; 5 bis 10 cm lang; immergrün; ledrig; glänzend; kahl; OS, dunkelgrün; US heller


Stängel/ Stamm:

  • krautiges Stadium: flaumig behaart (mit Stern- oder Schildhaaren)

  • verholztes Stadium: graubraun, längsrissig


Blüten: gelblich-grün; 5 Kronblätter; 5 Staubblätter; 5 zusammengewachsene Fruchtblätter; in der Mitte der Blüte ein grosser Diskus; Einzelblüten in halbkugeligen Dolden angeordnet; blüht September / Oktober


Früchte: schwarze Steinfrucht mit 1 bis 5 Steinkernen; ca. 1cm breit (ab ca. Januar reif)


typische Standorte:  an Bäumen, Felsen und Mauern


Der Efeu gehört durchaus zu den eher speziellen Pflanzenarten. Grundsätzlich handelt es sich um einen Strauch, mit verholzten Sprossachsen und immergrünen Blättern. Als Liane kann er an anderen Bäumen / Sträuchern oder auch an Felswänden oder Mauern hochklettern. Ein Höhenunterschied von 20-30 Meter kann dabei problemlos überwunden werden. Diese Lebensart erinnert etwas an tropische Wälder und tatsächlich stellt der Efeu in Europa ein Relikt des Teriärs dar, einer längst vergangenen Ära, wo auch hierzulande in Europa ein tropisches Klima geherrscht hat. Heimisch ist der Efeu von West, Mittel zu Südeuropa. Als (teils invasiver) Neophyt hat er sich mittlerweile auch in Nordamerika, Australien und Neuseeland verbreitet.


Zu Beginn des Lebenszyklus treibt der Efeu am Boden als krautige Pflanze aus, mit den typisch gelappten Blättern und niederliegenden Stängeln. Diese bewurzeln während der seitlichen Ausbreitung den Boden regelmässig. Bereits in dieser Phase kann er jedoch bereits ganze Bodenflächen bedecken. In diesem Stadium ist der Efeu ausgesprochen schattentolerant und kommt damit ohne Probleme im Unterwuchs von Wäldern klar. Erreicht der Efeu bei der seitlichen Ausbreitung ein Hindernis, wie z.B. ein Baum, dann beginnt er daran hochzuklettern. Dies bewerkstelligt er mit sogenannten Haftwurzeln. Die Pflanze erreicht damit zunehmend lichtreichere Bereiche. Dort ändert nun auch die Form der Blätter, die ab jetzt nicht mehr gelappt sind, eine dickere Kutukula aufweisen und auf hohe Lichtverfügbarkeit ausgerichtet sind (u.a. mit mehr Chlorophyll a). Auch die Stängel entwickeln sich nun zu regelrechten Stämmen, indem sie verholzen und in die Breite wachsen. Ausgewachsene Stämme können Durchmesser bis zu 30cm erreichen. Sie haben keine Haftwurzeln mehr und werden noch über Anlehnung und Verzahnung an den Bäumen getragen. Nun beginnt die Pflanze auch das erste Mal zu blühen. Nebst den kletternden «adulten Trieben» bleiben die «juvenilen Triebe» am Boden dauerhaft erhalten, resp. diese breiten sich kontant weiter aus und besiedelt immer wieder neue Hindernisse, so sich wieder «adulte Triebe» bilden können.


Da der Efeu erst im Herbst blüht, ist er um diese Jahreszeit für viele Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Wichtig ist ausserdem zu erwähnen, dass Efeu den Bäumen keine Schäden zufügt. Die Haftwurzeln entnehmen weder Wasser noch Nährstoffe, sondern stellen lediglich Kletterorgane dar. Ausserdem wächst der Efeu vorwiegend an den grossen Stämmen und Ästen, also nicht dort, wo sich die für den Baum wichtigen Blätter befinden, so dass sich auch die Lichtkonkurrent in Grenzen hält. Die Blätter haben eine durchschnittliche Lebensdauer von drei bis vier Jahren. Neue Blätter werden das ganze Jahr über gebildet, der Schwerpunkt liegt jedoch im Frühling.


Der Efeu ist zwar eine Giftpflanze, wird jedoch auch als schleimlösende Arzneipflanze bei produktivem Husten verwendet. Die dafür relevanten Inhaltstoffe sind Triterpen-Saponine (v.a. Hederacosid B und C). Diese werden im Körper zu alpha-Hederin abgebaut, welches dann den eigentlichen Wirkstoff darstellt. Die Saponine sind jedoch auch ernst zu nehmende Gifstoffe, so dass es nach der Einnahme von wenigen Beeren (sehr bitter!) zu Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Krämpfe, etc. kommen kann. Die Anwendung muss deshalb niedrig dosiert erfolgen. Da die empfohlene Tagesdosis durch Wildsammlung nur schwer zu kontrollieren ist, sollten nur entsprechende Fertigpräparate (meist wässrig-alkoholische Fertigextrakte aus den getrockneten Blättern) aus dem Handel verwendet werden. Es gibt auch alkoholfreie Extrakte, doch diese müssen doppelt so hoch dosiert werden, da Alkohol die Aufnahme der Wirkstoffe begünstigt. Die Wirkung von Efeu-Präparaten ist gut durch klinische Studien belegt weshalb HMPC die Anwendung entsprechender Extrakt-Zubereitungen als Expektorans bei produktivem Husten als «well-established use» anerkennt. nur Fertigarzneimittel verwenden! Packungsbeilage beachten! zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


Wegen den enthaltenen Saponinen ist Efeu auch als Seifenersatz sehr beliebt (Achtung, Efeu kann auf der Haut auch Kontaktallergien auslösen!)



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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