top of page

 

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
Illustration des Schwarzen Holunders (Sambusus nigra) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. Blätter gefiedert, usw.

Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), Gattung: Holunder (Sambucus)

"ein stark mythologisch aufgeladener Strauch mit ebenso vielfältiger kulinarischer Verwendung"

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Habitus: Strauch bis 7m Höhe


Blätter: gegenständig; 5-7-zählig gefiedert

  • Fiedern: oval bis eiförmig, 5 bis 10 cm lang; am Ende zugespitzt; (eher fein) nach vorne gesägt; charakteristischer Holunder-Geruch beim Zerreiben


Äste / Stamm: graubraun; mit Korkwarzen (hellere oder dunklere Erhebungen); im Innern mit weissem schaumstoffartigem Mark; ältere Äste mit Netzmuster


Blüten: 


Früchte: violett-schwarze, kugelige, ca. 0.5 cm grosse Steinfrüchte; unreif grün bis rot; ab ca. August reif (am Fruchtstand oft gleichzeitig reife und unreife Früchte); Fruchtstände hängend und mit roter Sprossachse


mögliche gefährliche Verwechslungen: Zwergholunder / Attich (Sambucus ebulus), Roter-/Berg- Holunder (Sambucus racemosa) < mehr zu diesen Arten und den Unterscheidungsmerkmalen weiter unten im Abschnitt «mögliche Verwechslungen»


Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), neutral bis basisch


typische Standorte:Waldrand, Waldschläge, lichte Wälder, Hecken

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Blausäureglykoside (u.a. Sambunigrin), Ätherische Öle


Giftigkeit*: Bis auf die Blüten enthalten alle Pflanzenteile giftige Blausäureglykoside. Bei einem rohen Verzehr sind höchstens kleine Mengen der Blätter oder der reifen (schwarzen) Früchte unbedenklich. Darüber hinaus können Verdauungsbeschwerden auftreten. Kochen baut die Blausäureglykoside ab, wodurch danach die reifen Früchte auch in grösseren Mengen konsumiert werden können. Dabei ist eine Mindestkochtemperatur von 80 bis 90°C und eine Mindestkochzeit (je nach Quelle) von ca. 10 bis 20 Minuten notwendig. Damit auch die Trockenfrüchte ungiftig werden, werden diese zu Beginn bei einer Temperatur von 80 bis 100°C getrocknet. Bei niedrigeren Trockentemperaturen bzw. Lufttrocknung geschieht der Blausäureabbau nur bedingt. Solche Früchte werden nur geringe Mengen verzehrt oder vorgängig erhitzt (z.B. als Backzutat beim Backen). Die Blüten sind bezüglich der Giftigkeit auch roh unbedenklich.


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • Blätter* (herb, eigen > mehr dazu): junge Blätter in ganz keinen Mengen als Salatbeigabe


  • Blüten (süsslich, eigen > mehr dazu): essbare Dekoration, Tee, Sirup, Likör, Gelée, "Honig"


  • Früchte* (fruchtig, süss, eigen > mehr dazu): roh in ganz kleinen Mengen als Nascherei direkt vor Ort, Fruchtsaft, Sirup, Tee (aus den getrockneten Früchten), Pulver / Streckmehl (getrocknete Früchte vermahlen)

    • Konfitüre: Da kein Mus entsteht, nutzt man dazu sowohl den Sud (der beim Kochen entsteht), als auch den dickflüssigen Saft, der beim Passieren der weichgekochten Früchte entsteht.

    • Trockenfrucht: als Nascherei oder Beigabe fürs Müesli, etc.; Herstellung: Früchte von der Dolde auszupfen > waschen > Trocknen im Backofen bei 100°C, Umluft, 1-2h, mit leicht geöffnetem Spalt  und dabei regelmässig Wenden > analog 5-8 h bei ca. 50°C weitertrocknen lassen > in einem geschlossenen Gefäss lichtgeschützt lagern


diverse kulinarische Verwendungsmöglichkeiten mit den Früchten des Schwarzen Holunders.

Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: In der Volksheilkunde gilt der Schwarze Holunder als «schweisstreibend» und Mittel gegen Erkältungen. Substanzen, welche das Schwitzen fördern sollen, findet man jedoch weder in den Blüten, noch den Früchten (ist eher auf das heisse Wasser im Tee zurückzuführen). Starkes Schwitzen wäre bei einer Erkältung auch kontraproduktiv, da es den Körper abkühlen würde. Ausserdem ist die Vorstellung, dass durch Schwitzen die krankmachenden Erreger herausgeschwitzt werden, ein Mythos. Bei den Früchten des Holunders gibt es wenige klinische Studien, die auf immunstimulierende Effekte hinweisen. Zwar zeigte sich dort bei einer prophylaktischen Einnahme keinen Effekt auf die Inzidenzrate für Erkältungen, dafür wurde gegenüber der Placebogruppe eine raschere Genesung beobachtet. Allerdings ist die Studienlage zu dünn für klare Aussagen. Bei den Blüten gibt es zwar in-vitro Untersuchungen (im Reagenzglas), die auf einen möglichen entzündungshemmenden und antioxidativer Effekt hinweisen könnten (kann nicht 1:1 auf den lebenden menschlichen Menschen in-vivo übertragen werden), doch klinische Studien an Menschen existieren nicht.

Beschreibung

Der Schwarze Holunder steckt voller Magie und Mythologie. So war dieser sowohl bei den Germanen, Kelten und Römern, als auch im mittelalterlichen Heidentum ein heiliger Baum Er galt als Schutzbaum des Hauses, als Tor zur Geisterwelt und als eine der wichtigsten Pflanzen für Magie und Heilung. Der Schwarze Holunder wurde als Schutzbaum vor das Haus gepflanzt, Zweige an die Haustür gehängt und das Holz wurde für magische Stäbe und Schutzamulette genutzt. Ein alter Spruch besagte auch: „Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen, denn in ihm wohnt Segen“. Wer einen Holunderstrauch fällte, dem wurde hingegen grosses Unglück prognostiziert. Falls eine Fällung oder ein Zurückschneiden des Holunders trotzdem unumgänglich war, waren Rituale zur Versöhnung nötig. Kein gutes Omen war ein verdorrter Holunderstrauch vor dem Haus, denn dieser sollte den baldigen Tod eines Familienmitgliedes ankündigten. Dem Holunder wurde aber auch die Eigenschaft zugeschrieben, Krankheiten und sonstiges Unglück abzuleiten. Vor allem bei Gicht und Fieber galt er dabei in Kombination mit entsprechenden Ritualen als gut geeignet. Das Erbe dieser Nutzung findet man auch heute noch in der Volksheilkunde, wo dem Schwarzen Holunder schweisstreibende und damit fiebersenkende Eigenschaften nachgesagt werden. Die Menschen glaubten, dass in ihm Hausgeister und Ahnen (bis zur Wiedergeburt) wohnten. Für schwangere Frauen gab es dabei Rituale um die Wiedergeburt der Ahnen («Kinderseelen») sicherzustellen oder zu erleichtern. Gleichzeitig wurden beim Holunder auch Rituale zur Empfängnisverhütung durchgeführt (um «die Kinderseelen fernzuhalten»).


Bei den Germanen war der Holunder eng mit Freya, der Göttin für Liebe, Fruchtbarkeit und Magie verbunden. Der Name vom Holunder stammt jedoch von der mythologischen Frauengestallt «Frau Holle», die im Holunder innewohnen würde. Das Bild von Frau Holle dürfte zwar von der germanischen Göttin Freya (und weiteren germanischen Göttinnen) inspiriert sein, doch handelt es sich dabei nicht um eine historisch belegte germanische Göttin. Vielmehr entstand Frau Holle in heidnischen Volkssagen im Mittelalter, als magisches Wesen, das als Hüterin der Schwellen zwischen den Jahreszeiten, bzw. auch der Schwelle zur Ahnenwelt dient. Sie galt aber auch als die Schutzfrau des Hauses (also die mythologischen Eigenschaften, die auch der Holunderstrauch in sich vereinigt).


Die Christen sahen dann gegen Ende des Mittelalters, zur Zeit der Hexenverfolgung, im Holunder eine negative Bedeutung. So besagt eine Legende, dass der Apostel Judas (der Jesus verraten hatte) sich an einem Holunderbaum erhängt haben soll, wodurch der Holunder manchmal auch als „Baum des Verrats“ betrachtet wurde. Auch gab es die Erzählung, dass Jesus mit den Zweigen vom Holunder ausgepeitscht wurde.

