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Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Schafgarbe (Achillea)
"Ein Superkraut: sowohl kulinarisch, heiltechnisch als auch optisch. Sie ist sowohl im Flachland, als auch in den Alpen weit verbreitet. Die Art blüht erst ab Sommer, dann jedoch konstant bis in den Frühwinter hinein."
Bestimmung
Blattanordnung: jung nur Blätter aus Grundrosetten; ab Sommer dann Stängelbildung mit wechselständigen Stängelblättern; untere Blätter gestielt, obere Blätter sitzend
Blätter: lanzettlich, 10 bis 20 cm lang; 2-3-fach fiederlanzettlich; Mittelabschnitt etwas breiter (stellt ein geflügelter Mittelnerv dar), in 1. Ordnung ca. 12-50 Abschnitte, ab 2. Ordnung weniger
Stängel: 20 bis 80 cm, hoch; erst im Blütenstand verzweigt; kahl bis behaart
Blüten: kleine Blütenkörben in endständigen Trugdolden angeordnet; blüht ab Mai bis Oktober
Blütenkörbe: ca. 4 bis 8 mm breit; mittig wenige Röhrenblüten; aussen 4-6 (meist weiss bis rosa) Zungenblüten, die meist leicht breiter als lang sind
Früchte: eiförmige, leicht abgeflachte und Achäne; 1.5 bis 2 mm lang; ohne Pappus und kahl
Zeigerwerte: hell, mässig trocken, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Wiesen, Weiden, Halb-Rruderalflächen, helle Wegränder; kommt vom Tiefland bis weit über die Baumgrenze vor
Fotos







Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, wenig Schleimstoffe
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (würzig, herb > mehr dazu): würzige Salatbeigabe, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Tee, Likör, Kräuteressig, Kräuteröl,
Blüten (würzig, herb > mehr dazu): würzige Salatbeigabe, essbare Dekoration, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Tee, Likör, Kräuteressig, Kräuteröl, Sirup, "Honig", Gelée,
Früchte (fade, herb > mehr dazu): Beigabe im Salat, Müesli, Joghurt usw.
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Auch wenn die volksheilkundlichen Angaben als „Allerheilskraut“ übertrieben sind (es kann medizinisch gesehen keine „Allerheilskräuter“ geben), hat die Schafgarbe aufgrund der zahlreichen verschiedenen darin enthaltenen Wirkstoffen dennoch ein breites Wirkspektrum. Denn sie vereinigt sowohl Gerbstoffe, Ätherische Öle, als diverse Flavonoide und Bitterstoffe (u.a. Sesquiterpenlactone). Dabei ergeben sich sowohl lokal antientzündliche, antimikrobielle, blutstillende, als auch krampflösende, appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkungen. Für einen Tee werden 2 bis 4 TL des zerkleinerten Krautes in 150ml für 10min zugedeckt im heissen Wasser ausgezogen. Um die Gerbstoffe und (für die Verdauung wichtigen) Bitterstoffe herauszulösen, eignen sich auch Tinkturen mit niedrigem Alkoholgehalt (ca. 25 bis 40 Vol%). Bei Tinkturen mit hohem Alkoholgehalt oder Ölauszügen sind die Gerbstoffe kaum löslich, dafür können dann umso mehr die Ätherischen Öle aufgeschlossen werden. Mit der Herstellung einer Creme für die äusserliche Anwendung können sowohl die Gerbstoffe (durch die Tinktur oder den Teeauszug der Wasserphase), als auch die Ätherischen Öle (in der Fettphase) genutzt werden.
Wunden (Blutstillung und Desinfektion): Dafür eignen sich Umschläge aus dem Schafgarben-Teeauszug
Hautentzündungen / Neurodermitis (nasses Ekzem): Mit Anwendung erfolgt mittels Umschlägen aus dem Schafgarben-Teeauszug. Die Umschläge werden ca. 3x am Tag für 1-2h aufgelegt und dabei sind sie alle 10-20min zu erneuern (sobald sie warm und trocken sind). In der Zeit zwischen zwei Umschlägen werden feuchte Kompressen aufgelegt (resp. locker angebracht). Weiter gebräuchlich sind auch Schafgarben-Cremes. Es ist auch eine Behandlung mittels Hand-, Fuss-, Sitz- oder Vollbäder möglich. Als Badezusatz werden 20g des Krautes auf 20l Wasser verwendet. Die Therapie darf jeweils nicht länger als 2-3 Wochen angewendet werden ist
Entzündungen im Mund-Rachenraum: Mehrmals täglich den Schafgarben-Teeauszug gurgeln.
Entzündung von Zähnen und Zahnfleisch: An den Blütenständen herumkauen
Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen: Verwendet wird der Tee aus den Blättern oder Blüten
Durchfall: Mehrere Tassen des Schafgarbe-Tees (Blätter oder Blüten) über den Tag verteilt trinken.
Appetitlosigkeit: Verwendet werden Blätter oder Blüten, am besten in Form von Tee.
