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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris)
Illustration des Gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. fiederlanzettliche Blätter, usw.

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Artemisia

"eine mythologisch stark aufgeladene Pflanzenart, die erst noch ein bitter-aromatisches Würzkraut ist"

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Blätter: wechselständig; stängelumfassend; oval, 5 bis 15cm lang (je höher am Stängel, desto kürzer); 1-2-fach fiederlanzettlich; Zipfel am Ende spitz; OS dunkelgrün, US weissfilzig


Stängel: 50 bis 150cm hoch; aufrecht; kantig, rötlich-braun; kahl (oder wenn, dann nur ganz leicht behaart)


Blüten: in eiförmigen, ca. 2 bis 3mm langen Blütenkörben angeordnet; die Blütenkörbe selbst befinden sich in endständigen Rispen; Röhrenblüten gelb bis rotbraun; ohne Zungenblüten; blüht Juli bis September


Früchte: eiförmige, kahl-glatte Achäne; 1 bis 2 mm lang; ohne Pappus


gefährliche Verwechslungen: Ambrosia (Ambrosia artemisifolia), Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), Raukenblättriges Greiskraut (Jacobea erucifolia)


Zeigerwerte: hell, frisch (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Ruderalflächen, ruderale Weg- und Kiesstrassenränder, Uferböschungen

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. 1.8-Cineol, Campher, Thujon, Linalool,....), Bitterstoffe (v.a. Sesquiterpenlactone), Flavonoide (u.a. Apigenin, Querceton, Rutin,..), Gerbstoffe, Phenolsäuren


Giftigkeit*: Beifuss ist an sich ungiftig. So ist der Thujon-Gehalt ist zu gering für toxische Effekte, Dennoch sind situativ ein paar Hinweise zu beachten:

  • Schwangerschaft: Theoretisch kann das Thujon bei Schwangerschaft die Uteruskontraktion fördern und damit in hohen Dosen evtl. abortiv wirken. Der Thujon-Gehalt ist jedoch so gering, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Effektes nicht zu erwarten ist. Schwangere sollten aber trotzdem, nach dem Vorsichtsprinzip, auf den Konsum von Beifuss verzichten!

  • Pollenallergiker: Die Pollen des Gemeinen Beifuss sind hochallergen, so dass bereits kleine Mengen davon Symptome auslösen können. Pollenallergiker müssen dies beachten, wenn sie an blühenden Beifuss-Exemplaren hantieren. Viele Allergiker reagieren auch beim Kontakt mit der Haut mit Schwellungen / Rötungen. Um als Betroffener eine Exposition zu vermeiden, lohnt es sich während der Blütezeit auf das Sammeln zu verzichten, resp. sollte auch auf Blütentee verzichtet werden. Allergene finden sich auch in den Blättern, wodurch bei deren rohen Verzehr ebenfalls allergische Reaktionen möglich sind. Beim Kochen werden die Proteine, die für die allergische Reaktion verantwortlich sind, mehrheitlich abgebaut


mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten



Verwendung in der Phytotherapie*: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben

Der Gemeine Beifuss gehört, aufgrund der enthaltenen Bitterstoffen, zu den verdauungsfördernden und appetitanregenden Bitterstoffdrogen. Die Ätherischen Öle haben ausserdem krampflösende Wirkungen. Das pharmakologische Profil ist ähnlich wie beim Wermut, jedoch in deutlich schwächeren Konzentrationen. Der Gemeine Beifuss ist also so etwas wie die «milde, sanfte Alternative». Im Gegensatz zum Wermut, existiert für den Gemeinen Beifuss weder eine HMPC-, noch eine ESCOP-Monographie. Für eine Tasse Tee wird ca. 1 gehäufter TL des zerkleinerten und getrockneten Krautes für 10 bis 15min im heissen Wasser ausgezogen (mit geschlossenem Deckel) und 2 bis 3x täglich davon eine Tasse eingenommen.Keine Anwendung <18 Jahren oder bei Schwangerschaft, resp. Stillzeit! Keine Langzeittherapie! Allergiepotential beachten!


