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Wiesen Labkraut (Galium mollugo aggr.)

Familie: Rötegewächse (Rubiaceae), Gattung: Labkräuter (Galium)
"ein häufiges Kraut auf gut gedüngten und oft gemähten Wiesen, welches man das ganze Jahr über vorfindet"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: Stockwerk-artig in Quirlen à 6 bis 8 (z.T. bis 10) Blätter angeordnet; sitzend; lanzettlich-spitz (mit Stachelspitze), 1-2.5 cm lang; ganzrandig (jedoch etwas «rau» anfühlend); Mittelnerv oben eingedrückt, Seitennerven nicht sichtbar
Stängel: 30 bis 150 cm hoch; 4-kantig; verzweigt; kahl bis leicht behaart
Blüten: in endständiger, vielblütiger und grosser Rispe; Einzelblüten mit 4 weissen und lanzettlichen, resp. am Ende spitzen Kronblättern (die am Grund zu einer Röhre verwachsen sind); 4 unscheinbare Kelchblätter; blüht Mai bis Oktober
Früchte: kugelige Nüsschen (+/- glatt, d.h. ohne Hakenborsten); Durchmesser 2 bis 5 mm; pro Blüte bilden sich jeweils zwei Früchte, die erst zusammengewachsen sind und sich dann während der Reifung voneinander trennen (Spaltfrucht)
Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit wechselnd), schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Fettwiesen, lichte Wälder, Krautsäume
Fotos


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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Asperulosid (gehört zu denIridoidglykosiden), Gerbstoffe, Ätherische Öle
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter / Triebspitzen (aromatisch, nussig, herb > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Gemüsebeigabe, Suppe, Sauce, Limonade, Smoothie
Blüten (angenehm duftend, nussig, herb > mehr dazu): essbare Dekoration, Gewürz, Tee, Limonade
Früchte (nussig, herb > mehr dazu): Gewürz, Beigabe in diversen Gerichten (z.B. Salat), geröstet und vermahlen als Kaffeeersatz
Beschreibung
Das Wiesen-Labkraut ist ein auf intensiv genutzten Wiesen ein sehr häufiger Vertreter. Es ist auf Wiesen zwar generell nicht so konkurrenzstark, kann sich jedoch nach Schnitten rasch regenerieren, resp. wieder austreiben. Die Stängel wachsen teilweise liegend, womit sich die Art für die mechanische Stabilität gerne anderen Pflanzen (meist Gräser) «anlehnt», statt stabile Stängel zu bilden. Die Blütenstände mit sehr vielen kleinen Einzelblüten können teils sehr ausladend und imposant werden. Im Gegensatz zu anderen Labkräutern haben die Nüsschen des Wiesen-Labkrautes keine so ausgeprägte Borstenhaare, womit die Klettverbreitung (Anhaftung an Tierfell) nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Nüsschen werden deshalb vor allem in der Umgebung der Mutterpflanze verteilt, können dort aber umso mehr bei Störungen (z.B. Wiesen-Schnitt) rasch grossflächig austreiben.
Der Name «Labkraut» kommt daher, dass einige Arten aus der Gattung Labkraut (Galium), wie z.B. Echte Labkraut (Galium verum), früher als Gerinnungsmittel bei der Käseherstellung genutzt wurden. Um Käse herzustellen, wird der frischen Rohmilch das sogenannte Lab zugesetzt. Tierisches Lab wird aus den Mägen von Kälbern von gewonnen und enthält Enzyme, welche das Milcheiweiss (welches in der Milch die Emulsion stabilisiert) spaltet. Dies führt dazu, dass sich die Milch scheidet und zwar zum einen in die festen Bestandteile (die dann weiter zu Käse verarbeitet werden) und zum anderen in die flüssige Molke (man spricht bei diesem Vorgang von der «Gerinnung»). Enzyme, welche das Milcheiweiss spalten können, findet man auch in gewissen Pflanzen, wie z.B. den Labkräutern, wobei dessen Effekt deutlich geringer sind als beim tierischen Lab. Das pflanzliche Lab der Labkräuter besteht dabei aus den Enzymen der Gruppe «Aspartylproteasen». In der heuten Zeit gibt es einzelne Käsereien, die wieder mit Labkraut-Lab herumexperimentieren.
Im Gegensatz zum ähnlich aussehenden Waldmeister, enthält das Wiesen-Labkraut kein Cumarin und kann deshalb gefahrlos auch in höheren Mengen konsumiert werden. Im Geschmack ist das Kraut angenehm nussig. Frisch ausgetriebene, niedrig wachsende Triebe des Wiesen-Labkrautes findet man auch den Winter durch, wodurch es sich um ein ganzjährig zur Verfügung stehendes Kraut handelt. Wiederaustriebe im Hochsommer oder Herbst sind in der Regel kleinwüchsiger als im Frühling, resp. deren Blütenstände sind dann auch deutlich weniger ausladend. Die Nüsschen im Sommer schmecken zwar lecker, sind jedoch so klein, dass der Sammelaufwand sehr hoch ist.
mögliche Verwechslungen
Waldmeister (Galium odoratum) - (mit Vorsicht) ungiftig / essbar, max. 3g Frischmasse verwenden !
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Anordnung in Quirl, Blattform, 4-kantiger Stängel
Unterschiede (u.a.)
Blätter länger (2 bis 6cm); Stängel unverzweigt
Blüten in kleiner Trugdolde; Früchte und mit hakigen Borsten
beim Anwelken typischer Waldmeister-Duft
keine Wiesen-, sondern eine Waldpflanze

Wald-Labkraut (Galium sylvaticum) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Anordnung im Quirl, Blattform, Stängel verzweigt, Früchte kahl
Blüten in sehr grosser und vielblütiger Rispe
Unterschiede (u.a.)
Pflanze immer kahl
Blätter etwas länger (2 bis 4cm lang); bläulich bereift; US graugrün
Stängel rund oder mit 4 schwachen Längsrippen
Waldpflanze

Alpen- / Ungleichblättriges Labkraut (Galium anisophyllon) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Gemeinsamkeiten (u.a.)
lanzettliche Blätter mit Stachelspitze à 7-9 im Quirl angeordnet, Stängel 4-kantig, Früchte glatt
Unterschiede (u.a.)
Blätter nach vorne breiter werdend, am Rand kleine Stacheln
Stängel unten sehr dünn, viele sterile Triebe
Blüten deutlich grösser (3-4mm), Rispen kleiner und schirmförmig, blüht Juni bis September
Vorkommen auf Schutt, sowie steinigen Wiesen und Weiden erhöhter Lagen (Jura, Alpen) bis ca. 3'000 m ü. M.

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