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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Illustration des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) für die Bestimmung der Art. Die Bestimmungsmerkmale sind graphisch darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a.: Blätter gefiedert, Früchte schwarz, usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), Gattung: Holunder (Sambucus)

"ein stark mythologisch aufgeladener Strauch mit ebenso vielfältiger kulinarischer Verwendung"

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

> wie bestimme / erkenne ich den Schwarzen Holunder und wo kommt er vor?


Habitus: Strauch bis 7m Höhe


Blätter: gegenständig; 5-7-zählig gefiedert

  • Fiedern: oval bis eiförmig, 5 bis 10 cm lang; am Ende zugespitzt; Rand (eher fein) nach vorne gesägt; charakteristischer Holunder-Geruch beim Zerreiben


Äste / Stamm: graubraun; mit Korkwarzen (hellere oder dunklere Erhebungen); im Innern mit weissem schaumstoffartigem Mark; ältere Äste mit Netzmuster


Blüten: 


Früchte: violett-schwarze, kugelige, ca. 0.5 cm grosse Steinfrüchte; unreif grün bis rot; ab ca. August reif (am Fruchtstand oft gleichzeitig reife und unreife Früchte); Fruchtstände hängend und mit roter Sprossachse


Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), neutral bis basisch


typische Standorte: Waldrand, Waldschläge, lichte Wälder, Hecken

Fotos

Verwendung​

> Schwarzer Holunder in der Wildpflanzenküche und als Heilpflanze verwenden


wichtige Inhaltsstoffe: Blausäureglykoside (u.a. Sambunigrin), Ätherische Öle


Giftigkeit*: Bis auf die Blüten enthalten alle Pflanzenteile des Schwarzen Holunders giftige Blausäureglykoside. Bei einem rohen Verzehr sind höchstens kleine Mengen der Blätter oder der reifen (schwarzen) Früchte unbedenklich. Darüber hinaus können Verdauungsbeschwerden auftreten. Kochen baut die Blausäureglykoside ab, wodurch danach die reifen Früchte auch in grösseren Mengen konsumiert werden können. Dabei ist eine Mindestkochtemperatur von 80 bis 90°C und eine Mindestkochzeit (je nach Quelle) von ca. 10 bis 20 Minuten notwendig. Damit auch die Trockenfrüchte ungiftig werden, werden diese zu Beginn bei einer Temperatur von 80 bis 100°C getrocknet. Bei niedrigeren Trockentemperaturen bzw. Lufttrocknung geschieht der Blausäureabbau nur bedingt. Solche Früchte werden nur in geringe Mengen verzehrt oder vorgängig erhitzt (z.B. als Backzutat beim Backen). Die Blüten sind bezüglich der Giftigkeit auch roh unbedenklich.


mögliche gefährliche Verwechslungen: Zwergholunder / Attich (Sambucus ebulus), Roter-/Berg- Holunder (Sambucus racemosa) < mehr zu diesen Arten und den Unterscheidungsmerkmalen weiter unten im Abschnitt «mögliche Verwechslungen»


Kulinarische Verwendung

zu den Grundrezepten


  • Blätter* (herb, eigen > mehr dazu): junge Blätter in ganz keinen Mengen als Salatbeigabe


  • Blüten (süsslich, eigen > mehr dazu): essbare Dekoration, Tee, Sirup, Likör, Gelée, "Honig"


  • Früchte* (fruchtig, süss, eigen > mehr dazu): roh in ganz kleinen Mengen als Nascherei direkt vor Ort, Fruchtsaft, Sirup, Tee (aus den getrockneten Früchten), Pulver / Streckmehl (getrocknete Früchte vermahlen)

    • Konfitüre: Da kein Mus entsteht, nutzt man dazu sowohl den Sud (der beim Kochen entsteht), als auch den dickflüssigen Saft, der beim Passieren der weichgekochten Früchte entsteht.

    • Trockenfrucht: als Nascherei oder Beigabe fürs Müesli, etc.; Herstellung: Früchte von der Dolde auszupfen > waschen > Trocknen im Backofen bei 100°C, Umluft, 1-2h, mit leicht geöffnetem Spalt  und dabei regelmässig Wenden > analog 5-8 h bei ca. 50°C weitertrocknen lassen > in einem geschlossenen Gefäss lichtgeschützt lagern


diverse kulinarische Verwendungsmöglichkeiten mit den Früchten des Schwarzen Holunders.