Beschreibung

Der Lateinische Gattungsname vom Beifuss ist benannt nach der griechischen Göttin Artemis (bei den Römern: Diana), die u.a. als Hüterin der Frauen und Kinder, sowie Göttin der Geburt verehrt wurde. So war bei den Griechen und Römern der Gewöhnliche Beifuss (und teils auch ähnliche andere Beifuss-Arten) Artemis (Diana) gewidmet und galt als Schutzkraut für die Frauen, insbesondere während der Schwangerschaft und Geburt, aber auch während der Menstruation (siehe Abschnitt Pflanzenmythologie- und brauchtum). So wurden während der Geburt um die Hüften Beifuss-Kranze getragen und das Kraut geräuchert, «um den Weg für die Geburt zu öffnen» und die «gebärende Frau vor bösen Geistern und Schmerzen zu schützen». Beifuss wurde nicht nur rituell angewendet, sondern wurde von Dioskurides auch als Heilpflanze gegen Frauenleiden beschrieben, indem es als Tee oder in Wein eingekocht die Geburt unterstützen erleichtern und die Menstruation anregen soll. Sitzbäder und Umschläge wurden ausserdem bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt.


Abseits vom Frauenkraut war der Beifuss in der Antike auch eine Schutz- und Übergangspflanze, nicht zuletzt, weil Artemisia als Göttin auch die «Wächterin der Schwelle» und Schutzpatronin von Reisenden war. So trugen auch Reisende / Pilger Beifuss-Kränze um die Hüften oder an den Sandalen. Dies sowohl zum Schutz, als auch um «lange Märsche ohne Müdigkeit zu ertragen». Von diesem Brauch stammt auch der deutsche Name «Beifuss». Beifuss wurde weiter zur Sommer-Sonnenwende (bei den Römern während dem Jahresfest «Solstitium aestivum») rituell im Feuer verbrannt, um sich von der Vergangenheit zu reinigen und Schutz vor Unheil in der Zukunft zu erbitten. Er wurde jeweils am Sonnenaufgang zuvor gesammelt und dabei waren einige Regeln einzuhalten: So musste man beim Sammeln barfuss sein, durfte das Kraut nur mit der linken Hand pflücken und musste währenddessen der Göttin Diana einen Spruch zurufen. Danach wurden aus dem so gesammelten Beifuss Kränze gebunden, die dann am Abend beim Tanz um das Feuer getragen wurden, ehe man sie symbolisch ins Feuer warf. Teilweise wurde mit dem Kranz auch (zur Reinigung) über das Feuer gesprungen oder über die Glut gelaufen. Nahezu identische Sonnenwend-Rituale mit dem gleichen Prozedere gab es auch bei den Kelten und Germanen. Weiter hatte der Beifuss auch in diesen Kulturen eine Bedeutung als Frauenkraut, war der Göttin Brigid (bei den Kelten), resp. Freya (Germanen) gewidmet und es wurden damit ähnliche Geburts- und Menstruationsrituale, resp. medizinische Anwendungen durchgeführt.


Auch bei den Christen blieb der Beifuss ein wichtiges Sonnenwendkraut, nur wurde das Ganze etwas umgedeutet. Der Beifuss war nun nicht mehr den heidnischen Göttinnen, sondern Johannes dem Täufer gewidmet. Letzterer soll jeweils Beifuss an seinem Gürtel getragen haben, um während langen Märschen nicht zu ermüden. Die ursprünglichen heidnischen Jahreskreisfeste zur Sommersonnenwende hiessen im Christentum nun Johannisfeuer, doch das Ritual mit dem Tanz um das Feuer und dem anschliessenden Verbrennen der Kränze («Johannikränze») entsprach im Groben weiter der heidnischen Tradition. Ein kleines, aber entscheidendes Detail war aber, dass nun das Feuer vorher vom Pfarrer gesegnet wurde, ehe der Tanz begann. Der Beifuss war im Christentum aber gleichzeitig auch ein Frauenkraut, welches auch mit der Jungfrau Maria verbunden war. Er wurde z.B. während der Geburt und am Wochenbett rituell geräuchert. Der Beifuss war auch bei der Kräuterweihe (am 15. August zu Maria Himmelfahrt) eines der Pflichtkräuter für die Kräuterbündel / Sträusse. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Beifuss auch in der Pfeife geraucht. Man sprach ihm dabei eine reinigende, beruhigende und angstlösende Wirkung zu. Auch bei Asthma und Husten galt das Beifuss-Rauchen auch als Heilmittel. Im 1. Weltkrieg als der Tabak knapp war, wurde dann Beifuss häufig als Zusatz verwendet.


