top of page

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
Illustration des Wiesen-Salbei (Salvia pratensis). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. kreuzgegenständig, Stängel 4-kantig,

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Salbei (Salvia)

"Dabei handelt es sich um die bei uns heimische und etwas mildere Variante des Salbei"

 

Bestimmung

Blattanordnung: Grundrosette (Blätter lang gestielt) und wenige kreuzgegenständige Stängelblätter (kurz gestielt bis sitzend)


Blätter: eilanzettlich bis herzlanzettlich, 5 bis 20 cm lang; wellig zerkraust und unregelmässig / eher stumpf gezähnt; runzelig; z.T. rötlich überlaufene Mittelscheitel; behaart; beim Zerreiben aromatischer Salbei-Duft


Stängel: 30 bis 60 cm hoch; 4-kantig, dick, hohl; oft verzweigt; klebrig; v.a. oben behaart


Blüten: Einzelblüten in endständiger Ähre (stockwerkartig in Scheinquirlen); blauviolett (selten weiss); Oberlippe helmförmig, sichelförmig gebogen und langgezogen; für Lippenblütler untypisch nur 2 Staubblätter; blüht Mai bis August


Früchte: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind


Zeigerwerte: hell, mässig trocken, nährstoffarm, neutral bis basisch


typische Standorte: sonnige Trockenwiesen und-weiden (v.a. an den Steilböschungen), in tiefen Lagen teils auch auf mässig nährstoffreichen Fettwiesen

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (B-Caryophyllen, Germacren D, Linalool, a-Humulen, Ocimen-Derivate,…), Gerbstoffe (v.a. Rosmarinsäure), Flavonoide (v.a. Luteolin- und Apigenin-Gkykoside, Quercetin-Derivate), Triterpene (Urolsäure, Oleanolsäure), Diterpene (Pratensol, Pratenon und B,…)


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Die Wirkungen des Echten Salbei (Salvia officinalis), bei Entzündungen im Mund-Rachenraum oder Zahnentzündungen können wegen den ähnlichen Inhaltstoffen auch auf den Wiesen-Salbei übertragen werden, dürften durch den um ein Vielfaches geringeren Gehalt an Ätherischen Ölen (und der etwas anderen Zusammensetzung > kaum Thujon) aber deutlich schwächer ausgeprägt sein.

Beschreibung

Der Wiesen-Salbei ist eine in Mitteleuropa heimische Salbeiart. Seine Verbreitung erstreckt sich nahezu über das gesamte Europa (ausser Nordeuropa). Er ist dabei auf kalkhaltigen Boden und trocken-warme Standorte (oft Südhänge) angewiesen. Sehr charakteristisch ist der Wiesen-Salbei auf den Wiesen und Weiden an den trockenen Südhängen im Jura, doch auch im Mittelland und in den tiefen Lagen der Alpentäler trifft man ihn an. Wenige Schnitte pro Jahr verträgt der Wiesen-Salbei problemlos, d.h. er kann rasch wieder neu austreiben und auch mit gelegentlichem Tritt kommt er klar. Vom Weidevieh wird er nicht bis wenig gefressen. Er besiedelt auf Wiesen oft Trittlücken, bzw. Bereiche wo die Vegetation Lücken aufweist.


Die mehrjährige Pflanze überwintert als Grundrosette. Diese frostharten Grundblätter können somit auch im Winter gesammelt werden. Im Frühling treiben schliesslich die Stängel aus und im Mai beginnt die mehrmonatige Blütenzeit. Der Stängel wächst dabei fortlaufend in die Höhe und dabei werden ganzen oben immer wieder neue frische Blüten gebildet, während unten am Stängel bereits die ersten Früchte heranreifen. Aufgrund der langen Kronröhre werden die Blüten vor allem durch langrüsselige Bienen und Hummeln bestäubt. Die Staubfäden weisen am Grund einen Hebelmechanismus auf, der dafür sorgt, dass beim Eindringen des Insektenrüssels in die Kronröhre (um an den Nektar zu gelangen) die Staufäden nach unten bewegt werden und so der Pollen auf den Stabbeuteln auf dem Rücken der Insekten abgestreift wird. Dieser Mechanismus ist typisch für die Arten aus der Gattung Salvia. Die Früchte fallen bei Reife mit der Schwerkraft zu Boden. Durch ihre raue Oberfläche werden sie von dort aus teils auch durch Anhaftung an Tiefpfoten oder Tierfell sekundär weiterverbreitet. Auch mit dem Oberflächenwasser können sie etwas hangabwärts verlagert werden. Am Ende der Blüte-/Fruchtzeit sterben die Stängel ab und es wird eine neue überwinternde Grundrosette gebildet.


