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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Hänge-Birke (Betula pendula)
Illustration der Hänge-Birke (Betula pendula). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. wechselständig, weisse glatte Rinde, usw.

Familie: Birkengewächse (Betulaceae), Gattung: Birke (Betula)

"Eine typische Pionierbaumart, die Freiflächen rasch besiedeln kann. Die Rinde ist ein perfekter Zunder zum Feuerstarten und die jungen Blätter können im Salat oder für einen harntreibenden Tee genutzt werden."

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Habitus: Baum bis 25m Höhe; junge Äste lang und schlapp nach unten hängend


Blätter: wechselständig; dreieckig bis rautenförmig, 3 bis 7cm lang, am Ende lang zugespitzt; doppelt-gesägt (Zähne 1. Ord. oft mit nach innen gebogener Spitze); kahl


Äste / Stamm: weisse, glatte Rinde; löst sich in horizontalen Ringen («Ringelkork»)

  • junge Zweige: graubraun bis braun, kahl, eher dünn, viele feine und etwas erhöhte Lentizellen


Blüten: einhäusig, getrennt-geschlechtlich; blüht April / Mai

  • männliche Blütenstände: hängende Kätzchen; bis 10cm lang; gelborange; erscheinen vor dem Laubaustrieb

  • weibliche Blütenstände: kleine (ca. 4cm lange), dünne aufrechte (nach der Befruchtung hängende) Kätzchen; erscheinen mit dem Laubaustrieb


Früchte: einsamige Nussfrüchte mit 2 Flügel, die ca. 2 bis 3 mal so breit sind wie die Frucht; Früchte befinden sich in einem verholzten Zapfen (der aus den Hochblättern des weiblichen Blütenstandes hervorgeht)


Zeigerwerte: hell, Feuchtigkeit indifferent, nährstoffarm, pH-Wert indifferent


typische Standorte: als Pioniergehölz auf Freiflächen / in jungen Wäldern, Ufer, Moore

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide, Saponine, Gerbstoffe, Ätherische Öle


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten

 

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • leichte Infekte der ableitenden Harnwege: Genutzt werden die Blätter und das nicht nur von der Hänge-, sondern auch der Moorbirke. Ein Tee daraus wirkt harntreibend und dadurch «durchspülend». Vermutlich ausgelöst durch die enthaltenen Flavonoide (welche vermutlich ein Enzym hemmen, welche die Urinbildung reguliert) und dem hohen Kaliumgehalt. Für die Anwendung werden 2-3 TL zerkleinerte Blätter in 150ml kochend-heissem Wasser für 10 min ausgezogen. Davon werden täglich 3 bis 4 Tassen getrunken. Im Handel ist auch Birkenblätter-Pflanzensaft (Presssaft aus frischen Blättern) erhältlich, der einen besonders hohen Flavonoid-Gehalt hat. Vom Pressaft wird 3x täglich 1 EL konsumiert wird (in Kombination mit viel Trinken). Kein Ersatz, wenn zur Behandlung Antibiotika nötig wäre! Bei einer Selbstmedikation ist spätestens nach einer Woche ein ärztlicher Rat einzuholen! Die Therapie ist nicht für Schwangere und Stillende geeignet!


  • potenzielles HIV-Medikament: Aus dem in der Rinde enthaltenen Betulin entsteht durch Oxidation Betulinsäure. Dieses und chemische Modifikationen davon, wurden in den letzten Jahrzehnten auf antivirale Wirkungen gegen HIV untersucht. So wurde entdeckt, dass diese die Reifung von HIV-Viren hemmen können. Erste klinische Studien waren vielversprechend und reduzierten die Viruslast. In den Phase-2-Studien zeigte sich bei den Viren dann rasch die Entwicklung von Residenzen. Auch künftige Versuche mit anderen Modifikationen scheiterten.


  • potenzielles Krebs-Medikament: In Labor-Untersuchungen (in-vitro) und Tiermodellen zeigt Betulinsäure antitumorale Wirkungen. An den Menschen existieren nur wenige kleine Pilotstudien. Probleme zeigten sich dort in der fehlenden Wasserlöslichkeit und der geringen Bioverfügbarkeit der Betulinsäure. Deshalb wurden alle Programme zur Entwicklung einer Krebstherapie auf Basis von Betulinsäure in frühen Phasen wieder eingestellt.


  • Wundheilung / Hautentzündungen: Während Experimenten zur Behandlung von Hauttumoren mit Salben aus Betulin-Extrakten, zeigte sich aber als Nebeneffekt, dass damit auch Wunden schneller heilen, wodurch schliesslich die Wundheilungssalbe Episalvan© hervorging. Diese hat auch eine EMA-Zulassung. Die Behandlung mit Birkenteer hat durch ihre wundheilenden und desinfizierenden Inhaltsstoffen bei Wunden und Hausentzündungen, in der nordischen und osteuropäischen Volksmedizin bereits eine lange Tradition.


©Ju_see - stock.adobe.com
©Ju_see - stock.adobe.com

Beschreibung

Die Hänge-Birke ist ein typischer Pionierbaum, der nährstoffarme Freiflächen (z.B. im Wald nach Störungen wie Sturmschäden) rasch besiedeln kann. Ansonsten stellt sie aber keine grossen Standort-Anforderungen. Die Art wächst schnell in die Höhe, ist aber mit einer Lebensdauer von ca. 150 Jahren vergleichsweise kurzlebig. Das kurze Leben der Hänge-Birke macht aber insofern Sinn, als dass sie in den Wäldern sowieso rasch von konkurrenzstärkeren Baumarten (wie z.B. der Rotbuche) verdrängt wird. Auf trocken-sandigen Standorten kann sie aber auch längerfristig mit anderen Arten mithalten, bzw.  auch in den borealen Nadelwäldern Skandinaviens und Sibiriens ist sie reich vertreten.


Mit den sehr vielen kleinen geflügelten Nüsschen, die mit dem Wind weit fortgeweht werden können, kann sie sich rasch zu neuen Standorten hin verbreiten. Wildverbiss, der an Pionierstandorten bei jungen Bäumen oft eine Herausforderung darstellt, ist bei der Hängebirke selten. Verjüngung durch Stockausschlag findet nicht statt. Dass die Äste nach unten hängen, hat einen guten Grund, denn so sollen die direkt benachbarten Bäume (die um das Licht konkurrieren) geschädigt werden. So schlagen die Äste bei starkem Wind, wie eine Peitsche, wild um sich. Die zahlreichen Korkwarzen auf der Rinde wirken dabei wie Schleifpapier und sorgen so für Reibungsschäden.


Die weisse Farbe der Rinde kommt vom lichtreflektierenden Inhaltsstoff «Betulin». Dieser dient dem Schutz vor der hohen Sonneneinstrahlung (welche der Rinde schaden kann), was auf den typischerweise besiedelten lichten Flächen durchaus ein wichtiges Thema ist. Betulin hat aber auch eine für uns nützliche Eigenschaft: Es ist sehr leicht entzündbar und dies auch bei feuchten Bedingungen. Birkenrinde gilt deshalb als der perfekte Zunder zum Feuerstarten. Kleine Späne, die mit einem Messer von der Rinde abgeschabt werden, können dabei auch mit einem Feuerstahl entzündet werden.


Aus der Rinde kann auch Birkenteer und Birkenpech herstellt werden. Diese bestehen nebst Betulin und Betulinsäure auch aus Teeölen, Phenolen, Estern, Alkoholen und Harzen. Während Birkenteer eine klebrig-viskose, ölige Flüssigkeit ist, handelt es sich bei Birkenteer um eine zähklebrige Harz-ähnliche Masse. Die beiden Produkte werden hergestellt, indem die Birkenrinde über dem Feuer unter Luftabschluss auf ca. 300 bis 400°C erhitzt wird. Es handelt sich um uralte Naturprodukte, die auch schon an archäologischen Neandertaler-Fundstellen, die 50'000 Jahre alt sind, gefunden wurden. Birkenpech diente den Steinzeitmenschen vor allem als Klebstoff, um bei Werkzeugen und Waffen Steinelemente mit den Elementen aus Holz oder Knochen zu verbinden (z.B. Messerspitze aus Silex mit dem Schaft aus Holz). Birkenteer hatte zur Behandlung von Wunden und Hautentzündungen auch eine medizinische Verwendung. Auch später waren Birkenpech und Birkenteer bei den nordischen Völkern wichtige Rohstoffe. So wurden diese im Mittelalter in grösseren Teergruben industriell hergestellt und dabei in der Lederverarbeitung, als Schmiermittel und im Schiffbau zur Imprägnierung des Holzes genutzt. Sie waren in Schweden und Finnland wichtige Exportgüter, bis dann ab dem späten 19. Jahrhundert mineralische und synthetische Produkte aufkamen (die deutlich billiger sind).


Das Holz hat einen guten Brennwert und brennt auch noch bei feuchten Bedingungen relativ gut. Es ist zudem weich, elastisch, gut bearbeitbar, dafür aber nur gering witterungsbeständig. Ähnlich wie bei den Ahorn-Arten, kann auch bei den Birken der Saft des Phloems angezapft werden. Dieser wird dann entweder direkt getrunken oder zu Sirup eingedickt.

 

mögliche Verwechslungen

Moor-Birke (Betula pubescens) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Die Moor-Birke tritt vor allem als Pionierbaum in Niedermooren, an den Rändern von Hochmooren und in Bruchwäldern auf. Langfristig, d.h. ohne Störungen, wird sie an diesen Standorten jedoch von Fichte, Waldkiefer oder Erlen verdrängt. In den boralen Nadelwäldern Skandinaviens ist die Moor-Birke viel konkurrenzfähiger und kann dort auch langfristige Bestände bilden. Die subarktische Waldgrenze wird dann sogar fast ausschliesslich aus der Moor-Birke gebildet. Die Art kann mit der Hänge-Birke bastartisieren. Die beiden Arten bilden die Artengruppe «Betula pendula aggr.».


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blattform

  • weisse Rinde


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter eher eiförmig; an den Blattnerven behaart; Zähne ohne gebogene Spitze

  • Rinde überall glatt

  • Äste nicht hängend, jung oft dicht behaart

  • Fruchtflügel nur 1-1.5x so breit wie das Nüsschen


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Moor-Birke (Betula pubescens) gegenüber der Hänge-Birke (Betula pendula) übersichtlich graphisch dargestellt.

weitere Arten:


  • Zitterpappel / Espe (Populus tremula): Die jungen Stammbereiche haben ebenfalls eine «weisse» (bzw. silbergraue) Rinde. Allerdings sind die Blätter rundlich und grob gebuchtet.


  • Schwarz-Pappel (Populus nigra): Die Blätter sind ebenfalls dreieckig, gezähnt und kahl. Allerdings sind die Stämme graubraun bis schwärzlich und sind von auffälligen Wulsten durchsetzt.


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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
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