Der Beifuss besiedelt als Pionierpflanze gestörte Böden, wie Ruderalflächen (Kiesgruben, Bahndämme, Brachen, Uferböschungen in den höheren Bereichen), ruderale Weg- und Kiesstrassenränder. Die Art ist mehrjährig und überwintert in einem horizontal bis schräg wachsenden Spross im Untergrund. Auch nach dem Abmähen, nach Trockenheit oder wenn am Standort oberflächliche Bodenbewegungen stattfinden, kann er daraus rasch wieder neu austreiben. Regelmässiges tiefes Pflügen zerstört hingegen die Rhizome, weshalb der Gemeine Beifuss kein typisches Ackerunkraut ist. Da er nährstoffreicher Boden benötigt, kommt er bevorzugt in Siedlungsnähe und neben Strassen vor.


Die Bestäubung der Blüten finden über den Wind statt. Es wird dabei massenweise Pollen produziert, der über mehrere Kilometer verbreitet wird. Dies zum Leiden von Leuten, die von Heuschnupfen betroffen sind, denn hierbei gehören Beifuss-Pollen zu den häufigsten Allergieauslösern. Die späte Blütezeit im Spätsommer sorgt dabei dafür, dass die Heuschnupfensaison nach dem Verblühen der Gräser nochmals um viele Wochen verlängert wird. Um Selbstbestäubung zu vermeiden, gibt es innerhalb eines Blütenkorbes eine räumliche Trennung zwischen weiblichen und männlichen Röhrenblüten. So befinden sich die weiblichen Röhrenblüten am Rand des Blütenkorbes, während die männlichen Röhrenblüten die Mitte bilden. Gleichzeitig findet auch noch eine zeitliche Trennung statt, indem die männlichen Röhrenblüten vor den weiblichen Röhrenblüten reifen. Die Achänen haben keinen angehängten Pappus. Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich durch ein Ausschütteln im Zuge von Wackelbewegungen der Körbchen. Dabei sind allerdings nur Ausbreitungsdistanzen von wenigen Dezimeter möglich. Oft werden die Achänen von dort aus durch menschliche Aktivitäten (Schuhe, Reifen, Baumaschinen) sekundär weiterverbreitet.


Die Blätter duften leicht aromatisch, weshalb diese traditionell als Gewürz verwendet wurden, v.a. bei fettigen und schwerverdaulichen Fleischgerichten. Dies hat damit zu tun, dass die Bitterstoffe und Ätherischen Öle darin verdauungsfördernd wirken, das Völlegefühl abmildern und zu weniger Blähungen führen. Traditionell wurde der Beifuss aber nicht nur in Fleischgerichten, sondern auch für Gemüse- und Milchgerichte genutzt. Er eignet sich hervorragend für Eintöpfe und Suppen mit schwer verdaulichen Hülsenfrüchten, wie Bohnen, Linsen oder Erbsen. Der Beifuss wird in der Regel nicht zerkleinert, sondern es werden ganze Zweige / Blätter hinzugegeben, die Ende wieder entfernt werden. Dazugefügt werden diese erst in der mittleren bis späten Phase des Bratens, Garens oder des Kochens. Zu früh dazugegeben werden die Ätherischen Öle verkocht und die Bitterstoffe zu dominant. Der Gemeine Beifuss gehörte im Mittelalter auch zu klassischen Grutkräutern, also den Kräutern, die vor der Zeit des Hopfens zum Würzen des Biers verwendet wurden.


Wenn es um die medizinischen Wirkungen geht, darf der Gewöhnliche Beifuss nicht mit dem Einjährigen Beifuss (Artemisia annua) verwechselt werden, welcher in China traditionell als Antimalariamittel eingesetzt wird (und dessen Wirkung auch wissenschaftlich bestätigt ist). Der Gemeine Beifuss enthält keine Artemisinin (Hauptwirkstoff vom Einjährigen Beifuss).

 

mögliche Verwechslungen


Echter Wermut (Artemisia absinthium) – wegen dem erhöhten Thujon-Gehalt Hinweise beachten!


Der Wermut stammt ursprünglich aus den Steppengebieten Zentralasiens bis Südosteuropa, hat sich mittlerweile aber auch als Neophyt in Mitteleuropa ausgebreitet, wo er lückenhaft vorkommt und vor allem trockene, kalkhaltige Ruderalflächen besiedelt. Vor allem in Wallis und den inneralpinen Tälern Graubündens ist er stark verbreitet, wo er in seinem Vorkommen sogar bis zur Waldgrenze aufsteigen kann. Der Geschmack vom Wermut erinnert an Beifuss, ist einfach viel intensiver. So liegt der Gehalt an Ätherischen Ölen und an Bitterstoffen um ein Vielfaches höher als beim Gemeinen Beifuss, mit Thujon als Hauptkomponente. Kulinarisch wurde der Wermut ebenfalls für Fleisch- und Hülsenfruchtgerichte verwendet, nur dass dabei deutlich kleinere Mengen verwendet wurden.