In der Volksheilkunde und auch in der traditionellen Küche war der Wiesen-Salbei jeweils die heimische wilde, aber auch mildere und schwächere Variante des Echten Salbei. Die Blüten wurden auch zum (Blau-)färben genutzt (Farbstoffe jedoch lichtinstabil). Heutzutage ist der Wiesen-Salbei eine beliebte Zierpflanze in naturnahen Gärten und lockt dabei viele heimische Wildbienen an (plus sieht auch schön aus). Die Art ist in der Landschaftspflege eine wichtige Charakterart für ökologisch wertvolle Trockenwiesen und -weiden.

 

mögliche Verwechslungen

Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


Der Klebrige Salbei wächst vor allem an Waldweg-Rändern, in lichten Laubwäldern, Schluchtwäldern oder auch zwischen Gebüschen. Er bevorzugt zwar kalkreicher Boden, kommt aber auch mit Silikatböden klar. Im Gegensatz zum Wiesen-Salbei ist er auf nährstoffreiche und feuchte Boden angewiesen. Der Verbreitungsschwerpunkt in der Schweiz liegt im Jura, den Mittelland-Hügelzügen, der montanen Stufe der Alpen und auch dem Südtessin. Der Salbei-Duft ist in der Blütezeit (die erst im Juli beginnt) sehr intensiv! Dieser intensive Duft kommt von den zahlreichen Drüsenhaaren, die sich im oberen Bereich des Stängels, aber auch den Kelchblättern und an den Kronblättern befinden. Am Ende solcher Haare befinden sich kleine kugelige Nektardrüsen, die Nektar absondern. Dies macht die Pflanze nicht nur sehr aromatisch, sondern auch klebrig (deshalb auch der Name). Man vermutet, dass es sich dabei um einen Abwehrmechanismus gegen Fressfeinde handelt (die bleiben dabei am Stängel „kleben“). Kulinarisch lohnen sich vor allem die Blüten und die oberen Stängelbereiche. Die Blätter sind deutlich weniger aromatisch.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter kreuzgegenständig, Stängel 4-kantig und behaart

  • Blütenform; Einzelblüten in endständiger Ähre in Scheinquirlen

  • Salbei-Geruch


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter (herz- bis) spiessförmig und am Ende zugespitzt; Blattrand nicht wellig zerkraust, stattdessen unregelmässig grob gesägt

  • keine Grundrosette, Blätter lang u-förmig gestielt

  • Stängel bis 1 m hoch, klebriger und vor allem im oberen Bereich dicht drüsig behaart

  • Blüten gelb bis braunrot; Unterlippe deutlich 3-teilig und rötlich gefleckt


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Klebrigen Salbei gegenüber dem Wiesen-Salbei.


Echter Salbei (Salvia officinalis) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


>>> mehr zum Echten Salbei (insbesondere Heilanwendungen) in der entsprechenden Pflanzenbeschreibung <<<


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter kreuzgegenständig und runzelig, bzw. stumpf gezähnt

  • Stängel 4-kantig

  • Blütenform: Einzelblüten in endständige Ähre in Scheinquirlen

  • Salbei-Geruch


Unterschiede (u.a.)

  • ·Blätter eilanzettlich, ganzrandig bis fein-stumpf gesägt und nicht wellig zerkraust; nur ca. 2 bis 7 cm lang

  • Stängel bis 1m hoch und am Grund verholzt; keine Grundrosette

  • Blüten violett; Oberlippe fast gerade

  • Pflanze stark aromatisch


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Echten Salbei gegenüber dem Wiesen-Salbei.

 

Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) - ungiftig / essbar


Der Salbei-Gamander erinnert von der herzlanzettlichen Blattform und dem runzeligen Blattmuster an Salbei-Arten. Der Geschmack ist jedoch eher bitter und streng bis unangenehm, bzw. hat wenn, dann nur eine ganz schwache «Salbei-Note». Das Vorkommen erstreckt sich v.a. auf lichte Wälder, Waldränder und Waldwegränder auf saurem bis neutralem Boden (ist jedoch kein strenger Kalkmeider).


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter ähnlich

  • gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae)


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter herzförmig, u-förmig gestielt z.T. zottig behaart

  • jung zwar Grundrosette, doch dann zu einem Halbstrauch aufrichtend (Stängel unten verholzt)

  • Blüten in Ähren aus den Blattachseln

  • Einzelblüten matt-gelbgrün; ohne Oberlippe, aber 5-teiliger Unterlippe

  • gehört zur Gattung Gamander (Teucrium)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Salbei-Gamander gegenüber dem Wiesen-Salbei.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

folge mir auf Social-Media:

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

teile diesen wertvollen Content:   

Fotos
Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
mögliche Verwechlungen
400PngdpiLogo.png

©2021 erdflow. Erstellt mit Wix.com

Outdoor.jpg
bottom of page