das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Wiesen- / Schlangenknöterich (Polygonum bistorta)

Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae), Gattung: Knöterich (Polygonum)
"Die etwas säuerlichen Blätter sind gut im Salat oder als Wildspinat geeignet. Die stärkehaltigen Rhizome sind hingegen stark Gerbstoff-reich."
Bestimmung
Blätter: lockere Grundrosette und wenige wechselständige Stängelblätter; untere Blätter mit geflügeltem Blattstiel, obere Blätter sitzend; eilanzettlich, bis 20cm lang; ganzrandig bis gewellt, am Grund leicht herzförmig bis gestutzt; kahl; US blaugrün und mit hellem Mittelnerv; stark verästelte Seitennerven
Stängel: 30-80cm hoch; unverzweigt
Blüten: in endständiger, dichter und bis zu 2cm dicker Ähre angeordnet; Einzelblüten rosa bis rot und ca. 5mm lang; blüht Mai bis Juli
Früchte: dunkelbraune, 3-kantige, ca. 5mm lange Nussfrucht, die von den Perigonblätter umhüllt wird
Zeigerwerte: halbschattig, sehr feucht, nährstoffreich, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: nährstoffreiche, feuchte Wiesen in höheren Lagen (im Mittelland selten)
Fotos








Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Oxalsäure, Flavonoide; in den Rhizomen hoher Gerbstoff-Gehalt
*Giftigkeit: wegen der enthaltenen Oxalsäure sollte der der Wiesenknöterich weder in extrem hohen Mengen, noch ständig täglich über längere Zeit verzehrt werden.
kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, leicht säuerlich> mehr dazu): jung als Salat (bis ca. Juni), Wildgemüse (bis August), Suppe, Aufstriche, Sauce,
Rhizom (nussig, stark adstringierend > mehr dazu): getrocknet und vermahlen als Streckmehl; als Gemüse oder in Scheiben geschnitten frittiert zu Chips. Wegen dem hohen Gerbstoffgehalt (ca. 15-20%) lohnt es sich die Wurzel vorgängig in Scheiben zu schneiden und über Nacht zu wässern (Gerbstoff-Gehalt aber auch dann immer noch hoch).
Beschreibung
Der Wiesen-Knöterich kommt teils auch im Tiefland vor, doch sein Verbreitungsschwerpunkt hat er definitiv in den etwas erhöhten Lagen von Hügelgebieten, Mittelgebirge (u.a. Jura, Schwarzwald, usw.) oder Alpen bis hoch zur Baumgrenze. Dort besiedelt die Art typischerweise nährstoffreiche Feuchtwiesen und kann dort auch sehr massenhaft vertreten sein. Dies jedoch nur, falls die Wiese nicht zu intensiv genutzt wird, d.h. ein zu frühes Mähen oder mehrmalige Schnitte pro Jahr verträgt er nur schlecht. Am optimalsten ist ein später Schnitt pro Jahr. Trittbelastung z.B. durch Tiere vertragen die eher weichen Blätter nur schlecht.
Im Frühsommer, wenn die Art blüht, sind dann fallen auf diesen extensiv genutzten, feuchten Berg- und Hügel-Wiesen die schönen rosa Blütenähren rasch auf. Diese bilden klebrigen Pollen, der von zahlreichen Insekten gesammelt wird und auch etwas Nektar ist in den Blüten vorhanden. Um Selbstbestäubung zu verhindern sind die Blüten ausserdem vormännlich, d.h. erst reifen die männlichen Blütenorgane (Staubblätter) und die weiblichen Blütenorgane (Fruchtblätter) kommen dann etwas später nach.
Der Zweitname dieser Art «Schlangenknöterich» kommt davon, dass die Pflanzen ein dickes unterirdisches Rhizom aufweisen, welches «s-förmig» gebogen ist. Auch der lateinische Name «bistorta», was so viel bedeutet wie «zweimal gebogen», weist auf dieses Charakteristika hin. Das Rhizom dient u.a. zur Speicherung von Stärke und Nährstoffen, so dass die Blätter bereits sehr früh im Jahr (meist im März bzw. in montanen Lagen April) mit ihren grossen Blättern austreiben können. Damit werden die anderen Pflanzen auf der Wiese in den Schatten gestellt was ihm so einen Konkurrenzvorteil verschafft. Mit den Rhizomen kann sich die Art ausserdem auch vegetativ vermehren, indem dieses konstant in die Länge wächst, damit gelegentlich neue aufrechte Triebe bildet und die alten Rhizomverbindungen mit der Zeit zerfallen. Der ganze Prozess des Rhizomwachstums ist beim Wiesen-Knöterich jedoch sehr langsam (0.2 cm / Jahr), dafür sind die Rhizome selbst sehr robust und langlebig.
Die Rhizome werden gelegentlich in der Survivalliteratur als Survivalnahrung erwähnt. Grundsätzlich ist das nicht verkehrt, denn diese sind nicht nur Stärke-reich, sondern wie erwähnt an geeigneten Stellen auch massehaft vorhanden. Der Haken ist jedoch der hohe Gerbstoff-Gehalt, der durchaus mit Eicheln zu vergleichen ist. Diese Gerbstoffe sind im Mund nicht nur unangenehm zusammenziehend, sondern können auch in grösseren Mengen verzehrt zu Verdauungsproblemen führen. Daher müssen die Rhizome vor dem Verzehr in Scheiben geschnitten werden und danach ähnlich wie die Eicheln gewässert werden, um damit die Gerbstoffe herauszulösen.
Die Rhizome wurden früher auch für typische Gerbstoff-Heilanwendungen verwendet, wie z.B. bei Durchfall, zur Blutstillung, bei Hautentzündungen, usw. Es wurde früher auch zur Behandlung von Schlangenbissen empfohlen, indem es angeblich «das Gift aus der Wunde ziehen würde». Das Heilsversprechen basiert dabei jedoch vermutlich auf die Signaturenlehre. Bei diesem Konzept wird postuliert, dass man mit den äusserlichen Merkmalen der Pflanze auf entsprechende Heilwirkungen schliessen könne. Wichtig: Es wissenschaftlich keine Hinweise oder belastbare Nachweise für eine Wirkung als Schlangen-Gegengift !
mögliche Verwechslungen

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
< zur Startseite des erdflow-Phytikons
Grundlagen zum Sammeln - Botanische Grundlagen - Wildkräuterküche - Heilpflanzen / Phytotherapie - Mythologie - Pflanzenbeschreibungen
das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
teile diesen wertvollen Content:










