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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen


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Pflanzliche Notnahrung


Bedeutung pflanzlicher Notnahrung

Relevante Pflanzenteile in Survivalsituationen

Kaloriengehalt in Pflanzen vs. Kalorienbedarf

Improvisierte Zubereitung


Bedeutung pflanzlicher Notnahrung


Nahrungsaufnahme ist in den meisten Survivalsituationen nicht die erste Priorität, d.h. je nach Breitengrad und Jahreszeit sollte man sich erst um Unterkunft, Feuer und Wasser kümmern. Gut illustriert wird das mit der im Survival weit verbreiteten 3-3-3-Regel: Man überlebt 3 Minuten ohne Luft, 3 Stunden ohne Schutz bei extremem Wetter, 3 Tage ohne Wasser und 3 Wochen ohne Nahrung. Der Körper kann also wochenlang ohne Nahrung auskommen. Es bringt also nichts, sich am Abend einem wohlgenährten Survivalmenü zu fröhnen, während man anschliessenden kalten Nacht ungeschützt erfriert, weil man am Tag ein paar wilde Wurzeln gesammelt hat, statt sich um den lebensnotwendigen Shelter zu kümmern.


Hagebutten mit leuchtend roten Früchten an grünen Zweigen als Sinnbild für pflanzliche Notnahrung.
pixs:sell - stock.adobe.com

Trotzdem stellt sich in einer echten Survival-Situation, egal ob nach einer Naturkatastrophe, bei einer Wanderung abseits der Zivilisation oder beim bewussten Selbstversuch im wilden Gelände, früher oder später die Frage nach Nahrung. Ohne regelmässige Energiezufuhr lässt auch rasch die körperliche Leistungsfähigkeit nach und man fühlt sich schwach und antriebslos. Die technisch mit Abstand am einfachsten zugängliche Nahrungsquelle sind dabei wilde Pflanzen. Im Gegensatz zum Jagen und Fischen ist dazu kein spezielles Werkzeug nötig, die Zubereitung ist einfach und vor allem kann euch die Beute nicht davonrennen. Im Gegensatz zu tierischer Notnahrung ist die Energiedichte jedoch deutlich kleiner und das Vorkommen an den Ressourcen stark saisonabhängig. Gewisse Survivalexperten empfehlen sich erst einen Grundstock an verlässlicher und einfach zugänglicher pflanzlicher Nahrung zu erschliessen und erst danach es mit Fischen oder Jagd zu versuchen. Denn letztere geben zwar kalorienreichere Beute, doch die Erfolgsbilanz ist deutlich kleiner und risikoreicher, d.h. die Chance ist gross, dass alle «energiereichen» Versuche fehlschlagen.


Mann in einer Survivalsituation beisst auf den Fruchtstand der Brennnessel in die Brennnesselsamen. Ausdruck von Entschlossenheit. Natürliche Umgebung mit grünen Blättern. Bild KI.

Die Erschliessung pflanzlicher Nahrungsquellen kann zwar mit wenig Aufwand und Energie erfolgen, kritisch bleibt trotzdem die Tatsache, dass hierzu ein Pflanzenwissen und benötigt wird. Denn wer sich von Pflanzen ernähren will, muss wissen, was essbar ist, was dem Körper Energie liefert und was ihn im schlimmsten Fall sogar vergiften könnte. Der Aufbau eines Pflanzenwissens, mit dem man die essbaren Arten sicher bestimmen kann, resp. bei dem man weiss, in welchem Lebensraum die Pflanzen vorzufinden sind, benötigt viel Zeit und vor allem viel aktive Beschäftigung mit dem Thema. Deshalb gilt: Je mehr Essbare Wildpflanzen man in seine «normalen» Outdoor-, resp. Bushcraft-Abenteuer integriert und damit den Umgang und die Bestimmung von Pflanzenarten übt, desto eher steht dieses Wissen in einer echten Survivalsituationen zur Verfügung! Wer also grundlegende Pflanzenkenntnisse besitzt, hat bessere Überlebenschancen. Doch dieses Wissen muss geübt sein und zwar nicht im Ernstfall, sondern vorher und zwar z.B. beim Spaziergang im Wald im die Ecke wo du ein paar Wurzeln der Wilden Möhre deinem Abendessen-Gemüse zugibst, der Wanderung wo du zwischendurch wilde Beeren snackst oder bei der Trekkingtour wo du unterwegs wilde Samen von Brennnessel, Breitwegerich und co sammelst und deinem Bannockbrotmehl zugibst.


Die Nutzung essbarer Wildpflanzen im Alltag hat auch noch eine weitere wichtige Komponente: Je öfters du auch schon Essbare Wildpflanzen zu dir genommen hat, desto besser verträgt sie dein Körper. Denn unser heutiges Ernährungssystem hat den Körper über Jahrzehnte hinweg auf verarbeitete, milde und leicht verdauliche Nahrung geprägt, mit Konsequenzen für die Verdauung, Nährstoffaufnahme und Verträglichkeit. Wildpflanzen hingegen sind das genaue Gegenteil, sie sind bitter und reich an sekundären Pflanzenstoffen, an das sich der Körper teils erst wieder gewöhnen muss. Wenn man ohne Gewöhnung in einer Survivalsituation plötzlich grosse Mengen Wildkräuter isst, kann das zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Durchfall, usw. führen. In dem du Essbare Wildpflanzen in deinem Alltag in die Ernährung einbaust (meist als Zugabe zu gewohnter Nahrung), kann du dich also schrittweise daran gewöhnen. Der Körper lernt besser damit umzugehen und auch die Darmflora passt sich an.



Relevante Pflanzenteile in Survivalsituationen



Im Gegensatz zu der Outdoortour liegt in einer Survivalsituation die Priorität bei pflanzlicher Nahrung nicht auf Genuss, sondern ist v.a. auch Kalorienzufuhr getrimmt. Der Körper in einer Notsituation verbrennt viel Energie: Nebst dem normalen Grundumsatz zusätzlich auch durch Kälte, Bewegung, Stress und mangelnde Ruhe. Ohne regelmäßige Kalorienzufuhr greift er auf seine Reserven zurück, d.h. Fettdepots werden abgebaut, Muskeln schrumpfen, und die Leistungsfähigkeit sinkt rasch. In erster Linie bleibt der Blick der der Nahrungssuche also auf kalorienreiche Pflanzen, resp. Pflanzenteilen. Dies sind v.a.


  • Wurzeln, Rhizome (und Zwiebeln, Knollen): Damit sind unterirdischen Pflanzenorgane gemeint. Oft dienen Wurzeln, Rhizome und Zwiebeln als Speichergewebe, in dem Energie in Form von Stärke oder oft auch Inulin gelagert ist, was diese bei pflanzlicher Notnahrung so wertvoll macht. Allerdings muss erwähnt werden, dass die meisten Wurzeln und Rhizome da draussen entweder winzig-klein und / oder verholzt sind und deshalb zur Kalorienbeschaffung ungeeignet sind. Verholzte Wurzeln und Rhizome können weder roh verzehrt, noch weichgekocht werden. Man kann Letztere jedoch können im Wasser zu einer Art Sud ausgekochen, allerdings mit geringerer Energieausbeute als bei direktem Verzehr. Im besten Falle können (wie bei den Rohrkolben-Rhizomen) kann das Gewebe direkt «ausgekaut» und die harten Fasern ausgespuckt werden. Der Fokus bei der Suche nach Wurzeln- und Rhizomen liegt demnach bei jenen Arten, wo diese erstens verhältnismässig ergiebig und unverholzt sind. Dabei gibt eine Handvoll Arten, die stets unverholzt sind, wie Löwenzahn- oder Teufelskrallen-Wurzeln oder Breitwegerich-Rhizome. Gezielt suchen kann man auch die diversen zweijährigen Arten, die erst ab dem Herbst der 1. Jahres ergiebig sind und im Frühling des 2. Jahres verholzen. Dabei ist die Verfügbarkeit von Wurzeln zum Teil auch saisonal abhängig, mit dem Höhepunkt vom Herbst und Frühling, resp. einer zu einem gewissen Grad auch im Winter. Als Survivalnahrung nicht zu unterschätzen sind auch die unterirdischen Zwiebeln vom Bärlauch, die auch Energie und zwar in Form von Fructanen wie Inulin und Oligofrctose enthalten. Als Nachteil bei der Erschliessung von kalorienreichen unterirdischen Organen ist zu erwähnen, dass ohne einen Spaten oder Unkrautstecher das Ausgraben (z.B. mit Grabstock) deutlich mehr Zeit und Energie in Anspruch nimmt.

