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Jahreskreisfeste
Andreasnacht (Nacht zum 30.November)
Maria-Himmelfahrt (15. August)
Allerheiligen / Samhain / Halloween
Auch in der modernen Welt begleiten uns zahlreiche traditionelle, mittlerweile auch säkular gelebte Jahreskreisfeste, wie z.B. Ostern oder Weihnachten. Diese stammen zwar aus dem Christentum, doch deren wahren Ursprünge liegen im viel älteren heidnischen Glauben. Immer an einem bestimmten Tag im Jahr wiederkehrende Feste, die innerhalb der Familie oder der Gemeinschaft praktiziert werden, waren seit je her ein wichtiger Teil der Kultur. An diesen Tagen holte man sich z.B. den Segen für eine gute Ernte oder es wurde durch Opfergaben sicherstellt oder dass der Winter auch wirklich vertrieben wird, der Frühling einsetzt. Weiter versprach man sich an diesen Tag durch geeignete Rituale eine besonders Starke Wirkung zum Schutz vor Unglück, resp. Glück im Leben. Pflanzen spielten in den Ritualen der Jahreskreisfeste meist eine wichtige Rolle.
Die Termine der Feste waren inspiriert durch den Sonnenstand, Mondphase und Sternenhimmel. Besonders Sonnenwenden und Tag-/Nachtgleichen spielen dabei eine grosse Rolle. Im Winter spielte vor allem der Ahnenkult eine grosse Rolle, aber auch Hoffnung und die Vorschau aufs nächste Jahr durch Orakel. Die Feste im Frühling standen dann meist mit Reinigung, Fruchtbarkeit, Erneuerung und Kreativität in Verbindung. Im Sommer geht es dann mit den ersten Ernten um Dankbarkeit, aber auch Lebensfreude und Ehrung von Sonne und Lichte. Auch die herbstlichen Ernten mit Dankbarkeit begegnet, gleichzeitig stehen die Feste im Herbst aber auch für Wandlung und Rückzug. Eine wichtige Bedeutung haben die Sonnenwenden (Wintersonnenwende am 21. Dezember und Sommersonnenwende am 21. Juni), sowie die zwei Tag- und Nachtgleichen (20. März und 23. September). Daneben gab es aber auch Feste, die dem Mondrhythmus geweiht sind.
Übrigens: Wie der Tag generell bei den Kelten und Germanen immer am Vorabend begann, so tun es auch jeweils die Festtage.
Bei den nun vorgestellten Jahreskreisfesten wird der Fokus die Feiertage gelegt, die einen starken Pflanzenbezug aufweisen.
Barbaratag (4. Dezember)
Es handelt sich um einen christlichen Feiertag, welcher der Heiligen Barbara, gewidmet ist. Sie wurde der Legende nach ca. 300 nach Christus aufgrund ihrer Bekehrung zum christlichen Glauben von ihrem Vater hingerichtet. Am Tag der Hinrichtung blühte dann ein Kirschzweig, der bei der Verhaftung an ihrem Kleid hängen blieb. Daraus entstand der Brauch der «Barabarazweige» aus Zweigen von Kirsch- oder Obstbäumen (/-sträucher). Diese werden am Barbaratag (möglichst von jungen Frauen) gesammelt und so behandelt, dass sie bis Heiligabend zu blühen beginnen. Dazu werden die Zweige in über Nacht ins Wasser gelegt und anschliessend in einer Vase an einen hellen Ort gestellt. Zweige die bis spätestens Heiligabend blühen, galten als gutes Orakel fürs nächste Jahr, während ein Ausbleiben des Blühens Unglück ankündigt. Der Vater von Barbara starb übrigens als Strafe Gottes durch Blitzschlag. Hierbei liegen auch die Ursprünge der Heiligen Barbara gegen plötzliche Todesursachen, sei dies in im Bergbau, im Krieg oder bei Blitzeinschlägen. Der Heiligen Barbara ist auch das würzig-scharfe, gleichzeitig aber auch wintergrüne Barbarakraut gewidmet.

Andreasnacht (Nacht zum 30. November)
Es ist der Todestag des Heiligen Andreas, einem der 12 Apostel von Jesus. Er erlitt in Griechenland einen Märtyrertod, indem er an einem X-förmigen Kreuz gekreuzigt wurde (das in der Form auch «Andreaskreuz» genannt wird). Die Andreasnacht galt, wie der Barbaratag, als «Losnacht», d.h. einer Nacht wo man mit einem Ritual etwas über seine Zukunft erfahren konnte. Solche speziellen Losnächte gab es über die Wintermonate mehrere davon. Da Andreas u.a. als Schutzheiliger von Liebespaaren und der Ehe gilt, waren an diesem Tag vor allem Voraussagen für das Liebesleben möglich. Dabei gaben es viele verschiedene Rituale wie man dies bewerkstelligen konnte. Eines davon bestand darin, ähnlich wie am Barbaratag, Zweige von Kastanien, Birken, Weiden, Flieder oder Obstbäumen (welche den Frühling symbolisieren) bis Weihachten zum Blühen zu bringen. Blüte bis dahin der Zweig, standen die Zeichen gut, dass das Mädchen im nächsten Jahr heiraten würde.
Luzienfest (13. Dezember)
Bei der Heiligen Luzia, der dieser Tag gewidmet ist, handelt sich ähnlich wie bei der Heiligen Barbara, um eine christliche Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert. Am Luzientag werden vor allem in Skandinavien lichtreiche Feste gefeiert. Auch dieser Tag, resp. die Nacht zuvor galt als «Losnacht», wo ähnlich wie am Barbaratag, versucht wird Obstbaumzweige bis Weihnachten zum Blühen zu bringen und das dann Ergebnis als Weissagung für den Erfolg im nächsten Jahr gewertet wird.
Weihnachten (25. Dezember)
Weihnachten fällt auf die Zeit der Wintersonnenwende, die schon bei den Heiden einen wichtigen Stellenwert als «Wiedergeburt der Sonne bzw. des Lichts» hatte. So wurde im vorchristlichen Rom jeweils am 25. Dezember der Geburtstag des Sonnengottes «Sol invictus» gefeiert und auch bei den Germanen fand in dieser Zeit das Wintersonnenwendefest «Jul», bzw. den Kelten «Alban Arthan» statt. Die ersten Christen kannten noch kein «Weihnachten». Man war sich uneinig über das Datum der Geburt Jesu, denn dieses wird im Neuen Testament nirgends erwähnt. Der 25. Dezember wurde dann erst im späten Rom erwähnt. Warum genau auf dieses Datum gesetzt wurde, dazu gibt es zwei Theorien. Nach der «Berechnungssypothese» wurde dieses Datum auf Basis von biografischen Daten von Jesus in alten Schriften berechnet, während die «Religionsgeschichtliche Hypothesen» besagt, dass es eine Reaktion auf heidnische Bräuche war. Spätestens mit Karl des Grossen wurde Weihachten in Mitteleuropa als wichtiger Feiertag eingeführt.
Die Tradition mit dem geschmückten Weihnachtsbaum entstand dann aber erst im Spätmittelalter. Dass in den heidnischen Kulturen um die Wintersonnenwende immergrüne Pflanzen ins Haus geholt wurden (als Symbol von Stärke, Gesundheit und Fruchtbarkeit oder auch zur Abwehr böser Geister, resp. Anziehung guter Geister), hatte aber bereits vorher schon eine lange Tradition.
Raunächte
Die Zeit der Raunächte erstreckt sich zwischen dem Luzienfest (13. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Januar), teilweise aber auch nur von Weihnachten bis Silvester. In dieser besonders dunklen Jahreszeit um die Wintersonnenwende herum (insbesondere deren Nächte) war man der Anderswelt so nah wie nie. Dabei waren in dieser Zeit nicht nur die Seelen verstorbener Ahnen besonders umtriebig, sondern auch die bösen Geister und Dämonen. Ein wichtiges Ritual in den jeweiligen Nächten war das Räuchern (v.a. mit Beifuss, Wacholder, Salbei, usw.) um diese negativen Einflüsse auszutreiben. Geräuchert wurde im Kreis der Familie, und zwar schrittweise durch alle Räume und auch den Stall hindurch. Dabei wurden immer wieder Segensprüche oder Gebete gesprochen. Der Brauch der Raunächte taucht ab dem Mittelalter auf und war teils heidnisch und teils auch kirchlich geprägt (besonders in katholischen Gebieten). Die Ursprünge dürften auf Jahreswechselrituale vorchristlicher Traditionen zurückgehen.

