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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Eiche, Stiel- & Trauben- (Quercus robus & petraea)
Illustration der Stiel-Eiche (Quercus robur) und der Trauben-Eiche (Quercus petraea) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Buchengewächse (Fagaceae), Gattung: Eichen (Quercus)

"Die kalorienreichen Eicheln können (entsprechend vorbereitet) für vielfältige Rezepte verwendet werden. Eichen sind auch heiltechnisch, ökologisch und mythologisch sehr interessant."

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Blätter: wechselständig; verkehrt-eiförmig, 7 bis 15cm lang; grob gebuchtet (5-7 Lappen)

  • Stiel-Eiche: sitzend bis kurz gestielt (<0.7cm); asymmetrische Buchtung; am Grund mit Öhrchen; kahl bis zerstreut behaart

  • Trauben-Eiche: normal gestielt (1-2.5 cm); symmetrische Buchtung; Nerven enden praktisch nie in einer Bucht; tote Blätter bleiben oft über den Winter am Baum


Äste / Stamm: braungrau, längsrissig


Blüten: getrennt-geschlechtlich, einhäusig; Einzelblüten klein und unscheinbar

  • männliche Blütenstände: in langen hängenden Kätzchen angeordnet; Staubblätter lang und gelblich-grün

  • weibliche Blütenstände: an den Triebenden; rote und unscheinbare Einzelblüten


Früchte: braune (unreif grüne) ovaloide Nussfrucht; am Grund in einem Fruchtbecher (Cupula) eingepackt ("Eichel"). Innerhalb des Samens zwei kalorienreiche Speicherblätter (Speicherkotyledonen).

  • Stiel-Eiche: lang gestielt (Name!)

  • Trauben-Eiche: sitzend bis kurz gestielt


Zeigerwerte: halbschattig, schwach sauer bis neutral

  • Stiel-Eiche: feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), mässig nährstoffarm bis nährstoffreich

  • Trauben-Eiche: mässig trocken (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffarm


typische Standorte: nur in tiefen Lagen

  • Stiel-Eiche: Wälder, Auenwälder, Wälder auf trockenem Sandboden

  • Trauben-Eiche: trocken-steinige Hänge

Fotos

Verwendung

Wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Flavonoide, Triterpene (Früchte: Stärke, Eiweiss und Fette)


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



  • Eicheln (nussig > mehr dazu): nach entsprechender Vorbereitung (siehe weiter unten) sind vielfältige Rezepte möglich:


  • Gemüse: Eicheln ca. 10 bis 20 Minuten im gesalzenen Wasser kochen bis sie weich werden. Danach werden sie als Gemüse oder Gemüse-/ Fleischbeigabe mit einer Sauce (z.B. Bratsauce) angerichtet. Passt v.a. zu herbstlichen Fleischgerichten.


  • Eichelkaffee: Eicheln in kleine Stücke schneiden und ohne Öl anrösten, bis sie braun werden. Danach vermahlen (mit Getreidemühle, Kaffeemühle, evtl. Mixer) und das Pulver nochmals nachrösten. Pro Tasse werden 1-2 Teelöffel des gerösteten, dunkelbraunen Eichelpulvers für 5 bis 10 min im heissen Wasser ziehen gelassen. Das Pulver setzt sich teils von selbst am Boden ab. Falls dies nicht der Fall ist, wird der Kaffee mit etwas kaltem Wasser abgeschreckt (so dass sich das Pulver absetzt) Durch die Röstaromen kommt der Geschmack dem echten Kaffee sehr nahe. Das Pulver ist in einem abgeschlossenen Gefäss auch sehr gut haltbar.


  • Eichelmehl: Dazu werden die getrockneten Eicheln vermahlen (mit Getreidemühle, Kaffeemühle, evtl. Mixer). Falls das Mehl gelagert wird, sollte es danach nochmal etwas getrocknet werden (im Backofen bei ca. 40°C, Umluft, 2 bis 3h, mit leicht geöffnetem Spalt). Mit dem Eichelmehl kann Getreidemehl gestreckt werden. Zu beachten ist jedoch, dass das Eichelmehl kein Gluten enthält und deshalb keine Klebeigenschaften wie z.B. Weizenmehl hat. Um daraus ein Brot zu backen, sollte der Anteil des Eichelmehls deshalb maximal 50% betragen. Währenddem der Brotteig ruht, wird immer wieder wenig Wasser in den Teig hineingeknetet, da dieser aus eigener Erfahrung rasch trocken wird. Das Eichelmehl kann auch für Güezlis, Kuchen, usw. (anstelle von Haselmehl) verwendet werden.