    > geeignete Wurzeln oder sonstige unterirdischen Pflanzenteile für die pflanzliche Nornahrung: z.B. Wilde Möhre, Löwenzahn, Nachtkerze, Teufelskralle, Königskerze, grosse Klette, wilder Pastinak, Rhizome vom Rohrkolben, Bärlauchzwiebeln, Speicherknollen des Scharbockskrautes (! roh giftig)


  • «Beeren»: «Beeren», d.h. weiche Früchte, meist von Bäumen und Sträuchern, sind eine perfekte Survivalnahrung. Ihr Fruchtfleisch enthält vergleichsweise viel Energie und zwar in Form von Zucker. Ausserdem steckt im Fruchtfleisch Wasser und meist auch viele Mikronährstoffe. Energie steckt meist auch in den Kernen, dort in Form von Fetten. Beeren sind in der Regel einfach zu sammeln und für den Körper gut verdaubar. Der Nachteil von Beeren liegt in der saisonalen Verfügbarkeit, die sich vor allem auf den Herbst konzentriert. Doch auch im Frühsommer haben wir beispielsweise die Wald-Erdbeere oder im Hochsommer die Brombeere, resp. Hagebutten können meist bis tief in den Winter hinein gesammelt werden.

    > geeignete "Beeren" für die pflanzliche Nornahrung: z.B. Schlehe, Hagebutte, Weissdorn, Brombeere, Himbeeren, Wald-Erdbeere, heidelbeere, Preiselbeere, Bärentraube, Berberitze, Schwarzer Holunder (! roh giftig),...


  • «Nüsse»: Mit Nüssen sind harte Früchte von Bäumen und Sträuchern gemeint, die meist eine hohe Energiedichte in Form von Stärke, Proteinen und Fetten enthalten. In der Regel sind Nüsse nach dem Sammeln auch eine längere Zeit haltbar und so im Gegensatz zu «Beeren» auch eine gute Nahrungsquelle als Vorrat (sofern man sie vor Sonne, Witterung und Tieren geschützt lagern kann). Der Nachteil bei Nüssen liegt darin, dass diese nicht immer roh verzehrt werden können, d.h. oft vorgängig eine entsprechende Zubereitung nötig ist. Auch Nüsse sind jahreszeitlich auf den Herbst konzentriert, können teils aber auch noch tief in den Winter hinein gesammelt werden. Im Gegensatz zu den «Beeren» kommt jedoch zusätzlich der Fakt hinzu, dass die Menge an produzierten Früchten von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist. In sogenannten Mastjahren ist man bei Bucheckern oder Eicheln gefühlt im Schlaraffenland, während man den Herbst darauf später praktisch nichts vorfindet.

> geeignete Nüsse für die pflanzliche Nornahrung: z.B. Bucheckern (!), Eicheln (!), Haselnüsse, Walnüsse,...


  • «Samen»: Mit «Samen» sind sowohl Samen im botanischen Sinne, als auch kleine Nussfrüchte von Kräutern gemeint. Auch «Samen» enthalten Kalorien meist in Form von Fetten oder Stärke. Der Sammelaufwand, um auf eine bestimmte Kalorienmenge zu kommen ist dabei meist deutlich höher als bei Nüssen. Etwas rascher geht es dabei bei einem Massenvorkommen an Breitwegerich. Bei Samen ist ausserdem zu beachten, dass diese oft auch noch sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die ein massenhafter Verzehr unmöglich macht. Zu erwähnen sind hierbei z.B. die «Samen» der Doldenblütler. Diese enthalten Ätherische Öle, die für den würzigen Geschmack sorgen, jedoch einen massenweisen Verzehr unmöglich machen (weil dies zu Verdauungsproblemen führt). Auch bei «Samen» ist das Vorkommen saisonal auf den Herbst konzentriert, wobei man solche auch bereits im Sommer vorfindet, resp. auch über den Winter sammeln kann

    > geeignete "Samen" für die pflanzliche Nornahrung: z.B. Breitwegerich, Brennnessel, Fichten, Wald-Ziest, Taubnessel,....


