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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gemeiner Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)
Illustration des Hirtentäschels (Capsella bursa-pastoris). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae), Gattung: Hirtentäschel (Capsella)

"ein sehr häufiges, leicht schärfliches Ackerunkraut, welches nahezu das ganze Jahr über geerntet werden kann "

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Blätter: dichte Grundrosette und wechselständige Stängelblätter; behaart (einfache Haare, Gabelhaare bis Sternhaare)


Stängel: 5 bis 40cm hoch (teils auch bis 70 cm); oft verzweigt; behaart (einfache Haare, Gabelhaare bis Sternhaare)


Blüten: Einzelblüten in endständigen Trauben angeordnet; blüht v.a. März bis November (teils auch mitten im Winter)

  • Einzelblüten: lang gestielt; Kronblätter weiss; 2-3mm lang (länger als Kelchblätter)


Früchte: 3-eckig bis verkehrt-herzförmige Schötchen, 0.4 bis 1cm lang; Seitenflächen leicht nach aussen gewölbt (konvex), sehr lang lang und abstehend gestielt; pro Fach bis zu 12 Samen


Zeigerwerte:  hell, mässig trocken, nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte:  Äcker, Ruderalflächen, ruderale Weg- und Strassenränder

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (v.a. Sinigrin und Gluconasturtiin), Flavonoide, Pflanzenpeptide (Bursin, Bursaponin, Capsellin), Amine (Cholin, Acetylcholin, Tyramin), Phenolsäuren, Gerbstoffe, wenig Saponine


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


 

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • Reduktion von starken Monatsblutungen: Diese Anwendung (bei Frauen mit regelmässigem Zyklus und nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden) wird auch von HMPC als «traditional use» anerkannt. Die Anwendung erfolgt innerlich durch Tee (ca. 1 TL getrocknetes Kraut in 150ml heisses Wasser für 10 bis 15min ausziehen) oder Tinktur (1:5 bei 25 Vol%, pro Dosis 0.5 bis 1.5 ml, bzw. 10 bis 30 Tropfen), mit einer Einnahme 2 bis 3x täglich. Gemäss in-vitro- und Tierstudien nachgewiesen können die enthaltenen Amine (Cholin, Acetylcholin und Tyramin) zu einer Verengung der Blutgefässe führen. Amine und Peptide würden dabei zusätzlich die Kontraktion der Utuerusmuskulatur anregen, während Flavonoide die Gefässwände stabilisieren. Alle diese Effekte könnten so synergistisch zu einer Reduktion des Blutdurchflusses führen. Klinische Studien existieren jedoch nicht, doch der Wirkmechanismus scheint gemäss HMPC plausibel zu sein.

    Ernsthafte Ursachen müssen ärztlich ausgeschlossen werden! Nur bei regelmässigem Zyklus! Anwendung maximal 3 bis 5 Tage pro Zyklus! Keine Anwendung bei Personen < 18 Jahre oder bei Schwangerschaft / Stillzeit !


  • Wunden (Blutstillung und Desinfektion): Dem Hirtentäschel wird eine schwach blutstillende Wirkung nachgesagt. Hier könnten die enthaltenen Gerbstoffe, aber auch die oben genannten Gefässverengenden Wirkungen der Amine, Peptide und Flavonoide eine Rolle spielen. Es liegt hierzu aber weder von HMPC, noch von ESCOP eine Bearbeitung vor. Traditionell wurden zerquetschte Pflanzenteile oder Umschläge aus dem Pressaft jeweils für 20min auf die Wunden gelegt. Für Nasenbluten wurden die Pflanzenteile oder Wattebausche, die mit dem Presssaft getränkt waren, ins Nasenloch gestopft. Nach Wichtl 2026 kann für einen Umschlag / Wattebausch auch ein starker Tee zubereitet werden (2 EL zerkleinertes Kraut in 150ml Wasser für 10 bis 15min ziehen lassen). Möglich ist auch eine 1:10 verdünnte Tinktur (1:5 bei 25 Vol%). Anwendung 2 bis 3x täglich.