Schwarzer Holunder als Heilpflanze / Heilwirkung vom Schwarzen Holunder / Verwendung in der evidenzbasierten Phytotherapie*

zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


In der Volksheilkunde gilt der Schwarze Holunder als «schweisstreibend» und Mittel gegen Erkältungen. Substanzen, welche das Schwitzen fördern sollen, findet man jedoch weder in den Blüten, noch den Früchten (ist eher auf das heisse Wasser im Tee zurückzuführen). Starkes Schwitzen wäre bei einer Erkältung auch kontraproduktiv, da es den Körper abkühlen würde. Ausserdem ist die Vorstellung, dass durch Schwitzen die krankmachenden Erreger herausgeschwitzt werden ein Mythos. Bei den Früchten des Holunders gibt es wenige klinische Studien, die auf immunstimulierende Effekte hinweisen. Zwar zeigte sich in den Studien bei einer prophylaktischen Einnahme keinen Effekt auf die Inzidenzrate für Erkältungen, dafür wurde gegenüber der Placebogruppe eine raschere Genesung beobachtet. Allerdings ist die Studienlage zu dünn für klare Aussagen. Bei den Blüten gibt es zwar in-vitro Untersuchungen (im Reagenzglas), die auf einen möglichen entzündungshemmenden und antioxidativen Effekt hinweisen könnten (kann nicht 1:1 auf den lebenden menschlichen Menschen in-vivo übertragen werden), doch klinische Studien an Menschen existieren nicht.

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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art



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Mythologie des Schwarzen Holunders


Der Schwarze Holunder steckt voller Magie und Mythologie. So war dieser sowohl bei den Germanen, Kelten und Römern, als auch im mittelalterlichen Heidentum ein heiliger Baum Er galt als Schutzbaum des Hauses, als Tor zur Geisterwelt und als eine der wichtigsten Pflanzen für Magie und Heilung. Der Schwarze Holunder wurde als Schutzbaum vor das Haus gepflanzt, Zweige an die Haustür gehängt und das Holz wurde für magische Stäbe und Schutzamulette genutzt. Ein alter Spruch besagte auch: „Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen, denn in ihm wohnt Segen“. Wer einen Holunderstrauch fällte, dem wurde hingegen grosses Unglück prognostiziert. Falls eine Fällung oder ein Zurückschneiden des Holunders trotzdem unumgänglich war, waren Rituale zur Versöhnung nötig.


Kein gutes Omen war ein verdorrter Holunderstrauch vor dem Haus, denn dieser sollte den baldigen Tod eines Familienmitgliedes ankündigten. Dem Holunder wurde aber auch die Eigenschaft zugeschrieben, Krankheiten und sonstiges Unglück abzuleiten. Vor allem bei Gicht und Fieber galt er dabei in Kombination mit entsprechenden Ritualen als gut geeignet. Das Erbe dieser Nutzung findet man auch heute noch in der Volksheilkunde, wo dem Schwarzen Holunder schweisstreibende und damit fiebersenkende Eigenschaften nachgesagt werden.


Die Menschen glaubten, dass in ihm Hausgeister und Ahnen (bis zur Wiedergeburt) wohnten. Für schwangere Frauen gab es dabei Rituale um die Wiedergeburt der Ahnen («Kinderseelen») sicherzustellen oder zu erleichtern. Gleichzeitig wurden beim Holunder auch Rituale zur Empfängnisverhütung durchgeführt (um «die Kinderseelen fernzuhalten»).


Bei den Germanen war der Holunder eng mit Freya, der Göttin für Liebe, Fruchtbarkeit und Magie verbunden. Der Name vom Holunder stammt jedoch von der mythologischen Frauengestalt «Frau Holle», die im Holunder innewohnen würde. Das Bild von Frau Holle dürfte zwar von der germanischen Göttin Freya (und weiteren germanischen Göttinnen) inspiriert sein, doch handelt es sich dabei nicht um eine historisch belegte germanische Göttin. Vielmehr entstand Frau Holle in heidnischen Volkssagen im Mittelalter, als magisches Wesen, das als Hüterin der Schwellen zwischen den Jahreszeiten, bzw. auch der Schwelle zur Ahnenwelt dient. Sie galt aber auch als die Schutzfrau des Hauses (also die mythologischen Eigenschaften, die auch der Holunderstrauch in sich vereinigt).


Die Christen sahen dann gegen Ende des Mittelalters, zur Zeit der Hexenverfolgung, im Holunder eine negative Bedeutung. So besagt eine Legende, dass der Apostel Judas (der Jesus verraten hatte) sich an einem Holunderbaum erhängt haben soll, wodurch der Holunder manchmal auch als „Baum des Verrats“ betrachtet wurde. Auch gab es die Erzählung, dass Jesus mit den Zweigen vom Holunder ausgepeitscht wurde.