  • Eichelaufstrich: Eichelmehl mit ca. der doppelten Mengen Wasser aufkochen und danach wenig Olivenöl und Salz dazufügen. Danach alles unter leichtem Köcheln zusammenrühren. Wer es süss mag, gibt dem Ganze noch Zucker dazu (ca. 20 bis 50g Zucker pro 100g Mehl). Der Aufstrich sollte rasch verzehrt werden und ist im Kühlschrank ca. ein paar Tage lagerbar.


  • Eichelfladen: Ein gutes Outdoorezept für unterwegs: Die Eicheln werden erst im Wasser weichgekocht. Danach werden sie zusammen mit wenig Wasser und Salz zu einem Brei zerstampft (mit einem Holzstück). Der Brei wird nun zu Fladen geknetet (durch das Wasser klebt dieser Brei auch ohne Gluten leicht zusammen). Wichtig ist, dass man dabei nicht zu viel Wasser hinzuzufügt, den sonst werden die Fladen flüssig. Die Fladen werden auf der Bratpfanne (oder direkt auf der Glut) auf beiden Seiten angebraten.


kulinarische Verwendung von Eicheln: Gemüse, Eichelkaffee, Eichelmehl, Eichelbrot, Eichel-Aufstrich, Eichelfladen

Eicheln sammeln: Die Eicheln werden ab Spätherbst und über den Winter am Boden gesammelt. Am einfachsten auffindbar sind sie auf Wanderwegen oder Waldsträsschen. Auf dem Waldboden oder in Wiesen werden die Eicheln etwas durch das Gras oder das Laub verdeckt, wodurch man genauer hinschauen muss. Die Eicheln sollten dabei reif sein, das heisst eine bräunliche Farbe aufweisen. Grüne, unreife Eicheln, die am Boden liegen, sind meiste bereits im Frühherbst aufgrund eines Larvenbefalles vom Baum gefallen. Man findet Eicheln in guten Jahren über den ganzen Winter bis in den nächsten Frühling hinein, wobei deren Menge mit zunehmender Zeit immer mehr abnimmt und gleichzeitig der Anteil an fauligen Exemplaren zunimmt. Am Anfang konservieren die Gerbstoffe gut, doch deren Gehalt in den Eicheln nimmt über den Winter schrittweise ab. Das bedeutet aber auch, dass sich rohe Eicheln Ende Winter deutlich weniger adstringierend anfühlen, resp. teils auch ohne vorgängigem Wässern roh verzehrt werden können. Beim Sammeln müssen sich die Eicheln hart anfühlen, resp. wenn sie sich etwas weich zusammendrücken lassen, deutet das meist auf einen Larvenbefall hin. Auch Eicheln mit Rissen sind meist schimmlig. Ein Loch in der Schale deutet ausserdem darauf hin, dass sich dort früher eine Larve «herausgefressen» hat. Bereits gekeimte Eicheln können problemlos gesammelt werden und es gibt sogar Leute, die behaupten, dass die besonders gesund sein sollen.


Eicheln sammeln

Vorbereitung der Eicheln: Nach dem Sammeln werden die Eicheln erst mal ins Wasser gelegt. Diejenigen, die oben aufschwimmen werden entsorgt (sind von Larven des Eichelbohrers befallen, die sich bisher noch nicht komplett herausgefressen haben und haben deshalb im Innern einen Hohlraum). Genutzt werden bei den Eicheln nicht die ganze Frucht, sondern das Speichergewebe in Innern, das aus zwei Hälften besteht (den sogenannten Speicherblätter / «Speicherkotyledonen»). Dazu müssen die Eicheln geschält werden, was eine sehr aufwendige Sache ist. Ein bisschen beschleunigen kann man das Ganze, indem man die Eicheln vorgängig mehrere Tage lufttrocknet oder noch besser, für ca. 20 Minuten bei 150°C in den Backofen gelegt werden. Denn damit springen die Schalen vieler Eicheln von selbst auf und das Schälen wird deutlich angenehmer. Auch die dunkle Haut zwischen Schale und den Speicherblättern lässt sich so auch deutlich einfacher weglösen. Schimmlige Speicherblätter werden aussortiert oder entsprechende Stellen grosszügig mit dem Messer entfernt. Es kann durchaus sein, dass man auch zu diesem Zeitpunkt bei gewissen Eicheln noch Larven des Eichelbohrers antrifft (Hartgesottene essen die Larven als Proteinsnack - sie sind ungiftig).


