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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
Illustration des Wiesen-Schaumkrautes (Cardamine pratensis) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae), Gattung: Schaumkraut (Cardamine)

"die Art ist ein leckeres, würzig-schärfliches Kraut des Frühlings und ist v.a. auf Fettwiesen zu finden"

 

Bestimmung

Blätter: grundständig (meist 2 bis 8 Grundblätter) und ab der Stängelbildung auch (wenige) wechselständige Stängelblätter


Stängel: 15 bis 60 cm hoch; aufrecht, rund, kahl


Blüten:  weiss bis helllila Einzelblüten an den Stängelenden in Trauben angeordnet; blüht April / Mai

Früchte: stabförmige Schoten; 0.1 bis 0.15cm breit; 2 bis 5 cm lang


Zeigerwerte: halbschattig, feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Fettwiesen, Waldrand, lichte aber feuchte Stellen im Laubwald, Weiden (extensiv genutzt oder kaum betretene Stellen), Quellmulden

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (v.a. Gluconasturtiin, Glucoiberin und Glucoamaricin), Flavonoide, Phenolsäuren


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



  • Blüten (würzig, scharf, herb > mehr dazu): wie die Blätter, zusätzlich als essbare Dekoration

Beschreibung

Das Wiesen-Schaumkraut gehört zu den Klassikern unter den Frühlingskräutern. Man findet es auf den Fettwiesen im Tiefland sehr häufig und mit seinen auffälligen lila Blüten am Stängelende, sticht es meist schon von Weitem her ins Auge. Der Geschmack ist würzig-scharf, ab der Blütezeit auch mit einer herben Note. Die Schärfe kommt von den enthaltenen Senfölglykosiden, die sich beim Kauen zu Senfölen zersetzen. Da diese Stoffe beim Trocknen und Erhitzen sehr flüchtig sind, wird das Wiesen-Schaumkraut kulinarisch am besten roh verwendet: z.B. für Kräuterbutter, Pesto, Salatwürze, usw.


Die Sammelzeit beginnt meist bereits in der zweiten Winterhälfte, wenn die Grundrosetten (mit je ca. 2 bis 8 Blättern) austreiben. Auch die Stängel mit den Blüten werden früh im Jahr gebildet, meist Ende März bis Anfang April, in etwas erhöhten Lagen (Art tritt bis ca. 1'500 m ü. M. auf) auch erst im Mai. Kurze Zeit später verschwinden die oberirdischen Bestandteile und die Pflanze überdauert die Zeit bis zum nächsten Winter im unterirdischen Rhizom. In der kurzen Zeit zwischen Winter und Frühling nutzt die Art so die ausreichende Feuchtigkeit, resp. das Licht, bevor es von den deutlich höheren Gräsern überwachsen wird. Als Anpassung an seine frühe aktive Jahreszeit sind die Grundrosetten sehr frosthart und können nach dem Ende von Frostphasen sofort wieder mit der Photosynthese beginnen. Die geöffneten Blüten im Frühling sind hingegen sind empfindlich gegen Spätfröste. Weil aber während der Blütezeit immer wieder schrittweise neue Blüten gebildet werden (am Stängelende), ist der Gesamtschaden für die Pflanze dadurch nur minim.


Auf den Wiesen reagiert das Wiesen-Schaumkraut auf Schnitte sehr empfindlich. Spätere Schnitte ab Frühsommer nach der Samenreife, resp. wenn sich die Pflanze sowieso von der Oberfläche zurückzieht, sind jedoch kein Problem. Deshalb findet man das Wiesen-Schaumkraut im Tiefland v.a. auf extensiv genutzten Fettwiesen (mit späterem Erstschnitt gegenüber intensiv genutzten Fettwiesen). Während der Vegetationszeit muss der Boden genug feucht sein, deshalb fehlt es auch auf Trockenwiesen. Das Wiesen-Schaumkraut ist auch im Jura und dem Voralpen-Hügelland auf Feuchtwiesen und Quellmulden weit verbreitet, nicht zuletzt auch, weil diese Wiesen häufig erst im Sommer gemäht werden. In den höheren Lagen kommt es zunehmend auch auf nährstoffärmeren Standorten vor. Tritt und Bodenverdichtung verträgt das Wiesen-Schaumkraut durch den weichen Stängel und die sehr bodennahen Rhizome nur schlecht, so dass es auf Weiden nur bei extensiver Nutzung oder an Stellen, die vom Vieh kaum betreten werden (z.B. Feuchtstellen, Steilböschungen oder Ränder), vorkommt.