Fasnacht
Ende Winter, wenn die Tage erstmal wieder spürbar länger werden, ist es dann Zeit den Winter endgültig zu verreiben. Entsprechende lärmreiche Zeremonien wurden bereits bei den heidnischen Kulturen durchgeführt. Insbesondere bei den Kelten hatten auch Verkleidungen mit Masken eine wichtige Bedeutung, welche entweder Dämonen darstellen sollen oder mit denen man die Winterdämonen erschrecken und vertreiben wollte.
Frühlingsbeginn
Die Zeit der Tag- und Nachtgleiche war in den heidnischen Kulturen vor allem mit Fruchtbarkeits- und Erneuerungsritualen verbunden. Vor allem die Göttinen, die für Fruchtbarkeit standen, wurden in dieser Zeit besonders geehrt. Auch die Christen übernahmen diese Tradition und legten das Marienfest auf den 25. März (schliesslich vereinigte die Gottesmutter Maria von nun an diese alten heidnischen Fruchtbarkeitsgöttinnen). Viele der in dieser Zeit bereits blühenden Pflanzenarten wie Gänseblümchen, Schlüsselblume, Veilchen, Schneeglöckchen und Ehrenpreis sind sind deshalb in der christlichen Mythologie Maria geweiht.
Palmsonntag
Der Palmsonntag gehört zum christlichen Brauchtum und wird jeweils eine Woche vor Ostern gefeiert. An diesem Tag wird an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Laut der Bibel soll Jesus dabei auf einem Esel geritten sein und wurde dabei von den Menschen mit Palmzweigen zugejubelt. Zur Feier des Palmsonntags werden in der katholischen Kirche Palmzweige von den Priestern gesegnet und führt sie im Rahmen der Palmprozession feierlich in die Kirche. Da in Mitteleuropa keine Palmen wachsen, werden dazu stattdessen Weidekätzchen oder Zweige des Buchsbaums verwendet, die zu Sträusschen zusammengebunden wurden.

Ostern
Ostern wird jeweils am ersten Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche gefeiert und hat deshalb jedes Jahr ein anderes Datum, dass sich aber jeweils zwischen Ende März und Ende April bewegt. An Ostern wird die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach seiner Kreuzigung gefeiert. Ostern ist eng mit vorchristlichen Frühlingsfesten verbunden, die das Erwachen der Natur und die Wiedergeburt des Lebens feierten.
In Populären Quellen wird der Name „Ostern“ auf eine angebliche germanische Frühlingsgöttin Ostara zurückgeführt. Ob tatsächlich solch eine Göttin Ostara von den germanen verehrt wurde, gilt fachlich als umstritten. Vielmehr geht das Konzept von Ostara von einer Rekonstruktion von Jacob Grimm aus, der den Name Ostern mit der Frühlingsgöttin "Eostrae" (dessen Existenz ebenso umstritten ist, bzw. möglichweise einfach ein anderer Name für Freya darstellt) zu erklären versuchte.
Der Gründonnerstag ist der Tag vor Karfreitag (der Kreuzigung Jesu 3 Tage vor Ostern). An diesem Tag wird an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnert. Die Bezeichnung könnte vom mittelhochdeutschen Wort „grînen“ (= „weinen, klagen“) stammen. Eine andere Theorie besagt, dass „Grün“ sich auf die Tradition bezieht, nach der an diesem Tag grüne Speisen gegessen werden. Eine der bekanntesten Traditionen des Gründonnerstags ist das Essen der „Gründonnerstagssuppe“, einer Suppe aus neun frischen Frühlingskräutern. Das frische Grün symbolisiert Leben, Heilung und Erneuerung. Die genaue Zusammensetzung der Suppe variiert regional, aber häufig werden folgende Wildkräuter verwendet: Brennnessel, Bärlauch, Löwenzahn, Gundermann, Sauerampfer, Schafgarbe, Spitzwegerich, Giersch, Taubnessel. Der Ursprung der Gründonnerstagsuppe geht vermutlich auf die Germanen zurück, bei denen die Zahl 9 eine besonders heilige Bedeutung hatte.

Walpurgisnacht (1. Mai)
Die keltische Bezeichnung für dieses Fest war Beltaine und wurde mit Feuerzeremonien zelebriert. Feuerrituale waren dabei ein zentrales Element, die Neubeginn, Schutz und Fruchtbarkeit fördern sollten. Im Mittelalter begann das Christentum diese Bräuche zu dämonisieren. Es hiess, dass die Hexen in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai besonders aktiv seien und sich zum «Hexensabbat» treffen.
Mit ihren Besen sollen sie dabei zu Hexentreffen an den sogenannten Hexentanzplätzen fliegen, die meist auf Berggipfeln oder anderen mythischen Orten vermutet wurden. Besonders der Brocken im Harz galt als vermuteter zentraler Treffpunkt, da er oft von dichten Nebelschwaden umhüllt ist und durch sein raues, unzugängliches Terrain eine geheimnisvolle Atmosphäre ausstrahlt. Es hiess dann beispielsweise, die Hexen würden an diesen Treffen den Teufel huldigen, ihm ihre Treue schwören und sich ihm unterwerfen. In dieser Nacht mussten Haus und Hof besonders mit Hexenabwehrpflanzen geschützt werden. Heute wird die Walpurgisnacht vielerorts als Volksfest mit Feuer, Tanz und oft einer augenzwinkernden Darstellung des alten Hexenglaubens gefeiert.