Nun wird der Grossteil der Gerbstoffe durch Wässern aus den Speicherblättern herausgelöst. Dazu werden sie für mehrere Tage in ein Wasserbad gelegt. Dabei sollte möglichst ein abgeschlossener Behälter (z.B. Einmachglas, Topf mit Deckel drauf,…) verwendet werden, da stehendes Wasser Fäulnis begünstigt. Das Wasser wird bereits nach wenigen Stunden trüb und genau diese braune Trübung kommt von den Gerbstoffen, die gerade herausgelöst wurden. Das Wasser wird alle 12 Stunden mit frischem klarem Wasser ausgetauscht. Nach einigen Tagen nimmt die Intensität der Trübung ab, was darauf hindeutet, dass nun ein Grossteil der Gerbstoffe bereits aus den Eicheln herausgelöst wurde. Dann ist das Wässern abgeschlossen und die Eicheln können nun kulinarisch genutzt werden. Zu beachten ist, dass auch bei den gewässerten Eicheln immer noch ein Rest-Gerbstoffgehalt verbleibt (den man auch am pelzig-zusammenziehenden Gefühl im Mund spürt), d.h. man leider durch das Wässern nicht alles herausbekommt.,


Eicheln im Wasserbad wässern, um die Gerbstoffe herauszulösen

Nach erfolgreichem Wässern werden die Speicherblätter möglichst rasch getrocknet. Dies geht besten im Backofen (ca. 50°C, Umluft, 2 bis 3h, mit leicht geöffnetem Spalt) oder mit einem Dörrex. Bei Lufttrocknung muss auf eine sehr gute Luftzirkulation geachtet werden, da die Speicherblätter sonst verfaulen! Nach dem Trocknen sind die Speicherblätter bereit für die Lagerung oder Weiterverarbeitung zu Mehl / Kaffee usw. In einem abgeschlossenen Gefäss sind getrocknete Eicheln mindestens mehrere Monate lang haltbar. Über längere Zeit gelagerte Eicheln sind teils sehr hart und werden deshalb vor der Weiterverarbeitung bedarfsweise für ca. einen Tag im Wasser eingeweicht.


Weitere Wässerungsmethoden: Eine einfache Outdoor-Methode zum Entwässern, so wie es die Ureinwohner Amerikas gemacht haben, ist es, die Speicherblätter in einem Korb (resp. Gemüsebeutel mit Netzgewebe) für mehrere Tage in ein fliessendes Gewässer zu legen. Durch die Strömung ist damit die Frischwasserzufuhr jederzeit gewährleistet. Es gibt auch die Methode der «Express-Wässerung», die nur 60 Minuten dauert und sich vor allem in den Situationen eignet, wo man die Eicheln nach dem Sammeln direkt verwenden will (z.B. während Outdoor-Unternehmungen). Hierzu werden die Speicherblätter zerkleinert und anschliessend für ca. 1 bis 2 Stunden im Wasser ausgekocht. Das Kochwasser wird dabei alle 5 bis 10 Minuten ausgetauscht. Diese Express-Methode hat zwar den Vorteil der Zeitersparnis, allerdings werden beim Kochen auch Nährstoffe (Stärke, Vitamine, Mineralstoffe) ausgewaschen.


Eicheln Wassern nach der Express-Methode durch Auskochen.
Express-Wässerung durch Auskochen


Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Durch den hohen Gerbstoffgehalt wird die Eiche phytotherapeutisch für typische Gerbstoffanwendungen genutzt. Traditionell verwendet wird dabei v.a. die Rinde. Zur Herstellung eines Suds für einen Umschlag werden 1-2 EL der zerkleinerten Rinde in 500ml Wasser für 15min ausgekocht. Für einen Tee werden analog 1g der zerkleinerten Rinde (pulverisiert oder fein geschnitten) in 150ml Wasser für 15 Minuten ausgekocht. Ein Teeauszug kann bei Entzündungen im Mund-Rachenbereich mehrmals am Tag gegurgelt werden (wirkt lokal antimikrobiell und entzündungshemmend), resp. bei Durchfall mehrmals am Tag getrunken werden. Ein Umschlag wirkt bei Wunden desinfizierend und blutstillend, resp. kann auch bei Hautentzündungen angewendet werden. Im Handel sind für Vollbäder auch Badezusätze auf Basis von Eichenrinde-Extrakt erhältlich. Nebst der Rinde dürften auch die (älteren) Eichenblätter und Dekote / Mazerate aus den Früchten (Eicheln) als Gerbstoffdrogen angewendet werden.

Beschreibung

Wird bei uns in Mitteleuropa generell von der «Eiche» gesprochen, dann ist damit sowohl die «Stiel-Eiche», als auch die «Trauben-Eiche» gemeint. Diese beiden bei uns heimischen Eichen-Arten sehen sehr ähnlich aus. Bei näherer Betrachtung gibt es aber trotzdem ein paar charakteristische Unterschiede (siehe obige Bilder). Manchmal kann ein Exemplar aber auch Eigenschaften von beiden Arten aufweisen, denn Hybride sind nicht unüblich. Der Name «Stiel-«Eiche bezieht sich auf die Tatsache, dass deren Früchte im Gegensatz zur Trauben-Eiche gestielt sind.



Nachdem die «Eiche» (nach der letzten Eiszeit) Mitteleuropa wieder besiedelt hat, war sie über lange Zeit die dominierende Baumart, d.h. die Landschaft war damals von Eichen-Mischwäldern überzogen. Mit der Ankunft der Rotbuche (die ein paar Tausend Jahre später erfolgte) wurde sie dann aber an den «durchschnittlichen» Standorten zunehmend verdrängt. An etwas extremeren Standorten ist die Eiche aber nach wie vor der Platzhirsch, zumindest gehört sie dort zu den dominierenden Baumarten. An den Standorten die periodisch überschwemmt werden, wie Auenwälder, aber auch auf trockenen Sandböden ist das Terrain der Stiel-Eiche. Die Trauben-Eiche ist hingegen natürlicherweise vor allem an trockenen, oft auch felsigen Standorten der Mittelgebirge zu finden. Die tiefe Wurzel macht die Eiche sturmfest und weniger anfällig für Dürren, weshalb sie den Klimawandel viel besser verträgt als andere Baumarten. Dar Vorkommen der Eichen beschränkt sich auf die tiefen Lagen bis maximal ca. 800 bis 900 m ü. M. Etwas darüber findet man sie zwar manchmal auch, doch sind das nur seltene Fälle.


Die Eiche ist eine ökologisch sehr wertvolle Baumart, denn sie bietet (v.a. in der Krone) zahlreichen Insektenarten ein Zuhause, bzw. Nahrungsgrundlage und dabei sind diese Arten nicht selten auch auf die Eiche hochspezialisiert. Besonders Käferlarven oder Raupen sind dabei typische Blattfresser. Daneben gibt es auch noch Läuse und Zikaden, die am Pflanzensaft saugen. Teils findet man auf den Blättern auch rötliche Strukturen, sogenannte Gallen, die von Gallwespen stammen. Zahlreiche Käferarten nutzen das Holz als Nahrung oder zur Eiablage und anschliessendem Lebensraum für die Larven. Oft handelt es sich dabei um von Pilzen durchsetztes Totholz, teils aber auch um morsche Bereiche an der oberflächlichen Schicht lebender Stämme. Bekannt ist dabei u.a. der Hirschkäfer, dessen Larven sich nach dem Schlüpfen im Stamm für ca. 3 bis 6 Jahre vom Pilz durchsetzen, verrottenden Holz ernähren, ehe sie sich herausbohren (durch 1 bis 2 cm grosse Schlupflöcher sichtbar) und verpuppen. Die vielen Insekten auf der Eiche locken wiederum zahlreiche Vogelarten an, die dort aber nicht nur Nahrung finden, sondern auch ein Zuhause. Bekannt ist da z.B. der Specht, der Eichen gegenüber anderen Baumarten bevorzugt. Auf der Suche nach Insekten klopft er den Stamm mit seinem Schnabel gezielt nach Hohlräumen unter der Baumrinde ab. Durch das Meisseln mit seinem Schnabel baut er sich zur Behausung auch Höhlen in den Stamm. Meist nutzt er dabei Stellen, die bereits etwas faulig sind, da dort die Bearbeitung leichter ist. Vom Specht nicht mehr genutzte Höhlen werden nicht selten im Anschluss von Singvögeln und Eulen genutzt. Die nahrhaften Eicheln stellen für grössere Tiere, wie Vögel (z.B. Eichelhäher), Nagetiere, Rehe, Wildschweine, usw. eine wichtige Nahrungsquelle dar. Ein im Zusammenhang mit Eicheln besonders zu erwähnendes Eichel-Insekt ist der Eichelbohrer. Dabei handelt es sich um eine Käferart, bei der die Weibchen die Eier in die unreifen Eicheln legen (indem sie sich hineinbohren). Sobald die Eichel reif ist, schlüpft die Larve und ernährt sich vom Speichergewebe. Anschliessend bohrt sich die Larve nach draussen, was an den oft zu beachtenden Löchern in den Eicheln erkannt werden kann. Im Anschluss gräbt sich die Larve in den Boden ein und verpuppt sich.