Bereits in der Antike war der Wermut eine geschätzte Arznei und wurden v.a. bei Verdauungsproblemen, Wurmbefall oder Menstruationsproblemen eingesetzt. Eingenommen wurde es vor allem als Wermutwein, indem die Wermutblätter für wenige Minuten im Weisswein ausgekocht wurden. Als Erbe dieser Nutzung entstand im 18. Jahrhundert in Turin der Aperitif-Wein «Vermouth». Bei diesem werden nebst dem Wermut noch weitere Kräuter, etwas reiner Alkohol und viel Zucker dazugefügt und eine bekannte Marke aus der heutigen Zeit ist «Martini». Ungefähr zur gleichen Zeit wurde im Neuenburger Jura ein Destillat entwickelt, welches ebenfalls Wermut enthält und auch heute noch unter dem Namen «Absinth» bekannt ist. Nachdem man im 19. Jahrhundert die Giftwirkung des enthaltenen Thujons entdeckte, schloss man daraus, dass viele psychische Erkrankungen, Epilepsie oder Gewaltbereitschaft auf das Thujon durch den Konsum von Absinth zurückzuführen sei. Dabei wurde jedoch völlig ignoriert, dass im Absinth die Thujongehalte nur sehr gering sind und chronischer Alkoholkonsum als Auslösefaktor für diese Erkrankungen ignoriert wurde. In vielen Ländern wurde der Absinth in der Folge zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten. Mittlerweile ist er in den meisten Ländern, seit 2005 auch in der Schweiz, mit reguliertem Thujongehalt (<10mg Thujon/kg) wieder legalisiert.


Der Wermut hat im Gegensatz zum Echten Beifuss eine ESCOP- und HMPC- Monographie (als «traditional use»). Er wird bei Allgemeinen Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen und Appetitlosigkeit als Tee angewandt. Dazu werden 1 TL (1 bis 1.5g) des zerkleinerten und getrockneten Krautes (Blätter und Blüten) in 150 ml kochend-heissem Wasser mit geschlossenem Deckel für 15 Minuten ausgezogen. Die Anwendung erfolgt 2 bis 3 mal täglich. Die Tagesdosis beträgt ca. 2-3g. Wird die Tagesdosis eingehalten, sind keine akut toxischen Wirkungen des Thujons (wie Erbrechen, Benommenheit, usw.) zu erwarten. Auch Tinkturen (mit Alkohol 70%) sind möglich, mit 15 bis 30 Tropfen pro Anwendung (auch diese 2-3x täglich). Die Anwendung darf nicht länger als 2 Wochen erfolgen, denn bei längerer Einnahme könnten sonst durch das enthaltene Thujon schwere Nebenwirkungen auftreten (Thujon wirkt u.a. neurotoxisch).

Nicht bei Personen unter 18 Jahren und nicht bei Schwangerschaft, resp. der Stillzeit anwenden ! Keine Anwendung bei Gallenweg-Verengung oder Lebererkrankungen! Keine Langzeittherapie !


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter wechselständig und fiederlanzettlich

  • Blütenkörbe in Rispen


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter auf beiden Seiten graufilzig; Zipfel mit stumpfem Ende;

  • Stängel graufilzig

  • Röhrenblüten immer gelb; Blütenkörbe breiter und nickend


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Wermut (Artemisia absinthium) gegenüber dem essbaren Gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris)


Verlotscher Beifuss (Artemisia verlotiorum) – ähnliche Verwendung (Warnhinweise beachten)


Der Verlotscher Beifuss ist ein invasiver Neophyt aus Ostasien. In der Schweiz findet man ihn vor allen in den etwas wärmeren Regionen an Unkrautfluren, Ruderfalflächen, ruderalen Weg- und Strassenrändern und Kiesbänken. Er ist sehr lichtbedürftig und ist auf nährstoffreiche und frische Standorte angewiesen. Besonders im Tessin hat er sich stark ausgebreitet. Im Gegensatz zum Gemeinen Beifuss, kann er sich über unterirdische Ausläufer ausbreiten und bildet so rasch dichte Bestände. Auch nach Beschädigung können sich aus kleinsten Rhizomresten wieder neue Pflanzen bilden. Er nutzt die Vegetationsperiode voll aus und wächst konstant von März bis November und hat dank seinen abschreckenden Ätherischen Ölen nur wenige Fressfeinde. Durch seine dichten Bestände werden andere heimische Pionierarten in den Schatten gestellt und so verdrängt. Durch den höheren Gehalt an Ätherischen Ölen (das v.a. von Cineol und Campher dominiert wird) ist sein Duft viel stärker als beim Gemeinen Beifuss und ist auch etwas bitterer. In Europa hat er zu grossen Teilen keine kulinarische Nutztradition, so dass auch Erfahrungen zur Sicherheit fehlen. Falls man ihn trotzdem nutzen will, kann er analog wie der Gemeine Beifuss (inkl. Warnhinweise) verwendet werden, sollte dabei aber etwas sparsamer dosiert werden (z.B. nur die Hälfte der Dosis?).


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter wechselständig und fiederlanzettlich; OS dunkelgrün; US weissfilzig

  • Blütenkörbe in Rispen


Unterschiede (u.a.)

  • Geruch stark aromatisch und mit starker «Kapfer»-Komponente

  • Blätter ab der Stängelmitte nur noch 1-fach fiederlanzettlich und mit deutlich längerer Endfieder

  • mit unterirdischen Ausläufern, aus denen überwinternden Grundrosetten austreiben

  • blüht im Herbst (September bis Oktober)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Verlotschen Beifuss (Artemisia verlotiorum) gegenüber dem essbaren Gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris)


Ambrosia / Beifussblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) - giftig, kann starke Allergien auslösen!


Die Art hierzulande einen sehr schlechten Ruf. Denn es handelt sich nicht nur um einen intensiven Neophyten, sondern auch um einen starken Allergieauslöser (auch bei Leuten, die bisher von Allergien verschont geblieben sind)! Ursprünglich stammt die Art aus Nordamerika und hat sich seit den 1980er Jahren stark in den wärmeren Tieflagen der Schweiz ausgebreitet. Er besiedelt vor allem Ruderalflächen, aber auch Äcker. Wer die Pflanzen auf seinem Grundstück entdeckt, ist verpflichtet diese zu entfernen und eine Meldung an die zuständige Behörde der Gemeinde zu machen. Beim Ausreissen müssen feste Handschuhe und lange Kleidung getragen werden. Für Grössere Bestände und während der Blütezeit gehört das Entfernen jedoch in die Hände von Profis! Es darf keine Kompostierung (Entsorgung im Kehrichtsack) und keine Verschleppung des Erdmaterials (Waschen von Schuhen und Maschinen) stattfinden. Auch wer draussen in der Natur auf öffentlichem Grund Ambrosia vorfindet, muss die Standorte der Gemeinde melden.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter fiederlanzettlich

  • ähnliche Erscheinung der Blüten

  • ähnliche Standorte (wenn auch eher trocken)


Unterschiede (u.a.)

  • Pflanze geruchslos

  • Blätter nur 2.5 bis 7cm lang; unten gegenständig, OS weisser Hauptnerv; US nicht weissfilzig

  • Stängel abstehend behaart und stark verzweigt

  • Blütenkörbe nickend in dichten Trauben

  • gehört zur Gattung der Traubenkräuter (Ambrosia)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der giftigen Ambrosia gegenüber dem essbaren Gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris)


Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) hochgiftig / tödlich! nicht berühren !


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter wechselständig; fiederlanzettlich

  • Stängel oft rötlich überlaufen


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter rund; Fiederung in 1. Ordnung handförmig; US nicht weissfilzig

  • Stängel rund und glatt

  • gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des tödlichen Blauen Eisenhut gegenüber dem essbaren Gemeinen Beifuss (Artemisia vulgaris)


Raukenblättriges Greiskraut (Senecio erucifolius) - giftig!


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter fiederlanzettlich

  • Stängel oft rötlich überlaufen


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter oben graugrün, resp. beidseitig spinnwebig behaart; Mittelnerv oben eingedrückt; Zipfel dünner

  • Blütenkörbe grösser, gelb und mit Zungenblüten

  • gehört zur Gattung der Greiskräuter (Senecio)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Raukenblättrigen Greiskraut gegenüber dem Gemeinen Beifuss

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