top of page

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)


©orestligetka - stock.adobe.com
©orestligetka - stock.adobe.com

Der Purpur-Sonnenhut ist bei uns in Europa nicht heimisch, sondern stammt aus den Prärien der USA. Dort wurde er von vielen indigenen Stämmen als Heilpflanze genutzt. Dort war die Art so etwas wie ein Allerheilsmittel und wurde vielseitig eingesetzt, auch bei Symptomen im Zusammenhang mit Erkältungen.


Mitte des 20. Jahrhunderts gelangte die Art dann auch in die europäische Pflanzenheilkunde. Laborbefunde im 20. Jahrhundert zeigten schliesslich, dass Extrakte die Aktivität von Fresszellen (Makrophagen) des angeborenen (unspezifischen) Immunsystems steigern können. Weiter zeigte sich, dass damit auch Botenstoffe, die im Körper Entzündungen auslösen, beeinflusst werden können und die Bildung reaktiver Stoffe (die genutzt werden, um Erreger anzugreifen) gefördert wird. Präparate, wie Extrakte oder Tinkturen aus den Wurzeln oder dem Kraut, bzw. Presssaft aus dem frischen Kraut werden hierzulande in diversen Fertigprodukten zur Erkältungsprophylaxe und zur Behandlung von Erkältungen verkauft.


Früher galten die enthaltenen Polysaccharide und Glykoproteine als wesentliche Wirkstoffe. Heuzutage werden eher die Alkamine oder auch die Kaffeesäurederivate ins Spiel gebracht. Man ist heute generell vorsichtiger in der Aussage von Hauptwirkstoffen, resp. solchr können nicht klar definiert werden. Bezüglich der Fresszellen-Aktivierung weiss man heute auch, dass in diesen Laboruntersuchungen Verunreinigungen der Extrakte mit bakteriellen Bestandteilen die Resultate verfälschen können.


Doch was zeigen klinische Studien an Menschen? Es gibt klinische Studien, die zeigen, dass Personen, die den Presssaft einnehmen, weniger Erkältungen entwickeln als in der Placebogruppe (statistische Signifikanz ist jedoch wieder ein anderes Thema, siehe weiter unten). Klinische Studien zeigen ausserdem beim Presssaft bei akuter Behandlung (die ab den ersten Symptomen gestartet wird) eine Verkürzung der Dauer der Erklätungssymptome. HMPC anerkennt deshalb die Anwendung mit dem entsprechend in der Monographie erwähnten Presssaft für die kurzzeitige Prävention und Behandlung von Erkältungen als «well-established-use» an (mehr zu den Voraussetzungen des Extraktes, Anwendung und Dosis in der HMPC-Monographie).


Wie erwähnt gibt es bei den Zubereitungen aus dem Purpur-Sonnenhut viele verschiedenen Rezepturen und jede dieser Rezepturen muss getrennt betrachtet werden. Aus positiven Studienergebnissen aus Presssaft des frischen Krautes mit «DER 1.4-2.5:1» kann nicht automatisch auf die Anwendung mit einer Tinktur aus der Wurzel geschlossen werden. So werden z.B. von HMPC Trockenextrakte aus den Wurzeln z.B. nur als «traditional-use» zur Linderung von Erkältungssymptomen anerkannt. Die Cochrane Collaboration stellte in ihrem Review über den Pupur-Sonnenhut mit 24 Studien und 4631 Teilnehmern und unterschiedlichen Echinacea-Zubereitungen ein sehr inkonsistentes Gesamtbild fest, was sicher auch durch die Heterogenität der Zubereitungen geschuldet sein dürfte. Sie kamen zum Schluss, dass die Evidenz für eine klinisch relevante Wirkung zur Behandlung von Erkältungen gering ist und dass eine geringe Wirkung bei prophylaktischer Einnahme vorhanden, jedoch die Verringerung der Krankheitsfälle statistisch nicht relevant ist.


Es wichtig hinzuschauen, wie stark denn diese Effekte in den Studien genau sind, bevor man viel Geld für eine Echinacea-Kur ausgibt. So sind die beobachteten Effekte bei prophylaktischer Einnahme tatsächlich klein, so z.B. bei:


  • Sperber et al (2004): Bei präventiver Einnahme und danach gezielter Ansteckung mit Rhinoviren führte dies bei 58% der Probanden zu Erkältungen, gegenüber 82% beim Placebo. Dies zwar ein Trend, doch der war nicht statistisch signifikant.

 

  • Grimm & Müller (1999): Bei präventiver Einnahme im Beobachtungszeitraum von 8 Wochen hatten 65% (35/54) der Probanden mindestens eine Erkältung, gegenüber 75% (40/54) beim Placebo. Auch hier war dies zwar ein Trend, aber wiederum nicht statistisch signifikant.


Von einem Wundermittel kann hier also definitiv nicht gesprochen werden und ob man bereit ist, hierzu viel Geld für Produkte auszugeben, sei jedem selber überlassen. Auch muss beachtet werden, dass das Immunsystem nicht beliebig lange «auf Alarmbereitschaft» gehalten werden kann und mit der Zeit womöglich Gewöhnungseffekte eintreten können, so dass eine dauerhafte Anwendung nicht empfohlen wird.


Bei einer akuten Anwendung bei sofortigem Therapiebeginn mit den ersten Erkältungssymptomen sind die Effekte hingegen deutlicher:


  • Hoheisel et al (1997): Zeit bis zu klarer Verbesserung der Erkältungssymptome 4 Tage im Vergleich zum Placebo mit 8 Tagen.


  • Schulten et al (2002): Erkältungsdauer war 6 Tage im Vergleich zum Placebo mit 9 Tagen.




zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

folge mir auf Social-Media:

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

teile diesen wertvollen Content:   

400PngdpiLogo.png

©2021 erdflow. Erstellt mit Wix.com

Outdoor.jpg
bottom of page