Der Name der Art kommt vom Schaum, der häufig an den Stängeln beobachtet werden kann. Dabei handelt es sich um die Behausung von Larven der Schaumzikade. Die Eier werden von der Mutter auf der Pflanze abgelegt. Die geschlüpften Larven bauen sich dann ihr Nest, indem sie mit ihrem After eine mit Luftblasen gefüllte, eiweisshaltige Flüssigkeit absondern. Wie die erwachsenen Tiere, ernähren sich auch die Larven vom Pflanzensaft des Wiesen-Schaumkrautes. Die Blüten sind nur bei Sonnenschein geöffnet und bilden an der Basis der Staubblätter Nektar. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, hauptsächlich durch kurzrüsselige Arten, wie Fliegen, Bienen oder Käfer. Die Schoten springen bei Reife der Samen ruckartig auf, wodurch die Samen einige Dezimeter weit weggeschleudert werden. Oft werden sie auf den feuchten Wiesen auch durch Oberflächenwasser sekundär weiterverbreitet. Auch vegetative Vermehrung, durch kurze Ausläufer der Rhizome ist möglich.

 

mögliche Verwechslungen

Behaartes Schaumkraut / Vielstängeliges Schaumkraut (Cardamine hirsuta) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


Das Behaarten Schaumkraut ist im Gegensatz zum Wiesen-Schaumkraut nur einjährig. Es handelt sich um eine Pionierpflanze, die man vor allem auf Äckern, in Weinbergen und Gärten (auf Rasen, zwischen Fugen und in Mauerritzen) antrifft. Kulinarisch ist es im Grunde das perfekte Würzkraut für den Winter. Die Samen keimen nämlich bereits im Herbst und bilden Grundrosetten, die anschliessend überwintern. Ab den ersten warmen Tagen im Spätwinter beginnen sich dann die Stängel mit den Blüten zu bilden. Die Blüten bestäuben sich überwiegend selbst. Nach der Fruchtreife stirbt die Pflanze, was oft bereit Mitte Frühling der Fall ist. Die oft rötliche Farbe der Blätter und Stängel kommt von den enthaltenen Anthocyanen, welche die Pflanze vor starker Sonneneinstrahlung schützen. Wenn Feuchtebedingungen optimal sind und die Temperaturen moderat bleiben, dann können die Samen auch bereits ab Frühsommer keimen und eine «Sommergeneration» bilden. Diese Sommer-Exemplare bilden dann relativ rasch einen Stängel mit Blüten und Früchte und sterben nach ca. 6 bis 8 Wochen nach Keimung bereits wieder ab.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gefiedert; Endfieder der Grundrosette grösser; Grundrosette und wenig Stängelblätter


Unterschiede (u.a.)

  • meist mehr als 10 Grundrosetten-Blätter; Grundrosettenblätter nur 1 bis 5 cm lang; Blätter am Grund bewimpert (am auffälligsten bei den Stängelblättern); Pflanze (Blätter und Stängel) oft violett überlaufen

  • Stängel kantig, nur 5-30cm hoch und am Grund verzweigt, z.T. behaart; Kronblätter (meist) weiss und sehr klein (nur ca. 3mm lang)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Behaarten Schaumkrautes (Cardamine hirsuta) gegenüber dem Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis).


Wald-Schaumkraut (Cardamine flexuosa) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


Das Wald-Schaumkraut wächst an feuchten, nährstoffreichen Stellen von Wald-Wegränder und Waldrändern und zwischen Ufergehölzen. Die Art ist nicht nur im Tiefland, sondern auch im Jura und den Voralpen häufig zu finden. Das Wald-Schaumkraut hat einen ähnlichen Lebenszyklus wie das Behaarte Schaumkraut, d.h. es keimt im Herbst, bildet im März bereits die Blüten und bestäubt sich selbst. Sommergenerationen treten jedoch deutlich häufiger auf und ein Exemplar kann teils auch mehrere Vegetationszyklen durchlaufen. Die Rosettenblätter sind gegenüber dem Behaarten Schaumkraut, mit 5 bis 10 cm, deutlich grösser.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gefiedert; Endfieder der Grundrosette grösser; Grundrosette und wenig Stängelblätter


Unterschiede (u.a.)

  • Grundrosette mit bis zu 12 Blätter,

  • Stängelblätter mit ovalen bis lanzettlichen Fiedern; Fiedern teils gezähnt

  • Stängel stark verzweigt und hin- und hergebogen; im unteren Bereich deutlich behaart

  • Blüten weiss und deutlich kleiner


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Wald-Schaumkrautes gegenüber dem Wiesen-Schaumkraut.


Weitere Schaumkraut-Arten


Es gibt eine Menge an Schaumkraut-Arten, die dem Wiesen-Schaumkraut sehr ähnlichsehen, wie das Mathiolis-Schaumkraut (Cardamine matthioli) oder das Bach-Schaumkraut (Cardamine rivularis), Sumpf-Wiesen-Schaumkraut (Cardamine dentata) oder das Moor-Wiesen-Schaumkraut (Cardamine udicola), die jedoch alle selten und nur lückenhaft auftreten. Zusammen mit dem Wiesen-Schaumkraut bilden diese Arten die Artengruppe «Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis aggr.)». Sie können alle kulinarisch, analog wie das Wiesen-Schaumkraut verwendet werden.



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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