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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Hopfen (Humulus lupulus)
Illustration des Hopfen (Humulus lupulus). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Hanfgewächse (Canabaceae), Gattung: Hopfen (Humulus)

"Der Hopfen ist mehr als einfach nur eine Kulturpflanze für die Bierwürze, sondern ist auch eine heimische Wildpflanze und auch eine Heilpflanze. Auch die Blätter und jungen Stängel werden kulinarisch verwendet."

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Blätter: gegenständig; herzförmig. 6 bis 15 cm lang; handförmig-gelappt (3-5 Lappen) und grob gesägt (obere Blätter teils ungelappt); borstig behaart


Stängel: 4-kantig, borstig behaart, 3 bis 6m lang; klettert durch Rechtswinden entlang anderer Pflanzen oder auch Objekten wie Stängel, Drähte, etc. empor


Blüten: zweihäusig (auf einem Individuum entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten), blüht Juli / August

  • männliche Blüten: in hängenden Rispen aus den Blattachseln

  • weibliche Blüten: in lang gestielten Ähren, nach der Blütezeit vergrössern sich die Hochblätter und der Blütestand wirkt dann zapfenähnlich («Hopfendolde»), bzw. enthält im Innern gelbe, intensiv angenehm duftende Drüsen (die «Lupulin» genannt werden)


Früchte: Nüsschen, ca. 3mm lang; in beigen «Hopfendolden» angeordnet


Zeigerwerte: halbschattig, sehr feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Auenwälder, Ufer, Hecken, feuchte Krautsäume

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Gerbstoffe, Flavonoide; in den gelben Drüsen der «Hopfendolden» (Lupulin) auch Humulon, Lupulon, Xanthohumol, usw.


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten




Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • Schlafstörungen / Nervliche Unruhe: Verwendet werden die «Hopfendolden» zu einem Zeitpunkt, wenn diese noch grün sind, was meist im September der Fall ist. Hierzu ist das «Lupulin» von Interesse, also die intensiv duftenden gelben Drüsen im Innern der Hopfendolden. Tierexperimente zeigen hierzu eine sedative (beruhigende) Wirkung. Über den Wirkmechanismus und den genau daran beteiligten Wirkstoffen ist man sich bisher jedoch noch nicht im Klaren. Bisher wurde dabei vor allem Methyl-3-buten-2-ol, ein Abbauprodukt von Humulon und Lupulon, diskutiert. Neuerdings wird auch das Flavonoid «Xanthohumol» ins Spiel gebracht, welches die GABA-Rezeptoren im zentralen Nervensystem modulieren soll. Auch wenn oft behauptet: Diese Stoffe sind dem Schlafhormon Melatonin chemisch nicht ähnlich und es gibt auch keine Hinweise, dass sie an die Melatonin-Rezeptoren binden könnten! Und auch wenn der Hopfen zur gleichen Familie wie der Hanf gehört, haben die vermuteten Wirkstoffe auch keine chemische Ähnlichkeit zu Cannabinoiden und auch hier gibt es keine Hinweise auf einen ähnlichen Wirkmechanismus! Klinische Studien an Menschen wurden bisher nicht mit Hopfen allein, sondern nur in Kombination mit Baldrian durchgeführt. Allerdings scheint die Wirkung auch lediglich mit Hopfen zumindest plausibel. So anerkennt HMPC die Anwendung von Hopfen bei «milden Symptomen von mentalem Stress und zur Schlafförderung» als «traditional use». Für die Anwendung als Tee werden 2-4 TL zerkleinerte Hopfendolden mit 150ml kochend-heissem Wasser übergossen und dann 10 bis 15 Minuten (mit geschlossenem Deckel) ausgezogen. Die Anwendung erfolgt bei nervöser Unruhe 2 bis 3x täglich, resp. bei Schlafstörungen jeweils vor dem Schlafengehen. Möglich ist auch die Anwendung mittels Tinktur (1:5, Ethanol 60%, Tagesdosis 1-2ml, bzw. 20 bis 40 Tropfen). Es sind ausserdem Fertigarzneimittel erhältlich. Für Kombipräparate mit Baldrian hat HMPC eine eigene Monographie veröffentlicht. Da hierzu klinische Studien die Wirkung bestätigen, wird diese Anwendung zur «Linderung von Schlafstörungen» sogar als «well-established use» anerkannt.