Der Name Walpurgisnacht leitet sich von der Heiligen Walburga (auch Walpurga oder Walpurgis) ab, einer christlichen Äbtissin aus England. Sie kam um das Jahr 750 nach Deutschland, um bei der Christianisierung der germanischen Stämme mitzuwirken. Der Gedenktag zu Ehren Walpurgas wurde von der Kirche auf den 1. Mai gelegt wurde, um die alten Bräuche mit Tanz und Feuerzeremonien zu verdrängen, allerdings nur mit mässigem Erfolg. Deshalb wurde der Gedenktag der Heiligen Walburga später auf den 25. Februar verschoben.
Maibaum (1. Mai)
Der Maibaum ist eines der bekanntesten Symbole des Frühlings und wird traditionell am 1. Mai aufgestellt. Der Maibaum (oft eine Birke oder Fichte) wird aus dem Wald geholt und geschält. Dann wird er mit Bändern und Kränzen geschmückt und im Dorf aufgestellt. Der Maibaum bleibt oft bis Pfingsten oder teils sogar über den ganzen Sommer stehen. Der Brauch des Maibaums ist mit den heidnischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsfesten verbunden. So wurden der Frühling bereits bei den Germanen mit einem heiligen Baum oder Pfahl begrüsst, der die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisierte. Auch beim Keltischen Beltaine-Fest wurde ein Baum als Symbol für Fruchtbarkeit geschmückt.

In einigen Gegenden verbreitet war auch die Tradition des Liebensmaiens. Dabei stellen junge Männer in der Nacht zum 1. Mai ihrer Angebeteten einen geschmückten Maibaum vor die Tür oder an ihr Haus. Wenn die Frau das Werben erwidert, gibt sie dem Verehrer eine kleine Aufmerksamkeit zurück, etwa einen Kuchen, Einladung oder ein Kasten Bier.
Sommersonnenwende
Die Sommersonnenwende markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres und wurde in vielen heidnischen Kulturen als ein Fest der Sonne und des Lichts gefeiert. Dabei wurden grosse Sonnenwendfeuer entzündet, bei denen oft Kränze und Kräuterbüschel als Pflanzenopfer verbrannt wurden. Auch Tänze spielten eine grosse Rolle, bei denen teils Sonnwendgürtel aus geflochtenen Kräutern, getragen wurden. Verwendet wurden Pflanzenarten, die um die Zeit der Sommersonnenwende blühten. Grosse Bedeutung hatte dabei die typischen Sommersonnenwendekräuter wie Johanniskraut, Beifuss oder Schafgarbe, die in der Nacht der Sonnenwende als besonders kraftvoll galten. Die Kirche legte das Fest von Johannes dem Täufer auf den 24. Juni, also genau um die Zeit der Sommersonnenwende. Johannes der Täufer wurde als „Vorläufer Christi“ dargestellt, der das Licht Gottes ankündigte.

Erntefeste im August
Der August ist die Jahreszeit, in der die Ernte vieler Getreide- und Feldfrüchte eingebracht wird. In den früheren heidnischen Kulturen war dies eine bedeutende Zeit, um den Fruchtbarkeitsgöttinnen für die Ernte zu danken, Schutz für die kommende Zeit zu erbitten und das Leben mit Festen, Ritualen und Bräuchen zu feiern. Das wohl bekannteste heidnische Erntefest ist das keltische Lughnasadh (auch Lammas genannt). Es war dem Gott Lugh, dem Gott des Lichts, der Ernte und des Handwerks, gewidmet. Ähnliche Feste gab es auch den Germanen. Die ersten oder teils auch die letzten Getreidegarben wurden den Göttern geopfert, indem sie auf dem Feld zurückgelassen lassen. Dies sollte die Fruchtbarkeit des Bodens auch fürs nächste Jahr sichern.
Maria-Himmelfahrt (15. August)
An Maria-Himmelfahrt wird dem Übergang Marias in den Himmel gedacht (Maria steht im Christentum ja stellvertretend für alle die heidnischen Fruchtbarkeitsgottheiten). An Maria-Himmelfahrt gibt es vielerorts die Kräuterweihe, bei der gesammelte Heilkräuter in der Kirche gesegnet werden. Auch dieser Brauch hat heidnische Wurzeln. Meist sammelten Frauen und Kinder die Kräuter einen Tag zuvor und flochten daraus Sträusse. Die gesegneten Pflanzen sollten nun eine besonders starke Heilwirkung haben.