Lebensraum des Schwarzen Holunders


Das Vorkommen des Schwarzen Holunders reicht in Europa vom Mittelmeer bis Südskandinavien. Es ist dabei eine häufig anzutreffende Strauchart. Da er nährstoffreiche Verhältnisse bevorzugt, profitiert er so von der Zivilisations-bedingten Eutrophierung der Böden und auch seine kulturelle Bedeutung dürfte zur Förderung seines Vorkommens beigetragen haben. Als Pionierpflanze kann er dank der Samenverbreitung durch die Vögel rasch gestörte, jedoch nährstoffreiche und nicht zu trockene Flächen, wie Waldlichtungen, Brachflächen oder Auenwäldern besiedeln. Er verbleibt dabei bevorzugt in den tiefen Lagen und meidet höhere Standorte in den Alpen.


Bestäubung der Blüten, Ausbreitung der Früchte und ökologische Bedeutung


Seine nektar- und pollenreichen Blüten verströmen im Frühsommer einen intensiven charakteristischen Holunder-Duft, der zwar einerseits angenehm süsslich und blumig ist, andererseits aber auch eine leichte unangenehme Verwesungs- und Urin-Duftnote hat. Der Grund liegt darin, dass die Art als Bestäuber nebst den Bienen und Wespen auch auf Fliegen und Käfer setzt, welche von den für uns als eher unangenehm wahrgenommenen Gerüchen angezogen werden.


Die Früchte, welche man je nach Witterung und genauer Lokalität, von August bis Mitte September reif am Baum findet, werden vor allem von Vögeln gefressen. Diese transportieren die Samen anschliessend in ihren Verdauungstrakt und scheiden sie später unverdaut wieder aus. Wer den richtigen Erntezeitpunkt verpasst, kann in leicht erhöhten Lagen (auf. ca. 1'000 m ü. M.) teils noch im Oktober frische reife Holunderfrüchte finden.


Diverse Pilz- und Insektenarten sind auf den Schwarzen Holunder als Nahrungs- oder Wirtspflanze angewiesen, wie z.B. das Judasohr.


Was bei der kulinarischen Nutzung der Holunderfrüchte zu beachten ist


Bei der Herstellung von Fruchtsaft, Sirup oder Konfitüre aus den Früchten, werden diese mindestens 10 bis 20 Minuten gekocht, damit sich die Blausäureglykoside abbauen (also sich Blausäureglykoside in den Blausäure- und den Glykosid-Anteil spalten und dabei die giftige Blausäure als Gas über die Luft entweicht).


Durch das Passieren der weichgekochten Früchte entsteht kein Mus, sondern ein dickflüssiger Saft. Für Fruchtsaft wird dieser dickflüssige Saft zusammen mit dem Sud (dem Auszug, der beim Weichkochen entsteht) vermischt. Wird jedoch Sirup daraus hergestellt, nutzt man nur den Sud, da der dickflüssige Saft zu viele Festpartikel enthält und damit anfällig für Schimmel ist. Für die Herstellung von Konfitüre wiederum wird Sud und dickflüssiger Saft genutzt. Die einzelnen Früchte können am einfachsten mit der Gabel vom Blütenstand entfernt werden. Noch unreife Früchte am Blütenstand werden aussortiert.


Youtube-Video zur Bestimmung des Schwarzen Holunders



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mögliche Verwechslungen

Roter-/Berg- Holunder (Sambucus racemosa)

grösstenteils giftig!


>>> mehr zum Roten Holunder (Botanik, Nutzung, richtige Zubereitung) in der entsprechenden Pflanzenbeschreibung <<<


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • gefiederte Blätter

  • Korkwarzen


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter nur 5-zählig, beim Austrieb etwas rötlich gefärbt (später grün); Fiedern meister etwas dünner erscheinend

  • Mark im Innern der Zweige (braun-)rot

  • Blüten in eiförmigen Rispen

  • Einzelblüten gelblich-grün und kleiner

  • blüht April/Mai (früher), zusammen mit dem Blattaustrieb

  • Früchte im reifen Zustand rot; bereits im Frühsommer reif

  • Strauch nur ca. 2-4m hoch

 

Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Roten Holunders gegenüber dem Schwarzen Holunder. Merkmale graphisch übersichtlich dargestellt.

 

Zwergholunder / Attich (Sambucus ebulus) - giftig!


>>> mehr zum Zwergholunder bei der entsprechenden Pflanzenbeschreibung des erdflow-Phytikons <<<


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Duft (wobei etwas unangenehmer)

  • Trugdolde

  • schwarzviolette Früchte

  • ähnliche Standorte


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter 7-9-zählig; Fiedern lanzettlich und bis zu 15 cm lang

  • Staubbeutel purpurrot; blüht Juli/August (später)

  • reifer Fruchtstand aufrecht (beim Schwarzen Holunder hängend!)

  • Zweige verholzen nicht, bzw. oberirdische Teile sterben im Herbst vollständig ab (Geophyt)

  • Staude wird maximal 2 m hoch


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Zwergholunders gegenüber dem Schwarzen Holunder. Merkmale graphisch übersichtlich dargestellt.

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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