  • Reduktion von Nachgeburtsblutungen? In der Volksmedizin wurde der Hirtentäschel auch als Blutstillkraut bei Nachgeburtsblutungen eingesetzt. Dabei wurde der Tee oder eine Tinktur jeweils 3x täglich verabreicht. Die mögliche Wirkung könnte ähnlich wie bei den Effekten zur Reduktion von Monatsblutungen erklärt werden. HMPC rät jedoch ausdrücklich von so einer Verwendung ab, da nicht nur keine klinischen Daten zur Wirksamkeit (wahrscheinlich viel zu schwach), sondern auch keine Daten zur Sicherheit vorliegen. Weiter könnten Uteruskontraktionen unter Umständen die Blutungen sogar verstärken. Starke Nachgeburtsblutungen, die verschiedenen Ursachen haben können, sind sowieso auch generell potentiell lebensgefährlich und gehören in eine sofortige ärztliche Behandlung. Es gibt eine klinische Studie vom Jahr 2017 aus dem Iran, der an 100 Frauen den Effekt vom Hirtentäschel bei sublingualer Einnahme eines alkoholischen Extraktes (zusätzlich zum standartmässig verabreichten Oxytocin) auf die Reduktion von Blutungen in den ersten 2 Stunden nach der Geburt untersucht hat. Dabei war der Blutverlust bei der Kontrollgruppe signifikant geringer als bei der Placebogruppe.

Beschreibung

Der Hirtentäschel stammt ursprünglich aus dem westasiatisch-mediterranen Raum und ist mittlerweile als kosmopolit auf allen Kontinenten in der gemässigten und subtropischen Regionen verbreitet. Es handelt sich um eine Pionierpflanze nährstoffreicher und trockener Böden, die sich rasch auf gestörten Boden ausbreiten kann. Er ist ein typisches Ackerunkraut und nicht zuletzt geht man auch davon aus, dass er vor allem durch die Ausbreitung des Ackerbaus als Archäophyt nach Mitteleuropa gelangt ist.


Als ein- bis zweijährige Pflanze kann der Hirtentäschel sowohl im Herbst (winterannueller Typ), als auch im Frühling (sommerannueller Typ) keimen. Wenn die Bedingungen stimmen, bildet sich meist noch eine zusätzliche dritte Generation im Sommer. Dabei bildet sich erst die Grundrosette, die für die Überwinterung ausgesprochen frosthart ist. Bei den winterannuellen Exemplaren bilden sich die Stängel mit den Blüten meist ab Spätwinter. Der Hirtentäschel kann in mildem Wetter aber auch den ganzen Winter durch blühen. Während die Blüten nach der Befruchtung zu den typischen herzförmigen Früchten heranreifen, werden am Stängelende über Wochen bis Monate immer wieder neue Blüten gebildet. Die Blüten bestäuben sich hauptsächlich selbst, doch auch Fremdbestäubung durch Insekten ist möglich.


Die Schötchen platzen bei Reife auf, wodurch die Samen herausgeschleudert werden. Da die Samenschale bei Feuchtigkeit etwas schleimig-klebrig wird, können sie sich am Boden an Tierpfoten, Tierfell, Schuhen, Reifen, usw. anhaften und so sekundär über grössere Distanzen verbreitet werden. Die Samen können sowohl sofort keimen, als auch Jahrzehnte lang ruhen und dann keimen, wenn die Bedingungen optimal sind.

Bei genauerem Hinschauen (mit der Lupe) lassen sich an den Blättern und am Stängel Haare erkennen, die gabelig- bis sternförmig verzweigt sind. Dies ist eine Anpassung an die trockenen Standorte, Dabei wird einerseits durch Reflexion des Sonnenlichts die Aufheizung reduziert und andererseits werden so die Luftbewegungen an der Pflanzenoberfläche abgeschwächt von. Beides führt zu einer Reduktion der Verdunstungsrate und damit einer Verringerung von Wasserverlust.


Als essbare Wildpflanze steht uns der Hirtentäschel also das ganze Jahr zur Verfügung, auch im Winter. Vom Geschmack her sind die Blätter, bedingt durch den tieferen Gehalt an Senfölglykosiden, deutlich weniger als scharf als andere Kreuzblütler, wie z.B. das Wiesen-Schaumkraut. Etwas mehr Schärfe haben jedoch die Blüten und vor allem die Früchte mit den Samen.

 

mögliche Verwechslungen

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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