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Wald Engelwurz (Angelica sylvestris)

Familie: Doldengewächse (Apiaceae), Gattung: Engelwurz (Angelica)
"ein engelhaftes Riesenkraut, das ebenso würzig-aromatisch, wie vielfältig kulinarisch verwendbar ist"
Bestimmungsmerkmale
Blattanordnung: jung (d.h. früh im Jahr) nur grundständige Blätter (aus unterirdischen Ausläufern); ab Sommer dann Stängelbildung mit wechselständigen Stängelblättern
Blätter: 3-eckig, bis 60cm lang; 2- bis 3-fach gefiedert; Fiederordnungen jeweils 1- bis 7-zählig
Blattstiel: hohl; im Querschnitt sichelförmig; an den Fieder-Ansätzen jeweils ein roter bis dunkelvioletter Ring; mit sehr dicken Blattscheiden (nur bei jungen Blättern sichtbar)
Fiedern: oval bis eiförmig, bis 10cm lang; fein gesägt
Stängel: 0.5 bis 3 m hoch; fein gefurcht; kahl; hohl; dick; oft violett überlaufen, oben meist stark verzweigt
Blüten: In endständigen Doppeldolden angeordnet; Dolden ca. 20-40-strahlig und stark gewölbt; Döldchen kugelig; viele Hüllblättchen; 0-3 Hüllblätter; Kronblätter weiss (z.T. auch grünlich oder rötlich); blüht Juli bis September
Früchte: ovale, 4-6mm lange Doppelachäne; Aussenrippen lang geflügelt; übrige Rippen nur leicht geflügelt
Zeigerwerte: halbschattig, sehr feucht (Feuchtigkeit wechselnd), schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Waldwegränder und Waldrand, nasse Wiesen, Auenwälder, Ufer, Flachmoore
Fotos








Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Furocumarine
*Giftigkeit: durch Furocumarine bei Berührung und Konsum leicht phototoxisch
mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, herb > mehr dazu): Salat, Salatbeigabe, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Blätterchips, Gemüse (Wildspinat), Suppe, Pesto, Sauce, Limonade, Smoothie, Streckmehl,
Stängell und Blattstiele (aromatisch, herb > mehr dazu): roher Snack vor Ort, Wildgemüse, Gemüsebeigabe (vorher grobe Längsfasern auszupfen; alte Blattstiele / Stängelabschnitte sind zu stark durchfasert, um sie nutzen zu können), beliebt sind auch kandierte Engelwurz-Stiele (in einer Wasser-Zuckerlösung ca. 20 min kochen lassen)
Blütenstände im Knospenstadium (aromatisch bis würzig > mehr dazu): Wildgemüse (à la Broccoli)
Blüten (würzig > mehr dazu): Gewürz, essbare Dekoration
Früchte (würzig > mehr dazu): Gewürz
Wurzel (aromatisch, herb > mehr dazu): Gewürz, Tee / Dekokt, Sirup (aus Dekokt), Streckmehl, Wurzelkaffee
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Ein Tee / Dekokt aus den Wurzeln dürfte (wie bei der Echten Engelwurz, siehe unten unter "mögliche Verwrchslungen") appetitanregend und bei allgemeinen Verdauungsbeschwerden und Blähungen lindernd wirken. In der traditionellen Volksheilkunde wurde die Engelwurz auch bei Husten angewendet.

Beschreibung
Wenn die Wachstumsbedingungen stimmen, kann die Wald-Engelwurz im Sommer und Herbst imposante Mächtigkeiten von bis zu 3 Meter Höhe erreichen. Der Umriss der Pflanzen erinnert dabei dann etwas an Engelsgestalten, wodurch die Art so zu ihrem Namen gekommen sein dürfte. Die Wald-Engelwurz wächst trotz ihres Namens nicht nur im Wald-, sondern auch in offenen Feuchtgebieten, wie Ufern, Flachmooren und auf Nasswiesen. Sie blüht erst spät im Jahr, dafür aber bis in den Herbst hinein.
Die Art ist mit all ihren Pflanzenteilen durch und durch sehr aromatisch bis würzig. Wie beim Wiesen-Bärenklau lohnt sich auch bei der Wald-Engelwurz die Ernte der Stängel und Blattstiele (mit vorherigem Auszupfen der harten Längsfasern). Phytotherapeutisch verwendet werden die Wurzeln, die am besten kleingeschnitten und dann ca. 30 bis 30 Minuten im Wasser ausgekocht werden. Der dabei entstehende Sud (das «Dekokt») ist angenehm bitter-aromatisch und kann auch kulinarisch zu Sirup weiterverarbeitet werden. Die getrockneten Wurzeln eignen sich auch hervorragen zum Räuchern.
mögliche Verwechslungen
Echte-/Arznei- Engelwurz (Angelica archangelica) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Die Echte Engelwurz ist eine Nord- bis Osteuropäische Art, die von Island, Skandinavien und den Britischen Inseln bis nach Sibirien und Zentralasien weit verbreitet ist. Auch sie wächst gerne an feuchten bis nassen Standorten, wie See- und Meerufer oder auch Nasswiesen. In der Schweiz wird sie zwar gelegentlich kultiviert, tritt dabei aber nicht wild auf.
Es handelt sich um eine traditionell bedeutende Heilpflanze, die bei Magen-Darmbeschwerden oder Appetitlosigkeit zum Einsatz kommt.
Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen / Appetitlosigkeit: Für einen Tee werden 1.5g (ca. 2/3 TL) der getrockneten und zerkleinerten Wurzeln kalt angesetzt und dann kurz aufgekocht oder auch einfach nur mit kochendem Wasser überbrüht.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Gestalt, Blätter, Stängel und Doppeldolden (auch stark gewölbt) sehr ähnlich
Unterschiede (u.a.)
Blattstiel im Querschnitt rund (jedoch oben trotzdem mit einer Rinne); keine Flecken an den Fiederansätzen
Blüten grünlich

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