Die Eichen zählen zu den langlebigsten Baumarten Europas. Sie können nicht selten ein Alter von über 1'000 Jahren erreichen. Die Grundlage dazu legen sie in der Jugend, wo sie nur langsam wachsen und bereits früh robuste Stammstrukturen und ein starkes Wurzelwerk ausbilden. In das Kernholz wird ausserdem viel Gerbstoff eingelagert, was Letzteres resistent gegen Pilz- und Insektenbefall macht. Schädlingsbefälle beschränken sich bei gesunden Eichen deshalb auf das Splintholz aussen am Stamm. Die Eichen sind sehr regenerationsfähig, d.h. sie können nach Verletzungen oder Abbrüchen durch Stockausschlag rasch wieder neu austreiben. Eichen weisen am Ende ihres Lebens eine graduelle Zerfallsphase auf, d.h. sie können trotz abbrechenden Kronen, vielen Hohlräumen im Stamm und einer intensiven Pilzbesiedelung über mehrere Jahrzehnte weiterleben, bevor sie definitiv absterben. Der Stamm kann im Anschluss als Totholz noch über 100 Jahre erhalten bleiben und ist gerade in dieser Zeit ein besonders wertvoller und intensiv genutzter Lebensraum, mit besonders vielen bewohnten Höhlen und einer intensiven Käfer- und Pilzbesiedelung.


Die tiefe Verwurzelung, Robustheit und Langlebigkeit der Eiche hat die Germanen und Kelten besonders inspiriert, wodurch sie für beide Kulturen ein heiliger Baum darstellt. Die Eiche hatte damit ein Schlüsselrolle in Religion und Mythologie. Sie galt als Sinnbild für Stärke, Stabilität und Verbindung zwischen Himmel, Erde und Unterwelt. Bei den Kelten könnte das Wort „Druide“ vom Wort dru- („Eiche“) und -wid- („Wissen“) stammen, was so viel bedeutet wie „Eichen-Wissender“ oder „Weiser der Eiche“. Viele keltische Siedlungen hatten heilige Eichenhaine (Nemetona), in denen keine Häuser gebaut oder Bäume gefällt werden durften. Opfergaben wurden oft an Eichen gebracht, um Schutz, Fruchtbarkeit oder göttliche Gunst zu erhalten. Manche Könige oder Anführer wurden unter Eichen gesalbt oder gewählt, um göttliche Kraft zu erhalten. Die Menschen beobachteten, dass Eichen häufiger vom Blitz getroffen würden (ob das tatsächlich so ist?) und da Blitzschläge als Zeichen göttlicher Macht gesehen wurden, mussten getroffene Bäume demnach heilig sein. Kein Wunder, war der Baum auch dem Donnergott Taranis geweiht. Misteln, die auf Eichen wuchsen (was nur selten vorkommt) wurden von den Druiden als besonders heilig angesehen.