Krampfartige Regelschmerzen: Krampflösende Pflanzenarten wie z.B. die Schafgarbe, werden nicht nur bei Bauchkrämpfen im Zuge von Verdauungsbeschwerden, sondern auch im Zusammenhang mit Regelschmerzen genannt. Nebst der Einnahme aus Tee sind auch Einsalbungen am mit Salben / Cremes gebräuchlich. Diese werden am Unterbauch mehrmals pro Tag eingerieben.

Beschreibung
Die Schafgarbe ist ein Wildkraut mit Superpower in allen möglichen Bereichen: Sowohl kulinarisch, heiltechnisch, als auch optisch als Augenweide. Zusätzlich ist sie auch noch mythologisch stark verankert. Sie ist nicht nur in fast ganz Europa, sondern auch weiter im Osten, d.h. in Zentralasien / Sibirien bis China/Japan heimisch. Auch in Nordamerika hat sie sich mittlerweile eingebürgert und sich mit dort heimischen Schafgarben-Arten gekreuzt. Ausgebreitet hat sich die Schafgarbe auch in Patagonien, Südafrika und Neuseeland.
Bei uns in Mitteleuropa trifft man die Gemeine Schafgarbe nahezu auf allen möglichen Höhenstufen an, egal ob im Tiefland oder über der Baumgrenze in den Alpen bis auf 3’000 m ü. M. Sie bevorzugt trockene Standorte und ist häufig auf Fettwiesen zu finden, die regelmässig, aber nicht zu oft geschnitten werden (ca. 2 bis 3x pro Jahr). Bei mehr Schnitten oder zu intensiver Düngung verschwindet sie. Die Gemeine Schafgarbe ist durch ihre Trittfestigkeit auch oft auf Weiden zu finden. Für das Vieh ist sie nicht gerade das beliebteste Kraut des Wiesen-Buffets und wenn sie mal verbissen wird, kann sie sich rasch wieder regenerieren. Bei zu intensiver Nutzung (Verbisse / Tritte, usw.) verschwindet sie jedoch. Nicht zuletzt kommt der Name der Art daher, dass sie oft auf Schafweiden wächst und sie früher von den Hirten bei Schafen als Heilmittel gegen Durchfall und Wunden verwendet wurde. Im Gebirge findet man die Schafgarbe vor allem auf Wiesen, die regelmässig beweidet werden. Nicht zuletzt gehören auch Ruderalflächen mit leichter Humusauflage an warmen Standorten zum Terrain der Gemeinen Schafgarbe.
Die Schafgarbe wächst oft rasenartig in dichten Beständen. Das hat mit ihren unterirdischen horizontalen Rhizomen zu tun, mit denen sie sich rasch ausbreiten kann (sofern die Lichtverhältnisse stimmen). Die Triebe des Rhizoms können selbst wieder Wurzeln schlagen, resp. nach Beschädigung durch Verbiss, Trittschaden oder Trockenschäden wieder neue oberirdische Triebe bilden. Das Rhizomgeflecht wirkt im Boden selbst auch schützend vor Bodenerosion.
Die Gemeine Schafgarbe blüht erst spät im Jahr, oft erst ab Sommer. Doch danach blüht sie konstant und meist noch den Herbst hindurch, bis in den frühen Winter hinein (in der Regel dem ersten Frost). Bestäubt werden die Blüten von einer Vielzahl an Insektenarten, von Bienen über Fliegen, Käfer bis Schmetterlinge. Die Blütenkörbe als Teilblütenstände sind sehr kompakt ausgebildet, was ein guter Landplatz für die Insekten bietet. Die breiten Zungenblüten sind in der Regel steril und dienen nebst als Ladeplatz, auch zur optischen Anlockung. Sie sind in der Regel weiss in der Farbe, können aber besonders im Gebirge auch rosa gefärbt sein und zwar als Anpassung an die höhere UV-Strahlung durch einen einen höheren Gehalt an Anthocyanen. Die Röhrenblüten in der Mitte produzieren Nektar, der durch die offene Blütenmorphologie sowohl von kurz- als auch langrüsseligen Arten erreicht wird. Die Schafgarbe ist eine beliebte Nahrungspflanze für Insekten, die noch im Spätsommer und Herbst aktiv sind. Blütenstände werden über die mehrere Monate lange Blütenzeit ständig neu gebildet, auch nach Schnitten auf der Wiese.
Anders als viele Korbblütler, haben die Achänen der Schafgarbe keinen angehängten Pappus, bzw. dieser wurde evolutionär komplett reduziert. Die Samen fallen stattdessen einfach mit der Schwerkraft zu Boden. Damit ist die Schafgarbe eher darauf optimiert, sich lokal auf etablierten Standorten zu verbreiten und dort Lücken in der Vegetations- bzw. Grasdecke zu besiedeln. Deshalb ist die Schafgarbe auch nicht flächendeckend über ein ganzes Gebiet dominant. Doch wo sie mal Fuss gefasst hat, bildet sie in der Regel dichte Bestände. Die Samen sind über Jahrzehnte im Boden keimfähig, wodurch sie auch Jahre nachdem sie von anderen Pflanzenarten überwachsen wurden, nach Störungen in der Vegetationsdecke einen Standort rasch wiederbesiedeln können. Obwohl die Früchte glatt sind, haften sie sich teilweise an die Hufen oder ans Fell von Tieren (z.B. dem Weidevieh), wodurch sie auf kurze Distanzen auch entlang von Tierpfade verbreitet werden können.
Die bodennahen Blätter der Grundrosetten sind teilweise wintergrün und auch frosthart, wodurch man die Art nahezu das ganze Jahr sammeln kann. Wintergrün bleiben die Blätter teils auch in den Bergen unter dem Schutz der Schneedecke. Dies erlaubt es ihr, sobald der Schnee weggeschmolzen ist (was an ihren bevorzugten Standorten meist verhältnismässig früh ist) rasch zu beginnen. Zum Sammeln lohnt es aber trotzdem bis zur Vollblüte zu warten: Denn dann ist das Aroma und der Wirkstoffgehalt am grössten. Auch das im Gebirge gesammelte Kraut duftet meist intensiver als dasjenige im Flachland.
Die Kombination aus dem würzigen Aroma (aufgrund der enthaltenen wertvollen Ätherischen Ölen) und den enthaltenen Bitterstoffen, macht die Schafgarbe nicht nur als bitter-würziges Würzkraut interessant, sondern macht sie auch zu einer idealen Zutat für verdauungsfördernde Bitterliköre. Früher wurde mit der Schafgarbe auch Bier aromatisiert (statt Hopfen). Bereits für die Antike ist die Verwendung der Gemeinen Schafgarbe als beliebtes Heilkraut belegt. Alte Volksnamen wie «Soldatenkraut» oder «Wundkraut» deutet darauf hin, dass es bei blutigen Schlachten durch seine blutstillende und wundheilende Wirkung genutzt und geschätzt wurde. Auch als Mittel bei Verdauungsbeschwerden und als krampflösendes Mittel bei Menstruationsbeschwerden hat eine lange Tradition.
Die Schafgarbe erhielt ihren deutschen Namen vom griechischen Kriegsheld Achilles, der sie angeblich nutzte, um die Wunden seiner Krieger nach der Schlacht um Troja zu heilen. Bereits bei den Römern und Griechen, aber auch später im heidnischen Aberglauben war die Schafgarbe eine wichtige Pflanze für Schutz- und Liebeszauber und Vorhersagen, vor allem in den Bräuchen um die Sommersonnenwende und des Spätsommers. So legte man die Pflanze z.B. unter das Kopfkissen, um den zukünftigen Liebespartner zu erträumen. Es wurde auch zusammen mit anderen magischen Sommerkräutern zu Bündeln geflochten, sei es für das rituelle Räuchern oder um sie zum Schutz vor Unglück an die Türe aufzuhängen. Im Christentum hat die Schafgarbe eine wichtige Bedeutung bei der Kräuterweihe zu Maria Himmelfahrt (am 15. August). Dort gehört sie zu den sieben Hauptheilkräutern und steht dort symbolisch als «Blutkraut» für Lebenskraft und Heilung.
mögliche Verwechslungen
Schwarze Schafgarbe (Achillea atrata) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Die Schwarze Schafgarbe kommt in den höheren Lagen der Alpen vor, wo sie vor allem Kalk-Schutthalden, Moränen und Felsrasen über der Waldgrenze besiedelt. Auch wenn sie kalkhaltiger Boden bevorzugt, findet man sie selten auch über Kristallingestein (vor allem an Standorten wo durch regelmässige Staubzufuhr jeweils etwas Kalk eingetragen wird). Geschmacklich ähnelt sie der Gemeinen Schafgarbe, ist jedoch etwas bitterer. Sie kann kulinarisch und auch heiltechnisch analog verwendet werden und hat in gewissen Regionen der Alpen auch eine Tradition hierzu. Die schwarz berandeten Hüllblätter wurden als Zeichen einer darin enthaltenen inneren Erdkraft gedeutet. Man verstand die Schwarze Schafgarbe als ergänzende Erd- und Nachtform gegenüber der Gemeinen Schafgarbe, in der man eher eine Lichtpflanze sah. So sagt ein alter Tirolerspruch «Zwei Garben hat die Erde. Die Weisse für das Leben, die Schwarze für das Herz». Die Schwarze Schafgarbe galt auch Übergangspflanze in den Tod und wurde auf dem Sterbebett unter das Kopfkissen von Sterbenden gelegt, resp. für Räucherrituale verwendet.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter fiederlanzettlich mit dickerem Mittelabschnitt; Blütenkopfe in Trugdolde
Unterschiede (u.a.)
pro Seite nur ca. 6 bis 12 Zipfel, diese etwas breiter (ca.1mm) breit
Blütenköpfe grösser (Durchmesser ca. 1.5cm); Trugdolde nur mit ca. 3 bis 10 Blütenköpfen; Hüllblätter schwarz berandet


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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