    Keine Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren und gleichzeitiger Einnahme von anderen Sedativa! Vorsicht bei langfristiger Anwendung (nur begrenzte Sicherheits-Datenlage)! Bei länger anhaltenden Beschwerden von über 2 Wochen sollte ein Arzt konsultiert werden! Bei Fertigarzneimitteln wird (als Vorsichtsmassnahme) jeweils auf eine möglicherweise verminderte Reaktionsfähigkeit nach der Einnahme hingewiesen !

Beschreibung

Der Echte Hopfen ist eine Liane, d.h. eine Pflanze, die zwar am Boden wurzelt, aber mit ihrem Spross entlang anderer Pflanze emporklettert. So gelangen diese, ohne einen mächtigen Stamm bilden zu müssen, in die lichtreiche Zone über der Pflanzendecke. Das Klettern geschieht über zahlreiche Windungen im Uhrzeigersinn mit denen sich der Stängel um die andere Pflanze (oder auch einen Pfosten, Draht, usw.) hochdrehen kann. Im Fall des Hopfens spricht man von rechtswindend, d.h. die Richtung der Windung erfolgt bezüglich der Wachstumsrichtung im Uhrzeigersinn. Für optimale Reibung sind die Stängel und Blätter mit hakigen Borsten ausgestattet. Die Art wächst an feuchten Standorten, wie Bach- und Flussufern oder auch in Auenwäldern und die Verbreitung erstreckt sich praktisch über das gesamte Europa.


Die oberirdischen Triebe sterben jeweils im Herbst ab und der Hopfen überwintert anschliessend in einem unterirdischen Rhizom. Dank der dort gespeicherten Stärke kann der Austrieb im Frühling sehr früh, d.h. bereits im März, erfolgen. Die Stängel wachsen dabei sehr schnell, mit 3 bis 10 cm pro Tag (im Frühsommer sind auch bis zu 30 cm möglich). Das Ziel ist dabei möglichst rasch in die Höhe (zum Licht) zu gelangen. Es bilden sich dabei auch sehr viele Seitenzweige. Die Bestäubung der Blüten erfolgt hauptsächlich über den Wind. Um dabei Selbstbestäubung zu verhindern, ist der Hopfen zweihäusig, d.h. ein Exemplar hat nur entweder nur männliche oder nur weiblichen Blüten. Bei den allseits bekannten «Hopfendolden», die man ab Spätsommer vorfindet, handelt es sich nicht um die Blüten, sondern um den unreifen Fruchtstand des Hopfens. Sie duften beim Zerreiben sehr intensiv aromatisch und dabei befinden sich die dafür verantwortlichen Duftstoffe (Ätherische Öle) in den gelben Drüsen im inneren des «Hopfendoldens», die auch «Lupulin» genannt werden. Das Lupulin bildet sich nach dem Ende der Blütenzeit, während dem der Blütenstand zu einem Fruchtstand heranwächst. Im Lupulin finden sich auch weitere wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, welche sowohl für den beruhigenden und antimikrobiellen Effekt wie auch für die Bitterkeit verantwortlich sind. Sie dienen als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde.


