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Feld-Thymian / Quendel (Thymus serpyllum aggr.)

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Thymian (Thymus)
"ein leckeres Würzkraut, welches man vor allem in den Alpen findet"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: kreuzgegenständig; sitzend bis kurz gestielt; oval (rund bis lanzettlich), 0.5 bis 1.5 cm lang; am Grund in den Stiel verschmälernd; meist ganzrandig; kahl bis behaart
Stängel: 3 bis 25 cm hoch; kriechend bis aufsteigend; 4-kantig (bis fast rund); obere Bereiche krautig und oft örtlich überlaufen; untere Bereiche verholzt (Halbstrauch)
Blüten: Lippenblüten am Stängelende in kugeligen bis kegelförmigen Ähren angeordnet, die aus mehreren Stockwerken von Scheinquirlen aufgebaut sind; Einzelblüten rosa bis purpurn und klein (Krone 3-6mm lang); blüht April bis September
Früchte: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind
Zeigerwerte: hell bis sehr hell, mässig bis sehr trocken (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffarm
typische Standorte: magere Trockenwiesen und -Weiden, Gebirgsrasen, Fels und Schutt, Felsensteppen, Föhrenwälder (vom Tiefland bis 3000 m ü. M.)
Fotos




Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. Carvacrol, Thymol, p-Cymen, y-Terpinen, Linalool, Borneol,...), Flavonoide (v.a. Luteolin- und Apigenin-Glykoside), Gerbstoffe (v.a. Rosmarinsäure)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter / Blüten (würzig > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Tee, Sirup, Likör, Kräuteressig, Kräuteröl, "Honig", Gelée
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben Die Wirkungen des Echten Thymians (Thymus vulgaris), bei produktivem Husten oder Entzündungen im Mund-Rachenraum können wegen den ähnlichen Inhaltstoffen grob auch auf den Feld-Thymian übertragen werden. Die Wirkungen dürften aber durch den geringeren Gehalt an Ätherischen Ölen deutlich schwächer ausgeprägt sein. Wichtig ist, dass jeweils besonders stark duftende Exemplare (mit hohem Gehalt an Ätherischen Ölen) gesammelt und verwendet werden.
Beschreibung
Der Feld-Thymian ist bei uns in Mitteleuropa der heimische Verwandte vom (aus Küche und Garten bekannten) mediterranen Echten Thymian. Man findet den Feld-Thymian auch in West- und Osteuropa, auf dem Balkan, den Britischen Inseln und in Südskandinavien. Im Mittelmeerraum trifft man ihn hingegen nur in den etwas nördlichen Bereichen (Norditalien, Nordspanien, Südfrankreich). Besiedelt werden vor allem trocken-sonnige Standorte mit nährstoffarmen und /oder kargen, steinigen oder sandigen Böden. In der Schweiz besonders weit verbreitet ist er im Jura und den Alpen, wo sein Vorkommen bis weit über die Baumgrenze hinauf reicht. Dort wächst er vor allem auf Felsvorsprüngen, über steinig-schuttigen Böden oder einfach auf nährstoffarmen Wiesen und Weiden oder an (Kies-)Strassenrändern. Es handelt sich um Halbstrauch. Die verholzten Bereiche des Stängels haben teils kriechende Ausläufer und können so lange Polster über Steine, Blöcke oder auch Strassen bilden.
Der typische aromatische Thymian-Duft findet man aber auch beim Feld-Thymian, auch wenn dieser etwas schwächer ausgeprägt ist. Der typische Duft wird durch die Ätherischen Öle versursacht, die u.a. an der Blattunterseite an speziellen Drüsen abgesondert werden. Sie dienen nicht nur dem Frassschutz und Schutz vor Pilzen, Bakterien und Viren, sondern schützen auch vor UV-Strahlung und sorgen auch für eine Abkühlung (Verdunstung Ätherischer Öle entzieht Wärme) und damit einer Verminderung des Wasserverlustes, was insbesondere an den sonnig-trockenen Standorten sehr wichtig ist. Der Feld-Thymian erträgt auch mässigen Tritt und gedeiht so auch auf extensiv genutzten Weiden. Dort profitiert er ausserdem davon, dass er vom Weidevieh nicht oder nur in sehr geringem Masse verzehrt wird (Geschmack wirkt für die Weidetierarten abschreckend). An seinen sonnig-warmen Standorten ist die Vegetationszeit vergleichsweise lang. Es werden das ganze Jahr über neue Triebe gebildet, während gleichzeitig ältere Triebe verholzen. Dabei werden auch immer wieder neue Blüten gebildet, wodurch sich die Blütezeit über viele Monate (von Frühling Frühherbst) erstreckt. Die Bestäubung der nektarbildenden Blüten erfolgt durch Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Käfer.
Der Feld-Thymian ist eigentlich keine Pflanzenart, sondern gemäss Flora Helvetica eine Gruppe aus mehreren sich ähnlich aussehenden Arten. Die einzelnen Arten dieses «Aggregates» weisen selbst eine grosse interne morphologische Variabilität auf und können hybridisieren, was oft zu Überlappungen der Merkmale und somit unscharfen Abgrenzungen führt. Das gilt insbesondere auch für die Zusammensetzung des Ätherischen Öls, das hochgradig variabel ist und nicht eindeutig mit den morphologischen Art-Abgrenzungen korreliert. Bei den einzelnen Arten haben auch lokale Rassen eine wichtige Bedeutung. So können innerhalb der einzelnen Arten auch räumlich eng begrenzte, genetisch unterscheidbare Populationen, die an den jeweiligen Mikrostandort angepasst sind (mit eigenen Duftprofilen, Duftintensität oder morphologischen Merkmalen), ausgemacht werden.
Die gemäss Flora Helvetica zwei häufigsten Arten des Aggregates sind der Frühe Feld-Thymian (Thymus praecox) und der Arznei-Thymian (Thymian pulegioides). Typisch für alle Arten der Gruppe ist die Ausbildung als Halbstrauch, die kleinen Blätter, der charakteristische Thymianduft, die rund bis kegelförmige Form des Blütenstands, sowie die kleinen rosa bis purpurnen Einzelblüten.
Je nach Art unterschiedlich ist hingegen die genaue Blattform, die Behaarung von Blätter und Stängel, der genaue Stängelquerschnitt und ob der Stängel kriechend ist (und somit Polster ausbildet) oder nicht.
Früher Feld-Thymian (Thymus praecox): Blätter rund bis oval (1-2x so lang wie breit); Blattgrund lang bewimpert; Stängel kriechend und mit vielen sterilen Ausläufern (zur seitlichen Ausbreitung > Bildung von Polster / Matten aus denen aufrechte fertile Triebe hervorgehen). Der aromatische Duft ist meist nur schwach; Man unterscheidet die zwei Unterarten:
Gebirgs-Feld-Thymian (Thymus praecox subsp. polytrichus): Blatt-OS kahl bis leicht behaart, untere Bereiche des Stängels an zwei gegenüberliegenden Flächen dicht behaart (die zwei anderen Seiten kahl bis leicht behaart); Vorkommen v.a. Gebirge (Jura / Alpen) über 1'200 bis 1’5000 m ü. M.

