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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Echter-/Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis)
Illustration des Arznei-Baldrians (Valeriana officinalis) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. wie gefiederte Blätter, gegenständig, endständige Trugdolde, usw.

Familie: Geissblattgewächse (Caprifoliaceae), Gattung: Baldrian (Valeriana)

"In Mitteleuropa häufig vorkommende Heilpflanze, die bei Schlaf- und Stressgeschichten eingesetzt wird und dessen Name wohl jeder schon mal gehört hat. Kulinarisch eher untergeordnet."

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Blätter: gegenständig (oft auch mit Grundrosette); gefiedert; mit 6 bis 12 Blattpaaren, Blattstiel u-förmig und etwas dem Stängel herablaufend

Stängel: bis 1.8 m hoch; kantig; erst oben bei den Blütenständen verzweigt; hohl; kahl oder behaart


Blüten: in endständigen, dicht gepackten Trugdolden angeordnet; Einzelblüten mit 5 weissen bis rosa Kronblätter, die unten zu einer Kronröhre zusammengewachsen sind; süsslicher, aber auch etwas unangenehmer Duft (nach «Käsefüsse»), blüht Mai bis August


Früchte: 2 bis 5 mm lange Achäne; kahl oder behaart; mit 4 bis 7mm langem federigem Pappus


Zeigerwerte:  halbschattig, sehr feucht (stark wechselnd), kalkhaltig


typische Standorte: wechselfeuchte Wegränder, Waldränder, Krautsäume und Ufer, Moore

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. Valerensäure), Valepotriate, Irdidoide, Flavonoide


*Giftigkeit: enthält (v.a. in der Wurzel) Stoffe, die möglicherweise bei (starker) Überdosierung zu Müdigkeit, Zittern und Magenkrämpfen führen können!  Bei den in den Baldrianwurzeln vorkommenden Valepotriate werden in in-vitro Untersuchungen zytotoxische («zellschädigende») Wirkungen beobachtet. Die innerliche Einnahme dürfte jedoch trotzdem unbedenklich sein, da die Valepotriate schlecht absorbiert werden, resp. rasch zu ungefährlichen Verbindungen abgebaut werden. Präparate im Handel sind oft Valepotriat-frei.


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


Verwendung in der Phytotherapie*: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • Schlaflosigkeit, Nervosität und Unruhe: Der Wurzeltee kann bei Schlaflosigkeit, Nervosität und Unruhe eingesetzt werden. Baldrian ist dabei jedoch kein Instant-Beruhigungsmittel, denn die Wirkung tritt in Studien gegenüber Placebos erst nach 1-2 Wochen mit regelmässiger Einnahme ein. Eine Instant-Wirkung durch die Gabe eines Extraktes konnte zwar in eine Studie aus dem Jahr 2007 festgestellt werden, doch um den Sachverhalt weiter zu klären, müssten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Die Wirkung ist generell auch eher schwach, dafür aber kein Abhängigkeitspotenzial wie bei den modernen Schlafmitteln vorhanden. Das genaue Wirkprinzip und die daran beteiligten Inhaltsstoffe (u.a. Ätherische Öle wie Valeriensäure, aber auch Flavonoide) sind immer noch nicht bekannt. Es wird ein Zusammenspiel von mehreren Wirkstoffen vermutet. HMPC anerkennt die Anwendung zur Milderung von milden Symptomen von mentalem Stress zur Schlafunterstützung als «traditional use». Für eine Tasse Tee werden gemäss HMPC 0.3 bis 3g (bzw. nach Wichtl 1 TL) der zerkleinerten und getrockneten Wurzeln verwendet. HMPC nennt in der Monographie auch diverse Tinktur-Rezepturen (wie z.B. 1:5, Ethanol 70%). Bei Letzterem beträgt die Einzeldosis 1.5 ml (30 Tropfen). Bei mentalem Stress erfolgt die Anwendung 3x täglich. Zur Unterstützung des Schlafes eine wird eine Tasse (bzw. 3ml / 60 Tropfen der Tinktur 1:5 / 70%) eine halbe bis ganze Stunde vor dem Schlafengehen eigenommen. Für Kombipräparate mit Hopfen hat HMPC eine eigene Monographie veröffentlicht. Da hierzu auch klinische Studien die Wirkung bestätigen, wird diese Anwendung zur «Linderung von Schlafstörungen» sogar als «well-established use» anerkannt.


Tee aus den Wurzeln des Arznei Baldrians (Valeriana officinalis) gegen Schlafstörungen, Nervosität oder Unrufe

Beschreibung

Der Name Baldrian ist wohl den meisten Leuten ein Begriff und viele verknüpfen ihn mit einem nachgesagten „beruhigenden Effekt“. Hingegen ist den wenigsten Menschen diese in Mitteleuropa oft vorkommende und hier heimische Wildpflanze draussen schon einmal aufgefallen. Während der Arznei-Baldrian im Flachland die häufigste Baldrian-Art ist, findet man in den Bergen zahlreiche weitere Baldrianarten, die verhältnismässig früh im Jahr beginnen zu blühen. Der Arznei-Baldrian überwintert entweder zurückgezogen im Rhizom oder auch mit einer Blattrosette. Der Austrieb des Stängels erfolgt im Frühling und ist durch ein rasches Wachstum gekennzeichnet.


Die Blätter kann man auch im Salat nutzen, haben aber kaum Geschmack. Auch die stark süsslich duftenden Blüten sind kulinarisch nutzbar, wobei deren Geruch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Während der Geruch / Geschmack der Blüten und Wurzeln (für uns Menschen) eher unangenehm ist («Käsefüsse»), fahren viele Katzen voll darauf ab, was auch der Grund für den Zweitnamen «Katzenkraut» ist. Die für diesen Geruch verantwortlichen Stoffe sind ähnlich aufgebaut wie Pheromone, welche Katzen während der Paarungszeit absondern. Deshalb werden die kuscheligen Vierbeiner magisch von diesem Geruch angezogen und können dabei eine Weile lang ganz wild und verrückt werden. Paradoxerweise gibt es aber auch Katzen, die immun darauf sind.

 

mögliche Verwechslungen

Berg-Baldrian (Valeriana montana) (mit Vorsicht) ungiftig / essbar, ähnliche kulinarische Verwendung


Der Berg-Baldrian kommt im Jura und in den Alpen auf steinig-schuttigem Gelände vor. Er ist phytotherapeutisch weniger intensiv untersucht und wird offiziell nicht als Arzneipflanze genutzt.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, schuppiges Blattmuster, Blattrand ganzrandig bis gezähnt

  • Farbe und Form von Blütenstand / Einzelblüten


Unterschiede (u.a.)

  • kleiner Wuchs (10-40cm)

  • Blätter eiförmig, nicht gefiedert

  • Stängelblätter sitzend bis kurz gestielt

  • Grundblätter lang gestielt, Blattstiel geflügelt (rasch verschmälernd)

  • Vorkommen auf kalkigen Schutthalden und Hängen im Gebirge (v.a. über der Baumgrenze)


Unterschiede des Berg-Baldrians bezüglich des Arznei-Baldrians: links Blütenpflanze mit rosa Blüten, rechts Blätterdetails. Text zeigt Unterschiede: ungegliedert, eiförmig, gezähnt.

 

Kleiner-/ Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica) - (mit Vorsicht) ungiftig / essbar, ähnliche kulinarische Verwendung


Auch der Sumpf-Baldrian hat in sowohl in der Volksheilkunde als auch der modernen Pflanzenheilkunde keine Bedeutung. In der Schweiz liegt sein Hauptverbreitungsgebiet vor allem im Jura und den Voralpen, wo man ihn im Frühling oft auf nassen Wiesen vorfindet. Im Gegensatz zu anderen Baldrian-Arten ist der Sumpf-Baldrian zweihäusig, d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Exemplaren. Die männlichen Blüten sind mit 3 mm deutlich länger als die Weiblichen (1 mm). Dafür sind die weiblichen Trugdolden deutlich dichter bepackt als die Männlichen.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, schuppiges Blattmuster

  • Farbe und Form Blütenstand / Einzelblüten


Unterschiede (u.a.)

  • kleiner Wuchs (10-30cm)

  • Blätter können statt gefiedert auch nur einen leierförmig eingeschnittenen Blattrand aufweisen

  • nur 2-4 Fiederpaare, Fiedern ganzrandig, Endfieder oval und stark vergrössert 

  • untere Blätter ungeteilt, oval

  • zweihäusig

  • Vorkommen auf nassen Wiesen, Mooren und in Auenwäldern


Unterschiede des Berg-Baldrians bezüglich des Sumpf-Baldrians:Vergleich: Links gefiederte Blätter, rechts rosa Blüten. Beschriftungen zeigen Unterschiede der Blattformen. Grasiger Hintergrund.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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