Bei den Germanen galt die Eiche als den Baum Thors (Donars), der ebenfalls der Donnergott war. Eichenhaine wurden als Heiligtümer Thors verehrt, in denen Rituale und Opfer stattfanden. Viele mit Runen versehenen Stäbe (Runenstäbe) wurden aus Eichenholz gefertigt, denn man glaubte, dass das Eichenholz besonders stark und energetisch aufgeladen war. Die sogenannte „Donar-Eiche“ im nordhessischen Geismar war ein heiliger Baum und ein wichtigste Kult-Ort. Sie wurde 772 n. Chr. auf Anordnung durch den christlichen Missionar Bonifatius gefällt, um die germanischen Sachsen zum Christentum zu bekehren. Die Sachsen glaubten nämlich, dass Thor den Bonifatius für diese Tat bestrafen würde. Als jedoch keine göttliche Reaktion kam, sahen viele dies als Zeichen für die Macht des christlichen Gottes und liessen sich deshalb zum Christentum bekehren.


Das Eichenholz ist dank den Gerbstoffen sehr dauerhaft und witterungsbeständig. Ausserdem ist es hart und trotzdem elastisch, lässt sich gut bearbeiten und hat eine schöne Maserung. Es war früher über längere Zeit ein wichtiges Bauholz, nicht nur für Häuser oder Brücken, sondern auch für Schiffe. Heute ist es vor allem für Möbel, im Innenausbau, als Parkett oder auch für Weinfässer beliebt. Das Eichenholz ist jedoch eher ein Nischenholz, denn es ist vergleichsweise teuer und damit eher auf das hochpreisige Marktsegment beschränkt. Die Bäume werden erst einem Alter von ca. 160 bis 250 Jahre gefällt, was deutlich länger ist als bei Fichten oder Rotbuchen (ca. 100 Jahre). Ausserdem brauchen Jungbäume sehr viel Licht, so dass entsprechende Wälder vergleichsweise oft durchfrostet werden müssen. Kein Wunder also, dass sich dieser erhöhte Zeit- und Arbeitsaufwand dann schlussendlich auch im Holzpreis widerspiegelt. Da die Eiche dürreresistent ist, gilt sie in Zeiten des Klimawandels als Zukunftsbaum.


Die sogenannte Eichelmast war im Mittelalter und bis in die Neuzeit eine wichtige Grundlage der Schweinehaltung und damit auch der Fleischproduktion. Im Herbst von Mastjahren (wenn besonders viele Eicheln am Boden liegen) wurden die Schweine in die Eichenwälder getrieben und damit intensiv gemästet. Aus diesem Grund waren die Eichen bei den Menschen nicht nur sehr geschätzt, sondern wurden in den Wäldern auch gezielt für die Schweinemast gefördert. Nicht zuletzt ging dann mit dem Ende der Schweinemast im 18./19. Jahrhundert (wegen dem Aufkommen der Kartoffel, Mais usw. als energiereiche Futterpflanzen und dem Beginn der Stallfütterung) auch die Bedeutung und Verbreitung der Eiche in den mitteleuropäischen Wäldern stark zurück. Die Eicheln wurden in Notzeiten (nach schlechten Ernten, resp. Ernteausfällen) auch direkt als Notnahrung genutzt. Dabei wurde Eichelmehl dem Getreidemehl dazugemischt. Beliebt war auch der Eichelkaffee, der später in Deutschland während den beiden Weltkriegen eine Renaissance erlebte.


