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Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)

Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae), Gattung: Brunnenkresse (Nasturtium)
"ein leckeres scharfes Würzkraut, welches in Bachläufen wächst"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; 5 bis 15 cm lang; gefiedert; untere Blätter pro Seite mit meist 1 bis 4 Fiederpaaren (je höher am Stängel, desto mehr Fiederpaare); grosser Endabschnitt; OS matt bis glänzend, bzw. hellgrün, gelbgrün bis dunkelgrün; kahl
Stängel: kriechend bis aufsteigend; 30 bis 90cm hoch; verzweigt; kantig; kahl; hohl
Blüten: weisse Einzelblüten an den Stängelenden in dichten Trauben angeordnet; blüht Juni bis September
Einzelblüten: 4 weisse (nach der Blüte lila) und ovale Kronblätter, ca. 3.5 bis 5 mm lang; gelbe Staubbeutel
Früchte: stabförmige Schote, 1 bis 2cm lang; nach oben gebogen; Samen in der Frucht pro Fach in zwei Reihen angeordnet; Stiel kürzer als Frucht; abstehend bis rückwärts ausgerichtet
Zeigerwerte: halbschattig, überschwemmt bzw. im Wasser, nährstoffreich, neutral bis basisch, salztolerant
typische Standorte: im Bereich langsam fliessender Wasserläufe (Bäche, Flüsse oder Quellen)
Fotos

©hjschneider – stock.adobe.com

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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (v.a. Gluconasturtiin), Flavonoide, Phenolsäuren
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (erfrischend, würzig, scharf > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz (frisch und roh verwenden!), kurz (1 bis 2min) blanchiert als Wildgemüse, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Suppe, Pesto, Sauce, Likör, Kräuteressig
Blüten (würzig, scharf > mehr dazu): wie die Blätter, zusätzlich als essbare Dekoration
unreife Früchte (würzig, scharf > mehr dazu): kleingeschnitten als Gewürz
Samen (würzig, scharf > mehr dazu): Gewürz, Senf - die Samen sind sehr klein !
Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben In der Volksheilkunde werden der Pflanze eine appetitanregende, verdauungsfördernde,, antibakterielle und auswurffördernde Wirkung zugeschrieben. Mögliche Wirkstoffe sind dabei die enthaltenen Senfölglykoside. Es wurde traditionell auch zur Reinigung im Rahmen der «Frühjahrskur» eingenommen. Zubereitet wurde es typischerweise als Presssaft oder Kaltauszug, der jedoch auch zu Magenreizungen führen kann. Kommission E widmete dem Kraut sogar eine Monographie. Von HMPC und ESCOP gibt es keine Bearbeitung.
Beschreibung
Die Brunnenkresse ist eine typische Wasserpflanze und wächst im Bereich langsam fliessender Gewässer. Während sie mit Wurzel und dem unteren Sprossabschnitt im Wasser untergetaucht ist, ragen die oberen Bereiche meist etwas über die Wasseroberfläche. Der Stängel ist mehrheitlich kriechend und dabei bis zu einem Meter lang. Er wurzelt jeweils an den Knotenpunkten und wächst nur leicht aufsteigend in die Höhe. Mit dem Stängel breitet sich die Art auch vegetativ entlang von Wasserläufen aus, so dass sich mit der Zeit dichte Teppiche bilden. Die Hohlräume in der Mitte des Stängels stellen unter Wasser den Sauerstofftransport sicher. Dank der weichen Ausbildung können die Stängel der Strömung nachgeben und brechen dadurch nicht so leicht. Eine starke Strömung hat aber eine zu starke mechanische Belastung zur Folge, so dass in diesem Fall die Stängel trotzdem beschädigt werden können. Ausserdem können dabei auch die zarten Wurzeln herausgerissen werden. Abgetrennte und fortgespülte Sprossbereiche können sich aber flussabwärts wieder neu bewurzeln. Bei Gewässern, wo generell eine starke Strömung herrscht, kann die Brunnenkresse aber trotzdem überleben, sofern sie sich hinter Steinen ansiedelt, wo die Strömung reduziert ist. Die Strömung darf aber auch nicht stagnieren, denn das würde zur Versandung oder raschen Verschlammung des Gewässergrundes und damit ebenfalls zum Absterben der Pflanzen führen. Weiter darf der Wasserpegel nicht zu grossen Schwankungen unterworfen sein, denn bereits eine kurze Austrocknungsperiode von wenigen Tagen kann sich für entsprechende Sprossabschnitte fatal auswirken. Die Art hat auch Anforderungen an die Qualität des Wassers, denn dieses muss klar und ständig kühl sein. Ebenso verträgt sie keine zu starke Nährstoffanreicherung mit Stickstoff und Phosphat, denn damit wird sie rasch von anderen Arten verdrängt, bzw. von Algenbewuchs überzogen. Stattdessen braucht sie im Wasser hohe Konzentrationen an Calcium und Magnesium, was vor allem in Kalkgebieten der Fall ist. Die idealen Lebensbedingungen findet die Brunnenkresse an Quellbächen (schwache Strömung, mineralstoffreich, kaum Stickstoff, konstante Temperatur und konstanter Wasserspiegel).
Auf jedenfall ist die Art ausdrücklich kein Zeiger eutrophierter oder verschmutzter Gewässer, wie man oft im Internet liest, sondern eher das Gegenteil. Warnungen, die beim Konsum auf die Gefahr einer Infektion mit dem Grossen Leberegel hinweisen, sollte man ober trotzdem ernst nehmen. Der Grosse Leberegel ist ein Parasit, der bei einer Infektion die Leber angreift. Er kommt vor allem in den Gebieten mit Weidewirtschaft vor. Deren Eier können sich nämlich an Wasserpflanze, wie der Brunnenkresse, anhaften, wodurch man sich durch einen rohen Verzehr damit infizieren kann. Zahlreiche Fälle, die auf den Verzehr von Brunnenkresse zurückgeführt wurden, wurden in der Vergangenheit vor allem in Frankreich, aber auch vereinzelt in der Schweiz dokumentiert! Abwaschen reicht nicht, sondern nur Erhitzen (>60°C, mind. 1min) tötet die Eier ab. Dies bringt jedoch nicht viel, da man die Brunnenkresse kulinarisch roh nutzt /wegen der Verflüchtigung des Aromas beim Erhitzen). Für den rohen Verzehr darf man Brunnenkresse nur in Gewässern sammeln, die kühl und klar und vor allem nicht von Weiden (direkt in der Nähe oder Gewässeraufwärts) beeinflusst sind!
Mit seinem würzig-scharfen Geschmack ist die Brunnenkresse ein hervorragendes Würzkraut. Wie für Kreuzblütler typisch, kommen Geschmack und Schärfe von den enthaltenen Senfölglykosiden. Da sich diese beim Trocknen und Erhitzen rasch verflüchtigen, wird das Kraut bevorzugt roh verwendet, z.B. als Salatwürze, Pesto oder im Kräuterbutter. Traditionell wurde die Brunnenkresse aber auch als Frühlingsgemüse und für Supppen verwendet. Dabei sollten die Blätter für einen optimalen Geschmack aber nur schonend und kurz angedünstet werden, resp. bei der Suppe wirklich erst am Ende der Kochzeit dazugegebenen werden. Da die Brunnenkresse in der Regel wintergrün ist, kann sie das ganze Jahr gesammelt werden, wobei der Geschmack im Frühling und Herbst (dann wenn viele neue Triebe gebildet werden) am besten ist. Im Sommer ist der Geschmack etwas bitterer. Die Brunnenkresse ist nicht nur eine heimische Wildpflanze, sondern wird seit dem 19. Jahrhundert auch landwirtschaftlich kultiviert. Der Anbau erfolgt in sogenannten «Kressegärten», also flachen Wasserbecken, die konstant mit klarem, kühlem und kalkhaltigem Quellwasser durchströmt werden. Von Herbst bis Frühling erfolgt dann alle paar Wochen eine Ernte der Triebspitzen. Im Supermarkt kann man diese dann als Frischprodukt kaufen (in Migros oder Coop oft in Kunststoff-Schale verpackt und mit kurzer Haltbarkeit).
mögliche Verwechslungen
Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara) – ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung,
Auch das bittere Schaumkraut ist eine Wasserpflanze, die man im Bereich von kühlen, klaren und kalkhaltigen Gewässern vorfindet. Es ist nicht allzu selten, dass die Art dabei sogar direkt neben der Brunnenkresse wächst. Der grosse Unterschied liegt darin, dass bei den Standorten des Bitteren Schaumkrautes jeweils kein Überschwemmen eines Bachlaufes, sondern nur ein konstantes Überrieseln und Tropfen mit Wasser vorhanden ist. Damit kommt das Bittere Schaumkraut eher an schlammig-nassen Quellhängen oder Quellmulden am Rand von Gewässern und nicht direkt in Bach/Flussrinnen oder innerhalb von Quellbächen vor («Bitteres Schaumkraut wächst dort wo’s tropft, Brunnenkresse dort wo’s rinnt»). Geschmacklich ist auch das Bittere Schaumkraut würzig-scharf, hat aber gleichzeitig auch eine etwas herbe Note.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
fiederteilige Blätter mit grösserem Endabschnitt; Blätter etwa gleich lang wie bei der Brunnenkresse; keine Grundrosette
Stängel kantig, mit kriechenden beblätterten Ausläufern
weisse Einzelblüten in dichten Trauben angeordnet; stabförmige Hülsenfrüchte
Unterschiede (u.a.)
Blätter meist mit 2 bis 5 (teils auch bis 9) Fiederpaaren; Grundblätter aus den Ausläufern
Stängel nicht hohl; aufrecht oder aufsteigend; meist unverzweigt
Staubblätter purpurn
Schoten gerade, länger (2 bis 4cm lang); aufrecht bis abstehend; pro Fach nur eine Samenreihe
gehört zur Gattung Schaumkraut (Cardamine)

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