Frauendreissiger
Der Frauendreissiger ist eine (vor allem im süddeutschen, österreichischen und alpinen Raum bekannte) besondere Zeit im Spätsommer. Er beginnt am 15. August (Maria-Himmelfahrt) und endet am 13. September. Diese 30 Tage gelten als besonders heilig und kraftvoll.
Der Frauendreissiger hat seinen Ursprung in der heidnischen Verehrung weiblicher Gottheiten, die für Fruchtbarkeit, Heilung, Geburt und Schutz standen. Die Menschen glaubten, dass die Gottheiten in diesen 30 Tagen besonders nah seien und so Segen für Heilung, Schutz und eine gute Ernte spenden konnten. Man glaubte auch, dass in dieser Zeit die Heilpflanzen eine besonders grosse Kraft entfalten (nebst der Zeit um die Sommersonnenwende). Dabei wurden typischer Sommerkräuter gesammelt, um sie als Räucherkraut für Schutz und Heilung zu verwenden.
Herbstliche Erntedankfeste
Auch der Herbst ist die Zeit der Erntedankfeste, gleichzeitig aber auch die Zeit des Übergangs in die dunkle Jahreszeit. Während die Ernte von Getreide und Heilkräutern zu dieser Zeit bereits abgeschlossen war, wurden im Herbst v.a. Samen, Beeren und Nüsse geerntet.
Allerheiligen / Samhain / Halloween
Halloween, Samhain und Allerheiligen sind eng miteinander verknüpfte Feste, die auf uralte Bräuche zurückgehen. Sie markieren die Schwelle zwischen Herbst und Winter, also die Zeit, wo die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünn wird. Samhain wurde bei den Kelten am Abend des 31. Oktober zum 1. November gefeiert. Die Kelten glaubten, dass in dieser Nacht die Tore zur Anderswelt offenstanden und Geister sowie Ahnen die Erde besuchen konnten. Feuer- und Lichtzeremonien wurden abgehalten, um Schutz vor bösen Geistern zu bieten. Auch wurden Opfergaben für die Ahnen hinterlassen.

Mit der Christianisierung wurde Samhain in die christlichen Feste Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November) überführt. Dabei stehen nicht mehr die Geister, sondern das Gedenken an die Heiligen (an Allerheiligen) und den Verstorbenen (an Allerseelen) im Mittelpunkt. In katholischen Regionen finden an diesen Tagen Prozessionen und Messen statt. Die Chrysantheme ist eine der bekanntesten Blumen an Allerheiligen und Allerseelen als Grabschmuck verwendet wird. Sie blüht genau zur Zeit von Allerheiligen und Allerseelen. Während viele Sommerblumen bereits verblüht sind, bringt sie Farbe in die dunkler werdende Jahreszeit. Dies macht sie zu einem natürlichen Begleiter der Totenfeiertage. Ihr fester Bestandteil in der europäischen Garten- und Friedhofskultur ist allerdings neueren Datums, denn Chrysanthemen sind in Europa nicht heimisch. Ihre Ursprünge liegen in Asien, insbesondere in China und Japan, wo sie seit über 2.500 Jahren kultiviert wird. Nach Europa gelangte die Chrysantheme im 17. Jahrhundert. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurde sie dann verstärkt als Grabschmuck für Allerheiligen genutzt.
Halloween leitet sich von „All Hallows’ Eve“ (der Vorabend von Allerheiligen) ab. Es war die christliche Weiterentwicklung von Samhain in Irland. Für diesen Tag wurden böse Gesichter in mit Kerzen versehenen Rüben und Steckrüben geschnitzt. Dies mit dem Ziel böse Geister fernzuhalten. Irische Einwanderer brachten den Brauch dann im 19. Jahrhundert nach Amerika, wo er sich zu einem der kommerziell erfolgreichsten Volksfeste entwickelte. In Amerika wurden die Rüben mit dem viel besser zum Schnitzen geeigneten Kürbis ersetzt. Halloween hat mittlerweile auch in Europa grosse Beliebtheit erlangt.
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