Die Eicheln sind Nussfrüchte, die im Innern (unter der Schale) einen Samen enthalten. Ein Grossteil der Masse dieses Samens machen dabei die Speicherblätter (Speicherkotyledonen) aus. Die Speicherblätter bestehen botanisch aus dem Gewebe, das bei den meisten Pflanzenarten die Keimblätter (die ersten Blätter nach dem Austrieb) darstellt. Der Hauptteil der dort gespeicherten Nährstoffe besteht aus Stärke, resp. in geringen Mengen sind auch noch Proteine und Öle enthalten. Eicheln sind damit also eine perfekte kalorienreiche, wilde pflanzliche Notnahrung, gäbe es da nicht ein kleines Problem: Der Gerbstoffanteil kann bis zu 10% ausmachen, was die Eicheln beim Verzehr sehr adstringierend, pelzig und auch bitter macht. Da dies nicht nur unangenehm ist, sondern bei grösseren Mengen auch zu Verdauungsbeschwerden führen kann, müssen die Eicheln deshalb vor der kulinarischen Nutzung gewässert werden (siehe Abschnitt oben unter «kulinarische Nutzung»). Die Gerbstoffe dienen dem Frassschutz, denn anders als bei Beeren, wo der Samen in der Regel unverdaut wieder ausgeschieden werden, ist jede gefressene Eichel ein verlorener Samen. Die meisten Tiere beginnen die Eicheln erst gegen Ende Winter zu fressen, wenn der Gerbstoffgehalt etwas abgenommen hat. Sobald eine Eichel reif ist, löst sie sich vom Fruchtbecher und fällt mit der Schwerkraft zu Boden, wo sie anschliessend unter dem Mutterbaum herumliegt. Ein kleiner Teil der Eicheln wird von dort aus mittels «Vorratsspeicherung» verbreitet, z.B. durch den Eichelhäher, Eichhörnchen oder Mäuse. Diese sammeln die Eicheln am Boden und legen an einem anderen Ort damit einen Vorrat im Boden an. Wird der Vorrat vergessen oder stirbt das Tier in der Zeit, dann kann die Eicheln später aus diesem Versteck heraus keimen. Die meisten Eicheln keimen noch im Herbst desselben Jahres, indem sie ihre Wurzeln in den Boden treiben. Durch den grossen Nährstoffspeicher kann ein Keimling danach den ganzen Winter davon zehren. Die ersten grünen Triebe werden dann im nächsten Frühling gebildet (würden im Winter erfrieren). Dank der zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen kräftigen Primärwurzel, ist die Wasser- und Nährstoffversorgung für ein optimales und rasches Wachstum bereits gesichert. Der grösste Teil der Eicheln, die zu Boden fallen, wird entweder gefressen oder verrottet (entweder vor der Keimung oder teils auch noch danach). Oft ist bei Eicheln, die auf Waldsträsschen oder Wanderwegen liegen, zu beobachten, dass die Wurzeln durch die Verdichtung des Bodens oder dem fehlenden Humus, nicht in den Untergrund eindringen können und damit zusammen mit dem Rest der Eicheln verkümmern.



Beim Sammeln der Eicheln ist zu beachten, dass die Eichen einem Mastjahrzyklus unterliegen. Das bedeutet, dass die Menge an Eicheln nicht jedes Jahr gleich gross ist. Ein Jahr wo besonders viele Früchte gebildet werden, wird dabei «Mastjahr» genannt. Dazwischen liegen Jahre mit wenig oder keiner Eichelbildung. In diesen Jahren dazwischen erholen sich die Bäume von dieser energieintensiven Fruchtbildung und auch die Tierbestände gehen durch das geringere Futterangebot wieder zurück. Mastjahre erfolgen für ein grösseres Gebiet mit ähnlichen Wetterbedingungen synchron. Die Entwicklung von Mastjahren wird vor allem durch einen warm-trockenen Frühling desselben Jahres begünstigt. Der Abstand zwischen Mastjahren betrug bis vor kurzem ca. 5 bis 10 Jahre. Mittlerweile hat sich der Abstand auf 2 bis 3 Jahren verkürzt. Man geht davon aus, dass dies in irgendeiner Weise mit dem Kllimawandel zu tun hat.

 

mögliche Verwechslungen

Flaum-Eiche (Quercus pubescens) - ungiftig / essbar, ähnliche kulinarische Verwendung


Es handelt sich um eine südeuropäische Baumart mit Verbreitungsschwerpunkt in der Mittelmeerregion von Spanien bis in den Nahen Osten. Dort besiedelt sie im Landesinnern (d.h. in der Regel nicht direkt an der Küste) trockenwarme, kalkreiche, flachgründige und steinige Hänge, sowie Plateaus. Diese Flaumeichenwälder sind meist licht und artenreich. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Flaumeiche erstreckt sich auch auf Gebiete nördlich der Alpen. So findet auch in den eher warmen Regionen der Schweiz wie dem Wallis oder der Genferseeregion Flaumeichenwälder. Vereinzelte Bestände der Flaumeiche findet man auch im Tessin oder in der Nordwestschweiz.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • äusserlich sehr ähnlich wie die Stiel-Eiche (Blätter mit Öhrchen und asymmetrischer Buchtung)


Unterschiede (u.a.)

  • junge Triebe, Blätter und Blattstiel flaumig bis filzig behaart; später Triebe und Blattoberseite verkahlend; Blattunterseite graugrün

  • Fruchtbecher der Eicheln filzig behaart


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Flaum-Eiche gegenüber der Stiel- und der Traubeneiche. Merkmale graphisch dargestellt.

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

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Bestimmungsmerkmale
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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
mögliche Verwechlungen

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