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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia)
Illustration des Gewöhnlichen Löwenzahns (Taraxacum sect. Ruderalia) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet.

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Löwenzahn (Taraxacum)

"Man findet den Löwenzahn sowohl auf intensiv genutzten Fettwiesen, als auch auf Ruderalflächen. Er ist vielseitig kulinarisch einsetzbar: Wurzeln als Gemüse, Blätter im Salat, Blütenknospen als Gemüse / Falsche Kapern und die Blüten für Sirup und Honigersatz"

 

Bestimmung

Blätter: in Grundrosette angeordnet; ungestielt; lanzettlich, meist 10 bis 20 cm lang; kahl bis leicht behaart (v.a. unten an den Nerven); weisse Mittelrippe hohl und mit Milchsaft

  • Blattrand: leicht bis stark Schrotsägen-förmig eingeschnitten (d.h. 3-eckige, zum Blattgrund weisende Abschnitte); Einschnitte in der Form sehr unterschiedlich (je nach Pflanze, aber auch innerhalb einer Pflanze); Abschnitte oft gezähnt


Blüten: kleine gelbe Zungenblüten in einem Blütenkorb angeordnet (ohne Röhrenblüten); Blütenkorb 3 bis 7 cm breit; äussere Hüllblätter zur Blütezeit schmal und zurückgeschlagen; Blütenkorb schliesst sich in der Nacht und bei Nässe, bzw. Trockenheit; blüht hauptsächlich April / Mai (gewisse Exemplare aber auch bis in den Herbst hinein)


Blütenstiel: 5 bis 30 cm hoch; blattlos; hohl und Milchsaft-führend


Früchte: Achäne mit geschnäbeltem Pappus; Schnabel 2- bis 4-mal so lang wie die Achäne


mögliche gefährliche Verwechslungen: Die in Mitteleuropa heimischen Wildpflanzen mit Löwenzahn-ähnlichen Blättern (d.h. grundständig, lanzettlich und am Rand Schrotsägen-förmig) sind in der Regel ungiftig. Problematisch könnte dabei höchstens der giftige Gift-Lattich (Lactuca virosa) sein. < mehr zu den Unterscheidungsmerkmalen weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"


Zeigerwerte: hell, nährstoffreich, mässig feucht, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Fettwiesen, Wegränder, Ruderalflächen

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Flavonoide, Schleimstoffe, Inulin (Wurzel)


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • junge Blätter (sehr bitter > mehr dazu): Ganz frisch ausgetriebene Blätter können für einen Salat verwendet werden. Nach ein paar Wochen sind sie bereits sehr bitter, so dass sie bei Bedarf vor der Verwendung ca. 1 bis 2h in lauwarmem (Salz-)wasser gewässert werden. Sie sind auch als Gemüsebeigabe oder für Suppen geeignet.


  • Blütenknospen (aromatisch, herb > mehr dazu): Die Blütenknospen sind ein leckerer Snack oder können als Wildgemüse leicht angedünstet werden (sind dann auch nur noch leicht bitter). Ebenfalls beliebt sind in Essig eingelegte "Falsche Kapern". Sie befinden sich meist (etwas versteckt) nahe am Boden (da der Blütenstängel im Knospenstadium noch kurz ist).


  • Blüten (angenehm duftend > mehr dazu): Sind überhaupt nicht bitter, sondern honigartig-süsslich (von den bitteren Hüllblättern vorher trennen!). Sie sind als Tee, zur Herstellung von Sirup, Löwenzahn-Honig", Gelée oder als essbare Dekoration sehr beliebt.


  • Blütenstängel (sehr bitter > mehr dazu): Kann als Trinkrohr oder geschnitten als bittere Beigabe zum Salat oder einen Snack direkt vor Ort genutzt werden. Der Milchsaft ist ungiftig, kann jedoch in grosse Mengen eingenommen unbekömmlich wirken, bzw. selten auf der Haut eine Allergie auslösen.


  • Wurzeln (sehr bitter > mehr dazu): Diese können roh oder als Wildgemüse verwendet werden (wegen Bitterkeit evtl. vorher wässern, resp. eher als Beigabe verwenden). Getrocknet, vermahlt und geröstet kann ein Wurzelkaffee hergestellt werden. Die Wurzeln sind von September bis März am nahrhaftesten. Da man Löwenzahn-Rosetten oft auch im Winter vorfindet, sind deren Standorte dann auch gut auffindbar.


Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Löwenzahn-Wurzeln können gemäss HMPC bei allgemeinen Verdauungsbeschwerden verwendet werden, wo die Anwendung zur Linderung von Symptomen, die mit milden Verdauungsproblemen in Verbindung stehen, wie Völlegefühl, Blähungen und langsame Verdauung als «traditional use» anerkannt wird. Als solches von HMPC anerkannt wird der Löwenzahn auch bei Appetitlosigkeit. Da die Pflanze harntreibend wirkt, kann sie auch bei Blasenentzündungen verwendet werden, wo die Anwendung zur Steigerung des Urins im Rahmen einer Durchspülungstherapie bei leichten Beschwerden im Bereich der Harnwege ebenfalls von HMPC als «traditional use» anerkannt wird. Für eine Tasse Tee werden 1 bis 5 g (1 bis 4 TL) der getrockneten und zerkleinerten Wurzeln kalt angesetzt, aufgekocht und dann ca. 10min ausgezogen, mit Anwendung 2 bis 3x täglich. Die Anwendung ist auch als Tinktur (1:5, Ethanol 45%) möglich, mit einer Einzeldosis von 5 bis 10 ml (100 bis 200 Tropfen). Im Handel sind Fertigpräparate und auch Presssaft erhältlich. In in-vitro-Studien zeigt der Löwenzahn antitumorale Effekte und hat damit möglichweise ein Potential bei künftigen Krebstherapien. Es sind bisher jedoch keine klinischen Studien an Menschen vorhanden.


diverse kulinarische Verwendungen des Löwenzahns: Knospen als Falsche Kapern, Sirup, Wurzelgemüse

Beschreibung

Der Löwenzahn ist auf der gesamten Nordhemisphäre weit verbreitet und ist Zivilisations-nah eine sehr oft vorkommende Pflanzenart. Man findet den Löwenzahn sowohl auf Fettwiesen, über Waldwegrändern bis hin zu Ruderalflächen. Der Boden muss dabei aber jeweils nährstoffreich sein. Da die Blätter nur in der Grundrosette vorkommen, ist die Art sehr trittfest und regelmässige Wiesen-Schnitte verträgt sie relativ gut. Auf intensiv genutzten Fettwiesen ist er deshalb sehr konkurrenzstark, aber auch in Parks findet man ihn oft. Als Ruderalpflanze wächst er nicht nur auf Kies- und Schotterflächen, sondern auch aus Rissen in der Strasse oder aus Mauern heraus. Da der Löwenzahn auch halbschattige Bedingungen gut verträgt, findet man ihn nicht nur im Offenland, sondern auch an Waldrändern, unter Hecken und an Waldwegrändern. Die Pfahlwurzeln reichen 1-2 Meter in den Boden und so kommt der Löwenzahn im Vergleich zu anderen Kräutern, gut mit Trockenphasen zurecht. Über die Schirmhärchen können sich die Samen (ca. 2'000 Stück pro Pflanze und Saison) rasch über den Wind auf grössere Distanzen (von meist mehreren hundert Metern) verbreiten.


Die etwas spezielle lateinische Bezeichnung mit «sect.» im Namen verrät breits, dass es sich beim Gewöhnlichen Löwenzahn nicht um eine normale Art handelt. Vielmehr gehören dazu über 1000 ähnliche Arten dar, die für einen praktikablen Umgang in der Taxonomie zu einer «Sektion» zusammengefasst werden. Der Grund für diese Fülle mit sehr vielen Kleinarten liegt in der speziellen genetischen Komposition des Gewöhnlichen Löwenzahns zu Grunde: Bei den meisten Lebewesen (inkl. Menschen) finden sich im Zellkern zwei Chromosomensätze (einer vom Vater und einer von der Mutter), doch beim Gewöhnlichen Löwenzahn gibt es auch Kleinarten die drei (triploid) oder vier (tetraploid) Sätze davon haben. Die Kleinarten können damit nach Plodiestufen (d.h. der Anzahl Chromosomensätze) unterteilt werden. In der Regel findet man innerhalb einer Population Exemplare verschiedener dieser Plodie-Stufen. Bei den triploiden Exemplaren, die in Mitteleuropa dominieren, findet nur Selbstbestäubung statt (Apomixis), d.h. die Samen stellen jeweils identische Klone dar. Dies führt dazu, dass keine genetische Durchmischung zwischen verschiedenen Exemplaren stattfindet und eine genetische Anpassung auf veränderte Umweltbedingungen kann nur durch Mutation stattfinden. Die verschiedenen Mutationslinien, die morphologisch eigenständig sind, stellen dabei jeweils als Kleinarten dar. Obwohl bei triploiden Exemplaren keine Fremdbestäubung stattfindet und diese nicht auf Bestäuber angewiesen sind, produzieren deren Blüten dennoch reichlich Nektar.


Spannend wird es nun, wenn man nun auch die anderen Plodie-Stufen betrachtet: Bei diploiden Exemplaren, die im südlichen Europa dominieren, findet in der Regel Fremdbestäubung statt und häufig entstehen dabei tetraploide Nachkommen. Aus diesen wiederum können durch Befruchtung mittels Pollen diploider Pflanzen neue triploide Pflanzen entstehen. Auch können über Mutationen aus triploiden Pflanzen wieder diploide Arten entstehen. Damit findet also auch beim Löwenzahn, trotz der vegetativen Vermehrung der triploiden Exemplare, ein Genfluss über alle Plodie-Stufen hinweg statt.


Die Blätter vom Löwenzahn sind eher von der bitteren Sorte, doch durch ein Entbittern mittels mehrstündigem, lauwarmen Salzwasserbad kann man die Bitterkeit stark reduzieren. Die Blätter findet man das ganze Jahr durch, d.h. auch im Winter, wobei die Blätter zu dieser Jahreszeit deutlich kleiner sind. Diese zeigen dafür die Standorte der Wurzeln an, die im Winter besonders ergiebig sind. Blätter, die im Sommer austreiben sind in der Regel grösser und am Rand weniger eingeschnitten als im Winter oder Frühling, was vor allem an wenig gestörten Standorten beobachtet werden kann. Die sonnig-glänzenden Blüten sind nicht nur schmackhaft, sondern auch gut als Dekoration geeignet. Sind diese Ende Frühling auf den Wiesen bereits verblüht, befindet sich die Blütezeit in den Wäldern meist erst am Anfang. Einzelne blühende Exemplare findet man auf den Wiesen aber auch bis in den Herbst hinein.

 

mögliche Verwechslungen

Gift-Lattich (Lactuca virosa) - giftig!


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • auf Ruderalflächen auftretend

  • Blütenkörbe sehr ähnlich

  • jung eine Grundrosette bildend


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter ab Blütezeit wechselständig am aufrecht-unverzweigten Stängel, umfassend

  • Blattrand stachlig gezähnt; teils leicht eingebuchtet

  • Blätter blaugrün, Mittelnerv unten borstig behaart und oft rötlich

  • Blüten in endständiger Rispe

  • weniger und grössere Zungenblüten

  • unangenehmer Geruch


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Giftlattichs (Lactuca virosa) gegenüber dem ungiftgen / essbaren Gewöhnlichen Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia). Die Merkmale sind graphisch übersichtlich dargestellt.

 


Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Grundrosette und separate Blütenstiele

  • Blatt lanzettlich und tief eingeschnitten

  • Blattformen sehr variabel

  • Pflanze grösstenteils kahl

  • Blütenkorb sehr ähnlich

  • ähnliche Standorte


Unterschiede (u.a.)

  • Abschnitte vorwärts, abstehend oder rückwärts orientiert und oft lanzettlich-stumpf

  • Blütenstiel nicht hohl, verzweigt, mit feinen Blattschuppen

  • äussere Hüllblätter unter den Blütenkörben gerade

  • Pappus ohne Schnabel

  • gehört zur Gattung Leontodon (auf Deutsch ebenfalls «Löwenzahn» genannt)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Herbst-Löwenzahns (Leontodon autumnalis) gegenüber dem Gewöhnlichen Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia). Die Merkmale sind graphisch übersichtlich dargestellt.


Wiesen-Pippau (Crepis biennis) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blattform sehr ähnlich, Blütenkorb sehr ähnlich

  • auf Fettwiesen vorkommend


Unterschiede (u.a.)

  • Stängel bis 1m hoch; mit sitzenden (leicht umfassenden), wechselständig angeordneten Blättern; Stängel verzweigt; mit mehreren Blütenkörben; teils mit Borsten

  • Blätter rauhaarig (können auch kahl sein); obere Blätter leicht umfassend

  • Blütenboden / Hüllblätter behaart; blüht später (d.h. Mai bis Juli)

  • Pappus ohne Schnabel

  • nicht auf Ruderalflächen vorkommend


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Wiesen Pippau (Crepis biennis) gegenüber dem Gewöhnlichen Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia). Die Merkmale sind graphisch übersichtlich dargestellt.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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