  • Blätter: Im Kontext von Kalorienaufnahme sind Blätter nicht die erste Wahl. Sie sind zwar leicht erkennbar, in grossen Mengen vorhanden und oft roh verzehrbar. Doch Blätter dienen den Pflanzen primär zur Photosynthese, d.h. es sind keine Energiespeicher wie Wurzeln, Samen oder Früchte. Sie bestehen zu einem sehr hohen Anteil aus Wasser (ca. 80–90 %), dazu kommen viele Ballaststoffe, Chorophyll, diverse sekundäre Pflanzenstoffe, sowie Vitamine und Mineralstoffe. In den Blättern ist zwar auch etwas Energie, meist in Form von Proteinen, doch Blätter haben erstens nur relativ wenig Masse und weisen ausserdem einen sehr hohen Gehalt an Pflanzenfasern auf, was die Verdauung selbst energieintensiv macht. Durch einen masseweisen Verzehr kann auch eine sehr hohe Menge aufgenommener sekundärer Pflanzenstoffe (wie z.B. Gerbstoffe, Bitterstoffe) abführend wirken. Blätter spielen jedoch eine wichtige unterstützende Rolle in der pflanzlichen Notnahrung zur Vitamin- und Mineralstoffaufnahme oder für ein kurzfristiges Sättigungsgefühl. Manche Blätter haben ausserdem auch heilende Eigenschaften oder einfach nur einen guten Geschmack (und heben so die Stimmung).


Eine Kollektion von kalorienreichen pflanzlicher Notnahrung auf einem großen Stein: Wilde Möhre, Bärlauchzwiebeln, Hagebutten, Breitwegerichsamen und Bucheckern. Natürliche Waldumgebung. Bild KI.


Kaloriengehalt in Pflanzen vs. Kalorienbedarf


Nun stellt sich selbstverständlich die wichtige Frage: Wie viel Energie steckt überhaupt in dem, was ich finde und essen kann? Während dies bei kultivieren Lebensmitteln sehr gut untersucht ist und auf jeder Packung steht ist das bei pflanzlicher Notnahrung deutlich komplexer. Denn bei Essbaren Wildpflanzen gibt es wenn, dann nur lückenhafte Untersuchungen, kaum standardisierte Daten, viele Unsicherheiten und vor allem starke Schwankungen durch Jahreszeit, Standort, Klima, Erntezeitpunkt und Zubereitung. Ausserdem ist bei Angaben zur Energiedichte (z.B. in kcal/100g) oft nicht direkt ersichtlich, ob sich diese auf die Trocken- oder Frischmasse bezieht, was insbesondere bei weichen Pflanzenteilen durch den hohen Wassergehalt die Werte um einen Faktor 10 verzehren kann.


Was sind eigentlich Kalorien? Als Kalorien im allgemeinen Sinne versteht den Gehalt an physiologisch nutzbare Energie, d.h. der Energie, die der Körper zur Energiegewinnung des Nahrungsmittels verwerten kann. Kalorien als Messeinheit (meist Kilokalorien, resp. kcal angegeben) quantifizieren diesen Gehalt auf physikalischer Ebene. Kalorien in der Nahrungsmittel befinden sich hauptsächlich in den Kohlenhydraten (4 kcal/g), Fetten (9 kcal/g) und Proteinen (4 kcal/g).


In der Praxis wird oft mit oft mit groben Faustregeln gearbeitet, die oft auch auf Schätzungen oder Vergleichen mit verwandten Kulturpflanzen basieren. Es gibt keine standardisierte Datenbank für Wildpflanzen in Mitteleuropa und Abweichung der konkreten Pflanzenarten, resp. auch bedingt durch Standort und Jahreszeitlich, können dabei beträchtlich sein. Grob habe ich nach Einbezug zahlreicher Daten folgenden Richtwerte ausgearbeitet (wobei diese Angaben mit grosser Vorsicht zu geniessen sind):


  • Blätter und Stängel: 15 (10 bis 50) kcal pro 100 g Frischmasse


  • Wurzeln und Rhizome: 30 (15 bis 80) kcal pro 100 g Frischmasse


  • Beeren“: 50 (30–100) kcal pro 100 g Frischmasse


  • „Samen“: 300 (200 bis 400) kcal pro 100 g


  • Nüsse:  500 (400–700) kcal pro 100 g

 


Informationsquelle über den Nährstoffgehalt: Standardisierte Nährwertangaben von Lebensmitteln findet man z.B. in den Datenbanken der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) oder der USDA (U.A. Department of agriculture https://fdc.nal.usda.gov) oder auch der «Souci–Fachmann–Kraut Datenbank». Diese Datenbanken fokussieren sich auf kultivierte Lebensmittel, wobei vereinzelt auch Angaben zu Wildpflanzen zu finden sind. Essbare Wildpflanzen bei denen es direkte Daten zum Nährstoffgehalt gibt, sind z.B.

  • junge Brennnesselblätter: 42 kcal/ 100g Frischmasse, resp. davon 2.7 g Protein (Quelle: Datenbank USDA)

  • Löwenzahnblätter: 45 kcal/ 100g Frischmasse, resp. davon 2.5 g Protein (Quelle: Datenbank USDA)

  • Gierschblätter: 35 kcal/ 100g Frischmasse, resp. davon 2.6g Protein (Quelle: Souci-Fachmann-Kraut Datenbank sfk.online)

  • Bärlauchblätter: 16 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Brunnenkresse-Blätter: 21 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Oregano: 72 kcal / 100g «verzehrfertiges Lebensmittel > womöglich ist das Trockengewicht gemeint» (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Feldsalat: 17 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Portulak: 17 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Sauerampfer: 25 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: DGE Nährstofftabelle)

  • Klettenwurzel: 72 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: Datenbank USDA)

  • Wald-Erdbeeren: 32 kcal / 100g (Quelle: geo.de)

  • Wacholder-Beerenzapfen: 42 kcal / 100g (Quelle: eatsmarter.de)

  • Brombeeren: 43 kcal / 100g (Quelle: Wikipedia)

  • Heidelbeeren: 42 kcal / 100g (Quelle: Wikipedia)

  • Schlehen: 57 kcal / 100g (Quelle: eatsmarter.de)

  • Hagebutten: 95 kcal/100g (Quelle: geo.de)

  • Vogelbeeren: 101 kcal / 100g (Quelle: eatsmarter.de)

  • Eicheln: 387 kcal /100g (Quelle: Datenbank USDA)

  • Bucheckern: 576 kcal/100g (Quelle: Datenbank USDA)

  • Walnüsse: 654 kcal /100g Frischmasse (Quelle: Datenbank USDA)

  • Haselnüsse: 640 kcal / 100g Frischmasse (Quelle: Datenbank USDA)

  • Breitwegerichsamen: 208 kcal/100g (Quelle: safran-eu.de)

  • Brennnesselsamen: 328 kcal/100g (Quelle: allcura.de)

  • Kümmelsamen: 333 kcal /100g (Quelle: Datenbank USDA)

 

Nebst der Abschätzung des Kaloriengehaltes verschiedener Pflanzenteile stellt sich auch die Frage, wie viel man davon benötigt, um seinen täglichen Bedarf decken zu können, resp. ob dies überhaupt notwendig ist?


