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Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weissdorn (Crataegus monogyna & laevigata)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Weissdorn (Crataegus)
"Die Früchte findet man im Herbst massenweise. Sie sind jedoch eher fade im Geschmack, weshalb das Weissdorn-Mus mit Apfelmus vermischt wird."
Bestimmung
Habitus: Strauch bis 4m Höhe
Blätter: wechselständig; eiförmig bis oval; Blattrand tief eigeschnitten, mit 3-5 (z.T. 7) Lappen; Lappen gesägt (v.a. an deren Enden); OS dunkelgrün
Eingriffeliger-: Einschnitte >50% (fiederspaltig); 2 bis 4 cm lang; US heller
Zweigriffeliger-: Einschnitte <30% (fiederlappig); 3 bis 6 cm lang; US fast gleiche Farbe wie OS

Äste / Stamm: braun; längsrissig; Borke abblätternd; Zweige mit Sprossdornen
Blüten: mehrere Blüten in einem Blütenstand angeordnet; Einzelblüten mit weissen (selten rosa) und runden Kronblättern; rotbraune Staubblätter; 3-eckige stumpfe Kelchblätter
Blüten der Arten aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) allgemein: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter
Eingriffeliger-: ein Fruchtblatt pro Blüte; blüht Mai/Juni
Zweigriffeliger-: 2 bis 3 Fruchtblätter pro Blüte; blüht April/Mai

Früchte: rote, rund bis ellipsoid / zylindrische Apfelfrucht; mehlig; meist am Ende noch Kelchreste sichtbar; ab ca. September reif
Eingriffeliger-: mit einem Steinkern, 0.5 bis 1cm lang
Zweigriffeliger-: mit 2-3 Steinkernen, 0.5 bis 1.5 cm lang
Zeigerwerte: mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit wechselnd)
Eingriffeliger-: hell, neutral bis basisch
Zweigriffeliger-: halbschattig, sauer bis neutral
typische Standorte: Waldränder, Hecken, Waldlichtungen
Fotos


Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide, Ätherische Öle (Blüten)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (herb > mehr dazu): junge Blätter im Salat; ältere Blätter können auch noch für Tee oder Streckmehl verwendet werden
Blüten (eigen > mehr dazu): Tee, essbare Dekoration
Früchte (fade, mehlig > mehr dazu): roh als Nascherei direkt vor Ort (Kerne ausspucken!), rohe Beigabe im Salat (Kerne entfernen), Mus (am besten zusammen mit Apfelmus), Konfitüre, Chutney, Streckmehl (Mus in den Teig hineinarbeiten), Fruchtkerne geröstet als Kaffee-Ersatz (Kerne sehr hart > sehr starke Mühle verwenden!)

Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Herzinsuffizienz: Der Weissdorn wird als pflanzliches Arzneimittel verwendet bei Herzinsuffizienz des Stadiums I und II, wo seine Wirkung gut durch klinische Studien abgestützt ist. Das Gute dabei: Alles ohne Nebenwirkungen, d.h. solche konnten bisher nicht beobachtet werden. Wirkstoffe sind bestimmte Flavonoide und Procyanidide. Während bei einer Behandlung von Herzinsuffizient mit synthetischen Arzneimitteln meist ein Cocktail an Medikamenten notwendig ist (bedingt durch deren enges Wirkprinzip), profitiert man beim Weissdorn von einem breiten Wirkspektrum. Die Wirkstoffe führen dabei zu einer Erweiterung der Blutgefässe und so zu einer verstärkten Durchblutung des Herzmuskels. Gleichzeitig werden auch die Kontraktionskraft und die Entspannung des Herzmuskels gefördert, resp. letzterer vor Sauerstoffmangel geschützt und auch der Blutdruck wird leicht gesenkt. Da die genannten Wirkstoffe rasch vom Körper ausgeschieden werden und so trotzdem ein gleichmässiger Spiegel im Körper aufrecht erhalten werden muss, sind bei der Einnahme einerseits hohe Dosen notwendig, andererseits muss die Einnahme mehrmals am Tag erfolgen. Ein weiterer Nachteil vom Weissdorn ist, dass die Wirkung im Gegensatz zu den synthetischen Mitteln erst nach mehreren Wochen einsetzt. Verwendet werden die Blätter und Blüten, da sich die Wirkstoffe v.a. darin befinden. In den roten Früchten ist der Wirkstoffgehalt der Flavonoide nur sehr gering (der von Procyaniden jedoch etwas höher). Studien wurden bisher nur an hochdosierten Trockenextrakten (mit einem Ethanol-Methanol als Extraktionsmittel) und mit einer standardisierten Wirkstoffmenge durchgeführt. Als Tagesdosis für die Flavonoide werden 19.8mg, resp. 900 bis 1800mg des Trockenextraktes angegeben und Ergebnisse sind dabei erst ab ca. 6 Wochen zu erwarten. In der Europäischen Pharmakopöe sind mittlerweile nicht nur der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna) und der Zweigriffelige Weissdorn (Crataegus laevigata), sondern auch weitere Weissdorn-Arten als Stammpflanze zugelassen. Bei der Frage ob nicht nur mit den Präparaten, sondern auch durch eine regelmässige Einnahme von Blätter- oder Blütentees eine Wirkung zu erwarten ist, muss aufgrund der in den Studien benötigten hohen Wirkstoff-Dosen ein grosses Fragezeichen gesetzt werden. Tees im Handel dürfen mit dem Hinweis «Behandlung von nervösen Herzbeschwerden» (also Herzklopfen, schneller Puls) beworben werden, aber nur wenn eine ärztliche Behandlung ernsthafte Beschwerden ausgeschlossen hat. Als Teezubereitung wird angeben, dass 1 TL zerkleinerte Blätter/Blüten in 150ml kochend-heissem Wasser für 5 bis 10 min ausgezogen werden. Davon sollen über den Tag verteilt 3 bis 4 Tassen getrunken werden sollen. Die Wirkstoffe (Flavonoide) sind gut wasserlöslich und lassen sich auch noch in einer Tinktur mit mittlerem Alkoholgehalt (ca. 50 Vol%) herauslösen. Im Öl sind sie praktisch unlöslich.
Beschreibung
Sowohl an Waldrändern, als auch in Hecken, sind diese zwei Weissdorn-Arten (auch «Hagedorn» genannt) sehr oft zu finden. Ihre schönen roten Früchte geben im Spätsommer und Herbst der Landschaft einen angenehmen rötlichen Touch. Wegen den Sprossdornen wurden der Weissdorn schon seit je her (wie die Schlehe ) als Heckenpflanze genutzt. Ähnlich wie der Schlehe hat man auch dem Weissdorn nebst der physischen, auch einen spirituellen Schutz zugeschrieben, der vor bösen Geistern, Krankheiten und Flüche schützen soll. Weissdornzweige wurde zu diesem Zweck auf den Haustüren aufgehängt. Da das Holz sehr hart ist, wurde es früher zur Herstellung von Werkzeugteilen verwendet. Auch die etwas faden und mehligen Früchte wurden früher als Notnahrung bei Nahrungsknappheit verwendet, indem u.a. das Getreidemehl damit gestreckt wurde.
Heute in der evidenzbasierten Phytotherapie prominent vertreten, hat der Weissdorn keine grosse Tradition als Heilpflanze. In der Antike und im Mittelalter galt der Weissdorn vor allem als Mittel gegen Durchfälle und zur Stärkung des Magens, wird dabei aber nur selten erwähnt. Es gibt es keine historischen Belege, dass er in Mitteleuropa als Herzmittel verwendet worden wäre. Seine Bedeutung als Herzmittel erlangte er dann erst ab Ende des 19. Jahrhunderts, als der irische Arzt Thomas Green 1894 von positiven Fallbeobachtungen bei Herzbeschwerden berichtete. Grundlage dazu waren nach eigenen Angaben anekdotische Berichte der damaligen irischen Landbevölkerung, die den Weissdorn bei Herzbeschwerden verwendet hätten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten dann erste klinische Studien, die dann ab den 90er Jahren umfangreich angelegt waren.
Die Früchte, welche oft bereits ab Ende August, spätestens aber im September reif sind, haben einen eher faden (nur sehr schwach süsslichen) Geschmack und eine mehlige Konsistenz. Sie enthalten nur wenig Zucker, dafür aber umso mehr Stärke. Das Fruchtfleisch hat einen verhältnismässig hohen Anteil an Pektin. Pektin ist ein Stoff, der in Pflanzen als «Klebstoff» zwischen den Zellen vorkommt. Indem durch den hohen Pektin-Gehalt in Weissdornfrüchten die Zellstruktur bei Kauen weniger stark zerstört werden kann, entsteht ihre mehlig-pulvrige Konsistenz. Beim Verzehr kann das Pektin im Darm auch Wasser binden, was seine frühere Verwendung bei Durchfall erklären könnte.
Der Weissdorn gilt als ökologisch wertvolles Gehölz. Wie bei der Schlehe bieten seine Dornen diversen Vogelarten (u.a. auch dem Neuntöter) und Kleinsäugern (Igel, Mäuse, usw.) Schutz vor Fressfeinden und damit Unterkunft. Diverse Insektenarten sind spezialisiert auf die Weissdorn-Blüten im Frühling / Frühsommer angewiesen. Die Früchte sind vom Herbst bis in den Winter hinein eine wichtige Nahrungsquelle für diverse Vogelarten und auch für kleine Säugetiere (wie z.B. dem Fuchs). Der Eingriffelige- und der Zweigriffelige Weissdorn können sich kreuzen, weshalb man gelegentlich auch mal Hybride vorfindet. In Mitteleuropa kommen noch andere (seltene) Weissdornarten vor, wie z.B. der Grosskelchige Weissdorn (Crataegus rhipidophylla), dessen Blätter spitze Lappen aufweisen, die bis zum Grund gezähnt sind.
mögliche Verwechslungen
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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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