Das Vorkommen des Schwarzen Holunders reicht in Europa vom Mittelmeer bis Südskandinavien, Er ist dabei eine häufig anzutreffende Strauchart. Da er nährstoffreiche Verhältnisse bevorzugt, profitiert er so von der Zivilisations-bedingten Eutrophierung der Böden und auch seine kulturelle Bedeutung dürfte zur Förderung seines Vorkommens beigetragen haben. Als Pionierpflanze kann er dank der Samenverbreitung durch die Vögel rasch gestörte, jedoch nährstoffreiche und nicht zu trockene Flächen, wie Waldlichtungen, Brachflächen oder Auenwäldern besiedeln. Er verbleibt dabei bevorzugt in den tiefen Lagen und meidet höhere Standorte in den Alpen.


Seine nektar- und pollenreichen Blüten verströmen im Frühsommer einen intensiven charakteristischen Holunder-Duft, der zwar einerseits angenehm süsslich und blumig ist, andererseits aber auch eine leichte unangenehme Verwesungs- und Urin-Duftnote hat. Der Grund liegt darin, dass die Art als Bestäuber nebst den Bienen und Wespen auch auf Fliegen und Käfer setzt, welche von den für uns als eher unangenehm wahrgenommenen Gerüchen angezogen werden. Die Früchte, welche man je nach Witterung und genauer Lokalität, von August bis Mitte September reif am Baum findet, werden vor allem von Vögeln gefressen. Diese transportieren die Samen anschliessend in ihren Verdauungstrakt und scheiden sie später unverdaut wieder aus. Wer den richtigen Erntezeitpunkt verpasst, kann in leicht erhöhten Lagen (auf. ca. 1'000 m ü. M.) teils noch im Oktober frische reife Holunderfrüchte finden. Diverse Pilz- und Insektenarten sind auf den Schwarzen Holunder als Nahrungs- oder Wirtspflanze angewiesen, wie z.B. das Judasohr.


Bei der Herstellung von Fruchtsaft, Sirup oder Konfitüre aus den Früchten, werden diese mindestens 10 bis 20 Minuten gekocht, damit sich die Blausäureglykoside abbaut (also sich Blausäureglykoside in den Blausäure- und den Glykosid-Anteil spalten und dabei die giftige Blausäure als Gas über die Luft entweicht). Durch das Passieren der weichgekochten Früchte entsteht kein Mus, sondern ein dickflüssiger Saft. Für Fruchtsaft wird dieser dickflüssige Saft zusammen mit dem Sud (dem Auszug, der beim Weichkochen entsteht) vermischt. Wird jedoch Sirup daraus hergestellt, nutzt man nur den Sud, da der dickflüssige Saft zu viele Festpartikel enthält und damit anfällig für Schimmel ist. Für die Herstellung von Konfitüre wiederum wird Sud und dickflüssiger Saft genutzt. Die einzelnen Früchte können am einfachsten mit der Gabel vom Blütenstand entfernt werden. Noch unreife Früchte am Blütenstand werden aussortiert.

 

mögliche Verwechslungen

Roter-/Berg- Holunder (Sambucus racemosa) - grösstenteils giftig!


Während der Schwarze Holunder höhere Lagen meidet, ist dies umso mehr das Terrain des Roten Holunders. Diesen trifft man dort als typische Bergpflanze sehr häufig auf Waldschlägen, Hecken und auf Schutthalden an. Man findet ihn aber auch im Tiefland, wenn auch nicht so häufig wie in den Bergen. Auch der Rote Holunder ist auf nährstoffreichen Boden angewiesen. Er blüht bereits ab April und seine schönen leuchtend roten Früchte sind bereits im Frühsommer reif. Die Pflanzenteile des Roten Holunders haben höhere Konzentrationen an Blausäureglykosiden, so dass der Strauch generell als giftig gilt (inkl. den Blüten). Aus diesem Grund sollte man sich kulinarisch vom Roten Holunder mehrheitlich fernhalten. Eine Ausnahme stellen die reifen Früchte dar, sofern diese bei der Zubereitung entkernt und gekocht werden. Der Herstellung von Fruchtsaft, Sirup oder Marmelade steht dabei also nichts im Wege, wobei die Kochzeit mindestens 20 Minuten dauern soll, resp. bei der Marmelade die Kerne nicht mitverwendet werden dürfen (vorher im Passiersieb aussortieren). Teilweise liest man, dass sich beim Kochen an der Oberfläche des Kochwassers ein leichter Ölfilm bilden würde, der von den Kernen stammt und abgeschöpft werden soll (da unbekömmlich). Allerdings zeigt die eigene Erfahrung, dass dieser Ölfilm entweder nicht sichtbar ist oder so dünn ist, dass es unklar ist, wie das Abschöpfen den genau in der Praxis funktionieren soll. Probleme beim Verzehr gab es trotzdem fehlendem Abschöpfen des Ölfilms persönlich noch nie.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • gefiederte Blätter

  • Korkwarzen


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter nur 5-zählig, beim Austrieb etwas rötlich gefärbt (später grün)

  • Mark im Innern der Zweige (braun-)rot

  • Blüten in eiförmigen Rispen

  • Einzelblüten gelblich-grün und kleiner

  • blüht April/Mai (früher), zusammen mit dem Blattaustrieb

  • Früchte im reifen Zustand rot; bereits im Frühsommer reif

  • Strauch nur ca. 2-4m hoch

 

Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Roten Holunders gegenüber dem Schwarzen Holunder. Merkmale graphisch übersichtlich dargestellt.

 

Zwergholunder / Attich (Sambucus ebulus) - giftig!


Beim Zwergholunder handelt es sich nicht (wie den zwei anderen Holunderarten) um einen Strauch, sondern um eine krautige Pflanze. Die Art kann zwar im Verlaufe des Jahres stark in die Höhe (bis 2 Meter) wachsen und breite Stauden bilden, doch die Stängel verholzen nicht und im Herbst sterben alle oberirdischen Triebe vollständig wieder ab. Die Pflanze überwintert im Rhizom, dass sich geschützt im Boden, in einer Tiefe von 10 bis 30 cm befindet. Auf Waldschlägen, Lichtungen oder Schuttplätzen mit nährstoffreichem und kalkhaltigem Boden kann der Zwergholunder durch die rasche vegetative Vermehrung mit den horizontalen Rhizomen rasch grössere Bestände bilden. Durch den hohen Gehalt an Blausäureglykosiden gelten alle Pflanzenteile des Zwergholunders als giftig, resp. auch gekocht wird von einer Nutzung dringend abgeraten. Die Blütezeit erfolgt gegenüber dem Schwarzer Holunder deutlich später und zwar von Mitte bis Ende Sommer. Die ebenfalls in Trugdolden angeordneten Blüten verströmen dabei ein dem Schwarzen Holunder sehr ähnlichen Duft, weshalb es bei Sammlern hin und wieder zu Verwechslungen kommt, was genau so für die schwarzen Früchte gilt. Bei Vergiftungen kommt es meist nur zu milden bis mittelschweren Symptomen wie Erbrechen und Durchfall. Todesfälle sind bisher nicht bekannt.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Duft (wobei etwas unangenehmer)

  • Trugdolde

  • schwarzviolette Früchte

  • ähnliche Standorte


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter 7-9-zählig; Fiedern lanzettlich und bis zu 15 cm lang

  • Staubbeutel purpurrot; blüht Juli/August (später)

  • reifer Fruchtstand aufrecht (beim Schwarzen Holunder hängend!)

  • Zweige verholzen nicht, bzw. oberirdische Teile sterben im Herbst vollständig ab (Geophyt); Staude wird maximal 2 m hoch


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Zwergholunders gegenüber dem Schwarzen Holunder. Merkmale graphisch übersichtlich dargestellt.

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

teile diesen wertvollen Content:   

Bestimmungsmerkmale
Fotos
Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
mögliche Verwechlungen

folge erdflow auf Social-Media:

400PngdpiLogo.png

©2021 erdflow. Erstellt mit Wix.com

Outdoor.jpg
bottom of page