Der tägliche Kalorienbedarf eines durchschnittlichen Erwachsenen liegt bei etwa:

  • 1.800–2.500 kcal/Tag im Ruhezustand oder bei geringer Aktivität

  • 2.500–3.500 kcal/Tag bei moderater bis hoher körperlicher Belastung


Intuitiv würde man jetzt zur Schlussfolgerung kommen, dass man, um nicht zu verhungern, täglich so viel sammeln müsse. Nun, die obigen Werten gelten erstens nur für normale Umstände, also bei voll funktionierender Versorgung, Gesundheit und verfügbarer Nahrung. Nun hat unser Körper aber im Verlaufe der Evolution gelernt, Hungersituationen zu überstehen, indem er in den Sparmodus geht und zwar indem der Stoffwechsel heruntergefahren wird, die Körpertemperatur leicht absinkt und der Energieverbrauch priorisiert wird (mehr auf Überleben, weniger auf Wachstum, Fortpflanzung, usw.). Ausserdem kann der Körper zur Energiegewinnung auf seine Fettreserven zurückgreifen und Muskelmasse langsam abbauen. Weiter wird man durch die geringe Nahrungszufuhr träge und bewegt sich dadurch weniger, was den Energieverbrauch reduziert.


bei zu geringer Nahrungsaufnahme wird man träge
bei zu geringer Nahrungsaufnahme wird man träge

Wenn die Survivalsituation in seiner Zeitdauer begrenzt ist, kann man also bereits mit einer geringen Kalorienzufuhr die Überlebensspanne auf mehrere Wochen ausdehnen oder anders gesagt: Du musst kurz- bis mittelfristig nicht jeden Tag deinen Kalorienbedarf decken, um zu überleben! Statt seine Kalorien zu „tracken“ (sofern das überhaupt möglich ist), macht es mehr Sinn, einfach alles was an kalorienhaltigen Ressourcen in der Umgebung verfügbar ist zu nutzen, resp. sich diese sich auf die Verweildauer am entsprechenden Ort einzuteilen.


Vor der Sesshaftigkeit, also vor etwa 10.000 Jahren, waren Menschen Jäger und Sammler, und zwar aus gutem Grund: Die wilden Nahrungspflanzen der Umgebung reichten oft nur für kurze Zeiträume, bevor sie erschöpft waren, ehe die Sippe weiterzog. Das wäre heute nicht anders, d.h. die Verfügbarkeit an «wilden Kalorien» draussen in der Natur ist begrenzt. Je nach Ort, Jahreszeit und Grösse der Gruppe kommt bei massenweisem Verzehr früher oder später (von einem Tag bis mehrere Monate) der Zeitpunkt, wo dass das Gebiet "abgeerntet" ist. Nicht zuletzt ermöglicht nur gezüchtetes, kalorienoptimiertes Kulturgemüse und Getreide zusammen mit einer intensiven, technisierten Landwirtschaft dem heutigen modernen Menschen die Sesshaftigkeit.


Pflanzliche Notnahrung = Starker Eingriff in die Natur: Essbare Wildpflanzen in die tägliche Ernährung oder in Outdoormenü einzubauen, in der Regel in Kombination mit «zivilisierten Zutaten» ist das eine, seinen Kalorienbedarf komplett nur aus wilder Nahrung zu decken ist das andere. So etwas kann man dies zwar übungshalber einmal einen Tag oder eine Woche ausprobieren, doch das Problem dabei ist, dass solche Mengen einen sehr grossen Eingriff in die Natur und das Ökosystem darstellen, wenn ganze Beerenbestände abgeerntet und massenweise Wurzeln ausgegraben werden. Ich plädiere deshalb dafür, aus ökologischen Gründen, von solchen Experimenten abzusehen und nur in Notfallsituationen auf 100% wilder Nahrung zu setzen.