Hopfen ist den meisten Leuten bekannt als Bierzutat, doch diese Verwendung ist vergleichsweise neueren Datums, denn als Bierwürze wurden früher andere Kräuter (wie Gundermann, Schafgarbe, usw.) verwendet. Auch die medizinische Verwendung als Schlafmittel oder bei Nervosität hat noch keine so lange Geschichte. Zwar erwähnt Dioskurides im 1. Jahrhundert den Hopfen, jedoch nur im Zusammenhang als harntreibendes, «leberstärkendes» und «blutreinigendes» Mittel. Die sedierende Wirkung wird erst ab dem Hochmittelalter beschrieben. Genutzt wurden dabei vor allem Hopfenkissen oder Hopfensäcke, die auf den Kopf gelegt wurden oder auch Wein-Mazerate. Etwa zur gleichen Zeit setzte sich der Hopfen auch als Bierwürze durch. Erste Belege gibt es zwar bereits für das 9. Jahrhundert, doch zur Standart-Bierwürze in Mitteleuropa wird der Hopfen erst im 13. Jahrhundert. Mit dem bayrischen Reinheitsgebot im Jahr 1516 wurde der Hopfen dann in grossen Teilen Deutschlands fürs Bierbrauen gesetzlich verpflichtet. Die Bierwürze wird im Bier für die Haltbarkeit und das Aroma benötigt. Die Haltbarkeit ergibt sich einerseits durch die antimikrobielle Wirkung der Inhaltsstoffe, andererseits aber auch dadurch, dass damit beim Würzekochen (dank den in den Pflanzenteilen enthaltenen Gerbstoffen) die Eiweisse ausgefällt werden (die schlecht für Haltbarkeit sind) und dann oben im Schaum abgeschöpft werden können. Dass sich als Bierwürze der Hopfen (bzw. das Lupulin in den «Hopfendolden») durchgesetzt hat, liegt v.a. darin begründet, dass dessen konservierende Wirkung den anderen Kräutern deutlich überlegen ist. Dies vor allem gegen Milchsäurebakterien, die das Bier sonst sauer machen würden. Häufig liest man die Erklärung, dass sich der Hopfen durchgesetzt hätte, weil die Mönche damit ihre Libido gedämpt hätten: Hierzu gibt es jedoch keine schriftlichen Quellen, welche dies belegen würden.


In den geernteten Hopfendolden findet sich der Stoff «8-Prenylaringenin» (8-PN). Im frischen Hopfen findet sich 8-PN jedoch höchstens in Spuren. 8-PN entsteht vielmehr erst nach der Ernte durch Oxidation während der Lagerung, durch Erhitzen oder auch beim Konsum des Hopfens im Darm mittels Umwandlung durch Bakterien der Darmflora. 8-PN kann ähnlich wie Isoflavonoide an die Östrogenrezeptoren im Körper binden, hat jedoch mit eine vielfach stärkere Potenz. Die mit dem Konsum von Hopfen aufgenommenen Mengen sind jedoch es sehr gering und nach aktuellen Daten ist bisher keine hormonelle Wirkung durch den Konsum von Hopfen (oder Bier) in normalen Mengen belegt. Es gibt kleinere klinische Studien, welche hochdosierte Hopfenextrakte als Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden untersucht haben. Dabei zeigt sich u.a., dass sich die 8-PN-Bildung im Darm je nach Darmflora von Mensch zu Mensch stark unterscheidet, d.h. die Extrakte wirken bei manchen Frauen gut (den «High-Producern») und bei anderen (dem «Low-Producern») kaum.


Nebst der wilden Urform des Hopfens hat man bereits ab dem Mittelalter begonnen, besonders aromatische und ertragsreiche Pflanzen vegetativ zu vermehren, so dass sich mit der Zeit zahlreiche Sorten ausbildeten. Seit dem frühen 20. Jahrhundert begann man dann den Hopfen intensiv zu züchten, wodurch unzählige Zuchtsorten mit unterschiedlichen Aromaprofilen und Bitter-Intensität entwickelt wurden. Während in der Züchtung mit der generativen Vermehrung gearbeitet wird, wird der Hopfen für den kommerziellen landwirtschaftlichen Anbau ausschliesslich vegetativ vermehrt. Denn erstens will man in den Kulturen nur weibliche Exemplare (männliche Exemplare bilden keine «Hopfendolden») und zweitens will man eine kontrollierte, gleichbleibende Qualität der Pflanzen gewährleisten.. Auch wenn die Blüten unbefruchtet bleiben, bilden sich «Hopfendolden», einfach ohne Samen drin und mit deutlich mehr Lupulin.

 

mögliche Verwechslungen

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