Frühblühender Thymian (Thymus praecox subsp. praecox): Blatt-OS kahl und glänzend; Stängel fast rund und rundum behaart; die unteren Blätter der aufrechten (blühenden) Trieben etwas kleiner ausgebildet als die Oberen; Vorkommen an sehr trockenen und sehr hellen (trockenwarmen) Standorten (in CH v.a. im Wallis auf Kalk-Felsensteppen, kalkreichen Felsrasen und in Föhrenwäldern)
Arznei-Feld-Thymian (Thymus pulegioides): Blätter oval bis länglich-oval (1.5 bis 3x so lang wie breit); Stängel an den Kanten dicht behaart, bzw. unterhalb der Blütenstände scharf 4-kantig; Stängel aufsteigend bis aufrecht und verzweigt, ohne seitlichen Ausläufer und ohne damit auch ohne Polsterbildung; Duft meist sehr stark und oft etwas zitronig. Diese Art war die in der Volksmedizin Mitteleuropas bevorzugte Thymian-Art.
Arznei-Thymian (Thymus pulegioides subsp. pulegioides): Blätter meist kahl (z.T. randlich bewimpert), Stängel an den Flächen meist kahl, Vorkommen v.a. auf Magerwiesen und mageren Weiden, bzw. auf Felsen Felsvorsprüngen (v.a. im Jura und den Alpen, selten auch im Mittelland).

Krainer Feld-Thymian (Thymus pulegioides subsp. carniolicus): Blätter beidseitig dicht (und lang) behaart; Stängel auch auf den Flächen behaart (wenn auch etwas weniger dicht); Vorkommen an sehr trockenen, kalkhaltigen und felsig/ steinigen Standorten (in CH v.a. in inneralpinen Trockentälern und NW-Schweiz)
Voralpen-Thymian (Thymus alpestris): Blätter oval bis länglich-oval und kahl (am Grund lang bewimpert); undeutliche Seitennerven; Stängel kriechend und mit langen Ausläufern die am Ende in einem sterilen Spross enden; mit aufrechten Blütentrieben aus den vorjährigen Abschnitten der Ausläufer; Stängel nur an den Kanten behaart (Haare zurückgekrümmt) und unterhalb der Blütenstände scharf 4-kantig; Duft sehr aromatisch; Vorkommen in den Alpen oberhalb von 1200 bis 1’5000 m ü. M. auf Gebirgsrasen, in Felsspalten und auf Silikatschutt; Morphologisch ist der Voralpen-Thymian so etwas wie die Mischung aus praecox und pulegioides.
Die zwei weiteren Arten des Agggregates (Thymus oenipotanus und Thymus longicaulis) findet man in der Schweiz nur im Wallis (und auch dort nur selten).
In der Literatur (auch Wildkräuterliteratur) aus Deutschland ist oft von der Art «Sand-Thymian (Thymus serpyllum)» die Rede. Dieser hat lange dünne, kriechende Sprosse (jedoch ohne Polsterbildung), die sich jeweils an den Knoten bewurzeln und kräftige und vergleichsweise grosse Blätter (bis 2 cm lang). Die Art ist kalkmeidend und wächst daher vor allem auf silikatischen, sandigen Böden. Sie ist in Nordeuropa (Norddeutschland, Britische Inseln, Südskandinavien, Baltikum) und Osteuropa verbreitet. In der Schweiz existiert der Sand-Thymian so in der Taxonomie nicht.
mögliche Verwechslungen
Echter-/ Gewürz Thymian (Thymus vulgaris) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
>>> mehr zum Echten Thymian in der konkreten Pflanzenbeschreibung <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
kleiner Halbstrauch
kleine, kreuzgegenständige Blätter, die sich in den Stiel verschmälern
Blütenstände am Stängelende; kleine Einzelblüten; Kronblätter rosa
Unterschiede (u.a.)
Blätter lanzettlich, Blattrand deutlich nach unten gerollt, US dicht weissfilzig behaart
Stängel bis 10 bis 30cm hoch und weisslich behaart (bzw. keine kriechenden Ausläufer)
Blütenstände kurz

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