das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Echter Wermut (Artemisia absinthium)

Der Wermut stammt ursprünglich aus den Steppengebieten Zentralasiens bis Südosteuropa, hat sich mittlerweile aber auch als Neophyt in Mitteleuropa ausgebreitet, wo er lückenhaft vorkommt und vor allem trockene, kalkhaltige Ruderalflächen besiedelt. Vor allem in Wallis und den inneralpinen Tälern Graubündens ist er stark verbreitet, wo er in seinem Vorkommen sogar bis zur Waldgrenze aufsteigen kann. Der Geschmack vom Wermut erinnert an Beifuss, ist einfach viel intensiver. So liegt der Gehalt an Ätherischen Ölen und an Bitterstoffen um ein Vielfaches höher als beim Gemeinen Beifuss, mit Thujon als Hauptkomponente. Kulinarisch wurde der Wermut ebenfalls für Fleisch- und Hülsenfruchtgerichte verwendet, nur dass dabei deutlich kleinere Mengen verwendet wurden.
Bereits in der Antike war der Wermut eine geschätzte Arznei und wurden v.a. bei Verdauungsproblemen, Wurmbefall oder Menstruationsproblemen eingesetzt. Eingenommen wurde es vor allem als Wermutwein, indem die Wermutblätter für wenige Minuten im Weisswein ausgekocht wurden. Als Erbe dieser Nutzung entstand im 18. Jahrhundert in Turin der Aperitif-Wein «Vermouth». Bei diesem werden nebst dem Wermut noch weitere Kräuter, etwas reiner Alkohol und viel Zucker dazugefügt und eine bekannte Marke aus der heutigen Zeit ist «Martini». Ungefähr zur gleichen Zeit wurde im Neuenburger Jura ein Destillat entwickelt, welches ebenfalls Wermut enthält und auch heute noch unter dem Namen «Absinth» bekannt ist. Nachdem man im 19. Jahrhundert die Giftwirkung des enthaltenen Thujons entdeckte, schloss man daraus, dass viele psychische Erkrankungen, Epilepsie oder Gewaltbereitschaft auf das Thujon durch den Konsum von Absinth zurückzuführen sei. Dabei wurde jedoch völlig ignoriert, dass im Absinth die Thujongehalte nur sehr gering sind und chronischer Alkoholkonsum als Auslösefaktor für diese Erkrankungen ignoriert wurde. In vielen Ländern wurde der Absinth in der Folge zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten. Mittlerweile ist er in den meisten Ländern, seit 2005 auch in der Schweiz, mit reguliertem Thujongehalt (<10mg Thujon/kg) wieder legalisiert.
Der Wermut hat im Gegensatz zum Echten Beifuss eine ESCOP- und HMPC- Monographie (als «traditional use»). Er wird bei Allgemeinen Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen und Appetitlosigkeit als Tee angewandt. Dazu werden 1 TL (1 bis 1.5g) des zerkleinerten und getrockneten Krautes (Blätter und Blüten) in 150 ml kochend-heissem Wasser mit geschlossenem Deckel für 15 Minuten ausgezogen. Die Anwendung erfolgt 2 bis 3 mal täglich. Die Tagesdosis beträgt ca. 2-3g. Wird die Tagesdosis eingehalten, sind keine akut toxischen Wirkungen des Thujons (wie Erbrechen, Benommenheit, usw.) zu erwarten. Auch Tinkturen (mit Alkohol 70%) sind möglich, mit 15 bis 30 Tropfen pro Anwendung (auch diese 2-3x täglich). Die Anwendung darf nicht länger als 2 Wochen erfolgen, denn bei längerer Einnahme könnten sonst durch das enthaltene Thujon schwere Nebenwirkungen auftreten (Thujon wirkt u.a. neurotoxisch).
Nicht bei Personen unter 18 Jahren und nicht bei Schwangerschaft, resp. der Stillzeit anwenden ! Keine Anwendung bei Gallenweg-Verengung oder Lebererkrankungen! Keine Langzeittherapie !

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
< zur Startseite des erdflow-Phytikons
Grundlagen zum Sammeln - Botanische Grundlagen - Wildkräuterküche - Heilpflanzen / Phytotherapie - Mythologie - Pflanzenbeschreibungen
das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
teile diesen wertvollen Content:








