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Giersch (Aegopodium podagraria)

Familie: Doldenblütler (Apiaceae), Gattung: Giersch (Aegopodium)
"für die einen im Garten ein lästiges Unkraut, für die Liebhaber Essbarer Wildpflanzen jedoch ein sehr würzig-aromatisches Kraut für Salat, Suppe, Pesto und vieles mehr"
Bestimmungsmerkmale
Blattanordnung: früh im Jahr nur grundständige Blätter (direkt aus dem Boden aus unterirdischen Ausläufern); ab ca. Mitte Frühling Stängelbildung mit wechselständigen Stängelblättern
Blätter: doppelt-gefiedert; auf beiden Fiederebenen jeweils 3-zählig (Fiedern teils zusammengewachsen); Blattstiel im Querschnitt 3-eckig bis v-förmig; Fiedern eiförmig (z.T. herzförmiger Grund), ca. 6cm lang, unregelmässig gesägt und kahl; obere Stängelblätter teils nur einfach gefiedert
Stängel: 30 bis 90cm hoch, nicht hohl, kahl
Blüten: In Doppeldolde angeordnet; Dolden ca. 15-25-strahlig; ohne Hüllblätter/Hüllblättchen; 5 weisse (z.T. rosa) und ausgerandete Kronblätter; blüht Mai / Juni (teils auch bis in den Herbst hinein)
Früchte: kahle, länglich-ovale (seitlich abgeflachte), ca. 3mm lange Doppelachäne
Zeigerwerte: schattig, nährstoffreich, feucht, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Waldwegrand, Waldrand, Hecken, halbschattige Krautsäume, Auenwälder
Fotos








Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Flavonoide
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, herb > mehr dazu): Salat, Salatbeigabe, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter Kräuterquark, Aufstriche, Blätterchips, Wildgemüse (Wildspinat), Suppe, Pesto, Sauce, Limonade, Smoothie, Streckmehl
Blüten (würzig > mehr dazu): Gewürz essbare Dekoration
Früchte (würzig > mehr dazu): Gewürz
Wurzel / Rhizome (aromatisch, herb): Streckmehl; junge, unverholzte Abschnitte auch roh oder als Wildgemüse nutzbar
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Giersch gilt generell als harntreibend. Er wurde früher in der traditionellen Volksheilkunde gegen Gicht eingesetzt, hat aber in der modernen Pflanzenheilkunde keine Bedeutung. Genauere, resp. neuere Untersuchungen hierzu fehlen. Ein möglicher Wirkmechanismus könnte der hohe Gehalt an Kaliumsalzen sein, welcher möglicherweise zu erhöhter Flüssigkeitsausscheidung und damit auch zur Ausscheidung von Harnsäure führen könnte.
Beschreibung
Der Giersch gehört zwar zur Familie der Doldenblütler, wo es auch giftige Doppelgänger gibt (dessen Blütenstände mit ihren Doppeldolden sehr ähnlich sehen). Anhand seiner Blätter und der Anwendung der 3-er Regel kann der Giersch jedoch sehr sicher bestimmt werden:
1. Blatt in drei Abschnitte unterteilt
2. diese Abschnitte sind wiederum in drei Teilblätter unterteilt
3. der Blattstiel ist dreikantig (bis v-förmig)
Da sich der Giersch stark über unterirdische Ausläufer vermehrt, kommt er an seinen Standorten meist in grosser Menge vor (sind teilweise schon fast «Giersch-Felder»). In der Regel findet man den Giersch an Halbschattenstandorten, doch er kann auch mit deutlich weniger Licht auskommen und so im Laubwald auch unter dem Kronendach auftreten, resp. ganze Teppiche ausbilden. Sein Geschmack ist sowohl «Karotten»- als auch «Petersilie»-ähnlich, was ihn zu einem vorzüglichen Wildgemüse macht. Leider wissen das viele Gartenbesitzer/-innen nicht und stempeln ihn zu Unrecht einfach nur als «lästiges Unkraut» ab. Ein Stück weit verständlich ist diese Zuweisung aber allemal, denn bei einer Bekämpfung ist der Giersch tatsächlich sehr robust. Die meisten Herbizide können ihm nichts anhaben und wenn doch, dann regeneriert er sich aus seinen unterirdischen Pflanzenteilen sehr rasch. Ausserdem sind die Samen im Boden noch viele Jahre lang keimfähig.
Teils findet man die Grundblätter auch in milden Wintern. Wer Glück hat, findet beim Ernten junge Rhizome-Abschnitte, die noch nicht verholzt sind und damit roh oder als Gemüse verwendet werden können. Gewisse Quellen warnen wegen dem enthaltenen Falcarinol auf die kulinarische Nutzung der unterirdischen Pflanzenteile. Die Mengen sind allerdings gering, resp. Falcarinol ist auch in anderen Doldenblütler, wie z.B. Karotten, enthalten. Dem Falcarinol wird aufgrund von Tierstudien sogar ein antikanzerogenes und entzündungshemmendes Potential zugeschrieben.
Der lateinische Namen «podagraria» kommt von «Podagra», dem Gichtanfall im Grosszehengrundgelenk, was auf seine frühere volksheilkundliche Verwendung hindeutet.
mögliche Verwechslungen
Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
>>> mehr zur Wald-Engelwurz hier in der entsprechenden Pflanzenbeschreibung <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae)
Vorkommen auf ähnlichen Standorten
Unterschiede (u.a.)
meist mehr als 3 Fiedern pro Ebene, z.T. 3-fach gefiedert
Blattrand fein gezähnt
Blattstiel hohl und u-förmig; an den Fiederansätzen mit rotem bis dunkelviolettem Ring
Pflanze kann bis zu 3m hoch werden
Döldchen kugelig und mit Hüllblättchen
Früchte geflügelt
Vorkommen auch auf nassen Wiesen und Ufern bzw. weniger nährstoffreichen Standorten

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