Vitamine und Mineralstoffe sind zwar für das Funktionieren des Körpers ebenfalls essenziell, doch in einer kurzzeitigen Survival-Phase sind sie nicht überlebensentscheidend, aber je länger die Lage andauert, desto wichtiger werden sie, etwa zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen (z. B. Skorbut durch Vitamin-C-Mangel, der nach mehreren Wochen ohne ausreichender Vitamin-C Zufuhr einsetzen kann). Im Vergleich zu ausreichend Kalorien sind genügend Mikronährstoffe jedoch meist relativ einfach und rasch in allen Pflanzenteilen, d.h. auch den einfach zu erntenden Blättern verfügbar. Nicht zuletzt enthalten Wildpflanzen im Gegensatz zum Kulturgemüse in der Regel ein Vielfaches als Vitaminen und Mineralstoffen, weshalb oft im Gegensatz zum Kulturgemüse auch kleinere Verzehrmengen ausreichen, um den Bedarf zu decken. Eine Ausnahme stellen jene Mikronährstoffe dar, die man sonst vor allem in tierischen Produkten vorfindet, wie Eisen oder Vitamin V12. Vitamine und Mineralstoffe werden übrigens auch automatisch bereits in den kalorienreichen Pflanzenteilen wie Wurzeln oder Beeren, usw. mitkonsumiert.


Nicht zuletzt muss auch erwähnt werden, dass pflanzliche Nahrung auch Wasser enthält und so zur Wasserzufuhr beitragen kann, was v.a. für frische Kräuter und Beeren gilt, auch wenn diese eine echte Wasserquelle nicht ersetzen können. Etwas mehr Wasser kann man aus sukkulenten Arten wie beispielsweise dem Weissen Mauerpfeffer herausholen, den man oft an Kalksteinfelsen vorfindet.


Auch der psychologische Effekt von pflanzlicher Notnahrung ist nicht zu unterschätzen. Sie gibt einem das Gefühl von Selbstwirksamkeit in der ernsten Situation, vermindert Angst und Stress und bringt Struktur in den Tag.


selbst in der Natur gesammelte Nahrung hebt in der Survivalsituation die Stimmung
selbst in der Natur gesammelte Nahrung hebt in der Survivalsituation die Stimmung


Improvisierte Zubereitung


Je nachdem, was du in der Survivalsituation für Equipment (Messer, Topf,…) dabei hast, resp. ob dir Ressourcen wie Wasser, Feuer etc. zur Verfügung stehen, hast du mehr oder auch weniger Möglichkeiten zur Zubereitung der gesammelten Pflanzen.


Der rohe Verzehr ist dabei zweifelsfrei die einfachste und rasche Möglichkeit, sofern dies von den Inhaltsstoffen nicht problematisch ist. Sobald du die Möglichkeit hast zu kochen, werden die Pflanzenteile besser verdaulich und auch weniger bitter. Gewisse Pflanzenteile, wie die stärkehaltigen Knollen des Scharbockskrautes oder die «Beeren» des Schwarzen Holunders sind ausserdem roh giftig und müssen vor dem Verzehr für eine gewisse Zeitdauer erhitzt werden. Bei gewissen Pflanzenarten kann auch ein Teil der Bitterstoffe durch ein mehrstündiges Wasserbad ausgelaugt werden. Auch weitere schlecht verträgliche Stoffe, wie z.B. Saponine in den Königskerzenwurzeln, können damit minimiert werden. Bei Eicheln wird der Gehalt Gerbstoffen reduziert, indem diese in ein mehrtätiges Wasserbad durch regelmässiges Auswechseln des Wassers (oder ins Fliessgewässer) gelegt werden.

Harte Pflanzenteile, wie z.B. verholzte Wurzeln oder Rhizom (z.B. von Brennnessel oder Giersch) werden kleingeschnitten und dann ca. 15 bis 30min im Wasser ausgekocht und anschliessend der Sud daraus getrunken.

Wurzeln oder Samen können auch geröstet werden, was meist die Bitterkeit reduziert und durch die Röstaromen für ein angenehmes Aroma sorgt. Wenn kein Topf zur Verfügung steht, dann liegt man die Pflanzenteile auf einen vorgängig im Feuer erhitzten Stein gelegt, resp. auf einem flachen Stein auf die Glut gelegt. Harte Pflanzenteile (wie «Samen», Nüssen oder Kerne von «Beeren») können (sofern nicht zu hart) auch mit einem Stein vermahlen und dann zu einem Fladen verbacken werden. Dazu wird das Mehl mit wenig Wasser vermischt und zu einem Fladen geformt, der anschliessend wie beim Rösten auf einem heissen Stein oder mit einer Barriere über der Glut ausgebacken wird.


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