das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Brombeere (Rubus sect. Rubus)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Rubus
"bekannt für seine leckeren Beeren, bietet dieser Strauch kulinarisch noch viel mehr, wie z.B. die Blätter direkt oder fermentiert als Tee oder die Blattknospen als Snack mit Kokosgeschmack"
Bestimmungsmerkmale
Habitus: Halbstrauch bis 3m Höhe
Blätter: wechselständig; handförmig-gefiedert; 3-7-zählig (meist 5); Fiedern ungleich gross
Fiedern: (oval-) bis eiförmig-zugespitzt; meist 5 bis 12cm lang; gesägt; US grau- bis weissfilzig; US und Stiel bestachelt
Äste / Stamm: bogig aufsteigend oder kriechend; mit Stacheln; ältere Bereiche verholzt
Blüten: in traubigen oder rispigen Blütenständen angeordnet; Kronblätter weiss bis rosa; blüht Juni/Juli (Rosengewächse allgemein: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter)
Früchte: schwarze, glänzende Sammelsteinfrucht (unreif erst grün, dann rot); ab ca. Juli reif
Zeigerwerte: halbschattig, mässig feucht nährstoffreich, pH-Wert indifferent
typische Standorte: Waldlichtungen, Waldrand, Waldwegrand, Kahlschläge, Hecken
Fotos

wechselständig und gefiedert


grau bis weissfilzig


©Leonid Nyshoko – stock.adobe.com

Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (bis 14% in den Blättern), Flavonoide (u.a. Anthocyane in den Früchten)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, herb, aber auch adstringierend > mehr dazu): junge Blätter als Salat, resp. Beigabe im Salat (haben einen «Kokos-ähnlichem» Geschmack); Tee (Für einen Tee sollte die Ziehzeit maximal 5min dauern, denn später lösen sich die unangenehmen Gerbstoffe ins Wasser), fermentierter Tee (siehe Text)
Blüten (eigen, leichter Verwesungsgeruch > mehr dazu): Tee, essbare Dekoration
Früchte (süss, leicht adstringierend > mehr dazu): roher Snack vor Ort, Fruchtsalat, Beigabe im Salat, Smoothie, Sirup, Likör, Wilder Balsamico, Fruchtsaft, Mus, Konfitüre, Chutney
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Durch den hohen Gerbstoffgehalt (v.a. Gallo- und Ellagitannine) eignen sich die Blätter der Brombeere für typische Gerbstoff-Heilanwendungen. Für einen Tee werden 2 TL zerkleinerte Blättern in 150ml Wasser und für 10 bis 15 min im heissen Wasser ausgezogen.
Wunden (Blutstillung und Desinfektion): Dafür eignen sich Umschläge aus dem Brombeer-Teeauszug
Hautentzündungen / Neurodermitis (nasses Ekzem): Verwendet werden Umschläge aus dem Brombeer-Teeauszug. Die Umschläge werden ca. 3x am Tag für 1-2h aufgelegt und sind alle 10-20min zu erneuern (sobald sie warm und trocken sind). In der Zeit zwischen zwei Umschlägen werden feuchte Kompressen aufgelegt (resp. locker angebracht). Die Therapie darf jeweils nicht länger als 2-3 Wochen angewendet werden ist. Es ist auch eine Behandlung mittels Hand-, Fuss-, Sitz- oder Vollbäder möglich.
Entzündungen im Mund-Rachenraum: Mehrmals täglich den Brombeer-Teeauszug gurgeln.
Durchfall: Mehrere Tassen des Brombeer-Teeauszuges über den Tag verteilt trinken.
Entzündung von Zähnen und Zahnfleisch: Blätter kauen

Beschreibung
Von der Brombeere können nicht nur die leckeren «Beeren» genutzt werden, sondern auch die Blätter. Junge Blätter mit noch geringerem Gerbstoffgehalt eignen sich als Beigabe im Salat, während ältere Blätter eher zu Heilzwecken angewendet werden. Roh genascht oder als Tee können die Gerbstoffe bereits im Mund durch ihre adstringierende Wirkung gespürt werden, d.h. die Schleimhäute ziehen sich zusammen und es macht sich dort ein pelziges Gefühl breit (durch das Ausflocken von Eiweissen). Für die Heilzwecken nutzt man vor allem die lokal antimikrobielle, entzündungshemmend und blutstillende Wirkung der Gerbstoffe.
Ein kulinarischer Geheimtipp aus Brombeerblättern ist, wenn man diese ähnlich wie beim Schwarztee (oder auch Weidenrösschen-Blättern) fermentiert und dann einen Tee daraus zubereitet. Schwarztee entsteht auch nicht direkt am Strauch der Teepflanze, sondern durchläuft nach dem Pflücken der Blätter noch den Herstellungsschritt einer „Fermentation“. Die Teeblätter werden erst angewelkt, dann geknetet / gerollt und dann mehrere Stunden gelagert („fermentiert“), ehe sich dann der angenehme Geschmack entfaltet. Nach dem gleichen Prinzip geht man bei den Brombeer-Blättern vor, wodurch sich am Ende ein blumig-süsslich-fruchtiges Aroma bildet. Möglich wird das Ganze durch die enthaltenen Catechine und das Enzym „Polyphenoloxidase“ Letzteres oxidiert bei dieser „“Fermentation“ Polyphenole, wie z.B. die Catechine, wodurch angenehm duftende Aromastoffe (wie z.B. Theaflavine, Thearubigene) gebildet werden. Im Gegensatz zu einer echten Fermentation, ist es in diesem Fall nur eine enzymatische Reaktion, da keine Mikroorganismen beteiligt sind. Nach dem Sammeln werden die Blätter erst kurz angewelkt und zwar bis die Blätter schlaff, aber nicht zu trocken werden. Danach werden sie geknetet, gerollt und zerrupft. Dies ist der wichtigste Herstellungsschritt, denn die benötigten Enzyme befinden sich in den Blattzellen in abgeschlossenen Bereichen und mit dieser Bearbeitung wird der Zellverband aufgebrochen. Dann werden die Blätter in einer Schüssel, abgedeckt mit einem feuchten Küchentuch, ca. 1 bis 2 Tage gelagert. Am Ende werden sie rasch für die Lagerung getrocknet (im Backofen bei 40° Umluft mit leicht geöffnetem Spalt oder Dörrex).
Wenn botanisch von der «Brombeere» gesprochen wird, dann ist dabei eine Gruppe von mehreren 100, schwer abgrenzbaren Arten gemeint. Diese werden zur Vereinfachung zu einer sogenannten «Sektion» (in diesem Fall der Sektion «Rubus sect. Rubus») zusammengefasst. Brombeeren sind typische Pionierpflanzen gestörter Flächen. Nachdem sich dort zu Beginn vor allem Kräuter angesiedelt haben, werden diese kurze Zeit später rasch von den Brombeeren eingenommen. Vor allem nach Waldschlägen führt die nun starke Sonneneinstrahlung am Boden zu einer stärkeren Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile und damit zu einer Nährstoffanreicherung, was der Brombeere als Nährstoffzeiger ideale Wachstumsbedingungen bietet. Aber auch Krautsäume an Waldrändern oder Waldwegrändern werden von der Brombeere rasch überwuchert, so dass diese Stellen alle 1-2 Jahre gemäht werden müssen, um den Krautbewuchs zu erhalten. Ihre rasche Verbreitung verdanken die Brombeeren unter anderem der vegetativen Ausbreitung, nicht nur bodennah, sondern auch über bogige Ausläufer in der Höhe verläuft. Die Ausläufer können auch problemlos Hindernisse überwinden und sich bei erneutem Bodenkontakt wieder neu bewurzeln. Hinzu kommen die Stacheln, die ein effizienter Schutzmechanismus gegen Wildverbiss darstellen.
Die Brombeeren haben zweijährige Zweige. Diese treiben im Frühling mit den Blättern aus. Im Frühling darauf fallen diese Blätter (die überwintert haben) ab und aus dem Zweig treten nun die Blütenstände hervor. Der nun zwei Jahre alte Zweig stirbt dann im Herbst nach der Fruchtreife ab.
Armenische Brombeere (Rubus armeniacus): Ein wichtiger Vertreter innerhalb der Rubus-Sektion ist die Armenische Brombeere. Diese ist dadurch charakterisiert, dass ihre Stängel mit 1-3cm Durchmesser sehr dick sind und rote Kanten aufweisen. Auch sind die Stacheln am Grund rötlich gefärbt und die Blätter auf der Unterseite ausgesprochen weissfilzig. Der Namen suggeriert es bereits, dass die Art womöglich ursprünglich aus dem Kaukasusgebiet stammt. Sie wird gerne in den Gärten angebaut (wird auch «Garten-Brombeere» genannt), weil ihre Früchte sind nicht nur vergleichsweise gross, sondern auch ausgesprochen süss sind. Von den Gärten breitet sie sich als invasiver Neophyt rasch in der hiesigen Natur aus. Die Armenische Brombeere hat dabei eine besonders aggressive Wuchskraft, denn sie bildet nahezu das ganze Jahr ständig neue Triebe und ihre Früchte sind auch bei den Vögeln, also den Samen-Verbreitern, sehr begehrt. Sie kommt ausserdem auch an schattigen Stellen gut klar und auch längere Trockenphasen machen ihr nicht viel aus. An vielen Orten ist sie mittlerweile sogar schon die am häufigsten auftretende Brombeer-Art.

mögliche Verwechslungen
Kratzbeere (Rubus caesius) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Die Art wird auch «Blaue Brombeere» genannt. Sie gehört selbst zwar zur Gattung Rubus, jedoch nicht zur «Rubus-Sektion». Auch die Kratzbeere ist eine Pionierplanze, die sich vegetativ über weite Ausläufer rasch vermehren kann. Die im Gegensatz zur Brombeere deutlich schwächeren Stacheln kratzen eher, als dass sie stechen (evtl. deshalb der Name?). Die Früchte sind gegenüber Brombeeren eher fade und weniger saftig.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
handförmig-gefiederte Blätter mit eiförmig-zugespitzten Fiedern
gehört ebenfalls zur Gattung Rubus
Vorkommen auf ähnlichen Standorten
Unterschiede (u.a.)
Blätter immer 3-zählig
Blattrand doppelt, bzw. eher grob gezähnt
US (blass-)grün
Halbstrauch meist weniger als 50cm hoch; Stängel dünn und mit schwachen Stacheln
blüht bis in den Oktober
Frucht bläulich («bläulich bereift»); mit weniger, dafür jedoch grösseren Teilfrüchten

Wald-Himbeere (Rubus idaeus) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Gehört ebenfalls zur Gattung Rubus, jedoch nicht zur «Rubus-Sektion». Auch die Wald-Himbeere ist eine Pionierpflanze auf gestörten Standorten. Sie wächst gut auf Silikatböden und kommt dabei auch oft im Gebirge bis zur Baumgrenze (teils auch darüber hinaus) vor. Die Früchte lassen sich im Gegensatz zur Brombeeren leicht vom Blütenboden lösen und sind im Geschmack etwas zarter, dafür sind aber viel weicher und damit nicht so gut lager- bzw. transportbar. Himbeer-Kulturformen stammen zwar von der Wald-Himbeere ab, wurden jedoch oft auch mit amerikanischen Himbeer-Arten gekreuzt, so dass diese nicht nur etwas grösser, sondern auch etwas härter und damit weniger empfindlich wurden. Die Blätter werden heiltechnisch wie die Brombeere genutzt, resp. können gemäss HMPC auch innerlich bei leichten menstruationsbedingten Krämpfen angewendet werden. Auch die Blätter der Himbeere eignen sich, um sie wie beim Schwarztee zum «Fermentieren».
Gemeinsamkeiten (u.a.)
gefiederte Blätter mit eiförmig-zugespitzten Fiedern
gehört ebenfalls zur Gattung Rubus
Vorkommen auf ähnlichen Standorten
Unterschiede (u.a.)
Blätter fiederförmig (nicht handförmig) gefiedert, US dicht weissfilzig, alle Blätter fallen im Herbst ab
Zweige eher gerade; Stacheln dunkel, nur klein (<2mm) und fein, resp. nicht kletterfähig
reife Frucht rot; löst sich leicht aus dem kegelförmigen Blütenboden

< zur Startseite des erdflow-Phytikons
Grundlagen zum Sammeln - Botanische Grundlagen - Wildkräuterküche - Heilpflanzen / Phytotherapie - Mythologie - Pflanzenbeschreibungen
das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
teile diesen wertvollen Content:
folge erdflow auf Social-Media:




